Die Flintenlauffabrikation zu Burg a. d. Wupper. Den auf S. 257 des 1. Bandes gegebenen Nachrichten folgt nunmehr zunächst ein Abdruck aus den Gülich- und Bergischen Wöchentlichen Nachrichten, Jahrgang 1769, Nr. 5, wie ihn Herr Karl vom Berg jr. in der Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins, 7. Jahrgang, S. 225 bis 26, Elberfeld 1900, mitteilt:
«Avertissements. Dass die von Seiner Churfürstlichen Durchlaucht Johann Wilhelm höchstseeligsten Andenkens gnädigst privilegierte Flinten-Läufen Fabrique im Herzogthum Berg in der Freyheit Bourg in der ganzen Welt bekant und berühmet, solches berichtet in einer Offenkundigkeit.
Gleichwie sich aber in der Tat geäußert, dass die Bourger Zeichen auf Lüttig (Lütticher), Essendisch (Essener) und sonstig auswendige schlechte Flinten-Läufe fälschlich nachgemacht, eingeschlagen und für Bourger Gewehr verdebitiret worden. Wodurch dann diese so viele Jahren her berühmt gewesene, gnädigst privilegiirte Fabrique eine Zeitlang nicht allein benachtheiliget, sondern auch das Publicum schändlich angeführt worden. Um aber künftig dergleichen Unterschleiffen und falschen Nachschlager vorzubiegen, werden alle Kenner und Liebhabere tüchtig und aufrichtiger Bourger Flinten-Läufen, auch deren Spediteurs nachrichtlich ersuchet, sich directe oder schriftlich bey den gnädigst privilegiirten dreyen Fabriquanten zu Bourg, Jacoben Schmit, Peteren Schmit und Arnolden Huz, der Bestellung halber zu melden, welche sodan nach belieben sowohl mit damascirten, gewunden, gezogenen, als auch blau polirten und sonstigen tüchtigen und wohl probirten Flinten-Läufen in civilem Preyss an Hand zu gehen, nicht ermanglen werden.»
Ferner sei hier auf eine Notiz aus dem um die Mitte der 1830er Jahre zu Elberfeld gedruckten «Offiziellen Adress-Buch für Rheinland-Westphalen» von Rüttger Brüning hingewiesen, die auf den Büchsenmacher Natanael Böntgen zur Linden (Gemeinde Höhscheid bei Solingen) als den Verfertiger vorzüglich guter gezogener Büchsenläufe, welche unter dem Namen «Burgerläufe» bekannt sind, aufmerksam macht.
A. Weyersberg.
Antwort auf Frage 6: Die Ritterfiguren auf dem Griff dieser seltenen Waffe erinnern auffallend an die alten Fälschungen, welche in den Zeiten der Romantiker in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts angefertigt wurden und gelegentlich heute noch in Sammlungen und Auktionen ihren Spuk treiben. Es sind eingelegte oder geschnitzte Waffen, getriebene oder gravierte Schilde, eingelegte Holztische u. dgl. m., welche Ritterdarstellungen, meist Turniere, zeigen, die an alte Holzschnitte und Miniaturen anlehnen, dabei aber durch die unverstandenen Rüstungen und für die späte Zeit charakteristischen Federbüsche ihr wahres Alter verraten.1 Forrer.
Frage 7: Oberleutnant K. in H. legt uns ein Rapier vor, dessen bis zur Spitze hohl ausgezogene Klinge als Meistermarke ein gekröntes G führt; auf der einen Seite der Klinge sind die Worte DNS (Dominus) MIHI ADIVTOR, auf der anderen der Name IOHAN DELORTA in den bekannten spanischen Schrifttypen eingeschlagen. Der Besitzer des Rapiers ist nun in Zweifel darüber, in welchem Zusammenhang der Stempel G, der ihm aus Wendelin Boeheims Handbuch der Waffenkunde als derjenige des Lupus Aquado bekannt ist, mit dem Namen des im genannten Werk gleichfalls aufgeführten Klingenschmiedes Johannes Delaorta stehe, und fragt an, ob etwa der Schluss zu ziehen sei, dass beide Klingenschmiede eine Werkstatt gemeinsam betrieben haben.
