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Die Entwicklung des Mauerwerks und der Bautypen im mittelalterlichen Burgenbau Oberösterreichs

Ab dem Ende des 11. Jahrhunderts setzte sich im Burgenbau in Deutschland und Oberösterreich eine neue Form des Mauerwerks durch: horizontal gelagerte Bruchsteine, sorgfältig mit dem Hammer bearbeitet und durch Mörtel verbunden. Diese Steine unterschieden sich in Größe und Höhe, wurden aber gezielt dort verwendet, wo Stabilität und Haltbarkeit besonders wichtig waren:

Untere Mauern
Ecken und Strebepfeiler
Innere Türme, die als letzte Zufluchtsstätten dienten
Kapellen und Cisternen

Die Steine der äußeren und inneren Mauerflächen wurden sorgfältig bearbeitet, während das Innere der Mauern meist aus rohen Steinen mit Mörtel gefüllt war.

1. Der Einsatz von Buckelsteinen im 12. und 13. Jahrhundert
Im 12. und 13. Jahrhundert verbreitete sich der Bau mit Buckelsteinen. Dabei handelte es sich um Quader, deren Vorderseite nur an den Rändern behauen war. Dadurch entstanden vorgewölbte, unregelmäßige Flächen, die durch Witterung abwechselnd dunkel und hell verfärbt wurden.

Der Zweck dieser Bauweise war zweifach:

Abfangen von Schlägen und Würfen bei Angriffen
Schutz der Fugen vor Regen, Schnee und Feuchtigkeit

Bei besonders rohen Quadern, deren Vorderseite keine Bearbeitung aufwies, lässt sich vermuten, dass es sich um römische Bauten handelte.

2. Der Übergang zum Quaderbau
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts setzte sich der regelmäßig bearbeitete Quaderbau durch:

Vorderseiten der Steine glatt geebnet
Eckverstärkungen aus übergreifenden Quadern, typisch für das 13. Jahrhundert
Bei der Errichtung auf Felsen wurde jeder Quader präzise ausgegossen (Bottung), um Stabilität zu garantieren
Mauern bestanden außen aus Quadern, innen aus Bruchsteinen mit Mörtel

In Oberösterreich finden sich Beispiele in den Burgen Dörnach und Windeck, bei denen die Mauerflächen außen und innen aus unterschiedlich breiten Quadern bestehen, die Fugen exakt senkrecht und waagerecht verlaufen.

3. Einführung des Backsteinbaus
Im 13. Jahrhundert wurde im nördlichen Deutschland Ziegelbau durch den Deutschen Orden in Preußen eingeführt. Hier übernahm Backstein die Hauptrolle, da Naturstein nur spärlich vorhanden war.

Vorteile des Backsteinbaus:

Einfachere Herstellung von Friesen, Konsolen und dekorativem Schmuck
Reichere Verzierung möglich als bei massiven Steinbauten

In Oberösterreich dominierten jedoch weiterhin Steinbauten, da Naturstein reichlich verfügbar war. Deshalb war der architektonische Schmuck oft einfach und funktional, ohne die feinen Ornamente, wie man sie in Backsteinbauten des Nordens findet.

4. Mörteltechnik und Bauqualität
Die Qualität des Mörtels im Mittelalter war bemerkenswert. Gründe für seine Festigkeit:

Langsames, sorgfältiges Bauen
Besser gebrannter und verarbeiteter Kalk
Längere Ruhezeiten vor der Verarbeitung, wodurch der Kalk eine hohe Bindungskraft entwickelte

Auch schlechter Mörtel härte über Jahre hinweg aus, was zu langlebigen Mauern führte.

5. Burgenklassifizierung
Oberösterreichische Burgen lassen sich in zwei Hauptklassen einteilen:

Herrenburgen
Sitz wohlhabender Adelsfamilien
Umfangreiche Anlage
Mehr luxuriöse Ausstattung und geräumige Wohnbereiche
Burgställe / kleine Ritterburgen
Vesten des niederen Adels
Einfachere Bauweise
Enger angelegte Räume, schlichtes Leben

Zwischen diesen Extremen existierten zahlreiche Abstufungen, abhängig von sozialem Rang und Vermögen der Besitzer.

6. Architektur und Leben in einer mittelalterlichen Herrenburg
Die Herrenburgen zeichneten sich durch:

Vollständig aus Quaderstein errichtete Mauern
Stark befestigte Türme als letzte Zufluchtsstätte
Geordnete, aber nicht immer symmetrische Wohnbereiche
Kapellen, Cisternen und Lagerhäuser

Die kleinen Ritterburgen hatten:

Einfachere Wohnräume
Weniger dekorative Elemente
Konzentration auf militärische Funktionen

Das Leben im Mittelalter spiegelte sich in der Burgarchitektur wider: je wohlhabender der Besitzer, desto aufwändiger die Ausstattung. Gleichzeitig war der erhöhte Luxus oft eine Ursache für den späteren finanziellen Niedergang des Adels.


Quelle: Johann Nepomuk Cori: Bau und Einrichtung der deutschen Burgen im Mittelalter. Darmstadt, 1899.