Mitgeteilt von Leonh. Platzer, k. Landrichter, zu Sulzbach.
In dem städtischen Archiv zu Sulzbach befindet sich eine 732 Seiten starke Papierhandschrift in 4. aus dem 17. Jahrhundert, mit dem Titel „Nortgauisches Chronicum, darin insonderheit der fürstl.
Pfalzgrävischen Residenz Stat Sulzbach und des fürnehmen Closters Castel Beschreibung von ihrer uralten Erbauung und Stiftungen, auch von den alten Grafen von Sulzbach, wie auch den Herzogen in
Bayern, König in Böhmen und Pfalzgrafen bei Rhein ihrer Regierungshandlungen zu Kriegs- und Friedenszeiten, neben andern verlaufenden Geschichten, von Änderung der Religion und darauf erfolgter
Persecution zu finden, bis auf unsere Zeit continuirt, über die 600 Jahr und mit besonderer Mühe zusammengetragen durch Johannem Braun[A], Pastorem und Superintendenten zu Bayreuth, seinen lieben
Vaterland und der lieben Posterität zu Ehren Anno 1648“[B].
Wir teilen hier als Probe dieser noch ungedruckten ausführlichen Chronik (S. 320 ff.) nachstehenden Abschnitt mit[C].
Von den Landrichtern zu Sulzbach.
Es ist droben weitläufig erzählt worden, wie Sulzbach je andere und andere Oberherren gehabt, anfänglich die Grafen von Sulzbach, darnach die Herzogen von Bayern, drittens die Könige in Böhmen,
zum 4. die Pfalzgrafen, hat also mancherley Veränderungen mit großer Gefahr unterworfen sein müssen. Es ist aber zu wissen, dass Sulzbach von der bayerischen Regierung bis auf Herzog Ottheinrichs
Pfalzgrafen mehreren Teil durch Vizdom oder Landrichter ist regiert worden, derer Catalogum, wie ich es von Hr. Juglero[1] empfangen, also will ich ihn der lieben Posterität zum Besten hieher
setzen, und ist hierbei zu wissen, dass von anno 1322 bis aufs Jahr 1504 die Landrichter zu Sulzbach auch Lauf und Hersbruck zu regieren gehabt, (so damals zur Pfalz gehörig, und die Nürnberger
erst im bayerischen Krieg an sich gebracht haben) und haben daselbst alljährlich ihr Landgericht gehalten, laut etlicher Briefe, so zu Sulzbach auf dem Rathaus verwahrt werden, und ist solches
alle Quatember wechselweise zu Sulzbach, Lauf und Hersbruck geschehen, unter offenem Himmel und haben die Landrichter in vollen Kurrissen das Gericht besitzen müssen.
Der erste bayerische Hauptmann oder Landrichter zu Sulzbach, so in den Archiven zu finden, ist gewesen Heinrich Trucses von Holenstein circa annum 1322.
Conrad Kemmather, Vizedom und Landrichter, dieses Geschlechts sind noch etliche übrig, wie denn die Kemmather auch ein Teil an Rosenberg gehabt haben, er hat regiert ums Jahr 1339.
Ulrich v. Henfenfeld, bayerischer Vizedom 1361.
Volkholt[2] von Tann, Caroli 4. Königs in Böhmen Vizedom zu Sulzbach 1364.
Otto Senft, 1374[3].
Hermann Rude 1377.
