

Die Hauptwaffe der Germanen in der Kaiserzeit ist die Lanze, die Fußsoldaten wie Reiter führten. Wurflanzen werden von den vordersten Gliedern geschleudert; die Masse bricht mit gefällter
Stoßlanze in die Reihen der Gegner ein. Was die Form betrifft, so behält die Lanze die der Bronzezeit bei; teils werden keltische Lanzenformen eingeführt.
Bei den ersteren sind zwei Formen vorherrschend: solche, bei denen die Ränder des Speerblattes in einem schwachen Bogen gleichmäßig verlaufen, und solche, bei denen sich das Blatt nach dem Schaft
hin plötzlich verbreitert. Bei den keltischen Formen wird das Blatt dünner und breiter, und die früher starke Mittelrippe verschwindet oder bleibt nur als schwacher Grat.
Speerspitzen mit Widerhaken sind selten; sie sind wohl vom römischen Pilum beeinflusst. Tacitus nennt die für Wurf und Stoß verwendete germanische Lanze Framea. Das Schwert (Abb. 160), das wohl die meisten Germanen neben der Lanze führten, war etwa bis zur Kaiserzeit ein zweischneidiges Langschwert von 90–100 cm Länge und 4–7 cm
Breite. Vom Griffansatz an, wo es am breitesten wird, ist es nach der Spitze zu fast unmerklich schmäler, die dreieckig oder spitzbogig gestaltet ist. Diese Form diente mehr dem Hieb als dem
Stoß. Der Griff hat gewöhnlich eine Länge von 14,5 cm; er ist aus Eisen, das mit Holz, Leder u. Ä. umgeben war.
In der älteren Zeit hat es einen Griffansatz in Glockenform (c) oder mit bogenförmiger Schweifung; der nach oben verjüngte Griffdorn ist rechteckig. Das Langschwert der römischen Epoche hat
flachen Griffansatz mit horizontalen scharfen Kanten, eine ältere Schwertform zeigt d. Auch die Messer (a) werden wohl oft im Kampf verwendet worden sein, ebenso die aus der Kaiserzeit bekannte
Hiebaxt, die vielleicht das Vorbild der fränkischen Wurfaxt gewesen ist.


Geborgen war das Schwert in einer Scheide, die meist aus Metall bestand und mittels Ringen und Riemen oder Ketten befestigt war. In der Kaiserzeit wird dieses zweischneidige lange Hiebschwert durch das kurze Stoßschwert nach dem Vorbild des römischen Gladius verdrängt, das im Handgemenge eine brauchbarere Waffe als jenes war. Die Länge beträgt meist 60–65 cm, die Breite 4–4,5 cm. Die Scheide besteht aus Holz und wird an Tragösen aufgehängt. Die Scheidenspitze hat gewöhnlich ein Ortband aus Metall.
Daneben kommen einschneidige Schwerter vor, schmaler und schmalspitzig. Der Griff ist wie dort 8 bis 12 cm lang. Charakteristisch für die Franken ist das einschneidige Kurzschwert, der Scramasax, das „ebenso wie für den häuslichen Gebrauch auch als Buschmesser und ferner gleichzeitig als Streitwaffe diente. Es wurde an einem Wehrgehenk über der Schulter getragen.“ Weitere fränkische Waffen sind Streitaxt und Wurfbeil, die Franciska, zu nennen (Abb. 161, 162). Letztere kann als die nationale Waffe der Franken vom 5. bis 8. Jahrhundert bezeichnet werden; sie ist „ein Wurfbeil von charakteristischer Form. Sie besteht aus einer eisernen Klinge, die vom Axthelm zu einer leicht geschwungenen Spitze aufwärts steigt; die ziemlich kurze Klinge ist leicht gewölbt und meist nach hinten geneigt, sodass die obere Spitze weiter vorsteht.“
Bogen und Pfeile, die zur Bronzezeit in Gebrauch waren, erscheinen erst im 5. Jahrhundert n. Chr. wieder zahlreicher. Jedenfalls wurden sie als Jagdwaffen dauerhaft verwendet; auf der Antoninssäule und dem Tiberius-Kameo sehen wir germanische Bogen abgebildet.
Bei dem germanischen Schild ist in einer aus mehreren Brettern zusammengesetzten Holzplatte ein Mittelloch ausgespart, das ein eiserner Schildbuckel überdacht. Unter dem Buckel, auf der Rückseite des Schildes, ist ein hölzerner Schildgriff befestigt, der von einem metallenen Beschlag, der Schildfessel, bedeckt wird (Abb. 163). Den Rand des Schildes umsäumt mehrfach ein eiserner oder bronzener Randbeschlag (Jahn). Die Form ist kreisrund, oval oder eckig. Die Stärke des Holzes ist auffallend gering, was sich daraus erklärt, dass er nur dazu benutzt wurde, dem geschwungenen Schwert und der geschleuderten Lanze entgegengestoßen zu werden, um sie durch geschicktes Parieren abzulenken. Der Durchmesser beträgt 60 bis 110 cm. Als Schutzwaffe von eher passivem Charakter war der schwere römische Schild dem leichten und dünnen germanischen wesentlich überlegen. Die Außenseite der Holzschilde, die nur in den seltensten Fällen einen Lederüberzug hatten, war oft bemalt, und es ist wahrscheinlich, dass die verschiedenen Völkerschaften ihren Schilden einen besonderen Anstrich gaben.





