
I. Der Helm, dessen Bild hier beiliegt,1 ist Eigentum des ungarischen National-Museums und wurde am 25.Juni 1898 in Budapest beim Bau des Donauufer-Pfeilers der neuen Kettenbrücke, welche vom Schwurplatz ausgeht, in der Tiefe von 3,5 — 3,8 m gefunden.
Da derselbe in eine Sand und Kiesel führende Schichte eingebettet lag, hatte sich an demselben innen und außen viel Kies angesetzt. Die beiliegenden Abbildungen zeigen den Helm in dem jetzigen Zustand, nachdem der angerostete Kiesel, so weit als es ohne Schädigung der Helmwand möglich war, entfernt worden ist.
Der Helm besteht aus Eisen und die Außenseite ist mit einer daran fest haftenden Schicht von vergoldetem Silberblech überzogen; diese Oberfläche zeigt Reliefverzierungen; auch sitzen darauf farbige Glaspasten, welche wie Halbedelsteine wirken.
Die Form des Helmes lässt sich etwa mit einem in der Längenachse entzwei geteilten Ei vergleichen; zu unterst ist der längere innere Durchmesser 23 cm, der kürzere 17 cm. Die Dicke der Wand ist an gut erhaltenen Stellen, wo der Rost dieselbe nicht angefressen oder zerstört hat, 5 mm. Die Aufstellung in der farbigen Abbildung ist keine genau rechtwinklige, auch steht der Helm nicht genau in der Horizontalen, sondern die Seite links von der Mittelachse neigt etwas tiefer nach unten, als es die richtige Stellung auf dem Kopf erforderte; auch sieht man von der Frontseite desselben auf dem Bild etwas mehr als die Hälfte.
Strenger sind die Aufnahmen orientiert, welche den Abbildungen Nr. 1—4 als Unterlage dienten. Fig. 1 zeigt die linke Längsseite des Helms; Fig. 2 die rechtsseitige Längsseite. Fig. 3 ist die Frontseite. Fig. 4 zeigt die Rückseite. Am besten ist der obere Teil des Helmes erhalten, welcher auf dem Scheitel saß und den Kopf beiläufig bis zu den Augenbrauen und bis zu den Ohren bedeckte.
In der Richtung der Längenachse erhebt sich auf der Scheitellinie ein breiter Kamm, welcher die ganze Oberfläche in zwei seitliche Felder teilt. Die untere Einrahmung der beiden Felder ist beinahe in ganzer Länge erhalten. Fig. 5 zeigt ein Stück von der rückwärtigen Seite (in ausgestreckter Ansicht), wo die Ecken beider Felder am besten erhalten sind. Der Rahmen besteht aus zwei gekerbten, parallellaufenden Leisten, zwischen welchen in Relief quer gestellte gleicharmige Kreuzchen als Füllornament sich aneinanderreihen; der Rahmen säumte die beiden Seitenfelder nicht nur unten ein, sondern setzte sich längs des Kammes fort. Über dem waagerechten Teil der beiden Rahmen schließt sich an denselben ein Reliefornament von kleinen Halbmonden, deren Öffnung gegen das Feld zu gerichtet ist und über deren Enden je drei Reliefpunkte in Dreieckstellung schweben; in gleicher Weise begleitet den Rahmen, welcher neben dem Kamm aufsteigt, eine Reihe von Reliefkreisen mit Reliefpunkt darin.
1 Die photographischen Aufnahmen und chromatischen Zinkstöcke des Bildes sind von der Firma A. Weinwurm in Budapest hergestellt worden; wir verdanken die Benutzung derselben der von Herrn Prof. Hampel geleiteten Redaktion des «Arch. Ertesetö», wo der Helm von ihm zuerst besprochen wurde. Die Schriftleitung.


Die beiden so eingerahmten Felder sind mit je zwei Reihen von gefassten Glassteinen geziert. Die farbige Tafel gewährt einen guten Anblick der acht Steine, die auf der rechten Seite saßen; die Zahl, Form und Stellung der Steine war auf der entgegengesetzten Seite dieselbe. Zunächst dem Kamm an der Vorderseite sitzt ein ovaler Glasstein, welcher einen dreischichtigen Onyx nachahmt, darauf folgt in der waagerechten Reihe eine grüne, halb durchscheinende viereckige Glastafel, in der Mitte der Reihe saß ein ovaler Stein, der an beiden Seiten fehlt, der vierte in der Reihe war eine viereckige grüne Tafel und die Reihe schloss eine kleine blaue Glasscheibe, welche auf der linken Seite ausgefallen ist.
Die oberen Glassteine sind in gekrümmte Linien gestellt; an den beiden äußersten Enden sitzen jederseits je zwei grüne viereckige Tafeln, daneben nach innen und in tieferer Stellung je zwei Onyximitationen von ovaler Form — alle acht Stücke sind erhalten.
Die Einfassungen sind an den viereckigen Steinen stufenartig, an den rundlichen Steinen einfach darauf gebogen; die Einfassungsbleche selbst sind stets mit einer Reihe von erhöhten Punkten verziert. Der mäßig erhöhte Kammstreifen war mit einem separaten Band aus dünnem Silberblech belegt, welches man mit Stiftchen darauf befestigte; an vier Stellen sind diese Stiftchen mit rundem Köpfchen noch an ihrer ursprünglichen Stelle erhalten.