Dietrich Stauffer hat zum Richter am Hoffgericht gehabt Dietrich von Steinling. Diese Stauffer sind ein uraltes Geschlecht, so im ersten Turnier zu Magdeburg nach erhaltener Victori wider die
Hunnen gehalten, namhaft gemacht worden anno 938. So finde ich, dass dieser Dietrich Stauffer von Ehrenfels und Beroltshausen Vizedom zu Sulzbach, eques auratus, dem Turnier zu Regensburg
beigewohnt anno 1396. Er hat einen Sohn gehabt, auch Dietrich genannt. Seine Nepotes haben hernach von den von Laber den Markflecken Pererzhausen[4] käuflich an sich gebracht 1432 laut des
Kaufbriefs zu Sünching. Hernach zur Zeit Kaiser Friderici III. ist Hans von Stauffen und Ehrenfels zu einem Freiherrn gemacht worden, 1480[5]. Herr Bernhardin der Jüngere, so eine Gräffin
Schlickin zum Gemahl gehabt, Freiherr zu Ehrenfels, stirbt 1542, liegt zu Bererzhausen begraben. Hernach anno 1567 verkauft Herr Hans Bernhard von Stauffen die Herrschaft Ehrenfels den Ständen
des Herzogtums Neuburg mit Vorbehalt der Lehenherrschaft. Diese Reichsherrschaft Ehrenfels hat hernach anno 1574 ein löbliches Landtag des Fürstentums Neuburg ihren jungen Landesfürsten Pfalzgraf
Philipp Ludwig auf sein fürstliches Beylager untertänig geschenkt und verehrt. Auf diesen Herrn Bernharden[6] ist der ganze Stamm der von Stauffen gestanden[7].
Johann Herr von Abensperg, Hauptmann und Landrichter zu Sulzbach 1384[8]. Dieses Geschlecht kommt her von dem berühmten bayerischen Grafen Babo von Abensperg, welcher s. Kunigundis, Kaiser
Heinrich II. Gemahl, Hofmeister gewesen ist, wie Aventinus lib. 5 hist. bezeuget. Er hat mit zwei Gemahlinnen 40 Kinder gezeugt; 32 Söhne und 8 Töchter. Die Söhne hat er alle adelich herausgebuzt
mit einem Pferd und reisigem Knecht, jeden einzeln, und hernach dieselben Kaiser Heinrich auf einem Reichstag zu Regensburg präsentiert und verehrt mit höchster Lust und Wohlgefallen des Kaisers,
der sie alle an seinen Hof genommen und sie hernach mit Reichslehen gnädigst bedacht. Dieser Babo ist, wie Aventin schreibt, gestorben 1020, den 3. Martii, liegt zu Regensburg bei St. Emmeram
begraben[9]. Dieses Babonis Söhn einer ist ein Vater der Grafen von Pogen, nämlich Hartwich von Abensperg. Erkambrecht ist ein Vater des Stamms der Grafen von Biburg und Stein, so hernach
Hilpoltstein ist genannt worden, von Hilpolt, den Letzten dieses Stamms von Stein, welcher † 1385[10].
Fußnoten:
[A] Johannes Braun war (nach Jöcher’s Gelehrten-Lexikon) am 29. April 1581 zu Sulzbach geboren, wo er 1612 Diaconus und 1617 bei Errichtung des Gymnasiums Professor der griechischen Sprache
wurde, zuletzt aber, nach mancherlei trüben Schicksalen (1637), Superintendent zu Bayreuth, wo er im Jahr 1652 starb.
D. Red.
[B] Auch die Bibliothek des germanischen Museums besitzt ein Exemplar dieser handschriftlichen Chronik (Pap.-Hs. Nr. 7172, 507 Seiten in Folio, 18. Jahrhundert), welches genau obigen Titel, doch
nur bis zu den Worten „und darauf erfolgter persecution zu finden“ (also ohne des Autors Namen) an der Spitze trägt und mit der hier gegebenen Probe des Sulzbacher Exemplars, welches Brauns
Originalmanuskript zu sein scheint, im Wesentlichen übereinstimmt, doch manche Erweiterungen erfahren hat. Wir geben die Zusätze desselben mit „G. M.“ in den Anmerkungen.
D. Red.
[C] Dr. Georg Christoph Gack, derzeit noch protestantischer Dekan zu Sulzbach, hat im Jahr 1847 bei T. O. Weigel in Leipzig eine „Geschichte des Herzogtums Sulzbach nach seinen Staats- und
Religionsverhältnissen, als wesentlicher Beitrag zur bayerischen Geschichte“ (XVI u. 408 Stn. gr. 8) im Druck erscheinen lassen und darin häufig Brauns Chronik als Quelle angeführt.