Antwort auf Frage 7: Es steht durchaus nicht vereinzelt da, dass echte spanische Klingen aus dem 16. und 17. Jahrhundert neben ihrer Meistermarke noch den Namen eines anderen spanischen Klingenschmiedes aufweisen. Diesen Namen ließ der zeitgenössische Klingenhändler aus Geschäftsinteresse nachträglich in die wieder erhitzte Klinge einschlagen, wenn ihm deren Marke noch nicht als genügende Empfehlung erschien.
So bewahrt z. B. das Königl. Historische Museum zu Dresden eine Waffengarnitur (E, 135 a—e), deren Rapierenklinge von einem T signierenden trefflichen Schmied Tornas in Valencia herrührt und dabei ebenfalls den Namen Johan Delorta in genau derselben Verstümmelung, wie auf Ihrer Klinge, zeigt. Schon aus der unrichtigen Schreibweise Johan Delorta, anstatt Juanes de la Horta, geht hervor, dass die Inschrift nicht echt und nur zu Reklamezwecken, jedenfalls von deutscher Hand, auf der Klinge angebracht worden ist.
Genauso wie hier, verhält es sich mit Ihrer Klinge, die unzweifelhaft von Lupus Aquado stammt. Wenn Sie Ihr Rapier recht aufmerksam betrachten, so werden Sie überdies wahrnehmen, dass trotz der gleichen Schrifttypen beide Klingeninschriften doch einen merklichen Unterschied aufweisen. Es treten nämlich die Buchstaben in dem Spruch DNS MIHI ADIVTOR in viel reineren Konturen hervor, als in dem Namen IOHAN DELORTA.
Beide Klingenschmiede arbeiteten, ein jeder für sich, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Aquado in San Clemente, de la Horta an einem anderen Ort in Spanien. Die Klingen des Letzteren waren aber besonders in Deutschland sehr gesucht, weshalb mit seinem Namen häufig Missbrauch getrieben wurde. Ein solcher Umstand dürfte auch W. Boeheim zu der Annahme verleitet haben, dass einem Delaorta (recte de la Horta) auch das S als Marke zuzuschreiben sei (vgl. Handbuch der Waffenkunde).
Dem können wir indes nicht beipflichten, da unseres Erachtens dort, wo beide Signaturen auf einer und derselben Klinge vorkommen, wie im Musee d’Artillerie zu Paris, das S entweder nicht zum Namen oder aber der Name nicht zum S gehört. Als die einzig richtige Marke de la Hortas ist ein A anzusehen, wie es auf Seite 235 im Katalog der Real Armeria zu Madrid, ferner auf den Seiten 103 und 291 im Führer durch das Königl. Histor. Museum zu Dresden und endlich (hier aber ziemlich flüchtig) in Boeheims Waffenkunde abgebildet ist. M. v. E.
1Ich schließe mich dem Urteil des Herrn Dr. Forrer betr. der Figuren an. Die Waffe selbst, deren Bestimmung der Herr Besitzer richtig angibt, kann echt sein. Gefälscht ist nur der elfenbeinerne Handgriff — die Beischrift sagt bei der Abbildung fälschlich Blei anstatt Bein —, den ich auch sonst an keinem Exemplar dieser Wurfspieße in diesem Material kenne. Koetschau.
Frage 8: In meiner Sammlung mittelalterlicher Geschütze befindet sich ein 25 cm langes eisernes Rohr (mit Eisenreifen und Zündloch) aus der Zeit um 1400, darauf folgende Zeichen eingeschlagen sind:
Sind das vielleicht Maß- resp. Größenzeichen und was bedeuten sie?
Forrer.
Kongl. Lifrustkammaren och dermed Förenade Samlingar. Andra Delen Frontespis och Planscherna utförda vid Generalstabens Litografiska Anstalt under Ledning af A. Lagrelius, Anstaltens Föreständare. Text af C. A. Ossbahr, Intendent vid Samlingarna. Generalstabens Litografiska Anstalts Förlag. (Text schwedisch und französisch.)