Die Silberkruste selbst ist zufolge der Rostbildung, welche sie gehoben hatte, zum großen Teil abgefallen und nur an den beiden Enden, vorn und rückwärts, sowie auf der Höhe verblieben davon noch Überreste. Fig. 5 zeigt einen Ausschnitt der Rückseite. Hier sieht man, dass den Bandstreifen eine gekerbte Leiste einrahmte, und je eine Reihe kleiner Kreise begleitet den Rahmen von außen, während innerhalb desselben je eine Reihe von Kreisen mit mittlerem Punkt sich hinzieht. Zu unterst zierte an beiden Enden je ein viereckiger grüner Glasstein den Streifen. Neben dem Stein saß jederseits eine Silberschnalle mit nach aufwärts gerichtetem Rahmen. Diese Schnallen sowie die zwei Schnallen, die beiderseits in der Mitte der oberen Schmucksteine sitzen, dienten dazu, um auf dem Helmscheitel den Helmbusch mittelst Spannriemen festzuhalten. Von den beiden Riemen wurde der längere von den beiden Schnallen vorn und rückwärts, der kürzere von den beiden seitlichen Schnallen festgehalten; die rückwärtige Schnalle ist noch zur Hälfte erhalten, das Deckblatt ist mittelst dreier Stifte auf die Unterlage befestigt (Fig. 5), von den seitlichen Schnallen ist die rechtsseitige (Fig. 6) beinahe noch vollständig, von der linksseitigen (Fig. 2) ist wenigstens das Deckblatt noch an der ursprünglichen Stelle erhalten.
Der untere Teil des Helmes ist bei weitem nicht in so gutem Zustand, als der obere; doch lässt sich trotzdem die Raumgliederung auch hier noch gut erkennen. Es liefen zwei Bänder über dem Rand herum, welche voneinander durch einen leeren Raum getrennt sind; das obere Band ist breiter (2,4 cm), das untere schmäler (1,6 cm); beide Bänder sind mit gekerbtem Leistenrand eingesäumt. Am besten ist die Randverzierung auf der linken Seite in der Nähe der Frontöffnung erhalten; dieses Stück zeigt Fig. 7 in der Krümmung und verkleinert, Fig. 8 mit ausgestreckter Oberfläche.
Den Rahmen des oberen Streifenfeldes begleitet an der Innenseite, oben und unten je eine Punktreihe, verziert war derselbe mit frei aus der Fläche hervorstehenden Reliefen, mit kleinen eingerahmten Reliefbildern sowie mit viereckigen und rundlichen Glassteinen, von welchen noch drei erhalten sind.
Fig. 8 gewährt einen klaren Überblick der erhaltenen Verzierungen. Links beginnt im schmalen Raum über der linken Augenbrauenrundung ein oblonges Reliefbildchen in gekerbtem Leistenrahmen, welches eine nach links eilende Victoria darstellt; in der erhobenen Rechten hält sie den Kranz, während die Linke den Palmenzweig fasst. Der Rahmen ist an der linken Seite von einem Dreieck flankiert, welches aus Reliefpunkten besteht; offenbar sollte daselbst das dreieckige Feld einigermaßen belebt werden. Daneben steht ein viereckiger Glasstein und etwa 14 cm weiter folgte wieder ein Glasstein, dieses Mal von ovaler Form; rechts und links von demselben sah man das Relief je eines dem Stein zugekehrten schreitenden Löwen, der Löwe links ist ziemlich gut erhalten, doch von dem rechtsseitigen ist nur ein Stück der einen hinteren Pfote und die Schweifspitze geblieben.

Neben der Einfassung des Steines wiederholte sich beiderseits das punktierte Dreieck. Wieder auf 14 cm Distanz folgte eine Onyximitation in Scheibenform, mit gekerbter Einfassung. Daneben stehen drei oblonge, eingerahmte Reliefbildchen von ungleicher Größe. Von dem ersten ist nur mehr ein Teil des Rahmens zu sehen. Das zweite stellt eine schreitende Victoria, dieses Mal von vorn gesehen, dar, sie hält beide Hände empor, in der rechten ist ein Kranz; es bleibt unentschieden, ob auch die linke einen Kranz hielt. In einem kleineren Rahmen sitzt Jupiter nach links, in der ausgestreckten Rechten hält er vermutlich die Weltkugel, mit der emporgerichteten Linken fasst er das auf dem Boden stehende Szepter. Hier ist der obere Streifen abgebrochen. Auf der linken Seite des Helmes haben sich in demselben Streifen, dem Augenausschnitt zunächst und in der rückwärtigen Halsgegend je ein Bildchen erhalten (Fig. 8 a und b). Das eine (a) stellt eine nach rechts schreitende Victoria dar und dieses Bild entsprach dem schon beschriebenen auf der entgegengesetzten Seite; rückwärts steht in freiem Feld eine doppelhenklige Vase (b), deren Fuß fehlt. Der untere Streifen wird durch eine mittlere gekerbte Leiste in ein oberes schmäleres und ein unteres etwas breiteres Feld geteilt. Das obere ziert eine Reihe von quergestellten Reliefkreuzchen. Sehr zu bedauern ist die schlechte Erhaltung des unteren Feldes, weil daselbst eine Inschrift in Relief stand, von der jetzt nur mehr zwei Buchstaben zu erkennen sind.
