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Die Krönungsinsignien des Mittelalters

Nach Dr. F. Bocks Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen

von A. Essenwein.

Unsere deutsche Literatur ist nicht eben arm an guten und interessanten Werken, und doch dürften sich darunter wenige finden, die gerade für alle die Kreise, welche das germanische Museum repräsentiert, mehr und gleichmäßigeres Interesse finden, als das große Prachtwerk des Canonicus Dr. F. Bock, Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses. Ist ja sein Inhalt so enge verwachsen mit der Geschichte des deutschen Volkes und behandelt er doch gerade die sprechendsten Zeugen oder Zeichen deutscher Herrlichkeit! Aber nicht bloß für den Patrioten, nicht bloß für den Forscher auf dem Gebiete der Geschichte, auch für die Kunstforschung ist das Werk ein hochwichtiges, da es derselben neue und höchst wertvolle Materialien zuführt. Es ist für den Künstler von höchster Wichtigkeit, denn wie oft bildet der Maler den deutschen Kaiser ab! Welche Fülle von Ornamenten findet der Goldschmied, der Seidenwirker, der Sticker in den Tafeln des Werkes! So allseitig auch das Interesse daran sein mag, so wenige werden leider in der Lage sein, das Werk selbst zu sehen, da es zu jenen teuren Prachtwerken gehört, die nur wenigen zugänglich sind. Wir glauben daher eine Pflicht zu erfüllen, wenn wir die Leser des Anzeigers nicht bloß obenhin damit bekannt machen und von dessen Existenz einige Worte sprechen, sondern näher auf den Inhalt selbst eingehen, da wir aus dem angeführten Grund eben die Leser nicht auf das Werk selbst verweisen können. Wenn wir daher die vorliegende Besprechung nicht in die Beilage des Anzeigers unter die literarischen Notizen stellen, so mag der Umfang derselben, die Wichtigkeit des Gegenstandes und die Unzugänglichkeit des Originalwerkes dies rechtfertigen. So ist es uns auch möglich, in der Reihenfolge der zu behandelnden Gegenstände einigermaßen von der durch das Entstehen des Werkes selbst bedingten zufälligen Reihenfolge abzuweichen.

Das Werk behandelt nicht bloß die eigentlichen deutschen Reichskleinodien, sondern auch alle formverwandten Parallelen, d. h. sozusagen alles, was von königlichen Insignien aus dem Mittelalter heute noch erhalten und bekannt ist; wir finden darin eine Serie von Goldschmiedearbeiten, die ihren Ausgangspunkt noch unter den altgermanischen Stämmen nimmt und durch das ganze Mittelalter sich bis ins 17. Jahrh. verfolgen lässt; wir finden alle Entwicklungsphasen vertreten, welche die Form der Krone durchgemacht hat. Wir finden Reichsäpfel, Zepter und Schwerter vertreten; wir finden eine prachtvolle Serie von Pluvialen, Dalmatiken, Alben und Tunicellen, die fürstlichen Personen gedient haben, sodass auch hier sich interessante kunstgeschichtliche Parallelen aufstellen lassen. Außerdem finden wir aber auch den ganzen Apparat, der in der Krönungskirche bei der feierlichen Gelegenheit einer Krönung gebraucht wurde, und die Behandlung der Feierlichkeit selbst.

Wir zerlegen daher den Aufsatz in drei Teile, in deren erstem wir das besprechen, was sich auf die Krönung der Kaiser bezieht; im zweiten werden wir die einzelnen Teile des Krönungsornates in Besprechung ziehen, im dritten aber die kunstgeschichtliche Bedeutung der einzelnen Parallelen und den Entwicklungsgang der Formen der einzelnen Zeichen königlicher Machtvollkommenheit zu zeigen versuchen. Wir hoffen so unserem gelehrten Freunde und Mitarbeiter des Museums gerecht zu werden wie dem Interesse der Wissenschaft.

