
Wir finden im Mittelalter fast überall die fromme Sitte zum Ausdruck gebracht, dass nicht nur die Stifter von Gotteshäusern, sondern auch die Spender von Verzierungen, Ausschmückungen, Malereien und Glasgemälden der Kirchen, von kostbaren Gefäßen, Geräten, Gewändern usw., welche für den Gottesdienst bestimmt wurden, sich dadurch zu verewigen trachteten, dass sie ihren Namen, häufig auch ihr Bildnis bei oder auf dem Geschenk in Verbindung mit einem frommen, demütigen Widmungs-Spruch anbrachten. Bei vielen derart gestifteten Gegenständen bietet der an und für sich wertvolle Umstand, dass der Name des Donators uns auf diese Weise erhalten blieb, auch eine Gelegenheit, die Anfertigungszeit des betreffenden Objektes mit mehr oder minderer Bestimmtheit angeben zu können.
Wir wollen nun im Folgenden die Abbildungen solcher Donatoren besprechen, die sich auf Glasgemälden österreichischer Kirchen befinden und auf Persönlichkeiten des Hauses Habsburg beziehen.
Die ältesten der in Österreich befindlichen, bis jetzt bekannten auf Glas angefertigten Bildnisse von Mitgliedern aus dem habsburgischen Hause sind die, welche ursprünglich in Gaming befindlich, nun in der Sammlung des Stiftes St. Florian in Oberösterreich ein schützendes Obdach fanden. Sie bildeten, obwohl sie in letzterer Zeit in den Fenstern des Refektoriums des Karthauses eingelassen waren, ursprünglich unzweifelhaft den Schmuck der Chorfenster. Von den vier geretteten Tafeln enthalten zwei figürliche und zwei damit in Beziehung stehende heraldische Darstellungen. Auf der ersten Tafel sieht man Herzog Albrecht II. (geboren 1289, Sohn Kaiser Albert I., gest. 1358). Er ist gegen links gewendet, auf das rechte Knie niedergelassen dargestellt, entblößten Hauptes, die unbedeckten Hände zum Gebet hoch emporgehoben, den Blick aufwärts gerichtet, das Antlitz jugendlich, mit kurzem Kinn- und Schnurrbart, massig langem, gelocktem Haar. Er trägt über einem dunkelgrünen Unterkleid das bis an die Knie reichende, mit langen Ärmeln versehene Panzerhemd, dessen Hiegel durch Streifen getrennt erscheinen, über diesem einen nach rückwärts sichtbaren Lederkoller und den ärmellosen, an der Seite zusammengehefteten Waffenrock, der in seinen Farben den österreichischen Bindenschild darstellt, nämlich oben und unten scharlachrot und in der Mitte der breite weiße Querstreifen. Die Beine sind mit lichten Panzerzeug umkleidet, die Knie durch Eisenbuckel mit vergoldeten blätterartigen Bändern geschützt, die Schienbeinstreifen mit violettem, gepresstem Leder, die am Band groß ausgezackt und rückwärts viermal zusammengenäht sind, die Schuhe aus gleichem Lederzeug, die Sporen langhalsig, mit Bändchen, vergoldet.
An der linken Seite trägt er das Schwert, an der rechten den Gnadendolch in gothisch verzierter Scheide. Der Kübelhelm hängt am Rücken, ist mit einem Sehschlitz versehen, die Helmdecke ist rot mit weißem Futter, das Zinnier bildet der aus einer Krone herauswachsende Pfauenfederbusch.
Vor dem Herzog knien zwei seiner Söhne, die beiden ältesten, Rudolf IV. und Friedrich III., im kleinen Maßstab dargestellt, ebenfalls mit hoch erhobenen Händen, ebenfalls mit Panzerhemd samt Kragen und ärmellosem, die österreichischen Farben zeigenden Waffenrock, in Panzerhosen und Schuhen, das Haupt mit dem Basinet bedeckt, doch ohne Waffen.
