Funde
Sowie die Völker diesseits der Alpen sich die Eisentechnik vom Süden her angeeignet hatten, entstand eine von den früheren, hauptsächlich zum Stoß verwendeten Bronzeschwertern völlig verschiedene Waffe: das zweischneidige Langschwert aus Eisen, die Spatha. Dieses frühe Langschwert, dessen Maßverhältnisse sehr groß waren, kennen wir aus den Funden der Hallstattperiode; die Spatha der Völkerwanderungszeit ist jedoch nicht direkt aus diesem hallstättischen Schwerttypus, sondern aus dem späteren Latène-Schwert entstanden. Letztere Schwertform zeigt nicht mehr die ungefüge Größe des Hallstattschwertes; sie ist eleganter und eignet sich nicht nur ausschließlich zum Hieb, sondern auch zum Stoß.
An diese Art schloss sich in spätrömischer Zeit das Langschwert an, welches zuerst die Auxiliaren und dann später auch die Legionäre anstelle des alten Gladius führten.
Von den Spätrömern übernahmen es die Germanen der Völkerwanderungsperiode, gaben ihm aber größere Verhältnisse als die Römer.
Dass die Spatha der Völkerwanderungszeit aus dem römischen Langschwert hervorgegangen ist, beweist die große Zahl der Funde in den Rheinlanden, wo sich die römische Kultur am längsten erhalten konnte und die Eisenindustrie und ihre Technik auf die Germanen vererbte.
Im Osten und Westen findet sich dieses Langschwert seltener.
Der kurze römische Gladius fand bei den Germanen keinen Anklang; sie hatten keine Vorliebe für Stichwaffen, sondern für große und schwere Schwerter. Deshalb erlangte das Langschwert im Mittelalter eine so große Bedeutung bei den Deutschen und galt als die wichtigste und vornehmste Waffe. Das Schwert zerfällt in folgende Teile: Klinge und Griff, Scheide und Schwertfessel.
Die Klinge, beinahe immer zweischneidig, geht oben in die Griffangel über. Ihr Ende heißt Ort (d. h. der Punkt, wo zwei Linien zusammentreffen, in unserem Falle die Schneiden).
Der Griff wird von der Klinge durch die Parierstange, in der Frühzeit durch die Parierplatte oder Leiste, getrennt; auf diese wird über die Griffangel der Handgriff, die Hilze, aufgesetzt und das Ganze durch den Knauf, früher nur Knaufplatte, abgeschlossen. Dieser besteht aus der Barre und dem Knaufaufsatz bis zur romanischen Periode, wo der Knauf ein Stück bildet.
Die Scheide wird zusammengehalten, oben durch das Mundstück, unten durch das Ortband. Mittels der Schwertfessel wird das Schwert befestigt.
Treten wir im Weiteren auf die Entwicklung des Schwertes ein.
Die Spatha hat sich Schritt für Schritt Geltung verschafft und den Funden nach nicht bei allen deutschen Völkerschaften im gleichen Maße. Von West nach Ost bis zum Rhein ist sie am verbreitetsten. Lindenschmit berichtet ausführlich über die Funde der Merowingerzeit (Handbuch der deutschen Altertümer, S. 219 ff.); ich kann mich daher kürzer fassen. Die Spatha der Merowingerzeit besitzt eine Länge zwischen 73 cm (Worms) bis 96 cm (Kostheim). Die Schneiden der Klinge laufen parallel, am Ort dann rundlich, stumpf oder zugespitzt. Die Klinge, ziemlich flach, weist meist eine breite, ebenfalls flache Hohlkehle zwischen den Schneiden auf.
Von 26 von mir gemessenen Spathen der Merowingerzeit im Paulusmuseum Worms beträgt die Durchschnittslänge 84 cm; das kürzeste Stück misst 73 cm, das längste 91 cm, die Klingenbreite 4,5 – 6,5 cm. Acht Spathen im Schweizerischen Landesmuseum Zürich ergeben eine Durchschnittslänge von 87 cm, die Breite ist 4,5 – 6 cm. Die burgundischen und alamannischen Schwerter sind demnach etwas größer als die fränkischen; später verliert sich dieser Unterschied.
Der Griff wird verschieden an der Angel befestigt. Zwischen dem Griff und der Klinge ist meist eine schmale ovale Eisenplatte angebracht, die zwei Löcher zur Befestigung für den Griff aufweist, an den sie mittels Stiften angemacht wurde.
Diese Eisenplatte von ca. 5 mm Dicke und 8 – 10 mm Breite bildete den Abschluss des Griffs gegen die Klinge, über die sie nur wenig hinausragt; sie diente dazu, dem Griff Halt zu geben und die Hand gegen längs der Klinge hinabgleitende Hiebe zu schützen. Aus dieser merowingischen Parierplatte entwickelte sich die kurze, dicke, eiserne Parierstange der Karolingerzeit und die des mittelalterlichen Schwertes überhaupt. Das Ende der Griffangel oben bei gewöhnlichen Spathen ist nach Hineinschieben oder sonstiger Befestigung des Holz-, Bein- oder Horngriffs umgeschlagen und auf einer kleinen ovalen Eisenplatte angenietet. Durch diese beiden Platten wird die Hilze festgeklemmt und kann nicht herausrutschen.
Kostbare Schwerter erhielten am Griffabschluss sowohl bei der Klinge als auch am Angelende oben je zwei solche ovalen Eisenplatten, deren Zwischenraum, die Leiste, mit Holz oder Bein ausgefüllt war und durch lange Nägel mit mehr oder weniger großen Köpfen zusammengehalten wurde; auf dieser Leiste konnte man Zierate anbringen.
Wie die Parierstange aus der Platte, so entstand auch der Schwertknauf aus der Verstärkung und Vergrößerung dieser Eisenblechplatten; das Angelende wurde nicht mehr bloß umgeschlagen, sondern ein Knauf daran festgeschmiedet. Dieser entwickelte sich dann aus kleinen Anfängen bis zum großen mittelalterlichen Schwertknauf.
In der Merowingerzeit kommen sowohl eiserne als auch bronzene kleine Knäufe vor, die manchmal mit Gravierung oder Tauschierung verziert waren, in Band- oder Flechtwerkornamentik. Diese Knäufe haben verschiedene Formen, die abgeplattete Dreieckform überwiegt. Auf dem Knauf oder auf der Leiste waren oft die Namen der Besitzer der Waffe in Runenschrift angegeben (Lindenschmit Alt. S. 228 Fig. 141); auch die Schriftquellen erwähnen diesen Brauch, wie wir später erfahren werden.
Der Griff der Spatha war aus Holz, Bein oder Horn gefertigt. Bei schöner ausgestatteten Waffen hingegen wählte man kostbareres Material. Der Griff wurde mit Goldblech überzogen oder mit Golddraht umwunden, die Leiste erhielt Edelsteine und Gold als Schmuck. Die schönsten uns noch gebliebenen Waffen dieser Art sind: das Schwert Childerichs im Louvre, die Spatha von Gültlingen (Museum Stuttgart), die von Flonheim (Paulusmuseum Worms), die Reste des Fundes von Pouan bei Arcis-sur-Aube, ferner bei Ulm, Esslingen, Oos. Die zum Schmuck und Einlegen verwendeten Steine sind Almandine oder Granaten, in Gold gefasst, meist zellenartig. Die Hilze und die Parierleiste sowie die Leiste am Knauf sind mit Goldblech überzogen.
Bei diesen prunkhaften Fürstenwaffen wurde das Scheidenmundstück und das Ortband ebenso reich wie der Griff verziert, desgleichen die Halter zum Durchziehen des Schwertriemens auf der Scheide. Diese selbst bestand aus Holz mit Lederüberzug, Metallbeschlag und Einfassung; halbmondförmige und kreisrunde Verzierungen oder Metallnägelköpfe kommen darauf vor. Das Mundstück aus Eisen oder Bronze wurde vergoldet oder versilbert, quer gerippt aus einem Stück oder durchbrochen, tauschiert oder mit Almandinen besetzt. Die Hauptfundorte sind Erbenheim (Museum Wiesbaden), Karlsruhe, Brightampton, Pouan, Tournai etc.
Das Ortband ist oft nur ein Bügel, aus einer übergreifenden Hohlleiste gebildet, meist abgerundet; auch wird der Bügel durch Zierplatten ausgefüllt oder mit eingelegten Steinen oder Schmelzwerk verziert (vgl. Lindenschmit Alt. S. 230 ff.). Alle diese Verzierungen der Spatha sind aber nur in Gräbern von vornehmen und hochgestellten Kriegern zu finden; die gewöhnliche unverzierte Spatha überwiegt in den Funden. Der Knauf oder die Parierplatte fehlen häufig, ebenso die Scheidenbestandteile; Holzscheiden sind uns nur wenige erhalten geblieben.
Die gewöhnlichen Spathen haben beinahe alle die gleiche Gestalt. Ihr häufiges Vorkommen in den Rheinlanden weist, neben der Übereinstimmung der Form, schon zur merowingischen Periode auf eine gut eingerichtete Waffenfabrikation hin. Je mehr die verstärkte Schutzrüstung fortschritt, umso mehr war ein Bedürfnis nach guten Schwertern vorhanden.
Bevor wir zu den karolingischen Schwertern übergehen, wollen wir die Kennzeichen der früheren Spatha kurz rekapitulieren.