[1] Joh. Jugler, geb. zu Sulzbach 1539, wurde 1567 Diaconus, 1580 Superintendent daselbst, in welchem Amt er am 18. Februar 1613 starb. Vgl. Jöcher, a. a. O.
D. Red.
[2] Volckhart. G. M.
[3] circa annum 1374. G. M.
[4] Beretshausen. G. M. unten: Berezhausen.
[5] circa annum 1480. G. M.
[6] Hanns Bernharden. G. M.
[7] Er hat sich nach Regensburg begeben. Zusatz bei G. M.
[8] circa annum 1384. G. M.
[9] Seine Söhne haben sich weit ausgebreitet und sind von ihnen viele adelige Geschlechter herkommen. Zusatz bei G. M.
[10] Wie aber Stein an die Grafen von Abensberg kommen sei, davon finde ich diese Nachricht, dass A. 1238 Ulrich von Stein der Letzte dieses gräflichen Geschlechts sei in Italia umgekommen, daher
die Herrschaft Stein auf seinen Schwager Altmann von Abensberg, so seine leibliche Schwester zur Ehe gehabt, erblich gefallen, welcher auch A. 1242, oder, wie Aventinus schreibt, 1260, ohne Erben
verstorben und also Stein auf seinen Vettern Mainhard, Grafen von Roteneck, so mit ihm geschwistert Kind war, geerbt. Dieses Mainharts einziger Sohn war ein Bischof zu Regensburg, starb A. 1296,
Henricus genannt. — G. M.
Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. September.
Damit ich aber wieder auf Hanns von Abensperg, Landrichter zu Sulzbach, komme: Derselbe ist Herr Ulrich III. von Abensperg Sohn gewesen, hat fünf Brüder gehabt, unter welchen Dietrich Bischoff zu
Regensburg geworden und anno 1383 gestorben[11]; seine Mutter[12] ist eine von Gundelfingen gewesen. Anno 1369 war obgemelter Herr Hanns von Abensperg Herzog Friedrichs in Niederbayern
Hoffmeister, in großem Ansehen, anno 1371 ist er Pfleger von Vohburg geworden, das folgende Jahr Hauptmann über den Landfrieden in Oberbayern, anno 1376 war er Vizedom in Oberbayern, und anno
1384 Landrichter und Statthalter zu Sulzbach, hat es aber nur ein Jahr verwaltet. Anno 1392 hat er den Turnier...[13]. 1397 liegt er zu Rohr in der Kapelle, die er gestiftet hat, begraben unter
einem erhabenen Stein, darauf steht, dass er 1400 gestorben sei. Seine Frau war Agnes von Lichtenstein aus Österreich, welches Geschlecht zu unseren Zeiten zum fürstlichen Stand erhoben worden
ist. Sie hat ihm fünf Söhne geboren: Jobst, Bernhard, Ulrich, Wilhelm, Gorgen, und vier Töchter. Jobst zeugt Hanns von Abensperg[14]. Hanns zeugt Nicolaum, den letzten dieses Geschlechts, welcher
anno 1485 von Herzog Christoph aus Bayern jämmerlich erstochen worden ist. Nach seinem Tod ist die Herrschaft Abensperg an Herzog Albert in Bayern gefallen, der die nächsten Freunde mit einem
Stück Gelds von Abensperg gänzlich abgewiesen hat.
Johann von Abensperg succediert in die Pflege Sulzbach Conrad Truchses von Holnstein[15].
Heinrich Kemmather, Pfleger zu Sulzbach 1390[16].
Jacob Rammelsteiner, 1394[17]. Die Ramelsteiner sind auch ein uraltes adeliges Geschlecht, denn im Traditionsbuch zu Regensburg bei St. Emmeram wird eines Rammelsteiners Rudiger gedacht, der ums
Jahr 1070 gelebt hat[18]. Es wird ihrer auch im bayerischen Turnierbuch gedacht.
Es kamen auch mit guten Fug
Die Rammelsteiner von den Lug[19].
Lug ist ein Schloss, liegt einhalt[20] der Laber in der Pfalz oder Nortgau[21].