Der Hintergrund des Bildes ist ein tiefglühendes Rot. Das dazugehörige, aber ursprünglich wahrscheinlich darunter befindliche Bild (da unter den Kirchenfenstern von Gaming gegenwärtig kein fünfteiliges, sondern nur dreiteiliges zu finden sind) zeigt auf demselben roten Glasgrund den österreichischen Bindenschild in der dem 14. Jahrhundert eigentümlichen Form. Die einzelnen quadratischen Glasteile der roten Schildfelder sind mit einem Vierpassornament geschmückt. Die am oberen Teil beider Glastafeln auf grünem Band angebrachte Legende lautet:
Albertus, tux. austri irie et karithi.
Auf der dritten, mit der ersten gleich behandelten Tafel, sehen wir des Herzogs Gemahlin Johanna, Tochter Ulrichs IV. des letzten Grafen von Pfirt, vermählt 1324, gestorben 1351. Sie kniet gegen rechts gewendet, die gefalteten Hände und das Antlitz erhoben und trägt über einem grünen Unterkleid, davon nur die engen Ärmel sichtbar sind, ein blaues Überkleid, dessen offene, weiß gefütterte Ärmel weit herabhängen und schließlich einen roten Mantel mit drei grünen, gelb gesäumten Querstreifen, weiß gefüttert, auf dem Kopf einen weißen Schleier und ein breites rotes Stirnband. Vor ihr knien ihre beiden Töchter (Katharina und Margaretha), die ältere in reichem Unterkleid und blauem Oberkleid mit breiten gelben Streifen, an der Seite geschlitzt, die Ärmel weit, aufgeschlitzt und herabhängend; die andere mit violettem Unterkleid und grünem Oberkleid, an der Seite geschlitzt, mit einem breiten gelben Streifen um die Mitte und mit engen Ärmeln. Beide tragen einfache Reiskronen. Im Hintergrund sieht man, um die Häuslichkeit anzudeuten, zwei zurückgeschlagene grün- und blau gestreifte Vorhänge. Die zu diesem Bild gehörige Tafel enthält das bekannte Pfirter-Wappen, die beiden voneinander gewendeten, einwärts gebogenen goldenen Fische im roten Feld. Die für beide Tafeln gemeinschaftliche Inschrift lautet: Johanna. Ducissa. austri Stirie et Karithie. Das durch die Wendung der Figuren angedeutete Mittelbild ist nicht mehr erhalten. Herrgott sah es noch, es zeigte den gekreuzigten Erlöser.
Die Zeitbestimmung dieser Bilder ergibt sich durch die dargestellten Nebenfiguren. Da Albrecht mit zwei Söhnen dargestellt ist, fällt die Anfertigungszeit zwischen die Geburt des 2. und 3. Sohnes. Friedrich wurde 1347, Albrecht 1349 geboren.
Das nächstälteste Glasgemälde dürfte jenes in der Wiener Maria-Stiegenkirche sein, das hinter dem Hochaltar an der Epistelseite befindlich ist und das Bildnis Herzog Rudolfs IV. (1358–1365) enthält. Er soll gerüstet dargestellt sein, mit zum Gebet erhobenen Händen, darunter die Worte: Buodolf dux austr. Leider ist dieses Bildnis sehr hoch angebracht und durch den Altar teilweise verdeckt; auch existiert davon bis jetzt keine Kopie, deren Anfertigung durch die Höhe der Stelle, wo sich das Bildnis befindet, mit ziemlicher Schwierigkeit verbunden sein dürfte.
Das Glasgemälde der St. Erhardskirche in der Breitenau in der Steiermark wollen wir nur kurz erwähnen und verweisen auf dessen ausführliche Besprechung im XI. Band unserer Mitteilungen und im Anzeiger „Für deutsche Vorzeit des Germanischen Museums“ von 1866, durch Essenwein, in welchen beiden Schriften sich auch eine genügende Abbildung der Darstellung findet.
