Im Waffensaal des Museums dürften die drei ausgestellten Prunksättel für den Freund mittelalterlicher Elfenbeinschnitzerei einen besonderen Wert haben; auch glaube ich, dass sich nach der Aussage meiner kundigen Gewährsmänner kaum irgendwo drei solche Prachtstücke zusammenfinden. Obwohl aus den verschiedensten Gegenden zusammengebracht, ist es dennoch auffallend, dass sie sowohl ihrer Gestalt, ihrem Material als auch den Darstellungen nach, die wir auf ihnen erblicken, nicht allein dieselbe Schule, sondern beinahe dieselbe Hand verraten.
Sowohl seiner Größe als der schwungvollen Ausführung und beinahe unversehrten Erhaltung nach ist jener der erste, der mit der Jankovitsischen Sammlung in das Nationalmuseum gekommen ist und im Katalog I. A. Jankovits-Gyüjtemény, Fegyverek, unter No. 158 also beschrieben wird:
„Ephippium osseum ebore exornatum, atque multo eneausto viridi et caeruleo profundioribus in locis tinctum, latere sinistro ceteras inter hominum figuras pugilem equitem cum dracone
pugnantem, dextro vero latere reginam quamdam elegantis formae per leonem defensam exhibet. Frons ephippii parte obturritam civitatem, altera vero aquilam expansis alis virgini invigilantem
refert; pars posterior sinistro latere leonem rugientem, dextro griphum alatum exhibet. Opus hoc mirae vetustatis ex cimeliis archiepiscopalis ecclesiae Bukarestensis, per Agentem Viennensem
nationis Valachicae, Josephum Sakid, 500 florenis ea cum declaratione obtentum, quod occasione cladis Nicopolitanae una cum sonipede imperatoris et regis Hungariae Sigismundi a Valachis obteutum,
et eidem ecclesiae dono datum fuerit, eodem temporis auro copioso vestitum, quod tamen actu deest. Inscriptio habet „tut parcm bomirte“ literis gothicis maioribus, tempore huius Imperatoris in
diplomatibus usitatis.“
Übersetzung:
"Ein mit Elfenbein verziertes und stellenweise grün und blau emailliertes Hufeisen aus Knochen zeigt auf der linken Seite neben anderen menschlichen Figuren einen fahrenden Ritter im Kampf mit einem Drachen und auf der rechten Seite eine elegante Königin, die von einem Löwen beschützt wird. Die Vorderseite des Hufeisens zeigt auf der einen Seite eine befestigte Stadt und auf der anderen einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der über eine Jungfrau wacht; die Rückseite zeigt links einen brüllenden Löwen und rechts einen geflügelten Greif. Dieses erstaunlich alte Werk wurde vom Wiener Agenten der Walachen, Joseph Sakid, für 500 Gulden aus den Reliquien der Erzbischöflichen Kirche von Bukarest erworben. Er gab an, es sei zusammen mit dem Sonipede des ungarischen Kaisers und Königs Sigismund von den Walachen anlässlich des Massakers von Nikopolitan gestohlen und derselben Kirche geschenkt worden. Es sei einst mit reichlich Gold aus derselben Zeit überzogen gewesen, das jedoch heute fehlt. Die Inschrift lautet „tut parcm bomirte“ in größeren gotischen Buchstaben, wie es zur Zeit dieses Kaisers auf diplomatischen Dokumenten üblich war."
Zu jener Zeit, als Herr von Jankovits diesen Sattel erstand, war nichts leichter, als zu behaupten, derselbe sei das Eigentum des Kaisers und Königs Sigismund gewesen, das man in der im Jahre 1396 geschlagenen, unglücklichen Schlacht bei Nikopolis dem, auf einem Nachen flüchtig gewordenen Könige abnahm und nach Bukarest als Opfer in den Kirchenschatz brachte.