Wenn die Parierplatte am Knauf und an der Klinge schmal und dünn, der Knauf ganz klein ist, so haben wir ein altes Schwert vor uns; werden aber diese Teile dicker, stärker ausgebildet, so gehört die Waffe in das Ende der Merowingerzeit. Dieses Stärkerwerden des Schwertes wurde jedoch bedingt durch die vervollkommneten Schutzwaffen – hauptsächlich, außer Schild und Helm, durch die Brünne. Das Schwert musste erfolgreich Helme spalten, Panzerringe zerhauen, Schilde zerschroten können; da reichte nur ein starkes Schwert aus.
So wurde allmählich die Schwertform geändert, um der Waffe für den Hieb mehr Wucht zu verleihen, denn der Hieb bildete die beliebteste Fechtart des Frühmittelalters; die meisten Klingen sind daher am Ort abgerundet.
Eine große Zahl Klingen zeigt ferner Damaszierung. Es sei mir gestattet, an dieser Stelle etwas näher auf die nach Art der sogenannten Damaszenerklingen geschmiedeten Schwerter einzugehen.
Der Damast der Klinge wird durch Verschweißung härterer und weicherer Eisenbestandteile hervorgebracht. Ein gutes Schwert muss nicht nur stark, sondern auch elastisch und biegsam sein, um beim stärksten Hieb wieder in seine ursprüngliche Lage zurückschnellen zu können, ohne zu brechen. Durch Zusammenschweißen von Stahl und Eisen konnte der Waffenschmied dies erreichen; auch härtere und weichere Stahlsorten lieferten das gleiche Resultat. Dabei entsteht auf der Klinge eine verschieden gemusterte Textur, je nach dem Verfahren beim Schweißen.
Den Grund der Entstehung dieses Verfahrens schildert Lenz, „Über Damast“ (Zeitschrift für historische Waffenkunde, Bd. IV, Heft 5): „Das minderwertige Material an Sumpf- und Wiesenerz, in kleinen niedrigen Öfen verarbeitet, ergab nur mit Schlacke vermischte Luppen (Luppen sind die beim Einfrischen in Herden und Puddelöfen erhaltenen Eisenklumpen) von ungleichmäßigem Kohlenstoffgehalt, und aus diesen mussten nach dem Ausschmieden die passendsten ausgesucht und für die Schneiden zusammengeschweißt werden, während die weicheren Stücke für Kern oder Rücken der Klinge Verwendung fanden.“
Der Damast dient also nicht etwa bloß zur äußerlichen Zierde der Klinge, sondern er durchdringt sie völlig.
In Europa findet sich der Damast schon bei den Römern. Die Waffenfunde aus der Kaiserzeit im Nydam-Moor weisen meist damaszierte Klingen auf (Museum Kiel, R. G. C. M. Bd. III, Heft II, Tafel II).
Die Heimat dieser Technik scheint der Orient, Indien, gewesen zu sein; wann aber diese damaszierten Schwerter zu den Römern kamen, erfahren wir nicht. Von diesen vererbte sich die Kunst, damaszierte oder wurmbunte Klingen zu schmieden, auf die Germanen. Die frühen Schriftquellen bezeichnen als besonders tüchtig im Waffenschmieden die Warnen und Langobarden (Cassiodor Variae V, Ep. 1; Paulus Diaconus Historia Langobardorum I 27). Auch in fränkischen, überhaupt in den Gräbern der Merowingerzeit, wurden solche wurmbunten Schwerter gefunden (Museen von Worms, Mainz, Wiesbaden, Zürich). Bei der Behandlung der Schriftquellen werden wir erfahren, dass Schwerter mit wurmbunter Klinge hier und da erwähnt werden.
Bis ins 11. Jahrhundert treffen wir diese Spatha-Art, bei den karolingischen und dann bei den von ihnen abhängigen Wikingerschwertern, z. B. die Ulfbert- und Ingelred-Schwerter.
Die Struktur des Damasts ist oft grob und roh, oft aber auch sehr fein und regelmäßig; da die weicheren Eisenteile meist durch den Rost verschwunden bzw. zurückgetreten sind, können wir die Art der Damaszierung gut erkennen. Aber nicht nur auf Schwertklingen, sondern sogar auf Speereisen aus Damast stoßen wir (Rygh N. O. Fig. 522; Lorange Yng. Jern. Taf. VII).
Im 12. Jahrhundert scheint die Erzeugung der wurmbunten Klingen im Abendland aufgehört zu haben. Durch den Einfluss der Kreuzzüge wird die Einfuhr aus dem Orient an ihre Stelle getreten sein.
Allgemein wurden diese wurmbunten Spathen aber weder zur Merowinger- noch zur Karolingerzeit geführt; dazu war die Herstellung zu kostspielig und schwierig. Solche ausgezeichneten Schwerter konnte sich nur ein vornehmer Krieger anschaffen. Diese Stücke wurden hochgehalten und selten als Grabbeigaben mitgegeben, sondern durch Generationen vererbt – man vergleiche Beowulf: „Erbschwerter“. Solche Schwerter blieben lange im Gebrauch. Das Schweizerische Landesmuseum besitzt eine wurmbunte, ganz vorzüglich erhaltene Spathaklinge, die im Rhein bei Basel gefunden wurde, und zwar mit einem Griff eines Landsknechtschwertes mit Eselhuf-Parierstange aus dem 16. Jahrhundert. Der Griff ist aber viel zu leicht im Verhältnis zu der schweren Alamannenklinge. Die Waffe ist in dieser Montierung, wie sie gefunden wurde, nicht zu führen. Immerhin zeigt diese Spatha, dass sie lange aufbewahrt worden war, vielleicht nur zu Dekorationszwecken.
Aus der Lanze der Merowingerzeit entstand die karolingische Flügellanze; ebenso verhält es sich auch mit der merowingischen Spatha, die sich hauptsächlich am Griff verändert, schwerer und wuchtiger wird, um den gesteigerten Anforderungen zu genügen, die durch das Aufkommen einer besseren Schutzbewaffnung bedingt wurden.
Aus der Grundgestalt der Karolingerspatha entwickelt sich im Verlauf der Zeit das romanische Schwert und das Ritterschwert.
Der Hauptunterschied zur früheren Spatha zeigt sich zur Zeit des karolingischen Reiches vor allem darin, dass die oberen und unteren eisernen Parier- und Knaufplatten sich zu einer starken, soliden, geraden Parierstange – anfangs noch kurz – auswachsen, deren Breite und Dicke etwa 2 cm beträgt. Die ovale, dünne Parierplatte verschwindet. Ganz analog wächst auch die am Knauf befindliche, etwas kleinere Platte zu einer Eisenbarre an, allerdings nicht so lang wie die Parierstange, aber von gleicher Dicke und analoger Gestalt. Auf diese Eisenbarre, an der Angel oben, wird dann der eigentliche Knauf, der ebenfalls bedeutend größer wird, angeschmiedet, nachdem die Holzhilze vorher über die Angel geschoben oder sonst wie befestigt worden war. Die Hilze konnte ferner aus zwei Holzteilen oder aus Bein, Horn etc. bestehen, welche dann mit Sehnen, Schnüren oder Metalldraht umwunden wurden.
Auch die Klingenlänge vergrößert sich gegenüber früher bis auf 95, sogar 100 cm (Schwert aus dem Rhein bei Speyer, Museum Mainz). Zudem verjüngt sich die Klinge allmählich nach dem Ort zu stärker, obwohl noch Spathen vorkommen, die sich – wie die älteren – erst ganz nahe beim Ort verjüngen.
In der überwiegenden Mehrzahl ist der Ort der Klinge stumpf, abgerundet, seltener spitz, ganz wie zur Merowingerzeit. Die meisten dieser Klingen sind mit einer flachen Hohlkehle zwischen den Schneiden ausgestattet, viele sind wurmbunt.
Die Verlängerung der Spathaklinge in der karolingischen Epoche war bedingt durch die größeren Anforderungen, die man an die Leistungsfähigkeit des Schwertes stellen musste. Um aber diese lange Klinge mit Geschick und Leichtigkeit führen zu können, musste im Knauf ein Gegengewicht geschaffen werden durch Vergrößerung; dem gleichen Zweck dient auch die Parierstange. Der Knauf verhindert nebenbei das Ausgleiten der Waffe aus der Hand. Je länger in der Folgezeit die Klinge wird, desto kräftiger, schwerer und größer wird der Griff.
Eine solche Waffe wie das karolingische und das romanische Schwert, das nach den gleichen Erfahrungsgrundsätzen konstruiert ist, konnte beinahe nur als Hiebwaffe verwendet werden; deshalb verzichtete man meist auf die Anbringung einer Spitze zum Stoß. Miniaturen und Schriftquellen deuten, wie wir später erfahren werden, auf den überwiegenden Gebrauch des Schwertes zum Hieb; zum Stich kam eben vorher die Lanze daran, erst zum Entscheidungskampf das Schwert. Dieses wird in der Karolingerzeit zur Hauptwaffe – jeder Krieger musste es besitzen – und so verschaffte er sich, je nach seinem Rang und Vermögen, eine einfache oder eine verzierte Spatha. Unsere Funde zeigen die schmucklosesten wie die prunkvollsten Schwerter, ebenso die Miniaturen und die Schriftquellen.
Nachdem wir den Unterschied der Merowinger- und Karolingerspatha gekennzeichnet haben, wollen wir zur Entwicklung der letzteren bis zur romanischen Epoche übergehen, indem wir das Schwert in seinen einzelnen Teilen – Griff, Klinge, Scheide – beschreiben.