Anno 1395 Eberhart Schweppermann, Landrichter zu Sulzbach, vielleicht ein Nepos Seyfried Schweppermans, der anno 1337 mit Dot abgegangen ist[22].
Hans von Wolfsstein, eques auratus ums Jahr 1399[23]; dieses Geschlecht ist hernach zur freiherrlichen Dignität erhoben worden, so noch heute unweit Neumarkt ihre Residenz haben, schreiben sich
Freiherrn von Birbaum und Wolfstein.
Anno 1405 Altmann Kemnather.
Wilhelm von Wolfstein, 1417[24].
Hermann von Wolfstein, Ritter 1432[25].
Martin von Wiltenstein[26] starb zu Nürnberg in der Charwoche 1466.
Hartung Eggloffsteiner, hat sich von Bernfels geschrieben, ist Landrichter zu Sulzbach geworden 1437[27].
Anno 1453 Herr Hans von Stauffen[28], seine Hausfrau ist gewesen Margaretha, eine Schenkin von Geyern. Sie verkauften samt Wilhelm Schenken das Oberschloss Truchtling samt den halben Mark denen
von Pappenheim[29]. Dieser Hans von Stauffen ist[30] 1469 Vizedom in Niederbayern geworden.
Wilhelm Paulsdorffer ward Landrichter zu Sulzbach 1458. Dieses adlige Geschlecht hat sich von Kührn und Tenasberg[31] geschrieben. Kührn ist ein Hochschloss nicht weit von Regensburg, welches die
Paulsdorffer käuflich an sich gebracht haben circa 1394, und hat dieses Schloss Kührn zu Regensburg viele Freiheiten gehabt, unter anderen, dass man jede edle Frau von Kührn alle 14 Tage, wenn
sie es begehrt, in einem Kobelwagen mit vier Pferden zu Kirchen nach Regensburg hat holen müssen. Das Messerschmiedhandwerk zu Regensburg empfängt durch den ältesten Meister des Handwerks das
Lehen vom Inhaber des Schlosses Kührn und ist schuldig, dass er einen großen Wezstein in seinen Laden muss aufhängen und jedem in Paulsdorffers Namen, der es begehrt, sein Messer umsonst zeigen
muss[32]. Der Paulsdorffer Begräbnis ist zu Regensburg bei den Barfüßern im Kapitelhaus, dessen Gotteshaus sie Vogtherren gewesen[33].
Fußnoten:
[11] Hat wohl gehaust und zu dem Stift Stauf, Auting, Eglofsheim wieder gelöst. G. M.
[12] Elisabeth. G. M.
[13] mangelhaft! — „den Turnier, zu Schaffhausen gehalten, besucht, ist verstorben A. 1397“ — so bei G. M.
[14] Die folgenden 7 Worte von „Hans“ bis zu „Geschlechtes“ fehlen bei G. M.
[15] Ist vielleicht aus den Posteris Heinrich Truchsess des ersten bayerischen Pflegers zu Sulzbach gewesen, ich finde sonst von diesem Geschlechte nichts. Zusatz bei G. M.
[16] Ums Jahr Christi 1390. G. M.
[17] Ums Jahr Christi 1394. G. M.
[18] 1270. G. M.
[19] von der Lug. G. M.
[20] wohl „jenhalb“ zu lesen; — jenseits. G. M.
[21] Dieser Jacob von Rammelstein schrieb sich von Loch, ein Hofmeister, der ohne einen der Letzten dieses Geschlechts. Vgl. Hund. — Sebastian Rammelsteiner von Loch und Eichhofen A. 1566 von
einem Bürger von Regensburg, Steyerer genannt, vor der Stadt erschossen, verließ einen Sohn, Wolf Heinrich genannt. G. M.
[22] Ein erfahrener alter Kriegsmann, der seinem Herrn Ludovico Bavaro einen herrlichen Sieg erhalten. Davon oben im ersten Teil. G. M.
[23] Ein Sohn Alberts, so verstorben A. 1356, hat einen Bruder gehabt, Ehrenfried von Wolfstein, welcher Engeltraut, Wolfgangi von Lichau Tochter, gehabt. G. M.