Die Formen des Schildbuckels sind mannigfaltig. Von den Galliern übernahmen die Germanen wohl zuerst den bandförmigen, 10 cm breiten Eisenstreifen, in der Mitte aufgewölbt und mit den flachen Enden auf die Innenseite des Holzschildes aufgenagelt. Dann kommt die runde, helmartige römische Form auf, die später in eine Spitze ausgeht.
Die Verwendung des Helms lässt sich bei den Germanen nur in vereinzelten Fällen nachweisen. Dieser gewichtige Kopfschutz widersprach ebenso wie die Belastung des Körpers durch den Panzer der Kampfesweise dieses Volkes, das „den Hauptwert auf möglichste Ungehindertheit, Beweglichkeit und Leichtigkeit im Kampf“ legte.
Nicht weniger selten als der Helm erscheint bei den Germanen der Panzer, gewöhnlich der Ringpanzer. Er war wohl auf Führer und Fürsten beschränkt. Für die Menge war eine solche schwer herzustellende Wehr weder zu beschaffen noch bei der Art des Kampfes vorteilhaft. „Der Vergleich zwischen dem schwer gepanzerten Römer und dem ungeschützten Germanen stellt gleichzeitig zwei Hauptcharakterzüge der beiden Völker gegenüber, ein Vergleich, bei dem der offene, auf seine Tüchtigkeit vertrauende, wagemutige Germane wahrlich nicht schlecht abschneidet“ (Jahn).
Auch die Germanen hatten Feldzeichen, so die Bilder von den den Göttern geheiligten Tieren, z. B. dem Eber Freyas, dem Wolf Wodans u. Ä., vielleicht auch die Attribute der Götter, wie den Hammer Thunars, den Speer Wodans.
In der fränkischen Zeit sind die heidnischen Feldzeichen verschwunden, und das königliche Banner sowie Fahnen für einzelne Heeresabteilungen treten an deren Stelle.


Von einer einheitlichen Tracht der Germanen kann nicht geredet werden; sie war einerseits nach den verschiedenen Völkerschaften verschieden, andererseits wechselte sie mit der Zeit und unter dem Einfluss der römischen Kleidung. Hergestellt wurde die Bekleidung aus Fellen, Wolle und Leinen. Kleider aus Pelz wurden vorwiegend im Winter getragen, während in der wärmeren Jahreszeit der Oberkörper überhaupt unbedeckt blieb. Der gemeine Mann trug ständig Hosen, der Vornehme daneben Hemd und Rock (Abb. 171). Jedenfalls zeigen die in den Mooren gefundenen Leichen als Bekleidung des Mannes Hosen aus Wollstoff, ärmellosen Rock, Mantel und Mütze aus Wolle, dazu Schuhe; als Frauenkleider finden sich Unterkleid und ärmelloser Rock aus Wollstoff (Abb. 188). Nach den Berichten der Schriftsteller und den Abbildungen auf den Denkmälern lassen sich folgende Hauptbestandteile der Kleidung unterscheiden:
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Der Mantel, den Männer wie Frauen trugen, ein viereckiges, seltener ovales Tuch (oder Fell), bis unter die Knie reichend, auf der rechten Schulter durch eine Fibel zusammengehalten. Oft besteht er auch aus einem viereckigen Tuch, das in der Mitte einen Ausschnitt zum Durchstecken des Kopfes hat. Bisweilen ist eine kappenartige Kapuze an dem Mantel befestigt.
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Das rockähnliche Untergewand ohne Ärmel, bei den Frauen länger, oft hochgegürtet und mit Ärmeln versehen. Es wird aus Wolle wie aus Leinwand hergestellt. Letztere, von alters her von den Frauen gesponnen und gewebt, findet überhaupt bei der Kleidung für beiderlei Geschlechter mannigfache Verwendung.
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Die Hose, sie ist teils Kniehose – in diesem Fall wurde das Bein vom Knie abwärts mit Binden nach Art unserer Wickelgamaschen umwunden –, teils Langhose, die ziemlich faltig bis zu den Knöcheln geht und dort zusammengebunden ist (Abb. 170, 173). Auch Frauen finden wir mit solchen Beinkleidern.
Als weiteres Kleidungsstück kommt bei den Frauen noch ein schleierähnliches Umhängetuch vor.
Das Hemd ist römischen Ursprungs. Aus Wolle oder Leinen wurde es unter der Tunica getragen und des Nachts abgelegt, da man sich unbekleidet zu Bett legte.