Thuroczius sagt zwar im IV. Buche, 8. Kapitel seiner Chronica Hungarorum: „Franci ... e castris prosilientes et precipites ab equis, ut eorum moris est, pedites certaturi descendentes, contrarias irruerunt in turmas. Diro itaque bello, hostes inter utrosque vigente, cum Hungari selatos Francorum equos, cursu transverso, regia petere castra conspiciunt, nondum enim illorum bellandi usus ipsis notus erat, illos omnino, hostilem per manum exstinctos fore credentes, graves dissoluti in tumultus, castra pariter et bellica relinquentes ingenia, campo undique fusi ... in fugam convertuntur. Et nisi ipse rex navis ministerio, sibi adinvenisset salutem ... ibidem obrutus fuisset.“
Übersetzung:
"Die Franzosen sprangen, wie es ihre Gewohnheit war, aus dem Lager und von ihren Pferden, die Fußsoldaten stiegen ab und stürmten auf die gegnerischen Truppen zu. So entbrannte eine furchtbare Schlacht, als die Ungarn sahen, wie die französischen Pferde, die sich in die Enge getrieben hatten, über das Feld in Richtung des königlichen Lagers rannten – denn ihre kriegerische Art war ihnen noch unbekannt. In der Annahme, vom Feind vollständig vernichtet zu werden, gerieten sie in Panik, verließen das Lager und ihre kriegerische Haltung und flohen in alle Richtungen. Wäre der König nicht durch die Hilfe des Schiffes in Sicherheit gekommen, wäre er dort zermalmt worden."
Vom geschichtlichen Standpunkt aus ist wohl die Möglichkeit vorhanden, dass in der Schlacht von Nikopolis sowohl des Königs als auch der französischen Ritter Sättel in die Hände der Walachen gekommen seien; dass aber der Jankovitsische einer jener erbeuteten Sättel sei, wage ich aus folgenden Gründen zu bezweifeln.
Nicht nur aus ausländischen, sondern auch aus heimischen Wandgemälden und Miniaturen der erwähnten Epoche sind mir Sättel bekannt, die mit der Form derjenigen in unserem Museum nicht nur nicht übereinstimmen, sondern sowohl im Krieg als auch bei festlichen Aufzügen gleich dem alten Turniersattel mit hochaufsteigendem Bauch- und Hinterteil den Unterleib des Ritters ganz einzwängten. Bei einigen dieser Sättel in den Wandgemälden zu Turnierkämpfen vom Ende des 14. Jahrhunderts kommen die Ohren der senkrecht aufsteigenden Sattelteile sich so nahe, dass man glauben muss, dass der hintere Teil des Sattels beweglich war und mittels Schnallen an den Vorderteil befestigt werden musste.
Es ist nicht unmöglich, dass der König, um es den prachtliebenden französischen Rittern gleichzutun, auch nach Nikopolis Prunksättel mitgenommen habe; aber während der Schlacht wird er gewiss auf keinem derselben geritten sein. Das Kostüm der zierlichen Elfenbeingestalten, die Form des Sattels mit dem nach vorne ganz ausgesprochenen Löffel und den in schwungvoller Linie sich sanft erhebenden Sitzteilen, berechtigen uns, diesen und die folgenden Sättel in die Mitte des 15. Jahrhunderts zu versetzen.
Die Gestalt der Sättel ist die umgarische, die nicht nur heute als eine der zweckmäßigsten weit verbreitet ist, sondern auch im Mittelalter von Osten nach Westen sehr verbreitet war. Die Sattelbäume selbst, die der Versicherung von Kennern nach eine ganz gute Stellung haben, sind aus Buchenholz und mit Birkenrinde überzogen. Auf dem vorderen Teil sind sie mit Leder überzogen, worauf die Elfenbeinschnitzereien mittels Elfenbeinstiften befestigt sind.

Am Sattel Fig. 1 ist der Schlitz für die Obergurten nur angedeutet, dafür befinden sich an den etwas schräg nach vorn stehenden Frontleisten zwei übereinander befestigte eiserne Klammern, die bei späterem Gebrauch dem Pistolenhalfter zur Befestigung gedient haben mögen. Es scheint also, dass dieser Sattel ursprünglich nur als Schaustück gedient habe und erst später benützt worden sei.
Auf die Einzelheiten übergehend, werde ich, der klaren Übersicht wegen, jeden der drei Sättel nach den Vorstellungen auf den Frontleisten, dem eigentlichen Sitz, dem vorderen Löffel, der vorderen Tasche, dem Sitzbacken-Teil, der hinteren Seite und der hinteren Sattelsitz-Tasche beschreiben.
An der Stirn des Sattels II sitzt zwischen den zwei Backen des vorderen Löffels (Kaja) ein Wappenschild mit dem Kopf eines bartlosen Mannes (einer Maske), aus dessen Mundwinkeln gleich einem Schnurrbart je ein in fünf lanzettliche Lappen endendes Blatt hervorgeht; die Stirn und den Scheitel bedeckt ein breiteres Blatt, das seitlich drei und drei dergleichen Lappen hat und mit einem breiten, zurückgerollten Lappen endet.