Die Einleitung des Bock’schen Buches beschäftigt sich mit der Krönung, und zwar vorzugsweise mit der Art und Weise, wie und in welcher Reihenfolge die einzelnen Stücke angelegt wurden. Bekanntlich wurden die Reichskleinodien zu Nürnberg in einer Truhe aufbewahrt, die jetzt im germanischen Museum steht, ehemals aber in der heil. Geistkirche oben am Gewölbe hing. Von Nürnberg aus wurden die Kleinodien zu jeder Krönung in die Krönungsstadt (Rom, Aachen, später Frankfurt) gebracht, und zwar durch Abgesandte des Rates. Es existieren noch Berichte der mit dieser Sendung beauftragten Ratsherren. Der Verfasser konzentriert seine Bemerkungen zunächst auf die zu Aachen 1520 stattgefundene Krönung Karl’s V. Wir bemerken, dass sich im königlichen Archiv zu Nürnberg ein Bericht von den damals mit der Mission der Überbringung der Kleinodien betrauten Nürnbergern befindet. Am 22. Oktober hatte die feierliche Einholung des Königs stattgefunden, am folgenden Tage versammelten sich die drei geistlichen Kurfürsten mit ihrer Klerisei in der Nicolaikapelle des Domes, wo der König mit glanzvoller Umgebung in fürstlichen Gewändern mit goldenem Oberkleide erschien. Der Erzbischof von Köln beräucherte ihn, worauf er das Kreuz und Evangelienbuch küsste und, von den drei Erzbischöfen und vom Klerus geleitet, in die Kirche eingeführt wurde, während der Chor die Antiphon anstimmte: Ecce ego mittam angelum meum. Vor dem Altar ließ sich der König auf goldenem Teppich nieder, worauf der Erzbischof von Köln, der die Krönung vollzog, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten begann. Von den Erzbischöfen zu Mainz und Trier wurde Karl sodann zur Sella aurea geführt. Darauf begann die Krönungsmesse, wobei der Chor den Introitus vom Feste Epiphanias anstimmte: Ecce advenit dominator dominus. Die Epistel begann mit den Worten: Surge illuminare Jerusalem. Während der König sich sodann wieder vor den Stufen des Altars niedergelassen hatte und der ganze Klerus kniete, sang man die Liturgie aller Heiligen; darauf legte der Consecrator, angetan mit der Mitra und dem Stabe in der Hand, dem Coronandus die üblichen Fragen vor, nach deren Beantwortung er sich an die versammelten Fürsten wandte: Vultis tali principi et rectori vos subjicere ipsiusque regnum firmare fide stabilire atque jussionibus illius obtemperare juxta Apostolum: Omnis anima potestatibus sublimioribus subdita sit sive regi tanquam praecellenti...? Nach dreimaligem „fiat“ wendete sich der Abt von Prüm an das Volk, dem er die Frage deutsch vorlegte. Abermals kniete Karl am Altar nieder und der Erzbischof sprach eine längere Segnung, worauf er Handschuhe und Ring ablegte und Karl salbte, der hierauf von den Erzbischöfen von Mainz und Trier in die Sakristei geleitet wurde, wo die Kapläne die gesalbten Körperteile abtrockneten. Die Gewänder, die der Gesalbte bis dahin getragen, wurden nun abgelegt und fielen dem Krönungsstifte zu. Da Karl aber mit den vom Nürnberger Rate gesendeten Gewändern (Sant Keysser Karl’s Claidung) in der Sakristei bekleidet werden sollte, entstand eine Verwirrung, da man die Reihenfolge der Anlegung nicht genau kannte und auch befürchtete, die Kleider möchten Schaden leiden. Karl wurde daher mit andern analogen, dem Münster gehörigen Pontifikalien bekleidet.

Nach dem Ritus hätten zuerst die seidenen Strümpfe und Schuhe, sodann das seidene Humerale angelegt werden sollen, hierauf die dunkle tunica talaris, den priesterlichen Talaren entsprechend, die, nach Bock, mit einem Gürtel geschürzt wurden. (Wir glauben hier bemerken zu müssen, dass das Gewand so zugeschnitten war, dass eine Schürzung nicht notwendig war, dass es aber auch nur eine größte Länge von 4′ 7½″ hat, dass also, da es bis zu den Füßen reichen sollte, die Schürzung bei großen Personen nicht notwendig war.) Darüber hätte nun von der Nürnberger Krongesandtschaft und den Hofkaplänen die kaiserliche Albe gelegt werden sollen, statt deren Karl „mit einer schlechten weißen Alm“ bekleidet wurde. Diese Albe ist sehr lang, musste also auch bei den größten Personen mit einem Gürtel aufgeschürzt werden. Darauf war die große, breite kaiserliche Stola anzulegen, die, da sie 18′ lang ist, mehrfältig zusammengelegt und geschürzt werden musste, was bei ihrer großen Breite immer gewisse Schwierigkeiten machte. Unter den von Nürnberg mitgebrachten Kleidungsstücken befand sich auch die sogenannte „Adlerdalmatika“, die indessen nicht bloß hier nicht gebraucht wurde, sondern die wohl überhaupt von jeher ein Profangewand war, zu dem auch die nun verloren gegangene Gugel gehörte, und das etwa gebraucht wurde, wenn sich der Kaiser im Festzuge aus dem Palaste zur Krönungskirche begab. Eine wirkliche Dalmatika jedoch, die sich noch zu St. Peter in Rom befindet, stand zur Krönung in Beziehung, indem sie der zu krönende Kaiser trug, wenn er in der Krönungsmesse das Evangelium sang.

An den Altar zurückgekehrt, empfing Karl vom Krönenden das aus der Scheide gezogene Schwert, das sodann in die Scheide gelassen und dem Coronandus umgegürtet wurde. Hierauf wurde ihm ein Ring an den Finger gesteckt, der jedoch, obwohl bei jeder Krönung notwendig, nicht zu den Kleinodien gehörte, bei denen schon im Beginn des 15. Jahrh. sich keine Ringe mehr befunden zu haben scheinen. Unmittelbar nachher dürfte der zu Krönende die Handschuhe angezogen haben. Die damals noch bei den Kleinodien befindlichen zwei romanischen Armspangen mit Darstellungen der Geburt Christi und der Opferung in Email wurden damals schon nicht mehr gebraucht und an ihrer Stelle dem Coronandus die Insignien des Goldnen Vlieses umgehängt. Zugleich damit wurde demselben der Mantel angelegt, der nach dem Ritus erst später hätte gegeben werden sollen, wenn er bereits Zepter und Reichsapfel hatte, die von den Assistenten dem Consecrator übergeben wurden, der nun das Zepter in die Rechte, den Reichsapfel in die Linke des zu Krönenden legte, wobei er das vorgeschriebene Gebet verrichtete.