Im Ganzen mögen auf dieser Seite (Fig. 8), soweit die Kontinuität des Silberstreifens reicht, 14—15 Buchstaben solcher Größe gestanden haben, wie die vorhandenen, vorausgesetzt, dass die Buchstaben in gleichen Abständen aufeinander folgten. Bei dieser Annahme war R, einer der vorhandenen Buchstaben, der sechste in der Reihe von der Augenöffnung gerechnet, während das ebenfalls noch leserliche M, etwa der dreizehnte Buchstabe derselben Reihe war. Beide sind römische Kapitälbuchstaben von guter Form. Der untere Randstreifen lief waagerecht um den Helmesrand herum und wurde jederseits nur in den beiden Schläfengegenden unterbrochen; daselbst erhob sich der Rand jederseits mit aufsteigender Krümmung bis zur Nasenwurzel und entsendete von da aus aller Wahrscheinlichkeit nach zum Schutz des Nasenrückens ein schmales Blatt, welches ebenso wenig vorhanden ist, wie der größere Teil des Augenrandes. Längs des noch vorhandenen Randes ziehen zwei parallele Streifen empor, welche mit gekerbten Leisten eingerahmt sind und im Feld je einer Reihe von Reliefpunkten Raum gewähren.
Den Helm ergänzten beiderseits Backenklappen. Ein großes Stück der rechten Backenklappe ist erhalten. Als man den Helm fand, war dasselbe an die innere Seite des Helmes angerostet gewesen, doch könnte man ein größeres Stück davon mit großer Mühe lostrennen. Die zwei Fragmente zeigt unsere Fig. 1 beiläufig in der Stellung, die sie ursprünglich einnahmen; nur müssen wir uns an den oberen Rand derselben Scharniere oder Riemen und Schnallen hinzudenken, welche die Klappe an dem Helmrand festhielten, so dass der Klappenrand dem Helmrand näherstand, als die Lage der Abbildung zeigt. Während der obere Rand und teilweise auch die Seitenränder die einstige Form der Klappe deutlich zeigten, kann man von dem unteren Ende nur mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass dieselbe gegen das Kinn hin schmäler wurde; daselbst näherten sich die beiden Klappenenden einander und wurden offenbar durch einen Riemen und eine Schnalle oder in anderer Weise so fest miteinander verbunden, dass sich beide Klappen, welche man sich mit Leder unterlegt zu denken hat, an das Antlitz anschmiegten. Ebenso pflegte man die innere Fläche des Helmes mit Leder zu füttern. Auch von der zweiten Klappe hat sich ein ziemlich großes Stück erhalten (Fig. 2); es hatte sich unter die Helmwand geschoben und der Rost mit Kiessand und Kieselsteinen hat die Klappe mit der Wand zu einem schier untrennbaren Konglomerat verbunden, in welchem vermutlich auch noch andere Fragmente, von der Kiesschicht bedeckt, sitzen mögen.
Beide Klappen sind aus starkem Eisenblech und an der Außenseite mit vergoldetem dünnen Silberüberzug bedeckt. Sowohl die Reliefornamente am Rand, als auch die Glassteine sind in Übereinstimmung mit der Zier am Helm. Fig. 9 und 10, zeigen die beiden Ecken der besser erhaltenen Klappe; der größte Glasstein sitzt beiläufig in der Mitte der Oberfläche (Fig. 1); es ist wieder die Nachahmung eines Onyx von drei Schichten, außerdem ziert den schmalen Winkel eine grüne Glastafel, und in dem rechten Winkel sitzt eine kleine Glasscheibe mit drei Lagen und in der nämlichen Fassung, wie die gleichen Steine am Helm.


In seinem ursprünglichen Zustand machte der von Gold und farbigen Glassteinen erglänzende Helm mit dem wallenden Federbusch auf dem Haupt eines Kriegers gewiss einen prächtigen Eindruck. Der jetzige Zustand gibt davon nur einen annähernden Begriff; denn das Gold ist verblasst, der Rost hat an vielen Stellen die vergoldete Silberkruste zerstört, die bunten Gläser sind zum großen Teil blind geworden, und von den vielen zarten Reliefs, welche als Fries den Helmrand zierten, sind viele ruiniert oder mit dem eisernen Untergrund zusammen verschwunden.
Doch legen die noch vorhandenen genügendes Zeugnis ab dafür, was auch die noch vorhandenen lateinischen Buchstaben bekräftigen, dass wir es hier mit einem Helm römischer Zeit zu tun haben, welcher für die Zeitstellung ähnlicher, anderwärts vorhandener Helme maßgebend ist.


II. Zwei ähnliche Helme wurden einige Jahre vor dem Auftauchen des Budapester Helmes im Pferrsee bei Augsburg auf einstigem römischen Grenzgebiet im Jahr 1896 gefunden. Wir besitzen durch die Güte der Firma J. Rosenbaum in Frankfurt a. M. Fotografien der Helme, welche zuerst in den Besitz dieser bekannten Firma gelangten. Nach diesen Aufnahmen wurden die Konturzeichnungen, Fig. 11—14, welche wir hier beifügen, hergestellt. Dieselben geben einen annähernden Begriff von dem besser erhaltenen Exemplar, das zurzeit eine Zierde des Nürnberger Germanischen Museums ist.