[24] Ritter und Landrichter zu Sulzbach, ist Gottfrieds Sohn gewesen, hat den Turnier zu Schaffhausen besucht A. 1392, hatte zur Gemahlin eine Gräfin von Weisenhorn gehabt, Ehrentraut, hat einen
Sohn gezeugt, Friderichen. Guberniert ums Jahr 1417. G. M.
[25] circa annum 1420. G. M. — Auf diesen Hermann von Wolfstein folgt bei G. M. unter Nr. 17: „Eberhard Mistelbeck, circa annum 1426“ und erst auf diesen als Nr. 18: Martin von Wildenstein,
sodass alle folgenden Nummern bei G. M. um eins höher stehen.
[26] Dieser Wildenstein hat im Kloster Gnadenstrich eine schöne Stiftung getan, welche seine Söhne verbessert, deren zwei daselbst begraben liegen. G. M.
[27] Ist sonst ein uraltes adliges Geschlecht, so noch zu unseren Zeiten in gutem Esse. G. M.
[28] Hanns (vel Hartung) von Stauffen. G. M.
[29] welches Schloss und Herrschaft sie noch in Possession haben. G. M.
[30] bei den Herzogen in Bayern in großem Ansehen gewesen und... G. M.
[31] Tennersberg. G. M.
[32] sein Messer umsonst weisen lassen muss. G. M.
[33] Hr. Friedrich von Paulsdorff, Ritter (so! — wohl „Ritter“ zu lesen), ist auf dem ersten Turnier zu Magdeburg A. 936. Muss demnach ein sehr altes Geschlecht gewesen sein. A. 1334 starb
Heinrich Paulsdorffers Gemahlin, Beatrix genannt, Landgraf Ulrich von Leuchtenberg Tochter. Dieses Wilhelms, Landrichters zu Sulzbach, Vater ist gewesen auch Wilhelm, Pfleger zu Floss, A. 1423.
Wilhelm, der Sohn, hat zum Weib gehabt Margaretham von Eck, welche gestorben 1495, liegt zu Regensburg begraben; er ist gestorben A. 1467. G. M.
Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. Oktober.
Dieses Wilhelm Paulsdorfers Gemahl war Margaretha von Eck, gestorben 1495. Anno 1579 hat Stephan Paulsdorfer, der einzige Erbe dieses uralten adeligen Stammes, die Pfründ zu Regensburg verlassen
und ist zur Fortpflanzung des Geschlechts in Ehestand getreten mit Anna Maria, Bernhard Stingelhammers[34], Pflegers zu Sulzbach, Tochter.
Hartung von Eggloffstein[35], 1473.
Hans von Parsperg, 1473[36]. Dieses ist auch der alten edlen Geschlecht eins in unserm Nordgau gewesen, hat den Namen vom Schloss Parsperg am Wasser der Laber genannt gelegen. Moriz von Parsperg
hat dem allerältesten Turnier zu Magdeburg a. o. 936 beigewohnt. A. o. 1246 starb Fridrich von Parsperg, Bischof zu Eichstätt. Dietrich von Parsperg verkaufte König Ludwig den Bayern den 4. Teil
des Schlosses Neidstein im Nordgau gelegen a. o. 1326. Herr Hans von Parsperg, Ritter, Pfleger zu Hemau 1394, verließ 12 Kinder, 7 Söhne und 5 Töchter; diesem Hans von Parsperg verpfändete
Pfalzgraf Johannes die Grafschaft Lupurg[37] 1395; sein ältester Sohn[38] ist Bischof zu Regensburg geworden, 1437.
Martin von Wildenstein, 1478[39], eques auratus, † 1484[40].
Ihm ist in der Pfleg von Sulzbach, gefolgt von Herzog Albert von Bayern, Landgraf Fridrich von Leuchtenberg dahin gesetzt, hat aber die Pfleg nicht persönlich bezogen, sondern mit Bewilligung
Alberts einen Vicarium hingesetzt, nämlich Hanns von Ramming[41]. Der Leuchtenberger Stamm[405]haus ist Leuchtenberg, nicht weit von der Naab, auf einem sehr hohen Berg; in alten bischöflichen
Urkunden wird es Luickam Berg genannt.