Sodann nahmen die drei Erzbischöfe die goldene Krone und setzten sie dem neuen König unter vorgeschriebenen Gebeten auf, der nun zum Altar schritt und auf das Evangelium den Eid ablegte. Hierauf begab sich der König, geführt von den Erzbischöfen, über eine Wendeltreppe auf die Empore des karolingischen Oktogons, wo der König vom marmornen Stuhle Karl’s d. Gr. Besitz nahm. Der Erzbischof von Mainz sprach nun Worte der Begrüßung an den Neugekrönten, worauf Propst und Canoniker des Krönungsstiftes nahten und nach vollzogener Begrüßung den König in die Reihe der Canoniker aufnahmen, wobei er den vorgeschriebenen Eid leistete, worauf er einigen den Ritterschlag erteilte. Nach Noppius stand es frei, ob der König dies mit dem Schwerte „derer von Nürnberg, so etwas schwer sei“, oder mit dem Karl’s d. Gr. von Aachen tun wolle. Der Chor sang das Te Deum. Nachdem sich der König sodann wieder in die Kirche zum Altar begeben hatte, wurde das Messopfer fortgesetzt. Ein Canoniker des Stiftes sang das Evangelium der Epiphania: Cum natus esset Jesus in Bethlehem Juda. Nachdem der Chor den Gesang des Symbolums beendet hatte, wurde die Sequenz Reges Tharsis angestimmt. Der König legte nun das Schwert ab, überreichte es dem Erzmarschall, den Reichsapfel dem Pfalzgrafen bei Rhein; das Zepter in der Rechten haltend, trat er sodann zum Altar und brachte ein Geldstück zum Opfer; hierauf schritten die Kurfürsten und Canoniker des Krönungsstiftes zum Opfer und wurde ihnen vom Celebrans das Sacrum zum Kusse gereicht. Beim Agnus Dei kniete der Bischof von Lüttich am Altar nieder und empfing das osculum pacis; derselbe nahm sodann das Sacrum und reichte es dem Bischof von Mainz, der es dem König zur Verehrung darbot. Nach der Communion des Celebrans empfing der König solche an den Stufen des Altars.

Nach der letzten Collecte begab sich der Erzbischof in die Sakristei, während der König, vor dem Altar sitzend, abermals mehreren den Ritterschlag erteilte, und die drei Kurfürsten die Pontifikalien mit dem kurfürstlichen Purpur vertauschten. Auf einer eigens dazu erbauten Brücke, die mit Tuch belegt war, begab sich sodann der König mit dem Gefolge im Zuge unmittelbar zum Rathaussaale, wo das Krönungsmahl stattfand.

Das Ceremoniale stimmt, wie wir hier nebenbei bemerken wollen, im Wesentlichen mit dem anderer Königskrönungen überein, so mit dem der polnischen Krönungen, das wir in unserem Buche „Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau“ angeführt haben.

In einem Teile des Anhanges führt nun Bock noch einige kostbare Prachtstücke auf, die zum Schmucke des Altares der Krönungskirche dienten. An der Spitze das Frontale zur Bekleidung der Altarmensa, aus Gold getrieben, das nicht mehr im Ganzen besteht, dessen einzelne Teile aber noch sämtlich erhalten sind. In der Mitte ist die Majestas Domini, daneben St. Michael, Patron Deutschlands, und die heilige Jungfrau. Die Symbole der Evangelisten umgeben den Mittelteil, darum zehn Szenen aus dem Leiden Christi vom Einzuge in Jerusalem bis zur Auferstehung.

Noch erhalten sind die zwei kostbaren Reliquienschreine, von denen einer die Gebeine Karl’s d. Gr. umschließt, die hinter der Mensa des Hochaltares erhöht aufgestellt wurden. Sie finden ausführliche Beschreibung, wie auch der Ambo Heinrich’s II. und der Kronleuchter Friedrich Barbarossa’s, das Kreuz Lothar’s, das Evangelienbuch Heinrich’s II., eine Kleinodientruhe, von Richard von Cornwallis herrührend, ein Aquamanile in Gestalt eines Bacchuskopfes, zwei silberne Messkännchen in Gestalt von Engeln, das Weihwassergefäß aus Elfenbein Otto’s III., endlich die beiden Reliquiarien in Form eines Brustbildes und eines Armes, in denen das Cranium und der Armknochen Karl d. Gr. aufbewahrt werden. Auf dem Kopfe dieses Brustbildes ruht die Corona argentea.