Fig. 11 zeigt die eine Längsseite, Fig. 12 die eine Schmalseite; Fig. 13 die eine Backenklappe und Fig. 14 das Fragment, welches vom Nasendeckel erhalten ist. Ohne der Monographie vorzugreifen, welche das Germanische Museum über den interessanten Helm vorbereitet, wollen wir nur auf einige Charakterzüge hinweisen, wodurch sich diese Helme an den Budapester Helm auf das Innigste anschließen. Vor allem sind die Helme aus dem Pferrsee aus Eisen und mit Silber überzogen, wenn auch dieses Mal die Vergoldung fehlt; auch fehlen Glassteine und figurale Verzierungen, doch auch hier ist die Silberkruste mit Reliefornamenten geziert. Außer der Technik stimmt die Form und Ausrüstung überein; nur ist die Wölbung dieses Mal etwas flacher, dagegen der Kamm etwas kräftiger und schmäler. Soweit nach den Fotografien zu urteilen ist, fehlt an dem Kamm jede Vorrichtung, um einen Busch darauf zu befestigen. Die Ornamentik ist wohl einfacher, doch ist die Verteilung der Ornamentstreifen neben dem Kamm sowie an dem unteren Saum die gleiche. Die gekerbten Leisten sowie die Reliefkreise mit zentralen Reliefpunkten kehren wieder; andere Ziermotive fehlen wohl, doch tritt ein neues Motiv hinzu, die gereihte S-form in stehender Stellung und dieselbe Form auf der Klappe (Fig. 13) in liegender Stellung. Endlich stimmt an allen dreien die Verwendung von Stiftchen überein, deren halbkugelförmige Köpfchen als Ziermotive mit verwendet wurden.
Wie man sieht, ist alles an den Helmen von Pferrsee einfacher, aber in der Hauptsache sind alle drei Stücke als engverwandte Analogien zu betrachten. Als vierten Helm in der Reihe erwähnen wir einen interessanten Helm in der Eremitage in St. Petersburg, dessen Abbildung bereits seit dem Jahr 1859 bekannt ist und welche wir hier (Fig. 15) nach den Antiquites du Bosphore cimmerien (XXVIII.Tafel) wiederholen.


Der Abbildung ist eine ziemlich genaue Beschreibung beigeschlossen und es lohnt sich, dieselbe hier einzuschalten, da das zitierte Werk nicht überall zugänglich ist.
PI. XXVIII. Armes 5. Larg. 0 m 258. Casque en fer avec ornements en argent. Ce casque est indique en termes vagues par Dubrux parmi les objets decouverts à Koul Oba (p. XXI). Sa forme tout à fait insolite dans l’antiquité, ne se retrouve guére que dans certains casques du moyen âge; il peut donc y avoir erreur sur la provenance. La callotte est formée de six côtés (quatre grandes et deux petites) en fer plaque d'argent, avec ornements gravés et dores. Ces côtés sont reunies par des clous d’argent rives. La piece qui forme la créte se compose de deux feuilles d'argent avec ornements dorés, recouverts sur la légue de jonction d’une bande d’argent formant ourlet, maintenue par des pattes rivées de chaque côte de la créte. Le bord inferieur formant la pourtour de l’ouverture du casque est en argent avec ornements repousses et dorés; il est fragmenté sur le devant de maniere qu’au ne peut déterminer, si un gardevue y etait adapté. [Übersetzung: Waffen 5. Breite. 25,8 cm. Eiserner Helm mit silbernen Verzierungen. Dieser Helm wird von Dubrux vage unter den in Koul Oba entdeckten Objekten erwähnt. Seine in der Antike recht ungewöhnliche Form findet sich nur bei bestimmten Helmen des Mittelalters; es kann daher ein Irrtum hinsichtlich der Herkunft vorliegen. Die Kalotte besteht aus sechs Seiten (vier großen und zwei kleinen) aus versilbertem Eisen mit eingravierten und vergoldeten Ornamenten. Diese Seiten sind durch silberne Nieten verbunden. Das Stück, das den Kamm bildet, besteht aus zwei silbernen Blättern mit goldenen Ornamenten, die am Verbindungsbein mit einem silbernen Band bedeckt sind, das einen Saum bildet und durch genietete Laschen auf jeder Seite des Kamms gehalten wird. Der untere Rand, der den Umfang der Helmöffnung bildet, ist aus Silber mit getriebenen und vergoldeten Ornamenten; Es ist an der Front fragmentiert, so dass nicht festgestellt werden kann, ob eine Wache dafür geeignet war.]
S. Reinach ließ in seiner bekannten Bibliothéque des monuments figurés grecs et romains diese Beschreibung unverändert Abdrucken und schloss nur eine Berufung auf S. 14 von Benndorfs Antike Gesichtshelme bei. Auf der erwähnten Tafel XXVIII ist unter b die Backenklappe eines Helmes abgebildet, deren Abbildung wir hier gleichfalls wiederholen (Fig. 16). Es scheint wünschenswert, auch die Beschreibung und alles, was die Autoren des erwähnten Werkes über diese Backenklappe sagen, hier wortgetreu ebenfalls wiederzugeben.