Die Frontleisten, welche die vordere Satteltasche bis herab teilen, sind nach dem Rande zu mit einer 4-linigen, nach innen mit einer 3- linigen flachen Leiste eingefasst. Auf der rechten Seite ist auf dem eingerissenen Grunde eine dunkelblaue Farbe ziemlich dick aufgetragen. Oben sitzt auf einem waagrecht liegenden Ast, von dem nach oben und unten ein lappig gerolltes Laub ausläuft, ein nach rechts schauender Aar, dessen Schwingen nach einwärts gerollt sind, was man beinahe durchaus bei allen Flügeln, sowohl der Vögel als auch der Engel, auf den drei Sätteln gewahr wird und vielleicht zur Bestimmung der Zeit dieser Skulpturen benützen kann.
Die untere Hälfte nimmt eine nackte Frauenfigur ein, die über einem grün bemalten Laubwerk steht. Das kleingekräuselte Haar ist an der Stirn mittels einer Perlenschnur befestigt, der Schleier wird von der linken Hand über den Unterleib gezogen und reicht bis an die Knöchel herab; die rechte Hand hält ein gefaltetes Spruchband über dem Haupte. Der rechte Fuß ist hinter den linken so geschlagen, dass die flache Sohle sichtbar wird.
An dem rechten Schenkel- und Sattelsitzteil sind folgende Darstellungen: Das sich unter dem angedeuteten Schlitze emporwindende Laubornament scheint gleichsam das ganze Feld in zwei Teile zu teilen. Zuvorderst schreitet, im Zwickel des Sitztaschentheiles, ein Jüngling mit frei gelocktem langen Haar nach rechts. Er hat einen bis über die Knie reichenden engen Rock an und darüber einen zurückgeschlagenen Mantel, der an der Brust von zwei Lilienspangen zusammengehalten wird. In der rechten Hand hält er einen Blumenstrauß, mit dem Zeigefinger der linken Hand deutet er nach unten.
Über dem Haupt desselben spielen sich zwei Hunde, oberhalb dieser aber kniet eine gekrönte Dame in betender Stellung. Ihre Kleider sind faltenreich nach unten ausgebreitet. Hinter ihr steht ein stilisierter Baum mit drei Laubkronen und verdeckt teilweise ein nach links laufendes Schaf. Ein Laubornament trennt von dieser Szene einen nach links blickenden Engel, der ein Spruchband hält, und die ganze Seite des Löffelknaufes einnimmt. Gegen die Jungfrau stürmt ein zottiger, mit einem Knüppel ausgerüsteter Wilder, der mit der Linken einen ausgeschweiften Schild mit einem Menschengesicht dem sich widersetzenden Löwen entgegenhält. Der Sitzteil ist ganz von einem geflügelten Greif bedeckt, an dem noch Spuren blauer und grüner Farbe zu sehen sind. Am Rückteil des Gesäßteils liegen, in einem glatten Rahmen, ein Hirsch und ein Dammwild einander zugewandt, hinter jedem befindet sich ein knolliger Baum mit Perlenblättern.
Der erste Lappen unter dem Sitzteil oder vielleicht besser die rechte Sattelsitztasche zeigt uns als Hauptfiguren ein minnendes Paar. Es sitzt vor einem gefransten Hängeteppich auf einem Langsessel. Rechts die Dame, das Haupt ganz vom Schleier umgeben, im faltenreichen Kleid und gesäumten Mantel, die rechte Hand des Jünglings in der Hand haltend, dessen Haupt sorgfältig gekräuselt ist. Die kurzen Ärmel seines Oberrockes sind verbrämt. Rückwärts nach links steht ein Männchen. Sein Haupt ist mit einem Hute bedeckt, zwischen den Händen hält er das gesenkte Schwert. Rechts schläft auf einem Laubornament eine, dem Minuenden ähnliche Jünglingsgestalt mit einem bis ans Knie zugeknöpften Leibchen und enganliegendem Knierock.
Nicht minder reich an bildlichen Darstellungen ist die linke Seite (Fig. 1). An der Frontleiste nimmt den obersten ausbiegenden Teil eine charakteristisch geschnitzte Stadt ein. Hinter dem auf schroffen Felsen stehenden, getürmten Burgtor ziehen sich die gezürnten Bastionen hin; Häuser, Paläste, Kirchen mit Türmen, Ecktürmchen und Erker ragen über die Mauern empor.