Ein anderer Abschnitt des Anhanges beschäftigt sich mit den zu den deutschen Reichskleinodien gehörigen Reichsreliquien und der von 1425–1523 jährlich stattfindenden öffentlichen Vorzeigung der Kleinodien und Reliquien, die zu Nürnberg am zweiten Freitag nach Ostern geschah und als Festum de lancea et clavis domini in Deutschland und Italien gefeiert wurde, ein Festtag, der sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat.


Fußnote:
[A] Abgedruckt mit einem zweiten Berichte über den Einritt des Kaisers in Aachen, der sich handschriftlich in der Bibliothek des germanischen Museums befindet, von Dr. Cornel. Will, Archivsekretär des german. Museums, im Chilianeum IV, 334 ff. Dieser Abdruck hat neben Hartmannus Maurus der Darstellung Bock’s zu Grunde gelegen. Ein Bericht des Ritters Ludwig von Eyb über Maximilan’s Krönung zu Aachen 1486, mitgetheilt von Jos. Baader, bietet nach mancher Seite hin gröſsere Anschaulichkeit (Annalen des histor. Vereins f. den Niederrhein, XV. Heft. 1864).


Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. April.


Betrachten wir nun die Kleinodienstücke selbst, die zum kaiserlichen Ornate gehörten, so sind es sowohl stoffliche als auch metallische. Wir fassen zuerst die stofflichen ins Auge, nämlich die Tunica, Alba und Pluviale, denen sich das Humerale, die Strümpfe, Schuhe und Handschuhe anschließen. Das Humerale ist verloren gegangen; von Schuhen und Handschuhen, die früher in mehrfacher Zahl vorhanden waren, findet sich nur noch je ein Paar. An diese Stücke schließen sich noch die Stola und mehrere Cingula. Bekanntlich schreibt die Volksüberlieferung den Ursprung der Gewänder sowie der metallischen Kleinodien dem Wiedererwecker des römischen Kaiserthums, Karl d. Gr., zu. Die vorhandenen Gewandstücke entstammen jedoch dem Kunstfleiß der Araber in Sicilien, wo sie am Schluss des 12. Jahrhunderts angefertigt wurden und ursprünglich nicht die Bestimmung hatten, für das deutsche Reich zu dienen.

Die tunica talaris ist ein Gewand von dunkelviolettem Seidenstoff, dem dunkelsten Ton des Purpurs, der zugleich der kostbarste und teuerste war. Am unteren Rand ist er mit rotem Zendal besetzt und darauf ein goldenes Ornament gestickt. Ebenso am Rand der vorn eng anschließenden Ärmel, wo die Stickerei mit Perlen besetzt ist und ein Rand kleiner Emailplättchen den Ärmel umsäumt.

Der Schnitt ist derart, dass das Gewand um die Taille verhältnismäßig eng ist, von da aber nach unten sich schräg bedeutend erweitert. Eine einfache Goldborte umgibt den engen Halsausschnitt.

Die Alba besteht aus einem glatten, schweren, weißen Seidenstoff, der etwa im 16. Jahrhundert auf den älteren, gleichfalls weißen, ungemusterten, glatten Seidenstoff aufgenäht wurde. Sie ist am unteren Rand mit einem breiten Saum von lichtviolettem Purpur versehen, der in drei Reihen übereinander sich stets wiederholend je zwei einander zugewendete Greife zeigt. Maurische und lateinische Inschrift desselben Inhalts sagen, dass Wilhelm II. von Sicilien im Jahre 1181 die Gewänder in Palermo hat anfertigen lassen.

Der Halsausschnitt ist ringsum mit breiter Verzierung versehen, die in Gold und Perlen auf rotem Grund gestickt ist und dem Rationale der Bischöfe entspricht.

Die Ärmel haben am weiten Oberarm einen gestickten Streifen und auf violettem Grund eine Reihe von sich wiederholenden phantastischen Tieren. Am Unterarm sind die Ärmel eng und gleichfalls mit einem gestickten Saum versehen.

Zu diesen beiden Gewändern gehört ein drittes, der eigentliche Kaisermantel, der sich gleichfalls als Arbeit arabischer Sticker erkennen lässt. Der Grundstoff ist roter Zendal, der genau dem entspricht, welcher die Säume der tunicella bildet. Derselbe zeigt in trefflicher Stilisierung, symmetrisch angeordnet, je eine Hälfte des Mantels füllend, auf jeder Seite einer Palme einen Löwen, der ein Kamel zu Boden geworfen hat. Den Rand füllt eine maurische Inschrift aus, die besagt, dass der Mantel zu Palermo im Jahre 523 der Hidschra (also im Jahre 1133) angefertigt wurde. Die Gewänder wurden von Heinrich VI., als er das Erbe seiner Gemahlin Constanze, Sicilien, antrat (1195), mit einer großen Zahl anderer Kostbarkeiten nach Deutschland gebracht und gelangten wahrscheinlich zu den Reichskleinodien, als Friedrich II. bei dem Verlust von Vittoria auch die älteren Kleinodien verlor.