PI. XXVIII. b. Cette pièce a sa correspondante moins bien conservée. Toutes les deux sont en argent, Sans addition de fer; il semble qu’elles formaient des gardesjoue très développés, car on distingue du canté droit du bord du casque les restes de la charniére en fer, à clous en argent rivés, à laquelle devaient être susprenant les gardes-jou; on reconnait au bord superieur de la pièce la place de la charnière et un petit fragment de son attache; il existe en outre, des deux côtés de la partie postérieure du bord du casque des restes oxydés de boucles en fer qui devaient etre articulées (cf. Musée de Tsarkoë Sélo pl.LXXXIII. 1. Casque oriental). Des fragments en argent, ayant evidemment appartenu au même objet et d’autres fragments en très petit nombre, dont une boucle en argent munie de son ardillon ayant probablement servi à attacher une courroie, font supposer qu'à ce casque était jointe quelque autre pièce d’armureDubois, dans sa relation de l’exploration de Koul-Oba (A. V. p. 2x4) parle du corps du serviteur du roi et de ses armes en argent déposées avec les ossements de cheval dans l’enfoncement du caveau. On ne sait où il a puisé ces renseignements. [Übersetzung: PI. XXVIII. B. Dieses Stück hat ein weniger gut erhaltenes Gegenstück. Beide bestehen aus Silber ohne Eisenzusatz; es scheint, dass sie sehr entwickelte Wangenschützer bildeten, da wir an der rechten Kante des Helmrandes die Reste des eisernen Scharniers mit aufgenieteten Silbernägeln erkennen können, an denen die Wangenschützer aufgehängt gewesen sein müssen; wir erkennen an der Oberkante des Stückes die Stelle des Scharniers und ein kleines Fragment seiner Befestigung; Außerdem finden sich auf beiden Seiten des hinteren Teils des Helmrandes oxidierte Reste von Eisenschnallen, die beweglich gewesen sein müssen (siehe Museum Zarkoje Selo, Tafel LXXXIII. 1. Orientalischer Helm). Silberfragmente, die offensichtlich zum selben Objekt gehörten, und andere Fragmente in sehr geringer Anzahl, darunter eine silberne Schnalle mit Stift, die wahrscheinlich zur Befestigung eines Riemens diente, lassen darauf schließen, dass an diesem Helm noch ein anderes Rüstungsteil befestigt war. Dubois spricht in seinem Bericht über die Erkundung von Koul-Oba (A. V. S. 2x4) von der Leiche des Dieners des Königs und seinen silbernen Waffen, die zusammen mit den Pferdeknochen in der Höhle des Gewölbes platziert wurden. Es ist nicht bekannt, woher er diese Informationen hat.]
Ohne weiter auf jene Teile des zitierten Textes einzugehen, welche sich mit dem Ursprung der beiden abgebildeten Stücke und der übrigen noch erwähnten kleineren Fragmente befassen, genügt es für unsere Zwecke, zu konstatieren, dass alle erwähnten Teile zu einem und demselben Helm gehören. Für die abgebildeten Stücke bezeugt dies die Ähnlichkeit des Materials, der Technik und der Ornamente, und was die kleineren Fragmente betrifft, so ist das Vorhandensein des Nasenbleches und von Riemenschnallen durch die vorhergehenden Analogien bezeugt.
Was die Form des südrussischen Helmes betrifft, so ist dieselbe mehr kegelförmig, als es die Helme von Budapest oder vom Pferrsee sind. Auch in der Gliederung der Oberfläche ist ein Unterschied wahrnehmbar, doch sind diese verhältnismäßig geringfügige Abweichungen. Stoff, Technik sowie die Ornamentik lassen wieder keinen Zweifel aufsteigen über den engen stilistischen Zusammenhang des Bosporaner Helmes mit den schon erwähnten drei anderen Helmen. Wegen der Einfachheit der Ornamentik schließt sich derselbe näher den Helmen vom Pferrsee an, doch tritt hier als neues Motiv die doppelte einander querende Zickzacklinie auf; andererseits ist der Helm gleich wie das Budapester Exemplar vergoldet, und darin übertrifft derselbe die einfacheren Silberhelme vom Pferrsee.
Noch einen fünften Helm kennen wir, welcher der angeführten Reihe anzuschließen ist: auch einer der beiden Helme von Thorsbjerg im Kieler Museum gehört hierher. Es ist zwar auch jetzt noch Sitte, die beiden wohlbekannten Helme in der unnatürlichen Verbindung zur Darstellung zu bringen, in welche sie seiner Zeit der Restaurateur gebracht, auch in der nordischen Altertumskunde (Bd. II 1. H.) von S. Müller ist die Gesichtsmaske eines römischen Helmes noch mit dem Stück verbunden, welches Müller «Nackenstück» nennt; doch kann wohl kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass dieses «Nackenstück» selbst ein Helm für sich ist,1 dessen Form derjenigen des Budapester Helmes sehr nahe kommt.
Allerdings ist zwischen den beiden Helmen ein wesentlicher Unterschied vorhanden. Dem Thorsbjerger Stück fehlt die Leder- oder Fellmütze, über welcher das Netz silberner Bänder gespannt war, das erhalten blieb. Von diesen Bändern oder Spangen zieht eine die Scheitellinie entlang und eine andere sitzt quer über der kürzeren Achse; andere Bänder beugen sich schräg über die Zwischenräume und ergeben zusammen eine ovale Gesamtform. Die Enden sämtlicher Bänder stehen auf dem waagerecht zu denkenden, Diadem-artigen Reifen, welcher den unteren Helmrand vertritt. Sowohl der untere Reif, als sämtliche Spangen sind mit Reliefornamenten verziert und vergoldet. Die Ornamente auf den Bändern sind kugelsegmentartige Erhöhungen, und auf dem unteren Reif, welchen fünf parallellaufende gekerbte Leisten in vier Zonen teilten, gleichen die aneinander gereihten Motive dem fallenden Tropfen.
Ähnlichkeit der Form, Technik und der Ornamente bilden auch im vorliegenden Fall die sichere Grundlage, auf welche gestützt auch dieser Helm den früher genannten angeschlossen werden muss. Auf der Suche nach Analogien zu dem der pannonischen Donau entstiegenen Helm geben wir uns vor der Hand damit zufrieden, im Ganzen eine Serie fünf ähnlicher Stücke zusammengestellt zu haben; einige Andeutungen in der Literatur lassen hoffen, dass damit die Anzahl der Analogien noch nicht erschöpft ist; nur sind die Abbildungen oder Beschreibungen hier übergangener Stücke nicht genügend, um als Basis zu einer sicheren Vergleichung dienen zu können.