Wir sehen auf demselben Herzog Albrecht III., den Sohn Albrecht II. und der Johanna Gräfin von Pfirt († 1595), kniend dargestellt, hinter ihm seine beiden Gemahlinen Elisabeth, Tochter Kaiser Karls IV., die 1373 kinderlos starb, und Beatrix, Tochter des Burggrafen Friedrich von Nürnberg, vermählt 1375, † 1414, gleichfalls kniend. Der Herzog erscheint mit dem Panzerhemd und einer vollständigen Eisennüstung darüber und schließlich mit einem kurzärmlichen Lendner bekleidet, der die Wappenfarben zeigt. Außer dem großen Hüftgürtel ist der Lendner bei der Mitte mit einem kleinen Gürtel zusammengehalten, Helm, Schwert und Dolch sind an der Brust des Lendners mit Kettchen befestigt. Auf dem Haupte trägt der Herzog die Stahlhaube mit der Halsbrünne, der Stahlhelm erscheint auf der Schulter liegend. Er trägt eine Krone, rot-weiße Helmdecken und als Helmkleinod ebenfalls einen gelben Adler mit zwei blauen Flügeln. Die dreilappige Fahne ruht im Arm des Herzogs, ist rot-weiß gestreift, die beiden unteren Zipfel sind abgeschnitten, der oberste fliegt. Die etwas vorgeschrittene Tracht entspricht dem Ende des 14. Jahrhunderts.
Als besondere Eigenheit erscheint eine Metallbüchse, in die der Zopf gehüllt ist, der, wie aus Gliedern gebildet scheinend, über den Rücken herabhängt. Die zwei knienden Frauen zeigen vollständig die Tracht des 14. Jahrhunderts, mit den charakteristischen enganliegenden Ärmeln, der gefalteten Haube mit der Krone, dem Gürtel usw. Die rückwärtige Frau ist ebenfalls mit einem geflochtenen, aber unverhüllten Zopf geziert. Zwei Wappenschilde, der eine mit dem doppelt geschwänzten böhmischen Löwen, der andere mit den bekannten dem Hause Zollern angehörenden vier, abwechselnd schwarz und weiß tingierten Feldern, bezeichnen die Abstammung der Frauen. Die Inschrift am oberen Rand des Bildes lautet: Albertus dux austrie et Styrie et carintie et cetez et uxores ejus. Es dürfte wohl außer Zweifel stehen, dass Herzog Albrecht der Stifter jener bedeutenden Serie von Glasgemälden ist, die das Fenster hinter dem Hochaltar der erwähnten Kirche schmücken und mit Rücksicht auf die darauf abgebildete zweite Frau des Herzogs, die mit ihm 1375 vermählt wurde, in das letzte Viertel des 14. Jahrhunderts gehören.

Über das aus der Gottsleichnamskapelle der Burg zu Wiener Neustadt stammende und nun in der reichen und zahlreiche Glasgemälde enthaltenden Sammlung des Zisterzienser-Stiftes Neukloster befindliche Glasgemälde berichten uns Brunner und Camesina in der von ihnen gemeinsam herausgegebenen Broschüre (Wiener Neustadt in Bezug auf die Geschichte etc. 1842) und W. Boeheim in den Mitteilungen des Alt-Vereines 1869, S. 118. Und zwar letzterer mit überzeugenden, auf Messungen gestützten Gründen, dass diese Gemälde zum Schmuck des dreiteiligen Hauptfensters dieser von Herzog Ernst mit Stiftungen bedachten Kapelle gehörten. Damit wird die eigenhändige Vormerkung Maximilians I. in seinem Gedenkbuch (mitgeteilt von A. Primisser im Jahrgang 1824 des Hormayr’schen Taschenbuchs) bestätigt, dass an einem Fenster in der Burgkapelle Maximilians Großvater Ernst mit seinen beiden Frauen abgebildet war, was nun zur Wahrheit wird.