Der Zeit Heinrichs VI. gehören die Handschuhe an, die, obwohl gleichfalls sarazenische Arbeit, sich doch durch den Adler in der inneren Handfläche als für Deutschland gearbeitet zu erkennen geben. Dem Schluss des 13. Jahrhunderts gehört die Stola an und wird von Bock als norditalienisch betrachtet; die Schuhe und Strümpfe dagegen entstammen wiederum dem maurischen Sicilien.

Von Gürteln sind noch zwei vorhanden: ein breiter, größerer, der, dem Schluss des 12. Jahrhunderts angehörend, aus einer breiten Goldborte besteht, die einzelne Tiergestalten als Musterung zeigt, während die Ränder die lateinische Inschrift enthalten: CRISTVS RIEHGNAT CRISTVS INQPARAT DEVS. Derselbe könnte als Träger des Schwertes betrachtet werden, während der zweite, schmale, aus blauem Seidenstoff mit Filigranverzierungen besetzt, den Murr nicht gekannt und abgebildet hat, zur Schürzung der Alba gedient haben dürfte.

Unter den metallischen Kleinodien ist zunächst die Krone zu nennen, die gleichfalls nicht in die Tage Karl’s d. Gr. hinaufreicht, sondern von Bock als italienische Arbeit vom Schluss des 11. und Beginn des 12. Jahrhunderts betrachtet wird. Sie besteht aus drei Teilen: einem Streifen, der aus acht, oben halbrunden Schildchen zusammengesetzt ist, von denen vier reich mit Edelsteinen bedeckt sind, vier aber Emailbilder zeigen: 1. die Majestas Domini, 2. König Ezechias und den Propheten Jesaias, 3. David, 4. Salomo. Als selbständiger zweiter Teil ist das reich mit Edelsteinen besetzte Kreuz zu betrachten, als dritter der Bügel mit der Inschrift: CHVOռRADVS · DEI GRATIA ROMANORV̄ IMPERATOR AVG., den Bock Conrad III. zuschreibt. Wir brauchen im Übrigen dem Verfasser nicht auf das Gebiet der Hypothesen über die Geschichte dieser Krone zu folgen.

Der Reichsapfel, aus glatten Goldblechen bestehend, wird durch einen horizontalen Streifen in zwei Halbkugeln getrennt, während zwei breitere Streifen, mit Filigran und Steinen besetzt, die Kugel senkrecht in vier Teile zerlegen. Auf der Spitze steht das mit Filigran und Edelsteinen geschmückte Kreuz. Bock hält denselben für sicilische Arbeit des 12. Jahrhunderts.

Das Zepter gehört dem 14. Jahrhundert an und wird von Bock Karl IV. zugeschrieben.

Noch befinden sich zwei weitere einfache Reichsäpfel und ein zweites Zepter bei den Kleinodien, das wohl ehedem als Aspergill gedient hat.

Von den vorhandenen drei Schwertern stellt sich das eine, das als St. Karl’s Schwert bezeichnet ist, durch seine künstlerische Ausstattung als zu den stofflichen Ornatstücken gehörig heraus und lässt sich in den Schluss des 12. Jahrhunderts und nach Sizilien versetzen. Die Scheide, der Hauptteil des Schwertes, ist von oben nach unten durch eine Anzahl über Eck gestellter, quadrierter, emaillierter Metallbleche besetzt, zwischen denen in den Ecken ein Filigrangrund angelegt ist. Perlenschnüre umfassen die Quadrate. Den unteren Abschluss bildet ein halbrund geschlossenes Emailplättchen, den oberen ein Streifen. Das oberste der quadrierten Emailbleche enthält den deutschen Reichsadler; das Schwert weist also selbst darauf hin, dass es für deutschen Gebrauch bestimmt ist (falls nicht das Plättchen erst des neueren Gebrauches wegen noch im Beginn des 13. Jahrhunderts zugefügt wurde) und auf Heinrich VI. oder Friedrich II. als diejenigen, für welche es in Sizilien angefertigt wurde. Der Griff des Schwertes stimmt mit der Scheide überein; nur der obere Knauf entstammt der Zeit Karl IV. und zeigt auf drei Eckschildern einerseits den Adler, andererseits den böhmischen Löwen. Das Schwert ist das Ceremonienschwert, womit der Ritterschlag vollzogen wurde.

Das zweite Schwert des „heil. Mauritius“ hat eine metallene Scheide, die mit einer Anzahl getriebener Königsfiguren geschmückt ist, zwischen denen einzelne Emailplättchen angebracht sind; die Parierstange hat dieselbe Inschrift wie der kaiserliche Gürtel; der Knauf trägt die Umschrift: Benedictus Dominus Deus qui docet manus. Zwei herzförmige Schilde am Knauf zeigen den kaiserlichen Adler sowie die Hälfte desselben kombiniert mit den drei schreitenden Löwen, dem Abzeichen der alten Erblande des Herzogtums Schwaben.

