In der Papierhandschrift Nr. 500 unseres Klosterarchivs finde ich unter kanonistischen und ordensgeschichtlichen Materien eine etwa bisher unbekannte Beschreibung einer Pilgerfahrt in’s h. Land aus dem 14. Jahrhundert, jedoch jedenfalls von einer Hand des 15. Jahrhunderts abgeschrieben. Potthast’s Wegweiser etc., S. 1002 erwähnt das Schriftchen wenigstens nicht.
Die Widmung, welche der Beschreibung vorangeht, beginnt folgendermassen: „Reuerendissimo patri ac domino suo domino Petro abbati Aule Regie, Cisterciensis ordinis, Pragensis dyoecesis Gwilhelmus de Waldenfels miles“... Diesen füge ich die Stellen, welche die Persönlichkeit des Verfassers betreffen, bei. „Accepti (schreibt er) beneficij immemor esse nolens mente reuoluo sedula beneficiorum opera, que mihi anno preterito in domo vestra, aula regia, hylariter et benignis affectibus plus quam duobus mensibus et mee familie ostendistis et uolente domino eisdem exhibitoribus, cum ad uos reuersus fuero gratuite et omni studio respondebo. Et nunc quidem quia apud dominum meum Thalariandum Petragoricum (!) tituli beati Petri ad vincula presbiterum cardinalem in curia Auione moram facere adhuo me oportet amplius quam putabam, eo quod dominus meus multum fuit de meo aduentu de sua gracia jocundatus et negocia mea omnia, de quibus apud uos existens dixeram uobis, ad finem iam disposuit seu disponit et ordinat peroptatum, hys finitis per Coloniam Agrippinam propter quedam negocia ibidem terminanda rediens ad uos in Aulam regiam reuertar volente domino perpetue permansurum. Trahit me ad vos amor vester, allicit me dulcissima habitacio domus vestre, et percipue vestrorum filiorum deuocio et nil me retrahere potest nisi mors sola.“ Die Schrift selbst betreffend schreibt er: „Verumtamen libellum meum, quem ad instanciam prefati domini mei Cardinalis de statu terre sancte compilaui, vobis, vt rogastis et ego vt promisi per Franciscum Christiani de Praga seruitoris mei transmitto.“ Die Widmung der dem Abt von Königinhof übermachten Abschrift datiert „Auione a. d. 1337 in die sancti Michaelis“.
ÜBERSETZUNG:
An seinen hochverehrten Vater und Herrn, Herrn Peter, Abt von Aule Regie, Zisterzienserorden, Diözese Prag, Wilhelm von Waldenfels Miles“... Ich füge die Stellen hinzu, die die Persönlichkeit des Verfassers betreffen. „Ich nehme die Wohltaten an“, schreibt er, „und möchte nicht vergessen, dass ich die Wohltaten, die Ihr mir im vergangenen Jahr in Eurem Haus, dem königlichen Hof, über zwei Monate lang freudig und mit herzlicher Zuneigung erwiesen habt, und meiner Familie, und wenn der Herr es wünscht, werde ich mich bei meiner Rückkehr freiwillig und mit all meinem Eifer bei Euch revanchieren.“ Und nun, da ich bei meinem Herrn Thalariandum Petragoricum (!) mit dem Titel des seligen Petrus, dem Kardinalpresbyter am Hof von Avion, länger bleiben muss als geplant, weil mein Herr sehr erfreut über meine Ankunft war und all meine Angelegenheiten, von denen ich Euch während meines Besuchs berichtet hatte, bereits erledigt und zu dem von mir gewählten Zweck geordnet hat, nachdem ich meine Arbeit in Colonia Agrippina abgeschlossen habe, um dort noch einige Angelegenheiten zu erledigen, werde ich, falls Euch ein ewiges Verweilen wünscht, in den königlichen Saal zurückkehren. Eure Liebe zieht mich zu Euch, Eure liebliche Wohnstätte lockt mich, und ich spüre die Hingabe Eurer Kinder, und nichts kann mich zurückhalten außer dem Tod allein.“ Bezüglich des Schreibens selbst schreibt er: „Ich habe Euch jedoch mein kleines Buch, das ich auf Geheiß meines vorgenannten Herrn, des Kardinals, über den Zustand des Heiligen Landes verfasst habe, wie Ihr es gewünscht habt, und ich habe es, wie versprochen, durch meinen Diener Franz Christian von Prag überbracht.“ Die Widmung des dem Abt von Königinhof übergebenen Exemplars ist datiert „Auvion a. d. 1337 am Tag des Heiligen Michael“.
„Incipit prologus in librum de quibusdam partibus ultramarinis et precipue de terra sancta. Sicut audiuimus sic et vidimus in ciuitate domini — ut a me vestra preclara ad dominum et ad terram ipsius deuocio requisiuit.“ Als Ursache seiner Pilgerfahrt gibt er an: „Ipsam igitur (sc. hanc benedictam terram) tamquam patriam et hereditatem ex fide Christi mihi quodammodo debitam visitare a puericia desideraui, ut viderent testes oculi, que proposita sepius erant auri.“ Der eigentliche Text beginnt: „Egressus igitur de Alemannia, terra natiuitatis mee, et pertransiens Lambardiam“ und schlieſst: „Quod nobis prestare dignetur qui est benedictus in secula seculorum Amen. Explicit liber de quibusdam ultramarinis partibus et precipue de terra sancta compilatus per nobilem virum dominum Gwilhelmum de Boldensole (sic!) ad instanciam reuerendi patris ac domini Thalayrandi Petragonicum (!) tituli sancti Petri ad vincula presbiteri cardinalis Anno dn̄i Millesimo tricentesimo tricesimo sexto.“
ÜBERSETZUNG:
„Der Prolog des Buches beginnt mit Berichten aus Übersee, insbesondere aus dem Heiligen Land. Wie wir gehört haben, so haben wir es auch in der Stadt des Herrn gesehen – wie es euer hochgeschätzter Diener von mir im Namen des Herrn und seines Landes erbeten hat.“ Als Grund für seine Pilgerreise gibt er an: „Ich wollte daher dieses gesegnete Land besuchen, das mir als Vaterland und Erbe aufgrund meines Glaubens an Christus seit meiner Kindheit zusteht, damit Augenzeugen es sehen könnten, was oft als Gold dargestellt wurde.“ Der eigentliche Text beginnt: „So verließ ich Alemannien, mein Heimatland, und durchquerte Lambardiam“ und schließt: „Möge Er, der Gepriesene, uns in Ewigkeit gewähren. Amen. Ein ausführliches Buch über bestimmte Überseegebiete und insbesondere über das Heilige Land, verfasst von dem edlen Herrn Wilhelm von Boldensole (sic!) auf Veranlassung des ehrwürdigen Vaters und Herrn von Thalayrandi, petragonischer (!) Titel des Heiligen Petrus, an den Kardinalpriester, im Jahr eintausenddreihundertsechsunddreißig.“
Die Beschreibung umfasst 28 Blatt groſs 8., ca. 30 zeilig, einspaltig. Sollte diese Schrift noch ganz unbekannt sein, so verdient selbe jedenfalls eine nähere Untersuchung. Die Angaben scheinen genau zu sein.
Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866.