Den untersten Teil nimmt, auf blauem Grunde, ein Blattornament ein, darüber steht auf einem Felsen en face ein Ritter, mit der rechten Hand den Dolch, mit der linken die Lanze fassend. Das Visier ist geschlossen. Das am Arme und über den Knien hervorragende Ringpanzerhemd ist gezackt, die Füße bedecken Schnabelschuhe. Auch hier zieht sich durch die ganze Länge des Schenkel- und Vordersitz-Taschentheils ein leicht geschwungenes Laubornament. Im unteren Zwickel schwingt sich, auf seine Hellebarde gestützt, ein wilder Mann auf einen Felsen hinauf; über ihn läuft gegen die über dem angedeuteten Gurtenschlitz sitzende und sich mit dem rechten Arm darauf stützende Jungfrau ein Einhorn. Der Dame Haupt ist verschleiert. Vor ihr kniet der Ritter und bietet ihr eine Rose; die Dame scheint, dem Gebärdenspiel nach, zu zaudern, dieselbe anzunehmen. Die Kleider der Minnenden sind sehr faltenreich und bedecken einen großen Teil des übrigen Raumes. Über dem Riemendurchlass befindet sich, gleichsam um die Szene abzuschließen, ein aus drei Kugeln, die federartig belaubt sind, geformter Baum.
Den übrigen Teil nimmt der hoch zu Ross sitzende Ritter ein; er schwingt mit der rechten Hand das Schwert, indem er zugleich mit der linken den Speer dem sich unter den Hinterfüßen des Rosses windenden Drachen in den Rachen stößt. Den in der Knauffläche Laute spielenden Engel trennt vom kämpfenden Ritter ein Spruchband mit dem angeführten: ha purem humiur.
Den Sitzteil nimmt ein, ehemals blau und grün bemalter Löwe ein, der gegen den die Rose bietenden Jüngling anzustürmen scheint. Auf dem Rücken dieses Sitzbackens befindet sich ein nach links gekehrter Basilisk. Vom schuppigen Rücken desselben breiten sich Fledermausflügel aus. Der von der rechten Vordertatze gehaltene Schwanz windet sich um den bärtigen, langgeohrten, in eine spitze Schnauze endenden Schädel.
Die hintere Satteltasche enthält folgende Darstellung: Den Mittelraum nimmt als Hauptperson die Dame ein. Der Schleier zieht sich in kleinen Falten in gerader Linie über die Stirn hin; die bauschigen, ziemlich geknitterten Falten des Kleides und des Mantels nehmen den größeren Teil der Fläche ein. Sie hält auf dem rechten Knie eine Handorgel, auf der sie mit der linken Hand spielt. Rechts von ihr steht ein Jüngling barhaupt, die Laute spielend. Links im Hintergrund sitzt derselbe Jüngling, das Haupt von einer Pelzmütze bedeckt. Er stemmt den rechten Fuß auf die linke Wade in einer ebenso gezwungenen Art, wie der Musikant die Sohle des linken Fußes gegen den Knöchel des rechten hält. In der rechten Hand hält er einen Falken, die drei ersten Finger der linken führt er wie sinnend gegen die Stirn. Der Grat besteht aus flachen Elfenbeinleisten, die mit Nägeln aus demselben Material befestigt sind.
Was die Erklärung dieser Darstellungen anbelangt, so glaubte ich beim ersten Anblick hier die Sage des heiligen Ritters Georg, einen der beliebtesten Gegenstände der blühenden Ritterzeit, vor mir zu sehen. Ich wähnte dazu durch den Kampf mit dem Drachen, die betende gekrönte Jungfrau und die dabei nie fehlende Stadt, in die der Ritter mit der befreiten Jungfrau einzieht, berechtigt zu sein. Freilich fehlen die Eltern der Königstochter, welche stets auf dem Söller dem Einzuge entgegensehen, wie z. B. in dem Wandgemälde der St. Georgs-Legende zu Neuhaus (siehe Denkschriften der k. Akad. der Wiss. X. 860); auch die übrigen Teile der Legende passen zu unserem Schnitzwerk nicht, wenn sich die Minneszenen nicht vielleicht auf die Worte des Baronius: „leguntur (in legendis Georgii) nonnulla indigna martyre, ut suspectum contubernium viduae“, beziehen sollen. Übersetzung: „In den Legenden um Georg liest man von Dingen, die eines Märtyrertums unwürdig sind, wie zum Beispiel die vermutete Gesellschaft einer Witwe.“
Das in den Schoß der Jungfrau sich flüchtende Einhorn, die Hunde unter der gekrönten Dame, der mit dem Löwen kämpfende wilde Mann, der Greif, der Basilisk lassen jedenfalls eine symbolische Deutung zu; ob aber diese einzelnen Darstellungen mit der Hauptszene in einer organischen Beziehung stehen, wage ich nicht zu entscheiden.