Das dritte Schwert endlich, das früher nicht zu Nürnberg aufbewahrt wurde, sondern dem Schatz zu Aachen angehörte, ist das Karl d. Gr. zugehörige, ihm von Harun al-Raschid übersandte, ein Werk orientalischer Kunst, von Bock als persisch bezeichnet, wenn er auch den Ursprung bei der nicht vollkommenen Kenntnis orientalischer Kunstwerke fraglich lassen will.

Das früher ebenfalls zu Aachen aufbewahrte Evangelienbuch ist karolingisch, sodass der Richtigkeit der Tradition, die dasselbe im Grabe des großen Kaisers gefunden sein lässt, kein Bedenken im Wege steht; der Einband ist spätgotisch. Eine Kapsel, gefüllt mit Erde, die mit dem Blute des Märtyrers Stephan getränkt sein soll, an der Hauptseite vollkommen mit gefassten, ungeschliffenen Edelsteinen besetzt, an den Seiten aber mit getriebenen Metallblechen, stammt noch aus vorkarolingischer Zeit. Die übrigen Reichsreliquien sind im Werk nur verzeichnet, ohne abgebildet und beschrieben zu sein, da Bock denselben ein eigenes Buch zu widmen beabsichtigt; dagegen sind nach Delsenbachs mangelhaften Zeichnungen die verloren gegangenen beiden Armspangen und die Sporen nebst den schon erwähnten, nicht mehr vorhandenen Schuhen, Handschuhen und Gürteln dargestellt.

Hat schon das Bocksche Werk dadurch eine hervorragende Bedeutung, dass es zum ersten Mal mit wirklich archäologischem Verständnis Abbildungen im großen Maßstab, soweit es tunlich in Naturgröße, der kostbaren Kleinodienstücke gibt, so besteht ein weiteres, sehr großes Verdienst darin, in eben solcher Weise fast alle noch vorhandenen Krönungspontifikalien anderer Völker sowie die sonst zerstreuten Kaiserreliquien gesammelt und so Vergleiche geboten zu haben, die das Werk auch für die Geschichte der Formentwicklung wichtig machen.

Wir können hier dieselben nur reihenweise in ihrer Zusammengehörigkeit betrachten und fassen auch hier wieder zunächst die stofflichen, sodann die metallischen Objekte ins Auge. Unter den stofflichen tritt uns zunächst ein Kaisermantel entgegen, der zu Metz aufbewahrt wird. Er ist mit vier großen Adlern auf rotem Grund bestickt und hat die meiste Ähnlichkeit mit dem Kaisermantel, vielleicht um ein Geringes älter, obwohl die Meinungen gerade über dieses Gewand weit auseinandergehen, das durch die Gelehrten als persisch betrachtet und in die karolingische Zeit versetzt wurde. Höchstes Interesse erregen drei Mäntel aus Bamberg, die der Zeit Heinrichs zugehörten, von denen der erste mit einer höchst interessanten Darstellung des gestirnten Himmels versehen ist, in der die einzelnen hervorragenden Sternbilder charakteristisch abgebildet und mit Inschriften versehen sind. Eine Inschrift: O Decus Europae Caesar Henrice beare, Augeat imperium tibi Rex qui regnat in aevum, gibt genaue Kunde über die Zeitstellung; eine zweite Inschrift sagt: Descriptio totius orbis. Fax Ismaeli qui hoc ordinavit; bezieht sich also auf Ismael, Herzog von Apulien, † 1020 zu Bamberg.

Eine noch in ursprünglicher Gestalt erhaltene Casula zeigt auf violettem Purpurstoff, in Kreise eingeschlossen, wiederholt einen kaiserlichen Reiter, einen Falken auf der rechten, ein Zepter in der linken Hand haltend, der über seine Feinde wegreitet und von reichem Ornament umgeben ist. Nach Bock stammt die Casel frühestens aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Er vermutet, dass dieselbe ehemals einem Profanzweck diente und erst später die geschlossene jetzige Gestalt erhielt. Ein drittes abgebildetes Gewand dagegen hatte ohne Zweifel ursprünglich kirchliche Bestimmung, obwohl dasselbe den Kaisermänteln zugezählt wird. Es umfasst in einer Anzahl kleiner Kreise Darstellungen aus der heiligen Geschichte, in der Hauptdarstellung den Herrn in seiner Herrlichkeit, von der Höhe ausgehend, in die Strahlen der Sonne und des Mondes gekleidet. Egredietur Dominus de loco sancto suo, veniet ut salvet (populum suum). Diese kostbare Casula entstammt der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Dem 11. Jahrhundert gehört jedoch der ungarische Krönungsmantel an, der, von der Hand der heiligen Gisela herrührend, als Casula für die Kirche zu Stuhlweißenburg gefertigt wurde und mit höchst interessanten symbolischen Darstellungen versehen ist. In der Kirche zu Martinsberg bei Raab befindet sich noch die in Naturgröße gezeichnete Vorlage, nach der die königliche Stickerin ihre Arbeit anfertigte, die in früheren Zeiten gleichfalls als der Mantel selbst betrachtet worden war und so mannigfache Verwirrung unter älteren Gelehrten hervorgerufen hatte. Ein interessanter Kaisermantel ist der Ottos IV. im Museum zu Braunschweig, mit einer Anzahl Löwen und Sterne und Halbmonde bestickt, in die sich an den vorderen Rändern knieende Engel mit Rauchfässern mischen, während vier einköpfige Adler eine mittlere Teilung auf dem Rücken bilden; auch ihn schreibt Bock sizilianischen Stickern zu.

