Mitten in den Vorbereitungen für einen dritten Feldzug gegen Griechenland wurde Darius vom Tod ereilt – und all seine Pläne fanden ein abruptes Ende. Sein Sohn und Nachfolger, Xerxes I., bestieg
den persischen Thron.
Zunächst zeigte der neue Großkönig wenig Neigung, den Krieg fortzusetzen. Doch seine Höflinge und die griechischen Verbannten an seinem Hof bedrängten ihn so lange, bis er schließlich nachgab. Im
ganzen Reich ergingen Befehle zur Vorbereitung eines neuen Feldzuges, und Xerxes kündigte an, das Heer persönlich anzuführen.
Acht Jahre lang wurde in ganz Asien unermüdlich gerüstet: Soldaten wurden ausgebildet, Waffen gefertigt, Vorräte angelegt und Straßen gebaut. Gleichzeitig lag eine gewaltige Flotte bereit. Als
schließlich alles nahezu vorbereitet war, hatten sich die Nachrichten über diese beispiellosen Anstrengungen längst bis nach Griechenland verbreitet.
Dort lösten sie große Unruhe aus. Angst und Sorge griffen um sich, denn das herannahende Heer übertraf alles, was die Griechen bisher gesehen hatten. Es war weit größer als jenes, das einst bei
Marathon geschlagen worden war – und kaum jemand wagte zu hoffen, dass sich ein solcher Sieg wiederholen ließe.
Auch die Spartaner wurden von diesen Nachrichten beunruhigt. Sie erinnerten sich an die Tötung der persischen Gesandten und fürchteten die Rache des Großkönigs. Um seinen Zorn zu besänftigen,
fassten zwei junge Männer, Bulis und Sperthias, einen außergewöhnlichen Entschluss: Sie wollten ihr eigenes Leben als Sühne anbieten.
So machten sie sich auf den Weg nach Persien. Nachdem sie die Erlaubnis erhalten hatten, den königlichen Palast zu betreten, wurden sie vor Xerxes geführt. Die Höflinge forderten sie auf, sich
vor dem König niederzuwerfen, wie es der Hofzeremoniell verlangte. Doch die beiden weigerten sich standhaft. Eine solche Ehrerbietung, erklärten sie, gebühre allein ihren Göttern – nicht einem
Menschen.
Zur Überraschung aller nahm Xerxes ihnen diese Weigerung nicht übel. Stattdessen forderte er sie ruhig auf, ihr Anliegen vorzutragen.
Einer der beiden trat vor und sprach:
„König von Persien, unser Volk hat einst die Gesandten deines Vaters getötet. Wir wissen, dass dies Unrecht war. Du willst nun unser Land heimsuchen, um Rache zu nehmen. Doch halte inne: Wir sind
hierher gekommen, um für jene Männer zu sterben. Nimm unser Leben an ihrer Stelle – und vollziehe so deine Vergeltung.“
Xerxes hörte ihnen aufmerksam zu und war beeindruckt von ihrem Mut und ihrer Haltung. Anstatt ihr Opfer anzunehmen, ließ er ihnen Gnade widerfahren. Er beschenkte sie reich und schickte sie
unversehrt in ihre Heimat zurück. Dabei erklärte er, er wolle keine Unschuldigen bestrafen – und zeigte sich damit, wie er selbst sagte, gerechter als die Spartaner.
Doch seine Nachsicht bedeutete keineswegs, dass er von seinem Vorhaben abließ. Wenige Monate später waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Xerxes zog mit einem Heer in den Krieg, dessen Größe
selbst Zeitgenossen in Staunen versetzte: Man sprach von über zwei Millionen kampffähigen Männern. Rechnet man die zahlreichen Diener, Sklaven und Begleiter hinzu, berichteten manche antiken
Historiker sogar von insgesamt zehn Millionen Menschen, die sich mit diesem gewaltigen Zug in Bewegung setzten.