Ebenso wenig befriedigend fiel die Forschung auf dem Feld der ritterlichen Poesie aus. Zwar finde ich den Kampf mit dem Lindwurm in den Nibelungen, in Tristan und Isolde; der Spielmann kommt im Herzog Ernst und König Rother sowie im Tristan vor, auch der Kampf des Löwen fehlt nicht; es scheint demnach, als wenn hier hauptsächlich Meister Gottfried von Straßburgs berührtes Gedicht vergegenwärtigt worden sei, obwohl alle die Details nicht genau passen wollen oder als symbolische Beigaben zu verstehen sind. Dass sich vielleicht auch die Darstellungen der übrigen zwei Sättel, die im Wesentlichen mit denen des beschriebenen übereinstimmen, auf diese Sache beziehen mögen, deuten die Schachspieler an der linken Satteltasche von Nr. 3, die Rolle, welche dem überall vorkommenden Spielmann zugeteilt ist, der nirgends fehlende Drache, der spähtende Zwerg, die vorherrschenden Liebesszenen usw. an. Jedenfalls sehen wir die Hauptbeschäftigungen des Rittertums dargestellt: die Jagd, die Minne, die Frömmigkeit. Das Wunderbare, das häusliche Leben sind durch Figuren angedeutet und Jedermann einleuchtend.

Sattel Nr. 2.
Zwischen den auseinanderstehenden Voluten des Knaufs befindet sich eine halbknieende Gestalt. Nach dem gelockten Haupt greift von rückwärts eine Hand, das Gesicht ist ganz abgewetzt, der Hals
offen, die Hände sind stützend nach hinten gekehrt, das faltige Kleid bedeckt das rechte gebeugte Bein nur bis ans Knie; der linke unter rechte Winkel nach rückwärts stehende Fuß ist
weggebrochen, war aber ganz vom Kleid bedeckt. Diesem Figürchen entspricht zwischen den Backen des Sitzes nach hinten eine ebenfalls knieende nackte Gestalt.
Wenn wir die rechte Seite dieses Sattels betrachten, sehen wir an der etwas nach vorne geneigten Frontleiste oben eine nackte Frauengestalt, die in der gesenkten Rechten einen Strauß hält, die Linke ist nach oben gekehrt. Sie schreitet rechts hinabschauend nach links. Unter ihr steht eine lockige Mannsgestalt, die Rechte ist gesenkt, die Linke ruht über der Brust. Der Unterleib wird durch einen Beutel oder Lappen, der Sitzteil durch einen Schurz bedeckt, beide sind mittels eines Riemens verbunden.
Dieses Blatt ist durch eine, mit Laub zierlich ornamentierte Leiste abgegrenzt, welche unten in ein Ungeheuer mit offenem Rachen und weit herausgeschnellter Zunge endet. Die Stirnleiste der linken Seite möge wegen der Ähnlichkeit des dargestellten Gegenstandes sogleich folgen. Die obere Gestalt sieht und schreitet nach links, lüftet den über die Brüste geworfenen Schleier mit der Rechten; mit der Linken hält sie den über den Leib und das linke Knie wallenden Überwurf. Der unter ihr stehende Mann mit lockigem Haupt hält die Rechte gesenkt, die andere hält er gegen die rechte Achsel. Schamlappen und Afterschurz sind wie auf der gegenüberstehenden Seite.
Die übrigen Teile der rechten Seite betrachtend, finden wir im vorderen Löffelteil einen Engel mit eingerollten Schwingen. Diesem zunächst sitzt eine Dame in horchender Stellung; ihr langwallendes Kleid bedeckt die Füße. Unter ihr steht eine Dame, in der Linken eine Rose emporhaltend; die langen Ärmellappen, die weit auf der Erde nachgezogen werden, hebt ein sich verbeugender Jüngling. Die Dame hat einen Schleier. Unter ihr kniet eine Dame mit der Rechten nach oben weisend, die Haarlocken sind mittels einer Stirnbinde befestigt. Das Haar und der Gürtel waren, wie bei den übrigen, vergoldet.