Karolingische Schwerter, die vollständig (d. h. oft fehlt der Holzgriff und meist die Scheide) erhalten sind, besitzen wir in ansehnlicher Zahl; mir sind über hundert Stücke begegnet. Ihre Proportionen weichen nicht viel voneinander ab.
Die Durchschnittsmaße von 32 deutschen, meist rheinischen Spathen betragen nach meinen Messungen: Klingenlänge 94 cm, Klingenbreite an der Angel 5,5 cm, Parierstange 10 cm lang, 2 cm hoch auf den der Klingenfläche parallelen Seiten, 2 cm breit auf dem Rücken der Parierstange. Die Höhe des Knaufs 4 cm, die Länge parallel zur Parierstange 8 cm.
Der Ort ist meist stumpf abgerundet, selten spitz. Bei vielen Spathen, meist bei reich verzierten, treffen wir eine wurmbunte Klinge; auch Klingeninschriften sind zu finden (vgl. Näheres bei R. Wegeli, Inschriften auf mittelalterlichen Schwertklingen, Zeitschrift für historische Waffenkunde Bd. III, Heft 7 ff.).
Die schönsten und besterhaltenen karolingischen Schwerter finden wir in den folgenden Museen aufbewahrt oder durch Abbildungen zugänglich gemacht. Ich führe sie an nach Fundort, Aufbewahrungsort und Abbildung, soweit sie publiziert sind.
La Lance, Schweizerisches Landesmuseum Zürich.
„ „ in Privatbesitz Genf.
Straßburg, Sammlung Forrer, Forrer, Schwerter etc. Fig. 62.
Bretzenheim, Museum Mainz, Westdeutsche Zeitschrift Bd. 17, Taf. 9, 14.
5 Stück aus dem Rhein bei Mainz, Museum Mainz.
Kommersheim, Museum Mainz.
Rhein bei Nierstein, Museum Mainz, R. G. C. M. Bd. IV, Taf. 60.
Rhein bei Weisenau, Museum Mainz.
Mommenheim, Museum Mainz.
Rhein bei Speyer, Museum Mainz, R. G. C. M. Bd. III, Heft 9, Taf. 4.
Suffelweiersheim, dito.
Rhein bei Mainz, Museum Worms.
Andernach, Sammlung Zschille 197.
Nierstein, Museum Mainz, R. G. C. M. Bd. IV, Taf. 60.
2 Buxtehude, R. G. C. M. Bd. IV, Taf. 60.
III bei Straßburg, Sammlung Zschille 199.
Essen, Museum Bonn.
Mehldorf, Museum Mehldorf.
Aus der Lahn, Museum Wiesbaden.
Krondorf, Museum Regensburg.
Blatnicza, Museum Pest, Hampel, Ungarische Altertümer III, Taf. 322, I 191.
Knin, Museum Knin, Zeitschrift für historische Waffenkunde IV, Heft 4.
Sonderburg, Museum Kiel.
Nordische Funde bei Montelius, Kulturgeschichte Schwedens; Lorange, Yngre Jernalderens Sværd; Rygh, Norske Oldsager; ferner Hampel, Ungarische Altertümer.
Die Fundstellen der karolingischen Spatha dehnen sich aus, soweit der karolingische Kulturkreis reichte. Im ganzen fränkischen Reich und in den Grenzländern an weit voneinander entfernten Orten trifft man die gleichen Schwertformen an – und das in einer Anzahl, dass man auf eine Fabrikation im großen Stil schließen muss. Die Maßverhältnisse stimmen überein, die Parierstange ist überall gleich lang, der Knauf wechselt zwar in seinen Verhältnissen und Formen, aber diese sind wiederum an entgegengesetzten Orten gleich. Die Klingenlänge variiert höchstens um ein paar Zentimeter, das Konstruktionsprinzip – Griff als Gegengewicht zur Klinge – ist immer dasselbe. Die Grifflänge bleibt unverändert.
Wie schon in der Merowingerzeit, so blühte ebenfalls in der karolingischen Epoche in den Rheinlanden – dieser uralten Verkehrsstraße – die Waffenschmiedekunst. Die Zeit Karls des Großen brachte der Eisenindustrie durch die vielen Kriege und durch die Einführung einer besseren Bewaffnung großen Aufschwung. Die antike römische Tradition hatte sich in den Rheinlanden erhalten und sogar noch weiter ausgebildet. Die schönsten karolingischen Schwerter stammen aus den Rheinlanden. Wo der Hauptsitz dieser Eisenindustrie war, wissen wir nicht – vielleicht in Mainz, im Jahre 1000 sicher in Köln. Daneben wurde der Eisensteinbergbau betrieben in der Steiermark, in Kärnten, Tirol, Böhmen, im Berner Jura, in der Rheinpfalz, am Rhein und in Belgien. Eisenschmelzen sind nachweisbar im Weiltal, in der Gegend von Worms, von Wetzlar, Amt Weilburg, im Odenwald, Amt Birstein, Aachen, Schmalkalden, Meißen, Amberg, Oberschlesien etc. Ich verweise hier auf Lud. Beck, Geschichte des Eisens I, S. 730 ff.
Von Karl dem Großen wissen wir, dass er die Eisenherstellung förderte – er brauchte eben gutes Eisen für die Bewaffnung seiner Krieger. Er erließ sogar Ausfuhrverbote des Eisens aus seinem Reich, welche wir bei der Behandlung der Schriftquellen kennenlernen werden.
Die Eisenbereitung in jener Zeit war sehr schwierig und kostspielig. Die Herstellung einer guten, federkräftigen Klinge erforderte große Gewandtheit und Kunst des Waffenschmieds, der die ganze mühevolle Arbeit ohne alle anderen Hilfsmittel, nur mit Hand und Hammer, mit großer Geduld ausführen musste. Der Stahl war damals nicht käuflich wie heute. Der Schmied musste ihn selbst aussuchen, zubereiten und schmieden. Deshalb waren gute Schwerter in früherer Zeit sehr teuer. Diese handgeschmiedeten Waffen waren aber dann ganz vorzüglich – hart und fest und trotzdem elastisch. An den gut erhaltenen Klingen können wir das jetzt noch konstatieren.
Neben den Rheinlanden blühte die Waffenfabrikation in Noricum, später in Passau und Regensburg. Auch in Oberitalien und in den baskischen Provinzen gab es gute Waffenschmiede.
Im 12. und 13. Jahrhundert werden infolge der Kreuzzüge orientalische Waffen hochgeschätzt und beeinflussen die heimische Industrie.
Wir haben also zur Karolingerzeit eine fabrikmäßige Herstellung von Eisenwaffen sicher anzunehmen. Das beweisen der Eisensteinbergbau und die vielen Eisenschmelzen, ferner der Export fränkischer Waffen ins Ausland. Die Ausfuhrverbote Karls des Großen wurden von seinen Nachfolgern nicht mehr durchgeführt. Zur Zeit der Ottonen herrschte ein reges Exportgeschäft in Waffen nach den umliegenden Ländern; Köln war der Haupthandelsplatz am Rhein. Das bedeutendste Ausfuhrgebiet bildete Skandinavien. Bis tief ins 11. Jahrhundert hinein war die nordische Industrie außerstande, Eisen und Stahl in guter Qualität herzustellen, um ein Schwert zu schmieden (Lorange, Yngre Jernalder). Dasselbe gilt für England, das im Frühmittelalter ganz auf den Import von Waffen angewiesen war.
Die Wikingerschwerter stimmen deshalb mit den karolingischen in ihren Maßverhältnissen überein. Sie stammen aus fränkischen Werkstätten und sind Importware. Ähnlich verhält es sich mit den Flügellanzen. Allerdings kann eine große Zahl auch Beutestücke kühner Wikingerfahrten aus dem Frankenreich sein. Wir finden jedoch einige Knäufe bei Wikingerschwertern, die in ihrer phantastischen und überverzierten Form von dem gewöhnlichen Typus der Karolingerspatha und des frühromanischen Schwertes abweichen. Diese Knäufe sind aus Bronze hergestellt – ein Verfahren, das im Reich Karls des Großen und seiner Nachfolger nicht üblich war. Wir müssen daher annehmen, dass ein geschickter einheimischer Waffenschmied im Bronzeguss – die Bronze wurde ja im Norden noch viel länger angewendet – nach angeführten Vorbildern diese Schwertknäufe schuf. Der Guss ließ auch große Freiheit in der Form zu und gestattete mannigfache Verzierungen.
Auch im frühmittelalterlichen Frankreich stoßen wir auf Schwerter, die in Belgien, am Rhein und im übrigen Deutschland hergestellt sind. Eine Eisenindustrie war dort ebenfalls nur spärlich entwickelt. Dasselbe gilt für die karolingischen Schwerter, die in Ungarn und in den slawischen Ländern, z. B. Kroatien, gefunden wurden.
Aus alledem sehen wir, dass die karolingische Spatha und ihre Weiterentwicklungen das ganze Frühmittelalter bis ins 13. Jahrhundert hinein beherrschten und weithin als die besten galten.
Im Nachstehenden werden wir versuchen, ein genaues Bild des karolingischen Schwertes und seiner Weiterentwicklung zu geben.
Die Klinge ist schon früher betrachtet worden, behandeln wir daher den Schwertgriff; er besteht aus Parierstange, Hilze und Knauf.