1 Vgl. Benndorf, «Antike Gesichtshelme», Wien 1878, XV. Taf. 3, a—b, die auf den Helm bezügliche frühere Literatur ebendort, S. 12, ferner Müller, «Ordning af Danmarks oidsager II. Jernalderen», Taf. XXIII, N. 344. Allerdings ist es ein Miniaturhelm.



III. Für die chronologische Feststellung bietet die beschriebene Serie im Allgemeinen genügende Anhaltspunkte. Für den Thorsbjerger Helm hatte man seit langem ein gesichertes Datum, welches man demselben aufgrund der begleitenden Altertümer zuschrieb; dieselben deuteten auf das 4. bis 5. Jahrhundert v. Chr.
Von dem Bosporaner Helm wusste man zwar nicht genau, ob derselbe denselben Jahrhunderten angehöre, wie die Grabstätte von Koul-Oba, doch nahm man an, dass der Helm aus dem Altertum stamme, wenngleich derselbe in der Form nicht mit den gleichzeitigen antiken Helmen übereinstimmt. Ganz und gar ohne Orientierung war man bezüglich der Helme vom Pferrsee, solange man nur diese allein und für sich betrachtete; denn weder boten sie selbst, noch irgendwelche sie begleitende Fundstücke eine Handhabe zu ihrer Datierung. So sehr war man im Unklaren über ihre wirkliche Entstehungszeit, dass sie beispielsweise dem ungarischen Nationalmuseum als «Helme der ungarischen Heidenzeit» angeboten wurden, weil man annahm, dass dieselben ungarischen Kämpfern angehörten, welche im Jahr 955 in der bekannten Schlacht auf dem Lechfeld gefallen waren.
Mit dem Erscheinen des jüngst gefundenen pannonischen Helmes wich jeder Zweifel. Die römische Inschrift, die Victorien und die sitzende Jupitergestalt sowie auch die Edelsteinimitationen zeigen deutlich, dass dieser sowie die verwandten Helme Produkte der römischen Kaiserzeit sind. Wie sich jedoch die einzelnen Glieder der Reihe in zeitlicher Folge zueinander verhalten, darüber ist wohl noch kein abschließendes Urteil möglich. Zwischen dem pannonischen Helm und dem Thorsbjerger dürfte wohl der Zeitraum wenigstens eines Jahrhunderts liegen; denn, wenn wir für die Datierung den Stil und die Ausführung der kleinen figuralen Reliefs benützen und dabei die Münzfolge der römischen Imperatoren zum Vergleich heranziehen, deren Reversbilder den kleinen Reliefs als Vorbilder gedient haben mögen, so müssen wir über das 4. Jahrhundert hinauf gehen, während man für den Thorsbjerger Helm das 4. oder 5. Jahrhundert als Entstehungszeit angenommen hat.
Vermutlich stehen die Pferrseer Helme zwischen diesen beiden Altersgrenzen; doch lässt sich darüber ebenso wenig bereits etwas Sicheres sagen, als über die nähere Altersbestimmung des Bosporaner Helmes. Dieser hat außerdem die Eigentümlichkeit, dass er mit seiner beinahe spitz aufsteigenden Form den Übergang zu der Gruppe konischer Helme bildet, welche man mit dem Namen «sarmatische Helme» bezeichnete, besonders deshalb, weil auf der Trajanussäule die Sarmaten konische Helme tragen; doch tragen auf der Markussäule manchmal auch andere barbarische Hilfsvölker solche Helme und vielleicht bezieht der Künstler, welcher die Trophäen an der Basis der Trajanussäule darstellte, diese konischen Helme nicht nur auf die Sarmaten. Benndorf1 weist in den Fresken aus Gräbern der krimschen Halbinsel Reiter mit konischen Helmen nach; doch zeigt Benndorf zugleich, dass der Gebrauch konischer Helme auch durch Vasenbilder aus vorchristlicher Zeit zu belegen ist. Andererseits reicht die Form im Westen bis in das Mittelalter hinein, da auch die Normannen, welche im 10. Jahrhundert England eroberten, spitz zulaufende konische Eisenhelme trugen.
Unlängst hat in dieser Zeitschrift Lenz einen interessanten konischen Helm zur Darstellung gebracht,2 welcher bis dahin nur durch eine unvollkommenere Abbildung bei Lindenschmit bekannt war. Derselbe scheint dem frühen Mittelalter anzugehören und wir heben denselben deshalb hervor, weil die Ornamente darauf und auch die Technik daran lebhaft an unseren pannonischen Helm erinnern. Der untere waagerechte Umkreis ist nämlich mit vergoldetem Silberblech belegt und darauf sind menschliche Formen, Tiere sowie Pflanzenornamente, ferner geometrische Muster herausgetrieben. Es erscheinen unter anderem zwei einander entgegengesteilte Löwengestalten, die trotz ihrer mehr barbarischen Ausführung den beiden Löwen an dem Budapester Helm (vgl. Fig. 8) nahestehen, und schon diese Verwandtschaft verrät uns die Nachwirkung klassischer Motive, obgleich den Petersburger Helm gewiss bereits mehrere Jahrhunderte von dem Ausgang des Altertums trennen.