Fridrich zum Leuchtenberg folgt 1487 in dem Landrichteramt zu Sulzbach Heinrich Nothaft von Werenberg, Ritter; das ist auch ein uraltes Geschlecht[42]. Ein Heinrich Nothaft war 1408 Bürgermeister
zu Regensburg, hernach[43] Vicedom in Niederbayern[44]. Herr Albrecht Nothaft war Statthalter[406] zu Cham, dessen Sohn Heinrich Nothaft, Pfleger zu Sulzbach, ist 1508 gestorben[45].
Im Jahr 1499[46] ward Landrichter in Sulzbach Hans von Lichau, der aber das folgende Jahr mit Tod abgegangen ist[47]. Es finden sich auch im Markgraftum Bayreuth Lichauer, die ihren Rittersitz zu
Dandorf[48] hatten.
Anno 1499 ward Landrichter zu Sulzbach Albrecht von Murach zu Guteneck[49], ist gestorben zu Sulzbach a. o. 1501. Seine Mutter ist eine Eggloffsteinerin gewesen.
Ihm folgt Albrecht Stiber[50], ein fränkischer von Adel[51]; er hat sich im Schloss zu Rosenberg aufgehalten[52].
Sigmund von Paulsdorf zu Kührn a. o. 1503[53]. A. o. 1498 war er Oberlichter zu Mönchen, ist 1519 gestorben[54].
A. o. 1504 ist Sebald Stiber Landrichter zu Sulzbach und nach ihm a. o. 1505 sein Bruder Sebastian, der letzte unter den bayerischen Landrichtern; denn nach dem bayerischen Krieg ist Sulzbach auf
Pfalzgrafen Ruperts hinterlassene junge Erben, Ottheinrichen und Philippen, durch die Mildigkeit Kaisers Maximilian gefallen[55].
[34] Stingelhaimers. G. M.
[35] circa annum 1473; ist vielleicht der Eggloffsteiner gewesen Nr. 19 und hat das andere Mal die Pfleg zu Sulzbach angetreten. G. M.
[36] circa a. Ch. 1477. G. M.
[37] Pipburg. G. M.
[38] Friderich. G. M.
[39] cc. a. C. 1478. G. M.
[40] Ist vielleicht des vorigen Wildensteiners Vater oder Sohn gewesen. G. M.
[41] Bei G. M. ist an dieser Stelle folgender ausführlicher Exkurs eingeschaltet: „Die Landgrafen von Leuchtenberg haben einen Teil vom Nordgau innegehabt. Ihr Stammhaus ist Leuchtenberg, nicht
weit von der Naab, auf einem sehr hohen Berg, dass man solch Schloss auf viele Meilen sehen kann. In alten brieflichen Urkunden wird es Luickenberg genannt; sie waren vorzeiten mächtige Fürsten,
die aber hernach sehr abnahmen und eine Herrschaft nach der anderen verkauften. A. 1281 verkaufte Landgraf Ulrich den Burggrafen zu Nürnberg das Schloss Rauhen Culm, welches auf einem hohen Berg
im Nordgau gelegen war, welcher Berg wegen seiner Höhe auf 5 oder 6 Meilen gesehen werden konnte. Es ist noch heutiges Tages samt dem beyliegenden zerstörten Städlein, das Neustadt am Culm
genannt, markgräflich, so sich Burggrafen zu Nürnberg schreiben. Das Schloss aber Rauhen Culm ist im markgräflichen Krieg durch die Nürnberger zerstört worden, und nichts mehr zu sehen, außer
etlichen Rudera und Steinhaufen. Kaiser Ludovicus Bavarus kaufte vom Landgrafen Ulrich, mag vielleicht des vorigen Sohn gewesen sein, die Herrschaft Floss und Parkstein um 1450 Mark Silber
geschehen A. 1316, wie solcher Kaufbrief zu Pfreimbd vorhanden. Dieser Landgraf Ulrich verkaufte auch Herzogen Heinrich, dem Jüngeren, in Bayern die Veste Falckenstein: an der Bezahlung gab ihm