Wir sehen auf dieser Tafel in einer Art von Halle Herzog Ernst (geb. 1377, † 1424) kniend und die gefalteten Hände zum Gebet erhoben dargestellt. Er ist im Plattenharnisch gehüllt, trägt einen mit Adlerbildern reich geschmückten kurzen Waffenrock, mit offenen, wegflatternden Ärmeln, Metallhandschuhe mit gegliederten Fingern, Schwert und Dolch im breiten Gürtel, das Gesicht ist unbedeckt, der Helm ist mit einem Krönlein und daraus wachsenden Adler geziert. Aus den Händen quillt eine Schriftrolle, darauf die Worte: „Miserere mei Deus“, was andeuten dürfte, dass nicht Ernst der letztwillige Stifter dieser Malerei ist, sondern dass dieselben zu seinen Lebzeiten angefertigt wurden. Vor der Gestalt Herzog Ernsts knien drei Knaben, entblößten Hauptes, in lange Kleider gehüllt, die Hände gefaltet (Fig. 4).
Wie erwähnt dürfte dieses Glasgemälde die rechte Füllung eines dreiteiligen Fensters gebildet haben, dessen Mittelstück unzweifelhaft das im Charakter des Gemäldes und in den Maßen vollkommen übereinstimmende Dreifaltigkeitsbild eingenommen haben mag. Über das entsprechende linksseitige Stück gibt die schon erwähnte Notiz Kaisers Max Aufklärung. Sie lautet: Ernestus ferreus et ejus prima conjux Zimburga Massovia et Margaretha de Suetia secunda conjux sunt picte in capella nove civitatis in fenestris. Die Bildnisse dieser Frauen nahmen die linke Füllung ein und waren so geordnet, dass sie gegen die mittlere Vorstellung und folglich auch gegen das Antlitz ihres vis-à-vis knienden Gemahls hinschauten. Leider dürfte der Verlust dieses Teils des Gemäldes zu beklagen sein.
Mit der Frage der Entstehungszeit dieser Glasgemälde hängt auch zusammen, wer mit den drei Knabenbildern gemeint sein mag. Dass die Abbildung nicht nur nach dem Tod der ersten Gattin Margaretha von Schwaben entstand, ist unzweifelhaft; wahrscheinlich aber auch, dass es nach dem Tode dreier seiner Söhne aus zweiter Ehe, d. i. vor dem Jahre 1424, geschah, während damals nur noch seine drei anderen Söhne Ernst († 1432), Friedrich und Albert am Leben waren. Es ist anzunehmen, dass dieses Gemälde im Jahre 1423 auf Befehl des Herzogs, der damals zu Neustadt war, angefertigt wurde. Die Anfertigungszeit macht es wahrscheinlich, dass auf dem Glasgemälde mit den Bildnissen der Frauen auch jenes der damals noch lebenden Tochter des Herzogs Ernst, Anna († 1429), angebracht war.
In der Sammlung des Stiftes Neukloster finden sich noch zwei Glasgemälde, die unzweifelhaft ebenfalls Votivbilder darstellen. Wir sehen einen auf einem Schemel knieenden, gegen links gewendeten Ritter, völlig gerüstet, nur Haupt und Hände unbedeckt. Nur einzelne Teile des Körpers sind durch Panzerwerk geschützt, an den Füßen lange, spitzzulaufende Eisenschuhe. Die Rüstung selbst zeigt gotischen Charakter. An der linken Seite sieht man das Schwert, doch fehlt das Wehrgehänge, die Hände sind gefaltet und halten einen Rosenkranz. Das gefurchte Antlitz und das nur an den Seiten mit Haaren bedeckte, fast kahle Haupt geben uns das Bild eines alten Mannes.