Nur nebenbei sei bemerkt, dass die konische Helmform im Osten auf uralte Zeiten zurückgeht und bei mittelasiatischen Völkern bis in die neuere Zeit typisch geblieben ist.
Alle diese Bemerkungen sollen nur dazu dienen, anzudeuten, dass der bosporanische Helm wohl innerhalb der hier besprochenen Serie seine Stelle findet, doch vermöge seiner mehr konischen Form als Verbindungsglied zu einem weit verbreiteten Helmtypus betrachtet werden kann, dessen monographische Behandlung noch aussteht.3
IV. Zu der geschlossenen Reihe von Helmen zurückkehrend, welche wir hier speziell im Auge haben, möchten wir nunmehr auf den Umstand Gewicht legen, dass sie alle an der äußersten europäischen Peripherie des römischen Reiches zutage traten oder, wie der dänische und südrussische, außerhalb des Imperiums gefunden wurden. Ferner ist zu betonen, dass bis jetzt in den Zentralgegenden des Römischen Reiches Helme dieser Art weder in Originalen vorkommen, noch in Darstellungen antiker Helme, die wir in reichlicher Anzahl kennen, erscheinen.4
Man kann deshalb mit Recht annehmen, dass der Typus kein streng klassischer ist; wenngleich ohne Zweifel Reminiszenzen an griechische und römische Helme zu erkennen sind. Von den römischen Formen trennt sie zunächst das Blech zum Schutz der Nase, auch finden wir an römischen Helmen der Kaiserzeit nicht die Superziliarbögen an der Vorderseite angedeutet. Beide Eigentümlichkeiten erinnern vielmehr an griechische Vorlagen, besonders des korinthischen und demselben verwandter Typen. Andererseits weichen sie aber von der griechischen Form darin ab, dass die Backenklappen mit der Helmwand nicht aus einem Stück angefertigt sind, sondern wie an römischen Helmen aus separaten Stücken gearbeitet und mittelst Scharnieren oder Riemen lose an den Rand des Helmes angefügt wurden.
Wenn diese Erscheinungen nicht Zufälle sind, so wird man sie wohl am besten so erklären können, dass der Typus zuerst unter griechischem, später unter römischem Einfluss stand; dass aber die Grundform selbst eine barbarische war. Diese Annahme wird jedoch erst dann als sichergestellt zu betrachten sein, wenn es gelungen ist, die Grundform in dem Verbreitungsgebiet des Laténestiles, eventuell noch weiter hinauf, bis zu den Zeiten des Hallstattstiles zu verfolgen. Es ist hier nicht der Ort, das Material, welches eine solche Untersuchung erfordert, aus allen Ecken und Enden zusammenzutragen. Wir müssen uns damit begnügen, das «Barbarische» an den Helmen unserer Serie in betreff der Technik und einiger Ornamente kurz anzudeuten.
Im Allgemeinen ist es ja bereits wohlbekannt, dass die Treib- und Punziertechnik zu den charakteristischen, sehr hoch entwickelten und sehr beliebten Metallbetrieben der vorrömischen Metallzeit in Mitteleuropa gehören. Die barbarischen Metallarbeiter der Spät-Laténezeit hatten es speziell in der Inkrustation von Eisen mit feinem Bronzeblech oder von Eisen und Bronze mit Blech aus Edelmetall zu hoher Fertigkeit gebracht. Barbarische Arbeiten solcher Art sind in den Museen Mittel- und Nordeuropas noch ziemlich reichlich vorhanden und sie mehren sich, je näher wir der römischen Kaiserzeit kommen, was wohl darauf schließen lässt, dass der Export von römischer Metallware in barbarisches Gebiet, die schon seit Jahrhunderten vorhandene Werktätigkeit der Barbaren nicht untergrub, sondern vielmehr stimulierte.
Überall in Europa, wo Römer sich niederließen, fanden sie diese lokalen Fertigkeiten vor. Damit sei nicht gesagt, dass die Barbaren von den römischen Handwerkern nichts zu lernen hatten. Die Barbaren befreundeten sich, wie es die Monumente bezeugen, mit klassischem Geschmack, sie lernten, tektonische Gliederung, Formen, und übernahmen auch Figurales, manche Tier- und Pflanzenornamente in die Reihe ihrer von Alters her gewohnten Ornamente auf und es entstand in der Epoche der römischen Kaiserzeit in den Provinzen und außerhalb derselben ein Mischstil, welcher nicht mehr klassisch, doch auch nicht ganz barbarisch genannt werden kann.
Am stärksten erhält sich Barbarisches in geometrischen Motiven, welche in langen Reihen die Helme zieren; der Kreis mit dem Punkt darin (Fig. 5, 11 und 12) ist seit urvordenklichen Zeiten ein beliebtes Motiv bei den Barbaren. Von den Kreuzeln und Halbmonden (Fig. 5 —10) kann behauptet werden, dass es keine in der klassischen Kunst ausschließlich benützten Formen sind, dasselbe gilt von den einander querenden Zickzacklinien (Fig. 15 und 16). Für das Uralte, noch aus der Hallstattzeit stammende Motiv der aneinander gereihten S-Formen (Fig. 11 —13) hat erst unlängst wieder das Gradfeld von Idria ein Beispiel geliefert,5 und das Motiv des fallenden Tropfens auf dem Thorsbjerger Helm ist auch eine beliebte Form der barbarischen Kunst.
