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Eine neue Flugschrift über den englischen Schweiß des Jahres 1529

Heilmittel gegen diese jüngst aufgetretene Krankheit, die durch Schweiß verderben soll, zum Schutz aller und zur Gesundheit der christlichen Gläubigen, aus der Volkssprache ins Lateinische übersetzt von einem jungen Mann von ausgezeichnetem Charakter.

Bartholomäus Zehner.

Im Jahr 1529, am neunten September. An die hochwürdigsten Priester Christi, Andreas Fabre, Kanoniker der Kirche von Haugesund, Herbipolis, und Rupert Chilianus von Mellerstatt. Ihren Herren und Gönnern zu gedenken.
Bartholomäus Zehner.

Mir ist kürzlich ein kleines Buch in die Hände gefallen, das Heilmittel und eine Heilmethode gegen jene neue Plage enthält, die angeblich durch Schweiß den Menschen unmittelbar verderben soll. Da es in der Volkssprache Niederdeutschlands verfasst ist, konnte es den Männern Oberdeutschlands nicht als Geschenk überbracht werden. Mania, weil unser Volk davon kaum etwas verstanden hätte. Deshalb übersetzte ich es ins Lateinische, jedoch nicht, um es öffentlich zu veröffentlichen, sondern um durch seine Beschreibung unseren Freunden zu gefallen. Nachdem sie es mit mir gesehen hatten, bedrängten sie mich unaufhörlich mit Bitten und Drohungen, bis ich schließlich der öffentlichen Veröffentlichung zustimmte. Daher wünsche ich mir, ihr besten Maecenas, die ihr euren Meister verehrt, dass es, sollte es dem Gemeinwohl nützen, von euch angenommen werde, die ihr alle guten und gelehrten Männer mit Liebe und Pflicht umgebt und euch immer wieder erobert.

 

Lebt wohl.
Allen Frommen und Gläubigen Christi sei Gesundheit und Gnade vom Herrn Gott.

Es besteht kein Zweifel, dass diese neue Art von Krankheit vom allmächtigen Gott als Strafe für die Nachlässigkeit und Verachtung der Gebote und seines rettenden Wortes gesandt wurde, so wie in der Vergangenheit aus diesem Grund verschiedene Arten derselben Krankheit auftraten und er drohte, sie mit verschiedenen Plagen zu heimsuchen, denn Gott kann nicht täuschen (5. Mose 28; 3. Mose 26). Dies zeigt sich besonders deutlich daran, dass er uns sein Wort, das eine Zeitlang aufgrund unserer Sünden verborgen und unseren niederen Herzen entzogen war, in Fülle und Fülle zurückgegeben hat. Und doch gibt es leider niemanden, der es mit Würde aufnimmt oder weitergibt. Die Evangelisten, die Frieden verkünden sollen, vermischen Himmel und Erde und verdrehen alles; diejenigen, die durch Predigten aufbauen sollen, agieren eher als Schauspieler denn als Prediger des wahren Wortes. Doch welche Früchte bringen die Zuhörer mit? Sie haben das Unkraut gepflückt und bringen gewiss keine Feigen hervor. Denn wie lange dieses Unkraut auch schon von den Geistlichen, den Obrigkeiten oder von denen, die ohnehin schon sündiger waren, in Hass gestürzt wurde, so sehr wüten sie immer mehr gegen sie. So wird uns das rettende Wort Gottes zum Anstoß und zum Ärgernis, das uns eigentlich hätte helfen sollen. Denn das Wort, das in der Mitte steht, gebietet allen, zuerst Buße zu tun und sich von ihren Sünden zu bekehren, zuerst den Balken aus dem eigenen bösen Auge zu ziehen und dann dem Bruder gütig beizustehen, anstatt ihn zu verfolgen und anzugreifen, wie es die Evangelisten taten.