Die Parierstange ist am Anfang der Angel an die Stelle der Platte oder Leiste der merowingischen Zeit getreten; sie bildet mit der Klinge und dem Griff ein Kreuz. Ihre Breite und Dicke beträgt ca. 2 cm, ihre Länge verändert sich von 8–12 cm. Je kürzer eine Parierstange ist, umso älter ist die Waffe. Vom 11. Jahrhundert an nimmt die Parierstange stetig zu, bis sie im Schwert des 12. und 13. Jahrhunderts ihre größte Länge erreicht – 15–22 cm. Die der Klingenfläche zugekehrte Seite der Parierstange ist bei der Mehrzahl der karolingischen Spathen konvex nach außen gebogen, manchmal mit einer der Länge der Parierstange gleichlaufenden Mittellinie; sie kann aber auch gerade sein. Die Enden der Parierstange sind teils abgerundet, teils eckig. Zur karolingischen Zeit ist die Parierstange gerade, nie nach der Klinge zu eingebogen oder mit schwalbenschwanzartigen oder verdickten Enden. Schwerter mit solchen Abwehrstangen gehören einer jüngeren Epoche an.
Diese feste und starke Stange hatte den Zweck, die Hand zu schützen und Hiebe des Gegners mit Klinge und Griff aufzufangen.
Das Schmuck- und Prunkbedürfnis des karolingischen Zeitalters gab sich aber nicht zufrieden, nur Handhabe und Knauf der Spatha zu verzieren – auch die Parierstange wurde künstlerisch oft verschönt.
Man findet Spathen, deren Abwehrstangen vergoldet oder, seltener, versilbert sind, oder mit Gold, vergoldetem Kupfer, Messing und Silber senkrecht eingelegt. Ferner kommen Tauschierungen oder Plattierungen in Gold vor, ebenso eingelegte Rankenornamentik in Gold oder Silber, teils mit Granaten geschmückt. Auch einfache Silbertauschierungen oder Golddraht-Einlagen kommen vor. Daneben treffen wir oben, wo die Hilze aufsitzt, und unten beim Klingenansatz vergoldete Platten, die manchmal mit durchgehenden Stiften oben und unten befestigt sind; die Nagelköpfe wurden ebenfalls vergoldet. Auch Inschriften finden wir auf der Parierstange (z. B. Schwert von Buxtehude: Benedictus).
Bedeutend reichere und schönere Verzierungen schmücken die nordischen Funde. Oft ist der ganze Griff aus vergoldeter Bronze; Schachbrett-, Kreuz- und Kleeblattverzierungen werden eingegraben oder eingepunzt, vielfach mit Silber ausgefüllt. Band- und Rankenornamente werden zur Tauschierung verwendet; zu Einlagen dienen Granaten. Daneben sieht man massiv vergoldetes Silber mit Tauschierung.
Bei einigen Stücken ist die Parierstange nach der Klinge zu gebogen oder die Enden sind verdickt, was auf jüngere Zeit hinweist.
Auf die Griffangel der Klinge wird nach der Parierstange der Handgriff, die Hilze, aufgesetzt. Diese bestand meist aus vergänglichem Material, und so fehlt dieser Griffteil bei der Mehrzahl der Funde. Die erhaltenen Exemplare genügen jedoch, um uns ein Bild vom Aussehen der Hilze zu geben. Die Mehrzahl ist aus Holz gefertigt, mit Fischhaut, Sehnen oder Metalldraht – meist vergoldet – umwunden. Seltener besteht der Griff aus Holz mit gepresstem Goldblech umschlossen, vielfach hingegen aus gewöhnlichem oder gepresstem Lederüberzug.
Die Griffangel verjüngt sich gegen den Knauf. Am mannigfaltigsten ist dieser geformt – er ließ dem Waffenschmied den weitesten Spielraum zur Gestaltung. Immer aber erfüllt er den Zweck, der Klinge das Gleichgewicht zu halten; er wächst daher mit der Stärke der Klinge. Der Knauf besteht aus Eisen und zerfällt in zwei Teile: Erstens ist am unteren Teil des Knaufs eine Eisenbarre analog der Parierstange vorhanden, von gleicher Form wie diese, nur nicht so lang – etwa 2–3 cm kürzer, also zwischen 7–10 cm für unsere Zeit. Auf diese Barre ist der eigentliche Knauf aufgesetzt und festgeschmiedet; die beiden Teile trennt eine Zierhohlkehle. Der Knauf mit Barre hat eine Höhe von 3,5 bis 5,5 cm.
Wir unterscheiden zwei Hauptgattungen des karolingischen Spathaknaufs: den einfachen Knauf und den mehrfach gegliederten – beide auf der Barre angesetzt.
Der einfache Knauf hat sich direkt aus dem der Merowingerzeit entwickelt. Aus dem kleinen Knauf der merowingischen Spätzeit entsteht ein ziemlich flaches Dreieck, das sich zu weiteren Formen vergrößert – entweder zu einem eigentlichen, oben spitzen Dreieck oder zu einem solchen mit abgerundeter Spitze; letztere Form ist die häufigste. Daneben kommt auch die Halbkugelform oder eine flach ovale vor. Aus den beiden letzteren entsteht der Schwertknauf des 11. Jahrhunderts, indem die Barre unter dem Knauf sich mit diesem zu einem Stück vereinigt, sodass der Knauf aus einem einzigen, ungeteilten Stück besteht.
Bei verschiedenen nordischen Schwertern der Wikingerzeit findet die gegenteilige Entwicklung statt: Nur die Barre bleibt, der Knauf aber fällt weg, sodass wir nach oben einen der Parierstange analogen Abschluss treffen.
Dieser einfache Knauf weist meist keinen so reichen Schmuck auf wie der gegliederte. Er besteht in Vergoldung oder Goldplattierung, selten in Versilberung des Gesamtknaufs – analog auch der Parierstange. Oder die Hohlkehle zwischen Knauf und Barre ist mit Golddraht eingelegt; ferner sind auch tauschierte Streifen vorhanden.
Von größerer Formenfreudigkeit zeugt der mehrfach gegliederte Knauf: Am häufigsten ist die Dreiteilung, die wiederum verschiedene Abarten aufweist; dann folgt der fünf- und der siebengeteilte Knauf, beide wieder mit Variationen.
Alle diese geteilten Knäufe steigen in Stufen von den Seiten an, um in der Mitte gleichmäßig ihren Höhepunkt zu erreichen. Die Barre ist hierbei – wie beim einfachen Knauf – durch eine Hohlkehle vom oberen Teil getrennt.
Die Dreiteilung des Knaufs wurde auf mannigfache Weise vorgenommen und findet sich am häufigsten bei den Wikingerschwertern. Von der Barre aus steigt der Knauf auf beiden Seiten gleichmäßig in die Höhe, um dann teils in flachem, teils in stark gekrümmtem Bogen in den mittleren, am höchsten stehenden Teil überzugehen. Dieser ist von den links und rechts befindlichen Teilen entweder durch Hohlkehlen oder Verzierungen getrennt. Die Formen dieser Dreiteilung sind fast bei jedem dieser Schwerter mit einem solchen Knauf verschieden, während bei dem einfachen Knauf sehr häufig die ganz gleiche Form vorkommt.
Die Fünfteilung verläuft nach demselben Aufbau wie die Dreiteilung, nur ist die Steigung oft flacher. Alle Teile steigen, durch Hohlkehlen oder Schmuckleisten getrennt, beidseitig bis zum höchsten Teil in der Mitte.
Nordische Knäufe weisen, wie bei der Dreiteilung, die verschiedensten und sonderbarsten Formen auf, z. B. je zwei eichelartige, voneinander getrennte schräge Zacken, die beidseitig zu einer geradstehenden Mittelzacke ansteigen.
Die siebenteiligen Formen haben die gleiche Konstruktion wie die fünfteiligen.
Die Knaufbarre endet bei den geteilten Knäufen meist rund, teilweise auch gerade abgeschnitten oder flach gebogen.
Je jünger diese Schwerter sind, umso mannigfaltigere Abwechslung herrscht in der Gestaltung der Knäufe und in der Art ihrer Verzierung. Diese ist beim mehrfach gegliederten Knauf bei weitem ausgebildeter als beim einfachen.
Durch die Teilung erhielt der Waffenschmied-Künstler mehr Spielraum zum Anbringen von Schmuck. Zunächst treffen wir die gleiche Ausschmückung wie beim einfachen Knauf, daneben noch Tauschierung des Eisens mit Gold oder Silber; Einlagen von vergoldetem Messing und Silber in senkrechten Lagen abwechselnd; ferner Ausfüllung der Hohlkehlen, welche die einzelnen Teile trennen, mit Goldfäden. Sogar Tauschierung mit Gold und eingelegten kleinen Granaten kommt vor. Die Tauschierung weist meist Band- oder Rankenornamente auf, im Norden schach-, kreuz- oder kleeblattähnliche Verzierungen. In später romanischer Zeit ist Emailverzierung des Knaufs und der Parierstange zu treffen.
Keine Waffe wurde so kostbar ausgestattet wie das Schwert, sowohl mit einfachem wie mit gegliedertem Knauf. Schriftquellen und Miniaturendarstellungen entsprechen, wie wir später beweisen werden, den Funden vollständig. Sonderbarerweise verschwindet mit wenigen Ausnahmen in der romanischen Zeit diese Art der karolingischen Schwertgriffausschmückung in den Funden; wahrscheinlich ist das aus der veränderten Gestalt des Knaufs abzuleiten, der keinen so günstigen Platz für Verzierungen mehr bot. Die Blütezeit dieses Zweiges der Waffenkunst mit Goldschmiedearbeit fällt in die karolingische und ottonische Zeit.