Wendelin Boeheim hat die Bedeutung der Veröffentlichung von besonders hervorragenden Stücken der Stockholmer Leibrüstkammer im 1. Band dieser Zeitschrift gebührend gewürdigt. Die Fortsetzung, die am Schluss des vorigen Jahres erschien, stellt sich im Wesentlichen als eine Ergänzung dar, die namentlich den historischen Kostümen zugutekommt. Gerade das musste nach den Proben, die der 1. Band gegeben hatte, als besonders wünschenswert erscheinen. Denn keine Sammlung außer dem Kgl. Historischen Museum in Dresden hat derartige Bestände aufzuweisen, die ebenso wohl dem Kostümkundigen, wie dem Historiker von Bedeutung sein werden, sicherlich aber auch jeden anderen Betrachter, den keine historischen und technischen Fragen dabei beschäftigen, wegen ihrer fein abgestimmten farbigen Wirkung und des Geschmackes in dem schmückenden Beiwerk fesseln dürften.
Vielleicht hätten die Herausgeber gutgetan, eines der Gewänder in farbiger Nachbildung zu veröffentlichen. Dass es der von A. Lagrelius vortrefflich geleiteten Anstalt des Generalstabes, welche die Herstellung der Tafeln musterhaft besorgt hat, keine Schwierigkeiten gemacht hätte, beweist die schöne erste Tafel, welche in prachtvoll leuchtenden Farben eine etwa um 1700 gefertigte russische Paukendecke in Stoff und Applikationsarbeit sehr gut charakterisiert. Überhaupt wird, wer ein Freund von Stickereien ist, mit ganz besonderem Genuss diesen Band durchblättern. Aber auch derjenige, welcher in erster Linie nach Waffen sich umsieht, wird seine Rechnung finden.
Vorab durfte ihn die dem Ganzen vorangestellte Heliogravüre erfreuen, welche in den Hauptsaal der Leibrüstkammer mit seinen aus dem 1. Band d. Z. schon bekannten Schätzen an Rüstungen und mit seiner imponierenden Masse von Fahnen einen Einblick gewährt. Außerdem sind noch 15 Tafeln den Waffen gewidmet, darunter einige, die Einzelteile von Rüstungen bringen, welche im 1. Band in ihrer Gesamtheit dargestellt waren. Nun erst sind diese wichtigen Stücke zu stilistischen Vergleichen gut zu gebrauchen.
Der Raum zwingt mich, nur auf einige meines Erachtens besonders bemerkenswerte Gegenstände und auf einzelne Stellen des Textes hinzuweisen, den in seiner Knappheit und Klarheit so nur ein Kenner vom Range Ossbahrs schreiben konnte. Hervorgehoben seien also: der Helm einer Rüstung von K. Lochner (1560), ein mit herrlichen Ornamenten in Goldtausia geschmücktes Bruststück italienischer Herkunft (1560—1570) und Helm, Brust- und Rückenstück einer Karl IX. gehörigen Paraderüstung, die so nahe mit der bekannten Dresdner Prachtrüstung Christians II. verwandt ist, dass man an denselben Meister denken muss. Ossbahr hat in seinem kurzgefassten, aber klaren Text sich der Ansicht M. von Ehrenthals angeschlossen, dass dieser Meister der Goldschmied Heinrich Knopf aus Nürnberg gewesen sei, wie schon von H. Hettner vermutet worden war. Hoffentlich ist damit der Künstler als Plattner und Schöpfer der schönsten Prunkrüstungen, die sich erhalten haben, in die Waffenkunde endgültig eingeführt.
Von den beiden abgebildeten Degen, die beide aus dem Besitz Gustav Adolfs stammen, trägt der eine die jetzt so viel besprochene Inschrift Frangia. Ossbahr nimmt den Vorschlag Erbens über ihre Deutung an, wie er denn auch die Herkunft der Klinge als steirisch bezeichnet. Auf Tafel 19 sind einige Tschinken dargestellt. Ich erwähne sie nicht etwa, weil ihre Schönheit einzig dastünde — diese Art des Gewehrs scheint ja besonders gut ausgestattet worden zu sein, und so finden sich in den größeren Sammlungen fast immer eine Anzahl schön verzierter Stücke —, sondern weil Ossbahr an der Vermutung, dass ihr Name mit der schlesischen Stadt Teschen zusammenhinge, festhalten zu wollen geneigt scheint. Die Gründe, die dafür vorgebracht werden, sind beachtenswert. Ich vermag aber damit noch nicht in Zusammenhang zu bringen, wie sich der neben der Bezeichnung «Tschinke» herlaufende Name «kurländische Büchse» erklärt, der in den alten Dresdner Inventarien vorkommt. Jedenfalls weist ja auch er auf den Osten Europas. Hier wird aber erst die linguistische Untersuchung der Waffenkunde Aufklärung schaffen können.