Ist es da nicht verwunderlich, dass angesichts unseres allgemeinen Niedergangs niemand mehr Gutes tut, nicht einmal einem einzigen? Ja, da wir nicht nur in alte Sünden zurückfallen, sondern unser böser Sinn auch täglich schlimmer wird, indem wir ständig nach Betrug, Vergnügungen, List, bösen Künsten und Machenschaften suchen, die Gott erzürnen, ist es verwunderlich, sage ich, deshalb ist es nicht gerecht von Gott, täglich neue Plagen zu verhängen, eiserne Ruten vorzubereiten, mit denen er uns zwingen will, nachzugeben, indem er seine Güte und Langmut zu sehr missbraucht, als es jetzt genug ist. Doch die Frommen, deren Herz noch nicht verhärtet ist, fürchten den göttlichen Zorn und streben danach, ihn zu besänftigen, damit sie nicht von ihm erfasst werden. Sie sind klug in ihrem Zorn, kehren zum rechten Weg zurück, bereuen ihre Sünden und wenden sich zuerst von ganzem Herzen von ihren schlimmsten Wegen ab, um zum wahren Weg zurückzukehren, der Christus ist. Durch ihn werden wir nicht weniger Gnade vom Vater der Barmherzigkeit empfangen, ja sogar mehr als die des verlorenen Sohnes (Lukas 15). Lasst uns nun dieselbe Demut und dasselbe Bekenntnis unserer Unwürdigkeit bezeugen.

Doch alle, die von dieser Krankheit befallen sind, sollen sich zuerst Gott ergeben und seinen Willen geduldig ertragen. Sie sollen flehen, dass Gott, der Urheber allen Guten, alles Böse, das er über sie gebracht hat, zum Guten wende und ihre Hoffnung auf ihn so stärke und festige, dass sie gewiss seien, dass Gott, der jetzt ihren Körper quält, ihrer Seele mit umso größerer Barmherzigkeit beistehen wird, denn wir wissen, dass er selbst die zurechtweist, die er liebt.

Mit diesem so gestärkten Geist, weil alle Sorge um sich selbst auf Gott gerichtet ist, wollen wir uns dennoch in der weiteren Entwicklung beobachten.

Es muss daher bekannt sein, dass diese Krankheit unterschiedlich stark ausfällt. Manche werden zuerst von einer Unruhe befallen, manche von Furcht und Erschütterung, während andere von einem Kälteschock erfasst werden.

Andere aber werden von einer Hitze mit Schweiß und Angst geplagt und zittern.

Manche erkranken im Schlaf an dieser Krankheit und wachen dann schweißgebadet auf.

Andere, wenn auch seltener, erkranken daran, wenn sie durch Überanstrengung erschöpft sind oder wenn sie zu viele heiße Getränke zu sich nehmen.

 

Unabhängig vom Krankheitsbeginn ist die Behandlung dieselbe. Ist der Betroffene bettlägerig, sollte er nicht aufstehen, sondern im Bett bleiben und sich möglichst warmhalten. Es ist jedoch unbedenklich, ihn von Beginn an unverzüglich in ein anderes Bett zu verlegen, um eine Atemnot zu vermeiden, die bei dieser Krankheit den schnellsten Tod verursacht. Wird der Betroffene im Stehen oder Gehen von dieser Krankheit befallen, sollte er sich so schnell wie möglich ins Bett begeben und seine Kleidung anbehalten, auch wenn er sie zum Atmen lockern kann. Das Bett sollte groß und geräumig sein, da die heftigen Schmerzen oft zu Wahnsinn führen. Ist dies nicht möglich, sollte es auf dem Boden ausgebreitet werden, um Patienten, die in Panik geraten, besser fixieren zu können und jegliche Luftzufuhr zu verhindern. Daher sollte der Patient 24 Stunden im Bett bleiben und zugedeckt werden. Dabei ist größte Sorgfalt darauf zu verwenden, dass er nicht der Luft ausgesetzt wird. Eine moderate Wärme ist wichtig, sodass weder Hitze noch Kälte zu stark sind. Decken können seitlich platziert werden, um zu verhindern, dass beim Umdrehen des Patienten Zugluft eindringt.

Keine Gliedmaßen dürfen 24 Stunden lang unbedeckt bleiben; lediglich der Kopf sollte frei sein. Der restliche Körper muss sorgfältig vor Wind geschützt werden. Schweiß kann mit warmen Handtüchern vom Gesicht des Patienten abgewischt werden. Bei starker Atemnot können die Decken um den Hals etwas gelockert werden. Die Schultern sollten stets warm gehalten und die Beine vor Kälte geschützt werden.

