Der Sieg bei Marathon bedeutete einen gewaltigen Triumph für die Athener. Miltiades, der das Heer mit Entschlossenheit und Geschick geführt hatte, wurde gefeiert und mit höchsten Ehren bedacht.
Sein Porträt ließ man von einem der bedeutendsten Künstler seiner Zeit anfertigen und stellte es gut sichtbar in einer der Säulenhallen Athens auf.
Auf seinen Wunsch hin wurde ein großer Teil der Beute den Göttern geweiht. Die Griechen waren überzeugt, ihren Sieg vor allem der Gunst der Götter zu verdanken. Deshalb schmolzen sie die
bronzenen Waffen und Schilde der gefallenen Perser ein und schufen daraus eine gewaltige Statue der Göttin Athene. Auf der Akropolis errichtet, stand sie auf einem so hohen Sockel, dass die
Spitze ihrer Lanze weit hinaus auf das Meer glänzte, sobald die Sonne sie traf.
Die Athener feierten ihren Erfolg ausgelassen – mit Gesang und Tanz, mit Theateraufführungen und Kunstwerken. Der Triumph erschien umso größer, als sie nur einhundertneunzig Männer verloren
hatten, während die Perser zehntausend Gefallene zu beklagen hatten.
Eines der bedeutendsten Kunstwerke jener Zeit entstand aus einem kostbaren Marmorblock, den Darius einst aus Persien hatte heranschaffen lassen. Er hatte vorgehabt, daraus ein Denkmal seines
Sieges über die Griechen zu errichten. Doch das Schicksal entschied anders: Der Bildhauer Phidias formte daraus eine Statue der Nemesis, der Göttin der Vergeltung – ein Sinnbild dafür, dass
Hochmut und Überheblichkeit unweigerlich bestraft werden.
Nach seinem Sieg war Miltiades zum Idol der Athener geworden. Doch ihre Bewunderung erwies sich als wechselhaft. Je höher sein Ansehen stieg, desto mehr Neid regte sich unter seinen
Mitbürgern.
Besonders Themistokles blickte mit wachsender Eifersucht auf die Ehrungen, die Miltiades zuteilwurden. Freunde bemerkten bald seine düstere Stimmung. Als sie ihn darauf ansprachen, gestand er,
dass ihn die Trophäen des Miltiades um den Schlaf brächten. Später, als er glaubte zu erkennen, dass Miltiades seine Macht zu weit ausdehnte, äußerte er seinen Unmut offen.
Nicht weit von Athen, in der Ägäis, lag die Insel Paros. Zwischen ihren Bewohnern und Miltiades bestanden alte Feindschaften. Als Oberbefehlshaber der Flotte nutzte er seine Stellung, um einen
Feldzug gegen die Insel zu führen – offenbar mehr aus persönlichen Motiven als im Interesse der Stadt.
Die Unternehmung endete jedoch erfolglos. Nach seiner Rückkehr nach Athen erhoben Themistokles und empörte Bürger schwere Vorwürfe gegen ihn. Sie beschuldigten ihn des Machtmissbrauchs, stellten
ihn vor Gericht und erreichten schließlich seine Verurteilung.
Nur die Erinnerung an seine Verdienste – insbesondere an den Sieg von Marathon – bewahrte ihn vor dem Todesurteil. Stattdessen wurde er zu einer hohen Geldstrafe verurteilt und so lange in Haft
gehalten, bis diese bezahlt sei.
Da Miltiades nicht über die nötigen Mittel verfügte, blieb er im Gefängnis – und starb schließlich dort. Sein Sohn Kimon wollte den Leichnam seines Vaters in Ehren bestatten, doch die Richter
verweigerten dies, solange die Schulden nicht beglichen waren.
So blieb Kimon nichts anderes übrig, als Hilfe bei Freunden zu suchen. Erst nachdem sie ihm das Geld geliehen hatten, konnte er die Freigabe des Leichnams erreichen. Miltiades, einst gefeiert wie
ein Held, wurde schließlich still und ohne großen Aufwand begraben. Die Athener, die ihn einst verehrt hatten, schienen seine Verdienste vergessen zu haben – und erinnerten sich nur noch an seine
Fehler.
