Mit dem Ende des Mittelalters veränderte sich die Bauweise der Adelsresidenzen grundlegend. Burgen, die einst als Wehrbauten konzipiert waren, wurden seit dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts
wohnlicher umgebaut. Dabei verlor ihr ursprünglicher mittelalterlicher Charakter weitgehend an Bedeutung. In den folgenden Jahrzehnten änderte man viele Burgen so lange, bis sie zu gewöhnlichen,
großen Wohnhäusern transformiert waren.
Adelsgeschlechter, die ihre alten Burgen dauerhaft verlassen hatten, errichteten nun in Tälern und Ebenen neue Schlösser. Diese Neubauten folgten symmetrischen Grundrissen, oft flankiert von
runden oder viereckigen Türmen. Giebel und Treppentürme waren kunstvoll gestaltet, Schießscharten für Feuerwaffen dienten lediglich der Abwehr kleinerer Angreifer – Kriegsführung im
mittelalterlichen Sinne spielte keine Rolle mehr. Der Krieg wurde nun von Fürsten mit Söldnern geführt, die nach den Feldzügen oft plündernd durchs Land zogen.
1. Städte und neue Wohnbedürfnisse
Die zunehmende Unsicherheit auf dem Land führte dazu, dass viele Adlige Häuser in gut befestigten Städten errichteten. Besonders in Oberösterreich wählten sie Städte wie Linz, Enns oder Wels.
Dort boten die Häuser Sicherheit in unruhigen Zeiten, Komfort im Frieden und soziale Möglichkeiten.
Städtische Adelshäuser wurden mit kleinen Ecktürmen geschmückt, um den Stand ihrer Besitzer zu zeigen. Zugleich unterschieden sie sich in Material, Bauweise und Innenausstattung deutlich von den
mittelalterlichen Burgen:
Ziegel ersetzten Bruchstein, flache Dachziegel die rinnenförmigen.
Hohe Dächer und Zwiebeltürme setzten Akzente.
Fenster und Türen wurden symmetrisch und großzügig gestaltet.
Stiegen und Gänge waren breiter, Treppen nicht mehr in Mauerdicken versteckt.
Innenräume erhielten eine klare, räumliche Aufteilung.
Ein viereckiger Bau mit Eck- oder Mittelturm war im 17. Jahrhundert besonders beliebt und machte aus einer Burg ein repräsentatives Wohnschloss.
2. Umwandlung der Burgen zu Borgschlössern
Größere Burgen, die noch strategisch günstig lagen oder militärische Bedeutung hatten, wurden nicht vollständig aufgegeben, sondern modernisiert.
Zinnen wurden entfernt, Ringmauern und Türme niedriger gemacht (Beispiel Neuhaus).
Neue Ziegeldächer und Riegelwerksgänge wurden über die Mauerflächen vorgezogen.
Rondelle oder halbe Türme ersetzten flankierende Wehrtürme.
Schießscharten wurden auf den Kanonen- und Gewehrgebrauch angepasst.
Ab etwa 1524 wurden Ringmauern durch Erdaufschüttungen verstärkt, um Geschützfelder zu eröffnen. Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden neue Bastionen mit vertieften Flanken, gewölbten Strukturen
und zahlreichen Scharten. Gräben wurden verbreitert, Vorthürme vor den Toren errichtet, Zugbrücken mit Waagbalken versehen.
Diese Übergangsphase von mittelalterlichen zu modernen Befestigungsanlagen erstreckte sich in Deutschland bis in den Dreißigjährigen Krieg, währenddessen große Bergschlösser noch für die
Verteidigung genutzt wurden.
3. Ende der militärischen Bedeutung
Im Laufe der frühen Neuzeit verschwand die militärische Bedeutung der Schlösser vollständig. Verteidigungsanlagen wurden vernachlässigt, abgetragen oder die Gräben zu Gemüsegärten umgewandelt.
Selbst citadellenartige Anlagen hörten auf, eine strategische Funktion zu erfüllen.
Damit war der Wandel vom mittelalterlichen Wehrbau zum repräsentativen Wohnschloss abgeschlossen: Aus der ursprünglich rein militärischen Architektur entstanden komfortable, symmetrische und
stilistisch aufwändige Residenzen, die den Bedürfnissen der adeligen Gesellschaft in Friedenszeiten entsprachen.
Quelle: Johann Nepomuk Cori: Bau und Einrichtung der deutschen Burgen im Mittelalter. Darmstadt, 1899.
