· 

Philip beginnt seine Eroberungen

Wie wir bereits gesehen haben, scheute Philipp nicht davor zurück, eigene Fehler einzugestehen und sich zu bessern, wenn er im Unrecht war. Er war zudem geduldig und nachsichtig. So hörte er eines Tages, ein Mann namens Nikanor rede ständig schlecht über ihn.

Philipp ließ ihn daraufhin zu sich bringen. Nikanor erschien zitternd vor Angst, überzeugt, der König werde ihn bestrafen oder gar töten. Doch Philipp empfing ihn freundlich, setzte ihn an seine Tafel und entließ ihn erst, nachdem er ihm kostbare Geschenke gemacht hatte. Da der König ihm keinerlei Vorwürfe machte, war Nikanor völlig verblüfft – und schwor, nie wieder ein schlechtes Wort über einen so großzügigen Herrscher zu verlieren.

Nachdem Philipp seine Macht im eigenen Land gefestigt, sein Heer ausgebildet und große Goldvorräte angehäuft hatte, begann er, seine ehrgeizigen Pläne umzusetzen. Zunächst wollte er einige seiner widerspenstigen Nachbarn unterwerfen, darunter die Thraker und die Olynthier.

Kurz vor Beginn des Feldzugs erschien ein Bogenschütze namens Aster bei ihm. Er prahlte mit seiner Treffsicherheit und bot dem König seine Dienste an. Philipp jedoch, der fast ausschließlich auf Speere setzte, wies ihn ab und sagte spöttisch, er werde ihn rufen, wenn er gegen Stare und andere Vögel kämpfen müsse.

Aster war tief beleidigt und lief zu den Feinden über. Als Philipp wenig später die Stadt belagerte, in der Aster stationiert war, ließ der Bogenschütze einen Pfeil anfertigen, auf dessen Schaft er schrieb: „Für Philipps linkes Auge.“

Er stieg auf die Mauer, zielte sorgfältig – und traf tatsächlich das linke Auge des Königs. Als Philipp die Inschrift las, geriet er in Wut und befahl, einen Pfeil zurückzuschießen. Auf diesem stand: „Wenn Philipp die Stadt einnimmt, wird Aster gehängt.“

Die Stadt fiel, und Aster wurde gehängt – denn Philipp hielt solche Versprechen stets ein.

Die Olynthier, die erkannten, dass sie nicht mehr lange standhalten konnten, schickten einen dringenden Hilferuf nach Athen. Der Brief wurde auf dem Marktplatz verlesen, damit jeder Bürger ihn hören konnte. Danach begann die übliche Debatte: Einige wollten helfen, andere nicht.

Unter den Rednern befand sich Demosthenes, einer der scharfsinnigsten Männer Athens. Er durchschaute Philipps Absichten und warnte die Athener eindringlich, alles zu tun, um den Makedonenkönig aufzuhalten und zu verhindern, dass er in Griechenland Fuß fasste. Seine Reden waren so leidenschaftlich, so scharf und so eindringlich gegen Philipp gerichtet, dass man seither jede heftige Anklagerede „Philippische Rede“ nennt – nach jenen berühmten Ansprachen gegen den König von Makedonien.