Statt der Strümpfe trug man an der Hose oft eine kappenartige Fortsetzung für den Fuß, oder man umwand letzteren mit Binden.
Ein Gürtel hielt Rock und Hose über den Hüften fest.
Als Fußbekleidung verwendete man Sandalen, bestehend aus Sohlen mit Riemen zum Festhalten, oder ein den Fuß umfassendes Stück Leder, das oben mit Riemen zusammengehalten wurde; manchmal ist das Oberleder gitterartig durchbrochen. Leichtere Fußbekleidung, wie die niederen Schuhe, ist auf römischen Einfluss zurückzuführen. Natürlich ging man auch viel barfuß.
Das Haar wallte bei den einen Stämmen frei herab, bei anderen war es auf dem Scheitel in einen Knoten zusammengebunden. Der Römer trug das Haar kurz geschnitten, und so nahmen viele Germanen, von dieser Mode beeinflusst, diese Haartracht an; nur fürstliche Personen scheinen die langen Haare beibehalten zu haben. Die Frau trug das Haar teils lang mit einem Scheitel in der Mitte, teils geflochten; es wurde durch Nadeln zusammengehalten.
Was den Römern, den kleinen Südländern, zunächst bei den Germanen auffiel, war deren Größe. Bei den römischen Schilderungen muss man bedenken, dass einmal unter der kriegerischen Jugend, die den Römern gegenüberstand, sich natürlich nur auserlesene große und kräftige Leute befanden; sodann übertrieben die römischen Berichterstatter jene Größe, um die Tapferkeit der kleineren Landsleute in ein helleres Licht zu stellen. Denn die vielen Hunderte von Skeletten, die auf germanischen Friedhöfen ausgegraben worden sind, zeigen, dass die Maße sowohl der großen wie der mittleren Skelette kaum einen Unterschied von denen der heutigen Deutschen erkennen lassen.
Als weitere Kennzeichen der Germanen werden blaue Augen, rötliches Haar und weiße Hautfarbe erwähnt. Diese dürftigen Nachrichten verhelfen ebensowenig zu einer klaren Vorstellung wie die Darstellungen der Germanen in der antiken Kunst. Wohl haben wir eine ganze Reihe von Germanenbildern, aber mehr als ein gewisser Rassetypus, die eigentümliche Haartracht einzelner Stämme und das Charakteristische der Kleidung ist auch ihnen nicht für das Aussehen unserer Vorfahren zu entnehmen. Von der Mischbevölkerung in den Grenzgebieten geben die Schädel ein deutliches Bild.
Gemma Augustea in Wien. In der oberen Reihe "die drei, auf denen das gegenwärtige und künftige Heil der Welt beruhen sollte", Augustus, Tiberius und Germanikus. - Augustus neben Roma als Jupiter thronend. Zwischen ihnen der Steinbock, das Geburtsgestirn des Augustus. Der Kaiser wird bekränzt von der Erdgöttin Olkumene, vor ihr Gottheiten des Meeres und der Erde. Vom Triumphwagen, den Viktoria führt, herabsteigend Tiberius, zur Seite Germanikus. Der pannonische Triumph wird gefeiert (12. n. Chr.). In der unteren Reihe besiegte Barbaren, Errichtung eines Tropäums, Fortführung und Misshandlung von Gefangenen. Unser Caméo - so heißt ein erhaben geschnittener Stein - ist ein Onyx mit einer hellen und dunklen Lage, die untere gibt den Hintergrund für die aus der oberen geschnittenen Figuren.
Quelle: Bilder aus dem römisch-germanischen Kulturleben (nach Funden und Denkmälern). Hrsg. von Carl Blümlein