Der einfache und der gegliederte Knauf lassen sich zeitlich nicht auseinanderhalten. Diese beiden Formen gehen gleichzeitig nebeneinander her bis ins 10. Jahrhundert; in Skandinavien hielt sich der mehrteilige Knauf noch viel länger. Dann entwickelte sich allmählich aus dem einfachen Knauf eine neue Form, und zugleich veränderte sich auch die Parierstange, und wir haben im Schwert des 11. und 12. Jahrhunderts das frühromanische Schwert vor uns – den Vorläufer des eigentlichen Ritterschwerts.
Dieses nachkarolingische Schwert ist eine folgerichtige Weiterentwicklung des früheren.
Die Klinge wächst zwar nur wenig an Länge gegenüber der Karolingerspatha, hingegen verjüngt sie sich nach dem Ort zu stärker; der Ort ist auch hier meistens abgerundet.
Die größere Veränderung zeigen Knauf und Parierstange.
Aus dem einfachen Knauf mit dreieckiger Grundform und Barre entwickelt sich ein aus einem einzigen Stück Eisen geschmiedeter Knauf von Halbkugelgestalt, die später in Kugelgestalt übergeht. Daneben finden wir auch einen hut-, pilz- oder gar scheibenförmigen Knauf oder einen, der sich zu einer Art Linse, die in der Längenachse des Schwertes aufrecht steht, verflacht. Diese Formen haben sich teilweise bis ins 14. Jahrhundert behauptet.
Die Hilze des frühromanischen Schwertes ist von gleicher Größe wie früher, jedoch hat sich die Parierstange verlängert und verstärkt sich immer mehr; ragte sie zur Karolingerzeit nur 1–2 cm über die Klingenbreite hinaus, so wuchs sie im 11. Jahrhundert zu 3–4 cm, im 12.–13. Jahrhundert zu 5–6–8 cm. Die Länge der Parierstange in frühromanischer Zeit betrug durchschnittlich 10–12 cm, in spätromanischer, also im 12. und 13. Jahrhundert, 15–22 cm.
Die gerade Form der Parierstange erhält sich bis ins 13. Jahrhundert; daneben aber wird sie nach der Klinge zu eingebogen oder gewinkelt. Im 12. und 13. Jahrhundert, vereinzelt auch schon früher, schließen vielfach schwalbenschwanzartige Verbreiterungen, Kleeblattformen oder Verdickungen bis zur Kugelgestalt die Parierstange ab.
Aus dieser Vergrößerung der Parierstange, die den Zweck hat, Hiebe aufzufangen und zu parieren, müssen wir schließen, dass in der frühromanischen Zeit das Schwert – gerade wie zur karolingischen und merowingischen Periode – vorzugsweise als Hiebwaffe geführt wurde und die Waffenschmiede den Wert des Faustschutzes wohl erkannten. Je stärker aber mit dem Aufkommen der Plattenrüstung die Panzerung wurde, umso schwieriger war es, dem Gegner beizukommen. Deshalb wurde im 12. und 13. Jahrhundert eine feste, stoßfähige Spitze an der Klinge angebracht, um die Waffe auch für den Stich tauglich zu machen. Nach Jähns (Trutzw. 228) „haben die Schwerter der Hohenstaufenzeit, welche im Germanischen Museum aufbewahrt werden, 80–100 cm Klingenlänge; der Griff ist 10–20 cm und die Parierstange 16–22 cm lang.
Die Klingenbreite beträgt an der Wurzel 5–6 cm; das Gewicht beläuft sich auf 900–1000 g. Deutsche Ordensschwerter, die in Preußen gefunden wurden, zeigen zum Teil noch etwas größere Abmessungen; überhaupt waren die deutschen Schwerter die längsten und wuchtigsten im Abendland.“ Diese spätromanischen Schwerter unterscheiden sich von den frühromanischen nur durch ihre Größenverhältnisse.
Eine nähere Schilderung dieser Waffen liegt nicht mehr im Bereich dieser Ausführung, und wir können deshalb zur äußeren Hülle des Schwertes, zur Scheide und zur Schwertfessel übergehen.
Die Scheiden der Merowingerzeit wurden schon behandelt. In der Karolingerzeit werden sie in den Funden noch seltener; wir erhalten aber nachher durch die Schriftquellen Kenntnis von ihrem Aussehen.
Seit der Völkerwanderung verwendet man als Material der Scheide Holz und Leder; eine Ausnahme bildet die Scheide von Gutenstein aus dem 8. Jahrhundert (R. G. CM. IV t. 29,1). Das erhaltene 35 cm lange Bruchstück besteht aus Erz und Silber mit getriebenen Verzierungen und Figuren. Als Holz für Scheiden gebrauchte man häufig Birkenholz. Dieses wurde mit Leinwand oder Leder überzogen und durch Pressung geschmückt; Mundstück und Ortband waren aus Metall. Eine karolingische Scheide aus Holz mit quergeripptem Lederüberzug findet sich an einem Schwert in Buxtehude (R. G. C. M. IV t. 60). Die Sammlung Zschille besitzt eine Spatha (197), deren Scheide mit runden Metallscheiben mit je drei Löchern geschmückt ist (ähnliches R. G. C. M. IV t. 48). Nordische Schwertscheiden haben häufig ein Mundstück und Ortband aus durchbrochener, oft vergoldeter Bronze mit überreicher Bandornamentik.
Die Karolingerzeit scheint die Scheiden nicht mehr so köstlich ausgeschmückt zu haben wie die merowingische. Erst aus dem 14. Jahrhundert sind wieder kostbare Schwertscheiden erhalten.
Dass es außer solchen, die mit gepresstem Leder überzogen waren, zu unserer Zeit solche mit Stoffüberzug und Schmuck mit Steinen und Edelmetallen gegeben hat, werden wir aus den Darstellungen der Miniaturen und Schriftquellen erfahren.
Das Material der Schwertscheiden war eben vergänglich, daher die Mangelhaftigkeit der Funde. Das Schwert wurde am Gürtel getragen, auf der linken Seite oder im Frieden im Arm, oder als Handstütze verwendet; im letzteren Falle wurde die Schwertfessel um die Scheide geschlungen. Sie bestand aus Leder und hatte am einen Ende zwei Riemenzungen, die in zwei am anderen Ende befindliche Schlitze eingeschoben und dann verknüpft wurden. Dieses cingulum militare war nach den Schriftquellen und Miniaturen oft reich mit Gold und Edelsteinen geschmückt. Erhalten hat sich keine Spur, mit Ausnahme von Riemenzungen. Wir müssen später nochmals auf diese Schwertfessel zurückgreifen.
Wir haben im Vorhergehenden alle Teile der karolingischen Spatha und ihre Weiterentwicklung zum romanischen Schwert durchgenommen. Es sei gestattet, nochmals kurz die Hauptkennzeichen der Stufen dieser Entwicklung zu wiederholen.
Aus dem spätrömischen Langschwert entstand die Spatha der Völkerwanderungs- und später die der Merowingerzeit. Diese wird gekennzeichnet durch ihre Länge von 81–97 cm, ihre Breite von 4,5–6,5 cm, ferner durch die nur wenig über die Klinge herausragende, ca. 5 mm dicke, 8–10 cm lange, ovale Parierplatte an der Klingenwurzel und durch den kleinen Knauf über der am Ende der Angel befindlichen, der Parierplatte analogen, nur kleineren Platte.
Durch Anwachsen der Griffteile entsteht die karolingische Spatha. Die Klinge verlängert sich bis 1 m, verjüngt sich nach unten, der Ort ist meist stumpf; an Stelle der Parierplatte tritt eine kurze, gerade, dicke Parierstange, 7–10 cm lang, 2 cm dick und breit. Der Knauf besteht aus der Barre und dem Aufsatz, dessen Grundform dreieckig ist; er ist entweder einfach oder mehrfach gegliedert, ca. 4 cm hoch, läuft parallel zur Parierstange und ist ca. 2 cm kürzer als diese.
Die Klinge des frühromanischen Schwertes ist nur wenig länger. Die Parierstange wächst auf 10–12 cm; sie hat gerade Form oder ist nach der Klinge zu gebogen. Der Knauf besteht aus einem Stück und ist halbkugel-, kugel-, hut-, pilz-, linsen- oder scheibenförmig.
Durch weitere Verlängerung der Klinge und Parierstange erhalten wir das spätromanische Schwert.
Zeitlich können wir die Schwertformen nach ihrem Entwicklungsgang ungefähr folgendermaßen fixieren:
Spatha der Merowingerzeit: 5.–7. Jahrhundert.
Spatha der Spätmerowingerzeit: 8. Jahrhundert.
Spatha der Karolingerzeit: 9. Jahrhundert, mit kurzer, gerader Parierstange und einfachem oder gegliedertem Knauf.
Spatha der Spätkarolingerzeit (10. Jahrhundert): längere, gerade Parierstange, Knäufe wie oben, daneben Halbkugelknauf ohne Barre.