Der jüngste unter den Mänteln ist die in Aachen aufbewahrte Cappa Leonis, die der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehörig, von Bock als Geschenk des Königs Richard von Cornwallis betrachtet wird.

Den Mänteln schließt sich noch eine Tunica an, die Heinrich II. zugeschrieben und aus seinen Tagen stammend, freilich im Schnitt bedeutend modifiziert, sich im königlichen Nationalmuseum zu München befindet und mit Stickereien versehen ist.

Für die Geschichte der Stickerei ist also eine wesentliche Bereicherung im Bockschen Werk gegeben. Nicht minder aber auch für die Geschichte der Weberei bietet das Werk interessante Beiträge, indem Zeit und Herkunft einer Anzahl von Stoffen genau bestimmt sind, die, in Naturgröße abgebildet, wieder zur Vergleichung anderer die bestimmtesten Anhaltspunkte gewähren. So sind etwa zwölf verschiedene Stoffmuster teils in Holzschnitt, teils in Farbendruck naturgroß gegeben.

Noch wichtiger erscheint das Werk für die Geschichte der Goldschmiedekunst. Da führt es uns eine Anzahl jener Kronen vor, die den vorkarolingischen Zeiten angehören; es zeigt die zu Guarazzo gefundenen Kronen des Recesvinthus und Svintilianus. Die Krone des Agilulf (gegen 600) wurde leider 1804 zu Paris gestohlen und vernichtet; die Krone der Theodolinde zu Monza dürfte aus der Zeit dieser Fürstin herrühren. Sodann folgt die eiserne Krone der Lombardei, die nach Bock ein griechisches Kunstwerk aus dem 9. Jahrhundert ist und ursprünglich keine Königskrone war, wobei es Bock freilässt, ob sie, wie andere Kronen, ehemals eine Votivkrone oder ein Armband gewesen sei, nachdem sich in Petersburg zwei mit der eisernen Krone fast identische Armbänder befinden. Die Krone ist bekanntlich nicht von Eisen, wird auch vor dem 13. Jahrhundert gar nicht als eiserne bezeichnet und hat ihren Namen von einem eisernen Ring im Innern, der die einzelnen goldenen Teile zusammenhält und der Tradition nach aus einem Nagel vom Kreuz Christi gefertigt sein soll. Eine der zu München aufbewahrten Kronen, die aus Bamberg stammen, schreibt Bock der heiligen Kunigunde zu, deren Cranium sie Jahrhunderte lang bedeckt hatte. Dieselbe ist mit einer zweiten Krone heutzutage verbunden, die in der chronologischen Reihenfolge einen späteren Platz einzunehmen hat. Eine Krone griechischen Ursprungs, mit der deutschen Kaiserkrone in der Hauptform verwandt, ist die des Constantin Monomachos, von der sich im Museum zu Pesth Bruchstücke befinden, zwischen 1042 und 1050 entstanden, vielleicht ein Geschenk an einen ungarischen oder serbischen König.

Die ungarische Krone besteht aus zwei wesentlich verschiedenen Bestandteilen; der erste ist der Stirnreif, mit den an der Vorderseite befindlichen zackenartigen Aufsätzen, in dem durch angebrachte Bilder die Geschichte des Reifs illustriert wird und der sich demgemäß als Geschenk des Kaisers Michael um 1075 an Geisa, Herzog und später König von Ungarn, erweist. In der Krone befindet sich ein kreuzförmig das Haupt überspannender, breiter Doppelbügel, der nach Bock aus den Zeiten des heiligen Stephan herrühren könnte, dem die Tradition die ganze Krone zuschreibt; sie stammt somit aus dem Jahre 1000, als Papst Silvester II. diesem König eine Krone sandte.

Hier fügt sich nun die deutsche Kaiserkrone in die Serie ein, die ehemals ebenfalls oben einen flachen, kreuzförmigen Bügel hatte, wie noch die Ansätze an den einzelnen Teilen erkennen lassen, an deren Stelle nun nur der eine schmale, hohe Bügel Kaiser Konrads getreten ist.

Höchst einfach sind zwei Kronen, die König Bela von Ungarn und seine Gemahlin mit ins Grab genommen haben. Sie sind offenbar bloß zu diesem Zweck angefertigt und bestehen aus einem Stirnreif mit vier Kreuzen.

Den Arbeiten der deutschen Reichskleinodien, wie sie am Ceremonienschwert, an den Handschuhen usw. sich zeigen, ist die Arbeit an der Krone der Constanze zu Palermo, die aus dem Grab erhoben wurde, anzufügen. Sie besteht aus einem Häubchen, das mit einem Stirnreif und ebenfalls mit gekreuzten Bügeln besetzt ist. Der Grund des Häubchens zeigt ganz die gleiche Arbeit wie der Grund der Schwertscheide, und die Emails gleichen wieder genau jenen.