Es ist darauf zu achten, dass der Patient nicht länger als die vorgeschriebene Zeit schläft. Durch den Schlaf kann sich Fieber im Kopf ansammeln und eine doppelte Gefahr darstellen.

Dem Erkrankten sollte ein Getränk angeboten werden, das weder zu kalt noch zu heiß, sondern lauwarm sein sollte. Bier ist natürlich leichter, oder etwas Ähnliches. Er sollte jedoch aus einem Gefäß mit schmaler Öffnung trinken, damit er sich nicht durch zu gieriges Trinken verletzt. Am besten wäre es aber, ganz auf Alkohol zu verzichten. Ist dies nicht möglich, sollte er sparsam und so viel wie möglich trinken. Zur Stärkung können Rosenkonfitüre, weißer Zucker und andere bruststärkende Mittel verwendet werden. Man sollte sich jedoch davor hüten, sich leichtfertig ungebildeten und willkürlichen Ärzten anzuvertrauen, da die meisten ohne ärztliche Behandlung genesen.

Das Schwitzen dauert bei diesen Kranken gewöhnlich zwölf Stunden an. Danach leiden sie am meisten unter der starken Hitze und müssen dann sorgfältig vor jeglicher Luft und Schlaf geschützt werden.

In dieser Notlage können sie durch süße Düfte erfrischt werden, beispielsweise durch ein kleines, in Wasser getränktes Stück Lavendel oder Rose, das man sich in die Nase hält. Man kann sie auch schonend kühlen, indem man diese Wassermischung mit einem gut ausgewrungenen, aber nicht zu nassen Tuch um Schläfen und Stirn legt.

 

Obwohl diese Vorgehensweise vielen durch Gottes Gnade, auf dessen Hilfe wir gewiss vertrauen, geholfen hat, kann auch anderen geholfen werden. Dennoch sollen die Helfer nach Ablauf von 24 Stunden nicht nachlassen, sondern sich sorgsam um den Patienten kümmern und ihn versorgen. So erhält er warme Tücher unter der Decke, mit denen er sich den Schweiß abwischen kann. Außerdem soll er ein ebenfalls warmes Untergewand unter die Decke legen. Schließlich soll er aus dem Bett gehoben, bald in seine Kleidung gehüllt und an das Feuer eines Ofens gelegt werden, der nicht überdimensioniert ist. Dort soll ihm, wenn er darum bittet, etwas zu essen gegeben werden, jedoch nichts Kaltes. Er soll sich rasch etwas erfrischen. Das Bett soll gewendet und mit frischer, warmer Bettwäsche bezogen werden. Bald darauf soll der Kranke wieder hineingelegt werden und sich etwas Ruhe gönnen.

Da die Gefahr nach 24 Stunden vorüber ist, wird dem Patienten dennoch geraten, sich einige Tage, zwei oder drei, vor Kälte zu schützen, seinen Körper warm zu halten und jeglichen Schweiß, der auftritt, so sauber wie möglich abzuwischen, insbesondere zur Zeit des Neumondes.

Schwangere Frauen sollten sich daher einige Tage nach der Entbindung oder während der Entbindung selbst schonen, bis sie sich wieder wohl fühlen. Alle sollten auf kalte Getränke verzichten, bis sie ihre Kräfte vollständig wiedererlangt haben, insbesondere diejenigen, die vor dieser Seuche fliehen und alles Kalte meiden. In all dem aber herrscht die göttliche Gnade, um die wir in Reue über unsere Sünden beständig bitten sollen. Denn sie wird niemals vergeblich erfleht, wenn sie in wahrem Glauben erhört wird.

Daher sind die göttlichen Ermahnungen und Verheißungen sorgfältig aus den heiligen Schriften auszuwählen, die bekanntesten aus Psalm 4. Wenn ich dich rufe. 130. Von der Tiefe und 30 weiteren, die ihnen gleich sind, sollen die Hoffnung der Kranken auf Gott gestärkt und ihr Vertrauen gefestigt werden, damit sie in allem, in guten wie in schlechten Zeiten, lernen, sich und alles, was ihnen gehört, Gott anzuvertrauen und gewiss einen gütigen Vater zu erfahren. So wird der Kranke dem göttlichen Willen anvertraut.

Jeder soll Gott für seine Gnade danken; ihm sei Lob, Ehre, Anbetung und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. Juni.