der Herzog Pfreimbd, A. 1332, welches Amt zuvor durch einen bayerischen Pfleger verwaltet worden war. A. 1366 teilten die zwei Brüder Ulrich und Johann, Söhne Ulrichs, miteinander Pfreimbd,
Leuchtenberg, Zum Stein, Stierberg, Pezenstein, Dürschenreuth, Pleystein, Reichenstein, Schönsee, Gravenwörth, Schwarzenburg, Rätz, Waldmünchen; A. 1405 verkaufte Landgraf Johann Creilßheim den
Burggrafen zu Nürnberg. A. 1418 verkaufte Landgraf Johann, vorigen Johanns Sohn, Pleystein mit aller Zugehör im Nordgau an Pfalzgraf Johann um 12 000 fl. A. 1449 ward Landgraf Luitpold Vicedom zu
Amberg, starb im Jahr 1463. Luitpolds Sohn war Landgraf Fridrich, Sulzbacher Vicedom; seine Gemahlin war Dorothea, Tochter des Grafen Philipps von Scheineck. Von diesem Grafen Philipp kommt
Grafenfeld an die Landgrafen. Dieser Landgraf Fridrich hat unter anderen Kindern einen Sohn gehabt, Johann genannt, Vicedom zu Amberg, der Sulzbacher abgesagter Feind, so ihnen im Bayerischen
Krieg viele Feindseligkeiten bewies, denn er diente Pfalzgrafen Rupert; darum wurde er auch mit ihm vom Kaiser Maximilian in die Acht erklärt: ist gestorben 1531. Verließ drei Söhne… so nicht
wohl bei Sinnen, Christoph, einen wackeren Kriegsmann zu Caroli V. Zeit, und Georg, dessen Gemahlin eine Markgräfin zu Brandenburg war und im Markgräflichen Krieg sehr zu Schaden kam, er starb
1555, verließ einen Sohn Georg Ludwig, welcher oft zu Ottheinrichen nach Sulzbach kam, Principum Mercurius, so seine meiste Zeit mit Hin- und Wiederreisen verbracht hat, und ist endlich zu Wien
gestorben. Hat einen unehelichen Sohn hinterlassen, in welchem nichts Fürstliches zu sehen war. Ist endlich von seinem Schwager Maximilian, Herzogen in Bayern, in ein Kloster verschlossen worden.
Factus ex desperatione Monachus, in dem doch nichts Geistliches jemals gewesen. Sein Sohn war Maximilian Adam, der letzte seines Namens und Stammes, starb A. 1646.“ —
[42] in vielen Historien berühmt. G. M.
[43] Kämmerer und Vicedom. G. M.
[44] in großem Ansehen. Herr Haimerann Nothaft, Ritter, ward A. 1416 Pfleger zum Parkstein bei der Weiden. G. M.
[45] Dieses Geschlecht ist noch heute in gutem Esse. G. M.
[46] Bei G. M. wohl richtiger: 1490.
[47] Dieses edle Geschlecht ist auch eines der alten Turnier-Geschlechter, das sich lange Zeit im Nordgau aufgehalten hat, wie dann zu meiner Zeit ein Lichauer zum Albershof gewohnt hat, der aber
gar ins Abnehmen geraten ist. G. M.
[48] Auf Hans von Lichau folgen bei G. M. unter Nr. 28 und 29 nachstehende zwei Landpfleger:
Wolf von Parsberg, Eques auratus, A. C. 1492, Hans des Älteren Sohn und des Jüngeren Hans Vater, ist lange Pfleger gewesen zu Neuburg an der Donau. Nach des Vaters Tod hat er eine lange Zeit mit
seiner Mutter gehaust, der hinterlassenen Güter halber. Sein Weib ist eine von Wildenstein gewesen, mit welcher er zwei Söhne gezeugt hat: Herrn Hans, davon hernach soll gesagt werden, und
Gilgen.
Georg Marchalck (so!) von Ostheim hat ihm 1494 A. C. succediert. Die von Ostheim sind vornehme fränkische Adlige, haben ihren Ritter-Sitz in der Grafschaft Henneberg.
