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Zwei Mitglieder der Zopfgesellschaft

Zwei Mitglieder der Zopfgesellschaft.

Auf Spalte 177 ff. in Nr. 5 des diesjährigen Anzeigers haben wir ein Glasgemälde zu St. Erhard in der Breitenau in Steiermark besprochen, das den Herzog Albrecht III. von Österreich in der Ordenstracht der Zopfritter darstellt. Wir haben daselbst versprochen, noch ein weiteres Glasgemälde aus Steiermark nebst einer noch vorhandenen Zopfkapsel zu veröffentlichen. Letzteres ist vorläufig nicht möglich. Dagegen bilden wir auf der beiliegenden Tafel eine von den zwei ritterlichen Figuren ab, die sich auf einem Fenster in der Kirche St. Maria am Wasen bei Leoben befinden. Das Fenster ist dreiteilig, durch Eisensprossen, wie gewöhnlich, in eine Anzahl Felder geteilt, von denen jedes eine eigene, abgeschlossene Darstellung enthält, sodass im dreiteiligen Fenster 27 solcher Darstellungen vorhanden sind. Wir haben über diese Eigentümlichkeit der steiermärkischen Fenster a. a. O. gesprochen, gehen also hier nicht näher darauf ein, dass das Fenster aus diesem Grunde auf den ersten Blick den Charakter des 13. Jahrhunderts zeigt, während es in der Tat dem Beginn des 15. Jahrhunderts angehören dürfte. Die Technik ist ganz der des Fensters zu St. Erhard und anderer steiermärkischer Fenster, so der zu Straßengel, ähnlich, hier jedoch mehr als handwerksmäßig roh.

Auf den 27 Feldern befinden sich vorzugsweise einzelne Figuren unter einfachen architektonischen Rahmen, darunter zwei männliche und zwei weibliche Donatoren, die einer Familie angehören. Im zweiten Feld von unten (heraldisch) links kniet der eine Ritter, „Herr Pernger[A] Tumerstarffer“; ihm gegenüber (heraldisch rechts) seine Frau „Margaretha Wolfsawerin“. Der Ritter kniet hinter seinem Wappenschild, der eine gezinnte Teilung von Blau und Gelb zeigt. Auf dem Wappenschild stehen zwei Helme, von denen der zur Rechten ein Paar Büffelhörner im Hermelin mit gelben Pinnen (Kämmen), der zweite einen Flug mit der Tinktur des Schildes als Helmzier trägt. Die Tracht des Ritters zeigt die Beine bereits total in Eisenschalen, ohne die Kettenpanzer irgendwo erscheinen zu lassen. Ebenso die Arme; der Lendner ist, nach der heraldischen Tinktur des Schildes Blau in Gelb zinnenförmig geteilt, aus Leder, sodass seine Nähte sichtbar sind. Eine Halsberge könnte etwa durch die Zeichnung des Musters ein Kettengeflecht andeuten sollen; jedenfalls ist sie von Eisen; der Helm zeigt ein aufgeschlagenes Visier, das sich um einen durch eine Rosette gezierten Stift an der Stirne dreht und so ganz am oberen Ende befestigt ist. Hinter dem Rücken erscheint ein gelber, verzierter Streifen, vollkommen der Kapsel des Albertus ähnlich. Er zeigt horizontale Linien als Verzierung und läuft unten in ein Ornament aus. Die Gesichtszüge sind so hart, die Darstellung so roh, dass wir das Gesicht nicht als Porträt betrachten möchten, obwohl der eine Zahn, welcher sichtbar ist, das andeuten dürfte. Der Grund des Glasgemäldes ist rot. In den gefalteten Händen trägt der Ritter ein Spruchband mit der Inschrift: miserere mey deus secundum. Seine ihm gegenüber knieende Hausfrau hat einen von Blau und Weiß geteilten Schild in umgekehrten Farben gerändert, als Helmzier einen weißen Schwan, der in eine weiße Helmdecke mit blauem Futter übergeht. Der Grund der Darstellung ist grün, und in dem grünen Grund sind Flügel des Schwans durch schwarze Zeichnung angedeutet. Im 7. Feld von unten rechts ist ein zweiter Ritter, Herr „Jorg Tumerstarfer“. Er kniet hinter demselben Wappen, das auch Bernhard hat, sodass er als dessen Bruder zu betrachten sein dürfte. Sein Kostüm ist jedoch reicher als das des vorigen. Die Halsberge hat die Gestalt eines großen Kragens und dürfte als Leder zu betrachten sein; sie ist mit Fransen eingesäumt und trägt zwei Wappen, von denen das rechts ein Kreuz, das links eine Wiederholung des Hauptwappenschildes enthält. Der Zopfbehälter trägt hier eine Einfassung von Perlen und ist mit Schuppen geziert, die große Geflechte andeuten. Als Wehrgehänge hat er um den Leib einen zweiten Zopf gelegt, der einen verschlungenen Knoten zeigt und in langer Schleife herabfällt; der letztere Umstand lässt uns allerdings sehen, dass unsere frühere Meinung, die Zöpfe wären durchgehend in Metallkapseln gefasst gewesen, unrichtig ist, und dass die sichtbaren Hüllen der Zöpfe vielmehr aus Stoff, etwa Goldstoffen bestanden, die einen metallenen Endbeschlag hatten[B].

Für diese Anschauung sprechen auch die Wandgemälde in der Kirche zu Königsfelden in der Schweiz, von denen wir in einer der nächsten Nummern Abbildungen geben zu können hoffen. Diese zeigen die Zopfhüllen in denselben Farben wie die Lendner und mit Metallspitze versehen. Ein Spruchband in den Händen des Ritters besagt: ora pro me sancta dey genitrix. Unmittelbar unter ihm kniet seine Frau, die „frow Anna, Eberhart Paierhofer Tochter“. In ähnlicher Weise wie bei einer der Gemahlinnen Herzog Albrechts ist auch bei ihr ein langer, geflochtener Zopf sichtbar. Ihr Wappenschild ist durch eine linke weiße Spitze in Rot und Blau geteilt; die Helmdecke blau mit weißem Futter; die Helmzier ein Flug in den Tinkturen des Schildes.

Die Stellung der beiden Tafeln im Fenster zeigt deutlich, dass dieselben nicht mehr am ursprünglichen Platz sich befinden. Wahrscheinlich nahmen ehemals die beiden Männer die untersten zwei Tafeln rechts, die beiden Frauen die untersten Tafeln links ein. Da sie jetzt versetzt sind, so möchten wir keineswegs definitiv die Frage abgeschnitten haben, ob die Ehepaare so zusammengehörten, wie wir sie zusammengestellt haben, und überlassen diese Frage vielmehr den Genealogen. Unter den Heiligenfiguren des Fensters befinden sich Bernhard, Georg, Margaretha; eine heilige Anna befand sich wohl in den jetzt durch sehr schlecht gemalte Scheiben erneuerten Teilen.

A. Essenwein.

Fußnoten:
[A] Wahrscheinlich Berinher oder Bernhard, da unter den Figuren des Fensters auch der heil. Bernhard vorkommt. Vgl. Förstemann’s altd. Namenbuch, I, 231 f.

[B] Wie die frühere Tafel zeigt, ist die Kapsel des Albertus nicht anders als metallisch zu betrachten.


Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866.