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Griechenland, eine römische Provinz

Jahrhundertelang versammelten sich die Griechen alle drei Jahre in Korinth zu den Isthmischen Spielen, die zu Ehren des Meeresgottes Poseidon abgehalten wurden. Wie in Olympia gab es Wettläufe, Ring- und Boxkämpfe sowie musikalische und dichterische Wettbewerbe. Die Sieger erhielten – wie üblich – einfache Olivenzweige, die als weit kostbarer galten als Silber oder Gold.

Im Jahr 196 v. Chr. waren nicht nur Griechen, sondern auch viele Römer anwesend, die das Fest miterleben wollten. Die Stimmung war besonders fröhlich, denn der Krieg der Zwei Bünde schien beendet und im Land herrschte Frieden.

Mitten während der Feierlichkeiten bestieg der römische Konsul Titus Quinctius Flamininus den Rednerblock und verkündete, das römische Heer habe einen großen Sieg über den makedonischen König errungen – und die griechischen Staaten seien nun „wahrhaft frei“.

Die Menge brach in einen solchen Jubel aus, dass – so erzählt man – ein Vogelschwarm, der über dem Stadion kreiste, vom Lärm betäubt zu Boden stürzte.

Doch diese Freude war nur von kurzer Dauer. Die angebliche Freiheit Griechenlands existierte nur auf dem Papier. Sobald die Römer die Eroberung Makedoniens unter dessen letztem König Perseus abgeschlossen hatten, bereiteten sie auch die Annexion Griechenlands vor.

Ihr erster Schritt war der Vorwurf, die Achäer hätten Makedonien unterstützt. Unter diesem Vorwand verhafteten sie tausend führende Bürger und brachten sie nach Rom, wo sie jahrelang im Exil festgehalten wurden. Sie sehnten sich nach ihrer Heimat und verzweifelten an ihrer Gefangenschaft. Als man ihnen schließlich die Rückkehr erlaubte, waren sie so verbittert, dass sie – wie die Römer vorausgesehen hatten – bald einen Aufstand unter den Achäern anzettelten.

Der makedonische Bezwinger Ämilius Paulus marschierte daraufhin in Griechenland ein und unterwarf das ganze Land. Er nahm Korinth ein, plünderte die Stadt und ließ sie niederbrennen. Viele ihrer kostbarsten Kunstwerke ließ er nach Rom bringen, um seinen Triumphzug zu schmücken.

Die Römer hatten damals jedoch so wenig Verständnis für Kunst, dass der Konsul die Seeleute, die die Schätze transportieren sollten, warnte: Sie müssten jedes beschädigte oder verlorene Stück ersetzen – ein Hinweis darauf, wie wenig sie den Wert dieser Werke erkannten.

Schließlich stationierten die Römer Garnisonen in den wichtigsten Städten Griechenlands, und das Land wurde unter dem Namen Achaia zu einer römischen Provinz.

Damit endet die Geschichte des antiken Griechenlands – eines kleinen Landes, das dennoch das berühmteste der Welt wurde. Von hier lernten spätere Nationen ihre wichtigsten Lektionen in Kunst, Philosophie und Literatur.