L’appetit vient en mangeant: der so gut gelungene zweite Band erweckt den Wunsch nach weiteren Fortsetzungen in dem Betrachter, der gewiss diese neueste Leistung der beiden Herausgeber nicht ohne herzlichen Dank aus der Hand legt. Er möge ihnen an dieser Stelle auch von mir ausgesprochen sein, der ich ebenso viel Genuss als Belehrung aus ihrer Arbeit schöpfte.
Koetschau.
R. Forrer, Zur Ur- und Frühgeschichte Elsass-Lothringens. Nebst vor und frühgeschichtlicher Fundtafel mit 192 Abbildungen in Licht- und Farbendruck. (46 Seiten und 1 Tafel.) Strasburg, K. J. Trübner. 1901.
Die beste Denkmalpflege besteht in klarer, anschaulicher Belehrung des Volkes über die Gegenstände, für welche man seinen Schutz fordert. Diesem Gesichtspunkt verdankt die Forrersche Arbeit ihre Entstehung, ihre Förderung durch Behörden und Verleger. Es ist eine vorbildliche Leistung damit geschaffen worden, die man in allen Ländern des Reiches nachahmen sollte.
Der warmherzig geschriebene, knappe, aber über alles Nötige hinreichend unterrichtende Text zerfällt in zwei Abschnitte: «Begleitworte zur vor- und frühgeschichtlichen Fundtafel» und «Über die Vorzeit des Landes Elsass-Lothringen. (Vor- und frühgeschichtliche Kultur, Typologie und Völkergeschichte.)» Uns geht mehr die erste als die zweite Abteilung an, soviel des Bemerkenswerten sie auch enthält und soweit sie auch über die örtlichen Grenzen hinaus, namentlich wegen der Methode der Darstellung, Aufmerksamkeit beanspruchen kann.
Die Tafel, deren sehr gute, namentlich in dem kräftigen Kolorit und der deutlichen Stoffcharakteristik gelungene Darstellungen von dem Verfasser selbst und dem Strasburger Maler Leo Schnug angefertigt worden sind, zeichnet sich durch große Klarheit in der Anordnung aus. Jedem muss aus der chronologischen Reihenfolge der Typen fast auf einen Blick die Entwicklung jener Geräte klar werden, deren die menschliche Kultur von Anfang an nicht entraten konnte. Und dazu gehört nicht zuletzt die Waffe. Ich hoffe, dass ich in nicht zu ferner Zeit in der Lage sein werde, für dieses Sondergebiet den Lesern der Zeitschrift ausführliche Darlegungen bewährter Mitarbeiter unterbreiten zu können, damit die historische Waffenkunde endlich einmal die Scheu ablegt, in die vorgeschichtliche Zeit sich zu vertiefen, und nicht länger zögert, sich bei entwicklungsgeschichtlichen Forschungen um die Anfänge zu kümmern, die bisher nur von Jähns in seiner Entwicklungsgeschichte der alten Trutzwaffen in ihrer vollen Bedeutung recht gewürdigt worden sind.
Die Tafel zerfällt in fünf Abschnitte: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, Römerzeit und Völkerwanderungszeit, jeder Abschnitt wieder in mehrere Unterabteilungen. Senkrechte Striche trennen die Abteilungen voneinander. Wo auf diesen Gegenstand liegen, ist damit angedeutet, dass sie der Übergangszeit angehören oder sowohl in dem einen wie in dem anderen Zeitabschnitt verkommen. Dieses Verfahren ist umso mehr zu loben, als ein schematisches Einpressen in einen bestimmten Zeitraum zu verkehrten Vorstellungen fuhren muss. Denn keine Wandlung in der Kultur erfolgt plötzlich und ohne Ausgleich mit dem Vorher und Nachher. Diese Zwischenstufen aber scheint mir die Vorgeschichte bisher nicht genügend betont zu haben. Aus der Forrerschen Tafel jedoch wird klar, wie die verschiedenen Kulturen sich nur allmählich ablösen, allmählich ineinander übergehen, und der Zusammenhang aller Entwicklung wird so dem nachdenkenden Betrachter recht sinnfällig vor Augen gebracht.