Nicht minder interessant ist das Bild einer jüngeren Frau, die, in weites, faltenreiches Kleid gehüllt, das Haupt mit einem herumgelegten Schleier bedeckt, ebenfalls gegen links gewendet, kniend, mit gefalteten Händen, einen umfangreichen, mit einem Medaillon geschmückten Rosenkranz haltend dargestellt ist. Der Hintergrund beider Bilder ist gleich und zeigt uns ein reiches Granatapfelmuster. Es ist kein Zweifel, dass diese beiden, übrigens kleinen Bilder nebeneinander und neben diesen als Mittelstück das noch vorhandene Glasgemälde, die heilige Maria mit dem Kinde vorstellend, gehörten, sodass alle drei Bestandteile eines fünfseitigen Fensters waren.
Beide Figuren haben Spruchbänder in den Händen, davon jenes an der männlichen Figur die Worte: O mater dei, miserere mei und das andere: O mater pia, sis mihi propicia enthält (Fig. 4).
Man wusste lange nicht, auf wen sich diese Bilder beziehen. Ritter von Camesina gelang es durch Vergleich mit den in der Ambrasersammlung befindlichen Bildern der Mitglieder des Hauses Habsburg, in denselben das Bildnis Herzogs Sigismund, Sohn Herzog Friedrichs IV. von Tirol (geb. 1427, † 1496), zu erkennen. Dass das weibliche Bildnis das seiner zweiten Gattin Katharina, Tochter Herzog Albrechts von Sachsen, vermählt 1484, und nach Sigmunds Tod in zweiter Ehe mit Herzog Erich von Braunschweig (geb. 1497, † 1534), ist, steht außer Zweifel. Sigismund war einstens wegen eines Gichtübels in seinen alten Tagen in Baden und suchte in der Heilkraft dieser Thermen Heilung seines Leidens. Mag sein, dass die Badnerquelle sich bewährte und dass dann Sigismund das Votivbild in der Neustadt aufstellte, wo auch er einige seiner Jugendjahre verbracht hatte. Ob diese Bildnisse die Gottsleichnamskapelle geziert hatten, ist nicht gewiss, jedoch können dieselben, ihrer geringen Größe nach zu urteilen, nur als Schmuck eines Kapellenfensters bestimmt gewesen sein.

Bildnisse von Mitgliedern des habsburgischen Regentenhauses, die jedoch nicht mehr als Donatoren erscheinen, finden sich auch auf dem großen farbigen Glasfenster, das hinter dem Hochaltar der St. Georgskirche in der ehemaligen Burg zu Wiener Neustadt angebracht ist. Dieses Fenster gehört mit Rücksicht auf Zeichnung, Farbenpracht und Schmelz, Vollendung der Technik, mit Rücksicht auf die damalige Zeit, Reichtum an Verzierungen usw. unstreitig zu den bedeutendsten Werken, die aus der blühenden Zeit der Glasmalerei in Holland und Deutschland uns erhalten blieben. Nur mit Vergnügen kann der Kunstfreund diese wertvollen Produkte eines unbekannten, jedenfalls ausgezeichneten Meisters betrachten. Die Gemälde wurden zweifelsohne laut des Inhalts der Inschriften und laut der im Glas des linken, mit den fridrikianischen Vokalen verzierten Fensters befindlichen Jahreszahl im Jahr 1479, einige spätere Veränderungen ausgenommen, wahrscheinlich als Weihegeschenk dieses Fürsten angefertigt. Einzelne Teile, insbesondere die späteren Ergänzungen, mögen in Wiener Neustadt angefertigt sein, wo damals die Glasmalerei in Blüte stand, wie dies durch die im Neustädter Stadtbuch enthaltene und von dieser Zeit herrührende Malerfreiheit dargetan wird.
Das Fenster ist viertheilig und enthält oben schönes Maßwerk in Form von Dreipässen, die mit farbigen Gläsern ausgefüllt sind, auf denen man neun von Kränzen umgebene Wappen (Deutschland, die beiden ungarischen Schilde, Krain, Alt-Österreich, Habsburg, der Bindenschild, Kärnten und Steiermark) erkennt.