Wie wir sehen, treten auf unserem pannonischen Helm klassische Einwirkungen am entschiedensten auf. Der untere Streifen mit figuralen Darstellungen bringt rein römische Typen zur Geltung; doch verrät sich in der Art der Aufreihung dieser Friesbilder und auch in der verschiedenen Größe derselben etwas weniger gebildeter Geschmack; ferner verrät es barbarischen Geschmack, die Oberfläche der Helmhaube sowie der Backenklappen mit Glassteinen zu zieren. Wir kennen nur einen römischen Helm, einen eisernen Helm von Idria, an dem etwas Ähnliches vorkommt.6 An demselben saßen nämlich auf beiden Backenklappen je drei rote gewölbte Scheiben von rotem «Blutemail», das man zur Zeit des Laténestiles in allen von Kelten bewohnten Gegenden liebte. Werke des römisch-barbarischen Mischstiles, speziell Arbeiten von Bronze oder Eisen mit Silberinkrustation und gepunzten oder getriebenen Ornamenten darauf, mit oder ohne Vergoldung sind im Westen und Nordwesten Europas sowie gegen Osten hin bis zum Schwarzen Meer aus der römischen Kaiserzeit ziemlich häufig.
Hier möge es genügen, auf zwei interessante ungarische Funde des 3. bis 4. Jahrhunderts hinzuweisen, welche auf barbarischem Gebiet gefunden und seit langem bekannt sind; wir meinen den Schildbuckel von Herpaly, und den zweiten Grabfund von Osztropataka; letzterer ist durch eine Münze der Herennia Etruscilla (3. Jahrhundert) genauer datiert.7
Da der Schildbuckel von Herpaly zu den besten Beispielen des barbarisch-römischen Mischstiles zu zählen ist und da derselbe auch zu kriegerischer Ausrüstung gehörte, scheint es wohl motiviert, dessen Abbildung in dieser Zeitschrift zu wiederholen (Fig. 17). Sowohl die Grillusfiguren, als die Tiergestalten daran sind antiken Vorbildern entnommen; doch in den einfachen Saumverzierungen kommen, wie an den Helmen unserer Serie, unklassische Motive zur Verwendung und es ist interessant zu beobachten, dass auch hier das schon an dem Thorsbjerger Helm beobachtete Motiv des «fallenden Tropfens» sich wiederholt.
Das Studium dieser Denkmäler trägt manches bei zur Kenntnis des Geschmacks in den römischen Grenzländern während der späteren Jahrhunderte des Reiches. Ganz speziell der pannonische Hehn, gleichwie der Umbo aus dem Barbaricum sind zutreffende Beispiele dafür, wie in den römischen Waffenfabriken dieser Grenzländer gearbeitet wurde. Barbarische Metallarbeiter sind gewiss auch von Amts wegen hochgeschätzt worden und die Bezeichnung «barbaricarii»8 welche in der Notitia dignitatum von Metallarbeitern in staatlichen Waffenfabriken gebraucht wird, hat sich tatsächlich auf Barbaren bezogen, die sich in gewissen Zweigen der Metalltechnik, speziell in der Inkrustation besonders auszeichneten, und der Budapester Helm ist eine vortreffliche Illustration zu dem oft zitierten Passus des Codex theodosianus (X, 22, 1), welcher von dem Verzieren der Helme mit Gold und Silber spricht. Diese Spezialisten hießen «barbaricarii sive argentarii», weil sie die Waffen mit Silber belegten (argento tegere). So hätte man auch für das oft erwähnte «opus barbaricum» die entsprechende Erklärung gefunden; es bezieht sich auf solche Erzeugnisse, wie wir sie in dieser Arbeit behandelten, nicht aber auf das Damaszieren, wie noch Marquardt annahm.
1 Benndorf, «Antike Gesichtshelme», Wien 1878, 14 S.
2 «Zeitschrift für hist. Waffenkunde», II. Bd. 103 —108.
3 Vgl. darüber Lenz, «Zeitschr. f. hist. Waffenkunde» II, S. 105, 3. Anmerkung.
4 Eine gute Uebersicht über antike Helmformen giebt S. Reinach in Daremberg et Saglio’s Dictionnaire des Antiquites etc. 1895 unter «Galea»; doch ist die daselbst gegebene Uebersicht noch weit davon, vollständig zu sein, so blieben z. B. die interessante Reihe von Helmdarstellungen an Reliefs im Turiner Museum unerwähnt. Lipperheide’s Band über antike Helme war mir leider noch nicht zugänglich.
5 J. Szombathy, Das Grabfeld von Idria, Mittig, der prähist. Kom. der k. k. Akad. d. Wiss., Wien 1907, S. 296, Fig. 12.
6 Szombathy, 1. c. S. 338, Fig. 179.
7 Zuletzt erschienen Beschreibung und Abbildungen davon im Arch. Ert. 1894; XIV. Bd. S. 395—404 mit Text von S. Reinach. Der Schildbuckel ist aus Bronze und mit vergoldetem Silberblech überzogen.
8 Vgl. die Zusammenstellungen und Erklärungen bei Marquardt-Mau, Das Privatleben der Römer, II. Bd. 1886. S. 541 u. ff., sowie S. 653. — Blümner-Termin u. Techniologie der Gr. u. Römer, 1887. IV. S. 319. — Zuletzt Seeck, «Barbaricarii» in Pauly, Wissowa’s Realencycl. 1896, II. Bd. S. 2856.

Quelle: Zeitschrift für Historische Waffenkunde. Organ des Vereins für historische Waffenkunde. II. Band. Heft 6. Dresden, 1900-1902.