Neben der Anordnung ist die Auswahl zu loben. Es ist darauf gesehen worden, typische Formen, Paradigmata in gewissem Sinne, zu geben, nicht aber den Zufälligkeiten der Funde zu folgen. Deshalb sind richtigerweise auch einige nicht in Elsass-Lothringen gefundene Gegenstände, die aber schließlich doch jeden Tag dort gefunden werden können, herangezogen worden. Gerade diese auf das Typische hinarbeitende Auswahl gibt der Veröffentlichung ihren Wert über die Grenzen des Landes hinaus.
Der kurze Text, der auf der Tafel selbst steht und der auch eine Notiz darüber enthält, wohin man sich mit gefundenen Gegenständen wenden soll, macht zwar das Buch nicht entbehrlich, genügt aber doch auch für sich allein schon, um über alle wichtigen Merkmale einer Kulturepoche so zu unterrichten, dass sie sofort in unserem Geist Leben gewinnt. Der Forrerschen Arbeit, die einen geschmackvollen und opferwilligen Verleger fand, ist weiteste Verbreitung und Nachahmung zu wünschen. Die nächste Frucht, die ich für die Waffenkunde gern reifen sehen möchte, wäre eine Tafel mit den typischen Entwicklungsformen der Waffen in vorgeschichtlicher Zeit.
Koetschau.
Internationale Bibliographie. Kunstwissenschaft. Herausgegeben von Arthur L. Jellinek. Erster Jahrgang 1902. Erstes Heft. Berlin, B. Behrs Verlag. (Jährlich 6 Hefte. Preis 10 Mark pro Jahr.)
Die Bibliographie der historischen Waffenkunde ist immer noch ein frommer Wunsch. Zwar lässt mich der freundliche Anteil, den einige Leser der Zeitschrift daran nehmen, hoffen, dass sie noch einmal erscheinen wird und die Vorarbeiten des Herrn Dr. Hampe nicht vergeblich geleistet sein werden, aber über den Zeitpunkt, wann dies erfolgen kann, lässt sich jetzt noch nichts sagen. Schlimm genug, denn so lange eine Sonderwissenschaft ihre Bibliographie noch nicht hat, gleicht sie einem Handwerker, dem die nötigsten Geräte fehlen.
Mit Freuden begrüße ich deshalb das Erscheinen der angezeigten Bibliographie, der man mit umso größerem Vertrauen entgegensehen darf, als Jellinek, ihr Herausgeber, einen wohlbegründeten Ruf hat. Zwar erfreut sich die Kunstwissenschaft in ihrem «Repertorium» schon einer fleißig gearbeiteten Bibliographie, aber diese konnte doch bisher nicht rasch genug den Erscheinungen des Büchermarktes folgen. In diese Lücke wird die Jellineksche Arbeit eintreten. Ihre Anordnung ist klar durchgedacht. Im 8. Abschnitt, der das Kunstgewerbe behandelt, sind unter F zusammengefasst: «Eisenarbeiten, Waffen, Uhren, Bronzen». Daneben aber kommen noch andere Abschnitte für den Waffenhistoriker in Betracht, namentlich der letzte, der die Heraldik behandelt.
Die typographische Ausstattung ist lobend hervorzuheben. Das Papier ist kräftig, wie es sich für ein Nachschlagebuch gehört, der Satz ist nicht, wie meist bei Bibliographien, eng zusammengedrängt, die einzelnen Schriftarten, geschickt gewählt, lenken das Auge auf das, was es zunächst zu finden wünscht, wenn es suchend die Spalten durcheilt. Da die Bibliographie nicht etwa auf die Aufzeichnung von Büchern sich beschränkt, sondern auch die so leicht dem Forscher entgehenden Arbeiten verzeichnet, die in Schul- und Vereinsschriften, allgemeinen Revuen und Tagesblättern erscheinen, wenn sie nur einigermaßen Anspruch auf Bedeutung haben, kann die Waffenkunde hoffen, hier einen Ersatz für das zu finden, was sie selbst noch nicht geleistet hat; freilich nur einen Ersatz, denn wenn sie ihre Aufgabe recht erfasst, muss sie ihre Grenzen weiter stecken, als sie von der Kunstwissenschaft allein für sie gezogen werden können.
Koetschau.
Quelle: Zeitschrift für Historische Waffenkunde. Organ des Vereins für historische Waffenkunde. II. Band. Heft 10. Dresden, 1900-1902.