[49] Ist ein altes, berühmtes Geschlecht, derer im Turnier-Buch oft Meldung geschieht. Albrecht Murach zu Guteneck, vielleicht dieses Anherr, ist Vicedom oder Statthalter zu Amberg gewesen
cc. A. C. 1447. Dieser Albrecht, Landrichter zu Sulzbach, ist gestorben A. 1501. Sein Weib ist eine Eggloffsteinerin gewesen. G. M.
[50] A. 1502. G. M.
[51] Eines sehr alten, vorzüglichen Geschlechts. G. M.
[52] Er hat sich in der Belagerung der Stadt Sulzbach wieder ritterlich gegen die Böhmen gehalten mit seinen beiden Söhnen Sebald Stieber und Sebastian und großes Lob davon getragen, wie droben
in der Belagerung der Stadt Sulzbach mit mehrererem zu lesen ist. Der letzte Pancratius Stiber, vielleicht des Alberts Neffe, hat auch auf dem Schloss zu Rosenberg gewohnt, ist erst A. 1542
gestorben. G. M.
[53] Vom Herzogen Albrecht in Bayern dahin verordnet A. C. 1503. Kann aber nicht lange dagewesen sein, denn seiner in der Belagerung Sulzbach nicht gedacht wird. G. M.
[54] Liegt zu Regensburg begraben. Sein Sohn Sebastian von Paulsdorf ist zu hohem Alter gekommen, denn er ist erst A. 1570 verstorben; liegt zu Regensburg bei S. Lazarus begraben. G. M.
[55] Die haben hernach die Pfleg Sulzbach nach ihrem Belieben bestellt. Dieses Verzeichnis der bayerischen Landrichter habe ich aus einem Manuskript Herrn Jugleri genommen. G. M.
Es folgt nun ein besonderes Kapitel: „Von den pfalzgräfischen Landrichtern zu Sulzbach“, deren 24 aufgezählt werden, nämlich:
Sebastian Wild von Wildenreuth, 1506.
Hans Pflug zu Perschen und Königswart, 1509.
Hans Nothaft zu Weissenstein, 1512.
Hans Pappenberger, 1525.
Hans Sinzenhofer von Deiblitz (G. M.: Dieblitz), 1526.
Haug von Parsperg, 1530.
Georg Ludwig von Sensheim zu Hohen-Kettenheim, 1543.
Hans Adam Wispeck von Velburg (zu Wincklern, G. M.), 1546.
Erasmus von Truppach und Thierstein, 1549.
Konrad Pillenhöfer, 1552.
Hans Christoph von Freudenberg, 1557.
David Fuchs von Arnschwang und Schneeberg, 1560; starb am 2. Juni desselben Jahres.
Ulricus Sitzinger, berühmter juris consultus, + 1574 (1. August 1560; G. M.)
Wilhelm Freiherr zu Heydeck, Hornstein und Neustadt (an der Wald-Naab, G. M.), 1565.
Hans Adam von Moroldingen auf Wolfseck und Hornbach, 1573.
Hans von Freudenberg zu Rupprechtstein und Neukirchen, 1582.
Hans Jakob von Pertachingen (Berlachingen, G. M.), 1584.
Achatius von Guttenberg, 1592.
Georg Friedrich von Eyb, 1594.
Hans Friedrich Pelkover von Mosswang, 1595.
Friedrich von Schalley, ein Hess von Malsfeld und Mönchshofen, 1606.
Adam Freiherr von und zu Hebersdorf, Brauneck und Lybach, aus der Steiermark gebürtig, 1612.
Wolf Philipp von Brand auf Kürmreuth, 1615.
Otto Pflug, aus der nobillissima Pflugiorum familia, 1627.
Fast allen diesen Namen sind biographische Bemerkungen beigefügt, und zwar in der Handschrift des Germanischen Museums meist in weit ausgedehnterem Maße als in der des Sulzbacher Archivs. Dies
gilt besonders für die Nummern 6, 8, 14, 21 und 22.
Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. November.