Spatha der frühromanischen Zeit (11. bis Mitte 12. Jahrhundert): lange, gerade oder gebogene Parierstange, Halbkugel- und Kugelknauf, hut-, pilz-, scheiben-, linsenförmig, keine Barre.
Schwert der spätromanischen Zeit (Ende 12.–13. Jahrhundert): wie das frühromanische, nur größere Verhältnisse. Ort meist spitz, Klinge stark verjüngt.
Bis ins 12. Jahrhundert diente das Schwert beinahe ausschließlich als Hiebwaffe; erst das spätromanische Schwert wurde zu Hieb und Stich verwendet.
Von der Völkerwanderungszeit bis in die romanische Epoche hat sich das Schwert folgerichtig und beständig nach den gleichen Gesetzen weiterentwickelt, bedingt durch die nebenhergehende Verbesserung der Schutzwaffen.
Keine andere Waffe im Mittelalter zeigt einen so regelmäßigen, auf Erfahrungsgrundsätzen aufgebauten Verlauf der Entwicklung wie das Schwert, neben der Lanze von den frühesten Zeiten an die Hauptwaffe.
Miniaturen
Nach der Lanze ist das Schwert die in den Darstellungen der Miniaturen häufigste Waffe.
In den von mir durchgesehenen Miniaturen kommt das Schwert etwa 160 Mal vor; im Teppich von Bayeux sind die Mehrzahl der Krieger mit dem Schwert bewaffnet.
Oft ist es sehr schwierig, die genaue Form des Schwertes zu erkennen, in vielen Fällen sogar unmöglich; immerhin genügen die vorhandenen Zeichnungen, die genau sind. Der Miniator hat gar manches Mal das Schwert so undeutlich geschildert, dass man gerade noch erkennen kann, was es vorstellen soll. Dagegen sind wieder ganz genaue Darstellungen vorhanden, wo jedes Detail zuverlässig erkennbar ist und uns ermöglicht, auf Grund der Miniaturen und Funde neben den Schriftquellen ein gutes und genaues Bild der karolingischen Spatha und ihrer Weiterbildung zu erhalten und ihren Gebrauch deutlich zu erkennen.
Die Miniaturen der Merowingerzeit geben uns kein klares Bild, immerhin scheint das Schwert zum Hieb verwendet worden zu sein.
Die Spatha der karolingischen Miniaturen bis ins 11. Jahrhundert der nachfolgenden Zeit kennzeichnet sich durch die Klinge, welche meist ziemlich breit ist und sich erst kurz vor dem Ort verjüngt. Dieser ist bei der größeren Zahl der Schwerter rund, nicht häufig spitz; bis zum 11. Jahrhundert ist das Verhältnis gleich, dann überwiegt die Spitze allmählich, und die Klinge verjüngt sich immer mehr.
Die Parierstange ist kurz, gerade und meist dick, die Enden sind abgerundet oder eckig. Im 10.–11. Jahrhundert vergrößert sich die Parierstange und wird schmäler, bis sie im 12.–13. Jahrhundert ihre größte Länge erreicht. Vor dem 11. Jahrhundert wird die Parierstange nie nach der Klinge zu gebogen oder an den Enden verdickt.
Die Knaufformen haben im 9. Jahrhundert schon sehr verschiedene Gestalt und sind häufig nicht genau erkennbar. Die Grundform bildet das Dreieck, bald stark abgeflacht, bald spitz und oft halbkugelförmig. Manchmal ist die Barre unter dem Dreieck deutlich erkennbar, ebenso der dreiteilige und fünfteilige Knauf; auch ein zweigeteilter kommt vor.
Im 10. Jahrhundert erscheint dann der halbkugelige und der Kugelknauf, der dann im 11.–12. Jahrhundert vorherrscht; seltener ist die Hut-, Pilz- oder Scheibenform.
Scheide nebst Schwertfessel sind ebenfalls deutlich erkennbar, ebenso ihre einzelnen Teile. In ziemlicher Zahl werden geschmückte Schwerter dargestellt.
Wir erhalten aus den Miniaturen einen guten Begriff von der Art, dem Aussehen und dem Gebrauch des Schwertes von der karolingischen bis zur romanischen Epoche.
Wie wir im Einzelnen noch erfahren werden, stimmen die Resultate der Miniaturen mit denen der Funde und ebenso mit den Schriftquellen überein. Anhand der wichtigsten Werke der Miniaturmalerei und der übrigen Darstellungen wollen wir im Folgenden das Schwert und seine einzelnen Teile nebst seiner Ausschmückung genauer betrachten und darauf seine Gebrauchsweise im Kampf vom 9.–11. Jahrhundert.
In einem Initial der Alkuinbibel (Westwood, Pal. sacr. p. 25) schwingt ein Krieger ein breites, stumpfartiges Schwert mit kurzer Parierstange und flachem Knauf.
Das Lothar-Evangeliar (Janitschek, Malerei p. 34) zeigt einen Spatharius mit Schwert, dessen Knauf von beiden Seiten nach der Mitte zu in zwei Absätzen ansteigt, einen dreiteiligen Knauf also; er ist golden, ebenso die Hilze und die Parierstange, welche kurz und dick ist und abgerundete Enden hat. Die Scheide ist mit purpurfarbigen Randleisten versehen, mit Verzierungslinien darauf von roter Farbe, im Viereck gekreuzt. Die purpurfarbige Schwertfessel endet in einer goldenen Riemenzunge und weist goldene Beschläge auf. (Entstanden 843/45.)
In der Bibel Karls des Kahlen (Bastard t. XVI) trägt ein reich gekleideter Krieger das kaiserliche Schwert. Der Knauf, parallel zur Parierstange, ist ein wenig kürzer als diese und wächst von den Seiten nach der Mitte zu. Die Parierstange ragt wenig über die Klinge hinaus, der Handgriff ist kurz, das Ganze vergoldet. Die weiße Scheide ist in der Mitte durch in einem Viereck befindliche, kreuzweise verlaufende Goldbeschläge geschmückt. Die Schwertfessel von blauer Farbe ist um die Scheide geschlungen; die Riemenzungen sind mit Goldblech beschlagen, ebenso die Schwertfessel. Auf Tafel XI befindet sich ein gleiches Schwert mit denselben Verzierungen; der Knauf ist nicht deutlich erkennbar, hingegen ist an der Scheide ein leitersprossenartiges Ortband angebracht. (Entstanden 845/50.)
Im Codex aureus von St. Emmeran (Leitschuh, Kar. Mal. p. 246) ist ein Schwert in Scheide mit darum gebundener Schwertfessel abgebildet, dessen Knauf sich nach beiden Seiten in zwei nach außen gebogene Teile spaltet; die Parierstange ist kurz und gerade. (Entstanden 870.)
Die Bibel von St. Paul (Westwood), Ende des 9. Jahrhunderts entstanden, ist eine der reichsten Fundgruben für Schwertformen. Der kaiserliche Schwertträger auf dem Titelbild führt eine Spatha mit goldenem Griff; der Knauf bildet ein Kreuz, ein solches ist dann noch im Knauf eingelassen. Der Längsbalken davon reicht über die ganze Hilze bis zur Parierstange; diese ist kurz, gerade, mit abgerundeten Ecken. Die weiße Scheide wird geziert durch in Vierecken befindliche goldene Beschläge, die kreuzweise angebracht sind. Das goldene Ortband reicht auf einer Seite als Scheidenbeschlag weit hinauf, und dieses ist durch leitersprossenartige Verzierungen an der Scheide befestigt, welche bis in die Mitte der Scheide reichen. Die Schwertfessel besteht teilweise aus ovalen Goldplatten auf weißem Leder oder Stoff; die Riemenzunge ist golden (Hefner-Alt. 17). Da nur Fotografien zu Gebote standen, müssen die Farbangaben im Folgenden fehlen.
Tafel V und X zeigen zwei Engel, die ein spitzartiges Schwert mit kurzer Parierstange und dreieckig abgeflachtem Knauf tragen.
Tafel VII führt ein Spatharius ein gleiches Schwert samt Scheide und Schwertfessel wie auf dem Widmungsbild, nur ist der Knauf pilzförmig.
Tafel XVII zeigt zwei Schwerter, das eine stumpfortig mit kurzer, an den Enden eckiger Parierstange und dreieckigem, abgeflachtem Knauf; auf einem zweiten, spitzartigen, von gleicher Parierstange, ist am Knauf die Barre und der dreieckige Aufsatz genau erkennbar.
Tafel XVIII enthält ein gleiches Schwert wie das vorige; die Barre ist nicht zu sehen.
Tafel XX zeigt einen Spatharius mit spitzartigem Schwert in Scheide; die kurze Parierstange hat abgerundete Enden, der Knauf ist dreiteilig, die Schwertfessel wie auf Tafel I. Ein analoges Schwert, nur mit dreieckigem Knauf, finden wir auf Tafel XXIV. Eine Schwertscheide allein auf Tafel XXVII; die im Viereck befindlichen, kreuzweisen Verzierungen fehlen auch hier nicht, auffallend bleibt das große Scheidenmundstück. Eine weitere Spatha auf derselben Tafel ist spitzortig mit kurzer, abgerundeter Parierstange und flachem Dreieckknauf; eine gleiche findet sich noch auf Tafel XVIII.