Zunächst unter dem Maßwerk befindet sich auf einem gemalten Bogen ruhend, in jedem der vier Längsfelder je ein gekröntes Wappen, das mit dem zuunterst in diesem Fenster vorgestellten ursprünglichen Votivbild in unmittelbarer Beziehung stand. Diese vier Wappen, deren jedes mit einer in flämischer Sprache verfassten Umschrift versehen ist, sind, und zwar von der Evangelien-Seite angefangen: der Doppeladler mit der Unterschrift „Rumes Rieh“, der einfache Adler mit „Rumes Kieng“, der Bindenschild mit „Oste Riech“ und das burgundische Wappen mit „Boirkvng“. Zwei Engel, welche auf den Tragsteinen dieses Bogens stehen, samt phantastischen, schwungvollen Blumen und anderen Zieraten auf rotem Grunde, vollenden die Füllung derselben.
Unter diesen Wappen und den in farbigem Glas ausgeführten architektonischen Ornamenten befindet sich die Hauptvorstellung des ganzen Glasgemäldes: die Taufe Christi mit fast lebensgroßen Figuren. Christus, dessen Haupt mit einem Lilienkranz und Scheibennimbus geziert ist, fast entkleidet mit gefalteten Händen im Fluss Jordan stehend, der taufende, oder vielmehr segnende Johannes in beinahe kniender Stellung mit gleichem Nimbus rechts am Ufer und an dessen Seite der kniende heilige Andreas mit dem Kreuze, und rückwärts noch drei andere Figuren.
Neben dem Gottes-Sohne sieht man einen Engel, welcher in demütiger Stellung Christi Gewand von violetter Farbe auf den Armen hält. Über Christus schwebt segnend Gott-Vater, im Brustbild vorgestellt. Die Wolken werden vom Heiligen Geiste in Taubengestalt auf seinen ausgebreiteten Flügeln getragen. Von denselben senken sich goldene Strahlen gegen Christus. Im Hintergrund der Gruppe zeigt sich eine Landschaft (Bäume, Häuser und Berge) und der mit Wolken teilweise bedeckte blaue Himmel.
Unter diesem Gemälde befindet sich innerhalb eines gemalten, einen geschweiften Spitzbogen bildenden Rahmens das die Familie Kaisers Maximilian I. in fünf fast lebensgroßen Figuren auf blauem, gemusterten Grunde enthaltende Votivbild. In der rechten Hälfte des Bildes zeigt sich zu äußerst König Philipp von Spanien im grünen gestreiften Ober- und violetten Unterkleid, sodann Maximilian mit goldfarbigem Gewand und einem von den Schultern wallenden purpurroten Mantel. In der linken Hälfte ist vorgestellt zu äußerst: des Königs Philipp Mutter, Maria von Burgund (geb. 13. Februar 1457, † 1482), erste Gemahlin des Kaisers Maximilian (vermählt am 19. August 1477), im purpurfarbenen Kleid, und Bianca Maria Sforza aus Mailand, dessen zweite Gattin (vermählt 1494–1511) in blau und violetter Kleidung. Hinter Maria von Burgund sieht man ihr Töchterchen Margaretha (geb. am 19. Januar 1480), die spätere Statthalterin der Niederlande unter Kaiser Karl V. Sie ist grün gekleidet und als Kind dargestellt.