Arbeit eines abendländischen Künstlers vom Beginn des 13. Jahrhunderts ist die Krone Philipps des Guten von Namur, auch als Krone Balduins von Jerusalem bezeichnet, die stets eine Reliquienkrone gewesen zu sein scheint.

Die deutsche Königskrone in Aachen, die corona argentea, die jetzt auf dem Haupt Karl des Großen ruht, ist eine Lilienkrone von sehr eleganter, schöner Form mit einem Bügel, der über das Haupt von vorn nach rückwärts reicht. Sie gehört der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an, also der Zeit des Interregnums, und dürfte von Richard von Cornwall herrühren. Der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehört die Lilienkrone an, die jetzt mit der Krone der heiligen Kunigunde verbunden ist; der Mitte des 14. Jahrhunderts die schwerfällige, mit gewaltigen Edelsteinen besetzte Krone Böhmens, die unter Karl IV. angefertigt wurde; dem Schluss des 14. eine äußerst elegante Krone, die in einem Grab auf der Margaretheninsel in Pesth gefunden wurde und einer Königin aus der Regierungsperiode der Anjous zugehören dürfte. Die jüngsten dieser Kronen dürften die eine sein, die in München aufbewahrt gleichfalls der heiligen Kunigunde zugeschrieben wird, die aber auf der Grenzscheide des 14. und 15. Jahrhunderts steht, und die Krone der Margaretha zu York, Gemahlin Karls des Kühnen.

Außer den Kronen sind andere Goldschmiedearbeiten aus sehr alter Periode abgebildet, ein Kreuz des Kaisers Justinian in St. Peter zu Rom, eine Anzahl Kreuze von Votivkronen zu Guarazzo, das Kreuz des Agilulf, das des Adaloald, des Berengar, das der Theodolinde. Die Waffenstücke Theodorichs und Childerichs (jetzt in Troyes und Paris), der Kamm der Theodolinde, der höchst interessante, mit Filigran bedeckte ungarische Szepter, der Szepter im Schatz zu Aachen sind kostbare Werke, die über die Goldschmiedekunst ihrer Zeit überraschende Aufschlüsse geben. Nicht minderes Interesse gewährt der Helm des heiligen Wenzeslaus und das Schwert des heiligen Stephan, das Kreuz des Kaisers Lothar, die Kreuze zu Gran, die schon erwähnten Kostbarkeiten aus Aachen, der im Stile der Renaissance gearbeitete Szepter und Reichsapfel Böhmens, mehrere weitere Schwerter und verschiedene Reliquiare, sodann der Fächer der Theodolinde, das Weihwasserbecken zu Mailand usw.

Besonderes Augenmerk möchten wir noch auf einige Kleinodientruhen werfen, die abgebildet sind und dem 13. Jahrhundert angehören, so die zu Aachen, die mit einer Anzahl emaillierter Medaillons besetzt sind, welche sich auf rotgefärbtem Holz aufgelegt fanden. Sie war von Richard von Cornwall hergestellt; ihr ganz ähnlich ist die Casette des St. Louis, die sich jetzt im Musée des Souverains zu Paris befindet, jedoch geringere Ausdehnung hat als die große Kleinodienkiste. Ähnliche emaillierte Medaillons befinden sich im Museum zu Pesth, die wohl ehemals einer ungarischen Kleinodienkiste angehörten.

Auch eine Anzahl interessanter Lederkapseln für verschiedene Kronen ist abgebildet, von denen die älteste die sein dürfte, welche ehemals Schwedens Krone umschloss und sich nun im Besitz des Senators Culemann in Hannover befindet. Höchst interessant sind die Büchsen, die Karl IV. für die deutsche und für die böhmische Krone hatte anfertigen lassen; ferner die Kapsel für die Brautkrone der Margarethe von York zu Aachen; die Kapsel für die Krone Philipps von Namur, dem 13. Jahrhundert angehörig, hat wieder Verwandtschaft mit den Kleinodientruhen; sie ist mit glattem, ungefärbtem Leder überzogen, auf dem emaillierte Medaillons befestigt und metallene Nägel mit runden Köpfen zur Verzierung eingeschlagen sind.

Wir können zum Schluss dieser Beschreibung die Klage nicht unterdrücken, dass das Werk, seinem kostbaren Inhalt angemessen, so teuer ist, dass es kaum zugänglich wird; sprechen jedoch die Hoffnung aus, dass unser gelehrter Freund bemüht sein werde, den Inhalt auf anderem Wege zum Gemeingut zu machen, wozu ihm mit Vergnügen diese Blätter zur Verfügung gestellt würden.

Fußnote:

[A] Bock vergisst hier anzugeben, welchem Bela die Leiche angehörte, ob Bela I. (1061–63), Bela II. (1131–41), Bela III. (1174–96). Dem IV. dürfte sie wohl schwerlich zugehört haben, der 1235–70 regierte.


Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. Mai.