Das Psalterium aureum von St. Gallen (Rahn), entstanden um 885, weist ähnliche Formen auf wie die Bibel von St. Paul. Ein reich geschmücktes Schwert, von dem nur der Griff und ein Teil der Scheide sichtbar ist, trägt auf Tafel IV König David an der Linken. Der goldene Griff weist eine kurze, dicke Parierstange mit abgerundetem Ende auf, geschmückt mit grünen Steinen; ebenso sind zwei grüne Steine im Knauf eingelassen, dieser ist dreiteilig. Die Scheide ist grün. Auf Tafel VIII befindet sich eine Spatha mit goldenem Griff und halbkugeligem Knauf; die Parierstange ist purpurn, die Scheide grün. Analog gebildet sind die Schwerter auf Tafel XI, XV, XVI, nur ist der Knauf einmal aus der Barre ohne Aufsatz gebildet oder auch halbkugelförmig mit Barre. Die Formen ohne und mit Barre gehen also schon Ende des 9. Jahrhunderts nebeneinander her. Tafel XVI führt eine Scheide mit schmalem Ortband und Scheidenbeschlag vor.
So wichtig der Utrechterpsalter (Springer) vom Ende des 9. Jahrhunderts für die Lanze ist, so wenig deutlich sind die Schwerter gezeichnet. Tafel I zeigt ein spitzartiges Schwert, Tafel IV eines mit stumpfem Ort, längerer Parierstange, halbkugelförmigem Knauf, mit leitersprossenartig verziertem Ortband. Tafel VIII bringt eine ähnliche Parierstange nebst Dreieckknauf.
Leitersprossenartige Scheidenverzierungen finden sich noch öfter (Westwood, angl. sax. mms. t. 29).
Eine ganz selten in den Miniaturen vorkommende Schwertform schildert ein in Stuttgart befindliches Psalterium (Hefh.-Alt. Tr. t. 74) aus dem 10. Jahrhundert. Diese Spatha ist stumpfortig, mit kurzer, an den Enden abgerundeter Parierstange; der Knauf besteht aus einer Barre, der Aufsatz ist dreiteilig, nach der Mitte zu anwachsend. Klinge und Parierstange zeigen Eisen-, der Knauf Goldfarbe, ebenso die Scheide, die am Ort mit leitersprossenartigen und oben mit Zickzackverzierungen versehen ist. Analoge Formen weisen die Funde auf.
Der Codex Ecberti (Kraus) um 980 kennt ebenfalls ein stumpfartiges Schwert mit kurzer Parierstange und Halbkugelknauf.
Um die Jahrtausendwende (Vöge, Malerschule, S. 49, 68) begegnet uns dann eine weitere Form: Die Klinge ist spitzortig, mit längerer Parierstange und Kugelknauf; auch die Aelfrich-Handschrift weist solche auf. Ein Prachtschwert jener Zeit zeigt ein Psalter in Boulogne (Westwood, angl. sax. mms. t. 38) um 1000. Die Klinge dieses Schwertes ist stumpfortig, silbern, die Parierstange länger als früher, breit und an den Enden eckig, der Knauf ist aus einem Stück, die Enden sind in starkem Bogen nach außen zu beidseitig ausgeschweift und wachsen nach der halbkugelförmigen Mitte. Der ganze Griff ist golden. Die dazugehörige Scheide ist purpurrot, in der Mitte durch eine Linie senkrecht laufender weißer Punkte halbiert; diese Punkte stellen vielleicht Edelsteine dar. Die Scheide ist auf der linken Seite direkt am Gürtel befestigt.
Einen gegliederten Knauf finden wir in einer Apokalypsehandschrift des 11. Jahrhunderts (Westwood, pal. sacr. pict. t. 30). Dieses Schwert steckt in einer grauen (Eisen?) Scheide; die Parierstange ist länger und an den Enden abgerundet, sie geht in einen gelben (goldenen) Handgriff über, auf dem ein fünfteiliger Knauf sitzt, der von den Seiten nach der Mitte zu ansteigt; dieser Knauf ist grün. Auf welches Metall diese grüne Farbe deutet, ist ungewiss, vielleicht Bronze mit Patina. Der Codex des Lucan St. Gallen (Rahn) stellt Schwerter dar, die spitzortig mit langer Parierstange und Halb- oder Kugelknauf versehen sind, ebenso ein Martyrologium in Stuttgart aus dem 10. Jahrhundert.
Ein Prachtschwert ist im Missale Kaiser Heinrichs II. (Hefh.-Alt. Tracht. 47) abgebildet. Dieses befindet sich in einer goldenen, reich mit blauen Steinen verzierten Scheide, stumpfortig. Sie ist der Länge nach in drei Teile geteilt, diese wieder durch Querbänder, die mit kleinen Edelsteinen von weißer Farbe besetzt sind; die dadurch abgeteilten Felder wurden mit großen ovalen blauen Steinen verziert. Die graue Parierstange hat Schwalbenschwanzform, der mit roten und blauen Edelsteinen eingelegte goldene Knauf Eiform.
Die blaue Schwertfessel schmücken als Riemenzunge große ovale blaue Steine in weißer Einfassung. Im gleichen Missale (Hefh.-Alt. t. 48) sehen wir das Schwert des Spatharius. Die Scheide ist golden, die Parierstange silbern, lang, gerade nach dem Griff zu, nach der Klinge hingegen von den Enden her zur Mitte in leichtem Bogen zu einer Spitze anwachsend.
Das Evangeliarium Bambergense (Kobell, t. 9) stellt ein Schwert in Scheide dar mit langer, gerader Parierstange und großem pilzförmigem Knauf.
Das Werk des 11. Jahrhunderts, aus dem wir am meisten erfahren, besitzen wir in dem Teppich von Bayeux, entstanden nach 1066. Die große Mehrzahl der hier vorkommenden Krieger sind mit Schwertern bewaffnet; viele sind allerdings nicht deutlich erkennbar. Der Typus ist mit wenigen Ausnahmen derselbe. Die Mehrzahl der Schwerter ist stumpfortig, immerhin trifft man auch spitzartige; die Klingen der meisten verjüngen sich, oft schon von der Klingenwurzel an, stark nach dem Ort. Die Parierstange ist verschieden, in der Mehrzahl lang, teils auch kurz, ihre Enden entweder abgerundet oder eckig; als Ausnahme ist eine schwalbenschwanzartige Abwehrstange vorhanden. Der Knauf bildet eine Kugel; als Ausnahmen sehen wir einen dreigeteilten, einen halbkugel- und einen pilzförmigen Knauf, auch die Barre mit daraufgesetzter Kugel ist vorhanden. Der Handgriff hat die gewöhnliche Größe.
Die Scheide schließt sich der Form der Klinge an; sie wird auf der linken Seite ohne Koppel an dem um den Leib gelegten Gurt getragen. Ein Schmuck der Scheide ist nicht erkennbar. Auffallend bleibt ein einzelnes Schwert, das ein Krieger an der linken Seite führt: nur der Griff und ein kleiner Teil der Klinge sind sichtbar, das Übrige ist durch den Schild verdeckt. Der Knauf dieses Schwertes ist nach vorn gebogen, wie ein Säbelknauf der ungarischen Landnehmerform (vgl. den sog. Säbel Karls des Großen). Die Parierstange ist nach dem Knauf zu gebogen, und das sichtbare Stück der Klinge scheint ebenfalls leicht gebogen zu sein. Wir haben in dieser Klinge vielleicht ein Beutestück orientalischen Ursprungs zu sehen.
Die Miniaturen des ausgehenden 11. Jahrhunderts zeigen den gleichen Schwerttypus wie der Teppich von Bayeux: spitz- oder stumpfortig, lange, gerade Parierstange mit Kugelknauf.
Zum Schluss muss noch einer Zeichnung des Eadwinpsalters (Westwood, pal. sacr. S. 43) Erwähnung geschehen. Westwood setzt diese leicht kolorierte Federzeichnung ins 12. Jahrhundert; Stil und Bewaffnung sind aber dem Utrechterpsalter so verwandt, dass diese Darstellung ins 10. Jahrhundert eingereiht werden muss. Dort ist eine Schwertfegerei geschildert. Ein Mann sitzt rittlings auf einer langen Bank und hat vor sich ein spitzartiges Schwert mit sich stark verjüngender Klinge, kurzer Parierstange, Barre mit Halbkugelknauf; er ist beschäftigt, mit einem hobelartigen Instrument die Klinge zu glätten. Daneben ist eine Schleifmühle dargestellt mit großem Mühlstein an einer Welle, darunter ein Wassertrog. Die Maschine wird von einem Arbeiter mittels einer großen Kurbel in Bewegung gesetzt. Die ganze Schleife ist übermannshoch; beim Schleifstein ist in der Höhe ein Sitz angebracht, den ein zweiter Arbeiter einnimmt, der ein Schwert an den Schleifstein hält; dieses hat eine stark sich verjüngende Klinge mit spitzem Ort, der Griff ist nicht deutlich erkennbar. Diese Abbildung einer Schwertfegerei ist einzigartig und kommt meines Wissens in den Miniaturen des frühen Mittelalters nirgends vor. Wie im 12. Jahrhundert ein Schwertknauf aufgesetzt wird, zeigt ein Bild im Aschaffenburger Evangeliar (Hefner-Alt. t. 69).
Außer auf Miniaturen sind noch Darstellungen des Schwertes vorhanden auf Elfenbeinschnitzereien, Skulpturen, Siegeln, Mosaiken usw., meist aber nicht deutlich erkennbar.