Alle fünf Figuren, welche große Ähnlichkeit mit den sichersten gleichzeitigen Bildern haben, sind kniend und bekrönt dargestellt, und zwar tragen die beiden männlichen Figuren geschlossene Kronen, die weiblichen bloß Kronreifen. König Philipp ist überdies mit dem Orden des Goldenen Vlieses geschmückt, die übrigen tragen auf der Brust ein an einem Band befestigtes Kleinod. Der Kaiser und Bianca Maria beten aus Büchern, die übrigen haben die Hände gefaltet. Unter jeder Figur, die der kleinen Erzherzogin ausgenommen, ist deren Wappen auf gemustertem Grunde angebracht, nämlich bei Philipp jenes von Spanien, bei Maximilian der Doppeladler mit dem Bindenschild, bei Bianca die mailändische Schlange und bei Maria das von Spanien.
Will man die zunächst über der Taufe Christi befindlichen und bereits erwähnten vier Wappen und ihre in flämischer Sprache gegebenen Unterschriften in Verbindung mit dem Votivbild bringen (denn dass sie sich auf dasselbe beziehen, ist mit Rücksicht auf ihre Auswahl und auf die Möglichkeit deren Bezuges auf die Familie Friedrichs überhaupt außer Zweifel), so zeigt sich, dass sie wohl zu mehreren dieser Figuren, aber keineswegs zu allen denselben und besonders in ihrer gegenwärtigen Anordnung passen. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass die Figuren des jetzigen, die Familie des Kaisers Maximilian vorstellenden Votivbildes nicht jene des ursprünglichen sind. Im Gegenteil würden die Wappen einem Familienbild des Kaisers Friedrich nach dem Tod seiner Gattin Eleonora von Portugal († 1467) vollkommen entsprechen, was auch darin einen Grund hätte, dass eben Kaiser Friedrich der Stifter der Kirche ist, und deshalb ihm die Aufstellung eines Votivbildes daselbst wohl zugemutet werden kann. Jedenfalls müsste aber dann das ursprüngliche Glasgemälde des Mittelfensters etwas später entstanden sein, als die auf den Seitenfenstern befindliche Jahreszahl angibt, da Erzherzog Maximilian erst im Jahre 1486 zum König von Deutschland gewählt wurde und somit früher das deutsche Königswappen für ihn nicht gepasst hätte. Man könnte daher die Zeit der Anfertigung des ersten, nicht mehr vorhandenen Votivbildes zwischen den Jahren 1486 bis 1494 annehmen.
Die Anordnung der Figuren wäre alsdann den Wappen entsprechend folgende gewesen: Kaiser Friedrich statt des Königs Philipp unter Rumesrich (römisches Reich), Maximilian unter Rumesking (wie noch jetzt), der kleine Erzherzog Philipp unter Öste Riech (statt Bianca Maria) und schließlich die 1482 verstorbene Maria von Burgund unter Boirkvng (wie noch gegenwärtig).
Die bedeutende Änderung des Votivbildes durch die Entfernung der Portraits der friedrikianischen Familie und die Einsetzung jener der Familie Maximilians entnommenen Figuren mag wohl erst nach Friedrichs Tod (1493), nach der zweiten Verehelichung des Kaisers mit der mailändischen Prinzessin Bianca Maria (1494) und nach dem Antritt der spanischen Regierung durch Philipp sowie der Krönung Maximilians als deutscher Kaiser von eben diesem veranlasst worden sein; doch hat man unterlassen, die erwähnten vier Wappen, den neuen Figuren gemäß, umzuändern und zu versetzen. Als Ersatz hierfür wurden den Figuren selbst die entsprechenden Wappen beigegeben und zunächst unter diesen angebracht.
Schließlich haben wir noch Erwähnung zu tun der 11 Fürstenbilder, welche die Eingangshalle der St. Stephanskirche unter dem großen Turm schmückten und in neuester Zeit von dort entfernt wurden, um an einem anderen passenderen Platz aufgestellt zu werden. In früherer Zeit schmückten sie die Fenster einer der im ersten Stockwerk der Fassade gelegenen Kapellen, nämlich der Bartholomäuskapelle. Sie mögen dem 16. Jahrhundert entstammen, sind jedoch von untergeordnetem Kunstwert.

Quelle: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Wien, 1873.
