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Die verschiedenen Burgenarten in Oberösterreich

In Oberösterreich war es keineswegs ungewöhnlich, dass eine Burg mehrere Eigentümer hatte. Jeder Eigentümer konnte seinen Teil der Burg vererben, verkaufen oder verpfänden, wodurch komplexe Besitzverhältnisse entstanden. Solche Mehrfacheigentümer stellten besondere Anforderungen an Organisation, Verwaltung und Verteidigung.

1. Die frühen Baumeister und ihre Vorbilder
Der erste in der Geschichte bekannte deutsche Burgbaumeister war Bischof Benno II. von Osnabrück (1088). In dieser Zeit waren es vor allem Geistliche, die die Baumeisterrollen innehatten, da sie die Träger der Bildung, Technik und der geistigen Tätigkeiten waren – dies galt bis zu den Kreuzzügen, als Kirchenleute maßgeblich an Planung und Bau von Befestigungen beteiligt waren.

Ab dem 13. Jahrhundert änderte sich dies: Die Macht und das Bildungsniveau in den Städten wuchs, und die bildenden Künste wurden zunehmend von bürgerlichen, zünftigen Meistern ausgeübt. Deutschland entwickelte sich so zu einem Zentrum für Festungsbaumeister, die als wandernde Ingenieure gegen Entgelt für Fürsten, Adelige und Städte den fortifikatorischen Plan erstellten und die Ausführung den einheimischen Handwerkern überließen.

Als theoretische Grundlage dienten antike Schriften, vor allem die Werke des römischen Militärschriftstellers Vegetius: De Architectura und Epitome Institutionum Rei Militaris um 375 n. Chr. Diese Schriften waren weit verbreitet und prägten über Jahrhunderte die europäischen Burgenbauer.

2. Auswahl des Baugrunds
Beim Bau einer Burg war die Lage entscheidend. Man bevorzugte felsige Anhöhen, Plätze mit dominierender Aussicht oder Gelände, das von Natur aus Angriffe erschwerte. Das Terrain sollte den Verteidigern Vorteile verschaffen und den Angreifern das Vorgehen erschweren. Oft nutzte man alte römische Befestigungen oder deren Reste, wie Fundamente von Ringmauern oder sogar ganze Türme, um neue Burgen darauf zu errichten. Ein Beispiel hierfür könnte die Burg Linz sein, die vermutlich auf einem römischen Fundament aufbaute.

Im flachen Land wurden Plätze ausgewählt, die von Gewässern, Seen, Teichen oder Sümpfen umgeben waren, oder deren Gräben durch benachbarte Flüsse gefüllt werden konnten. Solche Anlagen nannte man Wasserburgen oder Uferburgen.

3. Wasserburgen in Oberösterreich
Einige der bekanntesten mittelalterlichen Wasserburgen waren:

Hausruckviertel: Aistersheim (1150), Erlach (1094), Kreiling (1158), Gaisbach (1120), Irrnharting (1235), Köppach (1144), Parz (1150), Roit (1088), Traun (1120), Weidenholz (1228)
Innviertel: Schwend, Wernstein (1200)
Mühlviertel: Grub, Gneussenau (1161), Schwertberg (1287), St. Veit (1230)
Traunviertel: Bernau (1170), Gschwendt (1347), Hub (1200), Leonbach (1177), Neidharting (1200), Ottstorf (1170), Stadtkirchen (1074), Weier (1385), Weitersdorf (1200)

Burgen in Seen: Kammer (1178), Litzelberg (1313), Ort (1092)
Burgen in der Donau: Spielberg (1149), Wörth am Strudel, Haustein am Wirbel

Die genannten Jahreszahlen geben das erste bekannte Auftreten des Namens an, nicht unbedingt die Bauzeit.

4. Höhenburgen und Bergvesten
In gebirgigen Regionen bot der Burgenbau oft bessere natürliche Voraussetzungen. Dort wählte man:

isolierte, mäßig hohe oder selten sehr hohe Bergkuppen
Bergkuppen mit steilen Abhängen, die sich leicht verteidigen ließen
Stellen, die wie eine Halbinsel, Bergzunge oder Felsklippe vorgestanden

Diese Anlagen wurden Höhenburgen, Felsburgen oder Bergvesten genannt. Sie nutzten natürliche Steilheit als Hauptverteidigung und ergänzten diese durch tiefe Gräben, dicke Mauern, starke Türme und aufwendige Wehrgänge.

5. Beispiele für Höhenburgen in Oberösterreich
Hausruckviertel: Frankenburg (1100), Stauf (1145), Wartenburg (1128), Wolfsegg (1176)
Innviertel: Iben (1070), Spitzenberg
Mühlviertel: Aist (1125), Altenhof (1180), Arbing (1137), Dörnach (1200), Freudenstein (1308), Klingenberg (1277), Oberwallsee (1364), Ottensheim (1148), Riedeck (1255), Rutenstein (1150), Alt-Wachsenberg (1145), Weinberg (1274)
Traunviertel: Kremseck (1412), Leonstein (1300), Schlüsselberg (1150), Wunderburg/Gugelberg (1301)

6. Isolierte Felsenburgen und Felsklippen
Man baute auch Burgen auf Vorsprüngen oder an steilen Bergabhängen, die nur schwer angreifbar waren:

Innviertel: Krimpelstein (1200)
Mühlviertel: Falkenstein (1140), Lichtenhag (1308), Lobenstein (1207), Partenstein (1262), Pührenstein (1170), Reichenstein (1230), Roteneck (1308), Schallenberg (1165), Schönberg (1245), Thumb, Werfenstein (1354), Windeck (1208)
Traunviertel: Claus (1192), Losenstein (1180), Fernstein (1036), Scharnstein (1204), Wildenstein (1250)
Hausruckviertel: Wesen (1125)

Diese Burgen nutzten die natürliche Topographie maximal aus: steile Hänge, unzugängliche Felsabbrüche und enge Zugänge erleichterten die Verteidigung erheblich.


Quelle: Johann Nepomuk Cori: Bau und Einrichtung der deutschen Burgen im Mittelalter. Darmstadt, 1899.