Auf dem elfenbeinernen Deckel der Bibel Karls des Kahlen ist ein stumpfartiges Schwert mit breiter Klinge und kurzer, dicker Parierstange dargestellt (Kuhn, Kunstgesch. p. 314). Weitere Schwerter finden wir bei Stephani (Wohnbau p. 187 f.): vier spitzartige mit kurzer Parierstange und flachem Knauf, Elfenbeinrelief, 8. Jahrhundert; Cahier (Nouv. Mél. d’arch. t. VIII), drei spitzartige, breite Spathen mit längerer Parierstange und Kugelknauf, Elfenbeinskulptur; ähnlich Lindenschmit (Altert. p. 255), ferner ein Schwert auf dem Reliquiar des hl. Candidus in St. Maurice (Lehmann, Gute alte Zeit p. 102).
Die angebliche Bronzereiterstatuette Karls des Großen im Musée Carnavalet, Paris, zeigt ein Schwert mit spitzem Ort, kurzer Parierstange; der Knauf scheint dreieckig zu sein (Jäger, Weltg. II 65).
Ein Pfeilerrelief am Großmünster in Zürich (Ganz, Gesch. der herald. Kunst 21) lässt für das 11. Jahrhundert typische Schwertformen erkennen: zwei Schwerter mit Kugelknauf, langer, gerader Parierstange mit eckigen Enden, breite, nach dem stumpfen Ort zu sich verjüngende Klingen. Auf der einen befindet sich die Inschrift „Guido“. Die gleiche Form treffen wir auf einer Holzschnitzerei der Kirche von Hyllestad; nur ist dieses Schwert spitzortig. Die Schwertfessel ist um die Scheide mehrmals gewickelt (Demmin, Kriegsw. 369).
Gleiches Aussehen hat ein auf einer Emailarbeit eines Reliquiars in Maastricht befindliches Schwert aus dem 11. Jahrhundert (Labarte, Album II, Tafel II, Fig. 34). Dieses ganz goldene Schwert besitzt einen spitzen Ort, stark sich verjüngende Klinge, lange, gerade Parierstange mit eckigen Enden und Kugelknauf.
In Metallarbeiten finden wir noch weitere Darstellungen, so auf der silbernen Schwertscheide von Gutenstein (R. G. C. M. IV t. 29): eine in einer Scheide befindliche Spatha mit kurzer, dicker Parierstange, dreieckigem Knauf mit Barre. Die Scheide hat ein bügelartiges Ortband mit darum geschlungener Schwertfessel.
Deutlich erkennbare Schwerter weisen die auf dünnen Bronzeplatten befindlichen Verzierungen des
Helmes von Wendel auf (Montelius, Kult.-Gesch. Schwedens p. 135/6):
Fig. 368: zwei Schwerter mit spitzartiger Klinge mit Hohlkehle und kurzer Parierstange nebst flachem, halbkugeligem Knauf;
Fig. 370: ein Schwert in Scheide mit Randleisten und stumpfem Ort, kurzer Parierstange mit abgerundeten Ecken und dreieckigem Knauf, ferner ein zweites mit Kugelknauf (nicht ganz deutlich);
Fig. 371: zwei gleiche Spathen, Scheide mit Ortband, Parierstange kurz, gerade, Ecken abgerundet, der Knauf ist mit Barre versehen und dreieckig. Die Handgriffe sind auffallend kurz; sonst
entsprechen diese Bronzereliefs ganz den Funden der Karolingerzeit.
Diese angeführten Gestalten des Schwertes in den Darstellungen der Kleinkunst zeigen alle Übereinstimmung mit den Schwertformen der Miniaturen der gleichen Zeit.
Die Schwertscheide in den Miniaturen ist in ihren einzelnen Bestandteilen gut geschildert, ebenso die Schwertfessel und die Art des Tragens.
Die Farben der Scheiden, die am häufigsten vorkommen, sind Weiß und Grün, daneben Purpurrot, Blau, Eisenfarben und Gold. Ein Mundstück ist kaum erkennbar, wohl aber ein Ortband, allein oder mit Seitenrandleisten; diese sind goldfarben und schließen entweder den Ort ein oder zeigen sich als durchbrochene, leitersprossenartige Stäbe, die an der Bandleiste befestigt sind – diese kann auch fehlen.
Daneben ist die ganze Scheide in Vierecke abgeteilt, die durch Goldbeschläge kreuzweise verziert sind, oder die Scheide wird mit eingelegten Steinen geschmückt, wie im Missale Heinrichs II.
Diese Scheiden entsprechen den Schilderungen der Schriftquellen; die uns überlieferten Funde der Karolingerzeit sind nicht so reich ausgestattet. Erst in spätromanischer Zeit wird wieder mehr Wert auf die Scheidenausschmückung gelegt.
Die Schwertfessel wird an den Enden mit metallenen Riemenzungen versehen, desgleichen mit Beschlägen von ovaler, runder und rechteckiger Form, teilweise durch Punkte verziert. Diese Beschläge werden goldfarben dargestellt und fehlen selten ganz. Je nach dem Rang des Trägers der Waffe sind sie wenig oder zahlreich vorhanden. Die Farbe der Schwertfessel ist meist weiß oder blau, ebenso goldfarben.
Getragen wird die Schwertfessel um die Hüfte; die Scheide ist auf der linken Seite daran befestigt – wie, lässt sich nicht erkennen. Oft wird das Schwert mit der Fessel umwickelt im linken Arm getragen oder als Stütze verwendet. Diese Darstellungen der Scheide in den Miniaturen entsprechen, wie wir noch erfahren werden, den Schriftquellen genau – ebenso Schwertfessel und Tragart.
Fassen wir nun das Gesamtresultat über das Aussehen des Schwertes in den Miniaturen und übrigen Darstellungen nach der zeitlichen Entstehung zusammen, so ergeben sich für die verschiedenen Schwertformen ungefähr folgende zeitliche Grenzen:
Die Spatha des 9. Jahrhunderts hat eine meist stumpfartige, sich erst am Ort verjüngende Klinge, kurze, dicke, gerade Parierstange mit abgerundeten oder eckigen Enden. Die Grundform des Knaufs, teils mit, teils ohne deutlich erkennbare Barre, ist dreieckig; oder der Knauf ist mehrfach gegliedert. Daneben treffen wir schon den Halbkugel- und Kugelknauf.
Im 10. Jahrhundert verlängert sich die Parierstange; der Halbkugel- und der Kugelknauf herrschen vor. Die stumpf- oder spitzartige Klinge verjüngt sich allmählich.
Im 11. Jahrhundert ist die Parierstange lang; der Kugel-, daneben der Hut- und der Pilzknauf herrschen vor. Die stark gegen den Ort sich verjüngende Klinge bildet das Kennzeichen bis ins 12. Jahrhundert, wo der Ort meist spitz wird.
Diese Darstellungen der Miniaturen stimmen zeitlich mit den Formen der Funde überein. Eine ganz präzise zeitliche Reihenfolge kann nicht gegeben werden, da in den Miniaturen wie in den Funden verschiedene Formen gleichzeitig nebeneinander hergehen.
Der Gebrauch des Schwertes in den Miniaturen ist deutlich ersichtlich. Das Schwert ist beinahe ausschließlich Hiebwaffe. Von fünfzig Kriegern, die das Schwert im Kampfe führen, sehen wir nur zwei, die die Waffe zum Stich gebrauchen.
Aus den Funden haben wir geschlossen, dass das Schwert hauptsächlich zum Hieb tauglich war. Die Miniaturen bestätigen dies völlig. Während die Lanze in der Frühzeit als Hauptwaffe diente, setzte sich das Schwert nur langsam durch; aus den Grabfunden der Merowingerzeit haben wir das erfahren. Auch in der karolingischen Frühzeit muss das Schwert noch nicht unbedingt zur Ausrüstung eines Kriegers gehört haben, denn die Miniaturen bilden das Schwert nicht so häufig ab wie die Lanze.
Bis gegen das 9. Jahrhundert sind mit Schwertern bewaffnete Krieger nicht häufig; dann erfolgt allmählich ein Umschwung zugunsten des Schwertes. Dass das öftere Fehlen des Schwertes in dieser Zeit der Nachlässigkeit der Miniatoren zuzuschreiben ist, können wir nicht wohl annehmen, da die Lanzen z. B. genau gezeichnet sind, ebenso die Schutzwaffen, falls der Krieger überhaupt damit gerüstet ist. Es dürfte faktisch bis gegen das 9. Jahrhundert – und noch in dieses hinein – das Schwert nur die Waffe der vornehmen Krieger gewesen sein.
Dann stoßen wir immer häufiger auf das Schwert, bis es im Teppich von Bayeux neben der Lanze die Hauptwaffe geworden ist und seine Geltung in der Folgezeit behielt. Im 12. und 13. Jahrhundert ist das Fehlen des Schwertes bei einem völlig gerüsteten Krieger eine Seltenheit.
Wenn wir die Funde mit den Darstellungen der Miniaturen vergleichen, so sehen wir, dass nicht nur die zeitliche Entwicklung stimmt, sondern auch die einzelnen Formen und Teile analog sind und sich gegenseitig ergänzen. Der Schmuck ist ebenfalls gleich, ferner der Gebrauch im Kampf.
Um das Bild des Schwertes jedoch ganz vollständig vor uns zu haben, ist das nähere Eingehen auf die Schriftquellen unumgänglich notwendig.
Quelle: Die Trutzwaffen der Karolingerzeit vom 8. bis zum 11. Jahrhundert
