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Milo von Kroton

Unter den Athleten, deren Statuen in Olympia zu sehen waren, befand sich auch Milo aus Kroton, einer der griechischen Kolonien in Italien. Er war berühmt für seine außergewöhnliche körperliche Kraft und seine Fähigkeit, enorme Lasten zu tragen. Um seine Muskeln zu entwickeln, trainierte er schon seit seiner Kindheit systematisch und steigerte seine Übungen so lange, bis er schwerere Lasten heben konnte als jeder andere Mann seiner Zeit.

Man erzählt sich, dass er mit großer Konsequenz täglich ein junges Kalb trug und die Strecke nach und nach verlängerte. Während das Kalb wuchs, wuchs auch Milos Kraft – bis er das inzwischen ausgewachsene Tier mühelos tragen konnte.

Um seinen Gefährten seine Stärke zu zeigen, soll Milo einmal einen Ochsen mehrere Meilen weit getragen haben. Als er danach Hunger verspürte, tötete er das Tier mit einem einzigen Faustschlag, bereitete es zu und verzehrte es in einer einzigen Mahlzeit. Ein anderes Mal saß er mit einigen Gefährten in einem baufälligen Haus, als er bemerkte, dass das Dach einzustürzen drohte. Mit ausgestreckten Armen und gespreizten Händen stützte er die Konstruktion und hielt sie so lange fest, bis alle seine Gefährten sicher ins Freie gelangen konnten.

Seine Hände waren so kräftig, dass er sogar mit einer einzigen Hand einen von vier Pferden gezogenen Streitwagen festhalten konnte, ohne dass dieser sich bewegen ließ – bis er losließ. Trotz oder gerade wegen dieser außergewöhnlichen Stärke war Milo sehr stolz auf seine Kraft, die ihm schließlich zum Verhängnis wurde.

Als er alt geworden war, wanderte Milo allein durch einen Wald, in dem Holzfäller gearbeitet hatten. Die Männer waren fortgegangen und hatten ihre Keile in einem besonders dicken Baumstamm zurückgelassen.

Milo erinnerte sich an seine frühere Stärke, betrachtete den Baum einen Moment lang und steckte dann, überzeugt davon, ihn leicht auseinanderbrechen zu können, seine Hände in den Spalt. Beim ersten Versuch gab der Stamm leicht nach, und die Keile fielen heraus. Doch anstatt sich weiter zu öffnen, schlossen sich die beiden Hälften plötzlich wieder, und Milo wurde mit den Händen fest eingeklemmt.

Vergeblich versuchte er sich zu befreien, vergeblich rief er um Hilfe. Er konnte weder entkommen noch jemanden auf sich aufmerksam machen. Die Nacht brach herein, und bald kamen die wilden Tiere des Waldes aus ihren Verstecken.

Sie fanden den gefangenen Athleten und fielen über ihn her. So fand Milo, trotz seiner berühmten Stärke, auf tragische Weise seinen Tod.