Über dem Gurtenschlitz sitzt nach rechts gekehrt ein Jüngling, ein Spruchband mit den Worten: hof mit, vielleicht mit Bezug auf die gegenüber sitzende Dame — Zuversicht! Unter dem Schlitze kauert ein Löwe mit gedrehtem Schwanz. Zunächst folgt eine Dame und ein Jüngling, sie sitzen sich gegenüber, er mit überschlagenem rechten Bein, mit der Rechten reicht er ihr eine Rose, in der Linken hält er einen Falken, mit einwärts gerollten Flügeln, empor. Ein Affe, gegen die Dame gekehrt, berührt ihre rechte Hand und zeigt nach der Dame, die, auf dem Sitzteil abgebildet, auf dem Rücken eines gelockten, bärtigen Mannes, der auf allen Vieren kriecht, reitet. Diese hält in der Rechten ein Spruchband mit den Worten: lach; lieb lach; mit der Linken schwingt sie eine dreischwänzige Geißel.
Die hintere Satteltasche enthält folgende Darstellungen: vorne ist ein Jüngling mit dreifedrigem Kopfschmuck, eine Dame hält einen rosenförmigen Radfächer; die rechte Hand hält die Dame rückwärts gesenkt, die linke Hand gegen den Jüngling, der ein Spruchband mit dem unverständlichen li bu in der rechten Hand hält. Zwischen diesen zwei Gruppen sitzt unten ein Engel mit eingerollten Flügeln. Auf dem Hinterteil des Gesäßstückes ist ein nach rechts knieender Jüngling dargestellt, der mit der linken Hand die langen Falten des Oberkleides emporhält; diesem entspricht eine nach rechts gekehrte Dame mit einem Stirnband, die Hand nach dem Jüngling ausgestreckt. Auch hier sind die Haare und der Gürtel vergoldet.
Die Szene der linken Seite (Fig. 2) bietet noch mehr Abwechslung. Im Zwickel der Vorsatteltasche sitzt eine Gestalt mit langem Kleid, über dieser eine nach links gekehrte Dame. Darauf folgt gegen den Knauf zu der auf einem Drachen stehende Ritter. Während er demselben den Speer in den Rachen stößt, schlängelt dieser seinen Schwanz um das linke Knie, wo er wieder zum Vorschein kommt. Des Ritters Kopfschmuck bilden drei Federn, die mittels eines Stirnbandes befestigt sind und im Holzschnitt fehlen. Er ist vollständig gewappnet, seine Füße schirmen langschnäblige Krebsschuhe. Der noch höher sitzende Jüngling mit überschlagenem rechten Bein schaut nach rechts, während er mit der linken Hand eine Börse gegen die Dame hält. Den Raum des Knaufes nimmt ein liegender Engel ein, dessen Flügel einwärts gekrümmt sind. Seitwärts unter dem längeren Gurtenschlitz sitzt ein Jüngling, denselben haltend und mit dem rechten Bein unterstützend. Über ihm kniet, beinahe hingestreckt, die nach rechts gekehrte Dame, welche in der rechten Hand eine langgestielte Blume oder den Eselskinnbacken (der Falke ist im Holzstich fehlerhaft) trägt. Mit der linken Hand hält sie einen waagrechten Ast, auf dem ein Falke mit ausgebreiteten, einwärts gebogenen Flügeln sitzt; das Ende des Astes hält der gegen seine Dame gekehrte Jüngling, der mit der linken Hand ein Zeichen des Erstaunens oder Verneinens macht. Sein linkes Bein ist überschlagen und ruht über dem kleineren Schlitz.
Die rechte Hand der neben ihm sitzenden Dame liegt auf seinem linken Schenkel, ihre linke Hand aber ruht in ihrem Schoß. Unter ihren Füßen kauert ein dreitheilig geschweiftes Ungeheuer mit weit vorgestreckter Rollzunge. Zunächst der Dame liegt, nach links gekehrt, ein Jüngling, der ein doppelt gebogenes Instrument bläst. Auf dem Sitzteil ruht eine Dame mit verschleiertem Kopf und langen Armellappen; gegen sie schreitet barhaupt ein Jüngling, mit beiden Händen nach abwärts deutend. In der rechten Hand hält sie ein Spruchband mit den Worten: mit lieb. Zu ihren Füßen kauert ein von beiden abgewandter Affe.
Die hintere Sattelsitztasche enthält wieder zwei Paare und zwei Einzel-Figuren. Zuerst sehen wir eine Dame, die mit der linken Hand auf einem Ast einen Falken haltend. Der vor ihr geneigte Ritter hebt den langen Armellappen der linken Hand empor. Sein Haupt ist mit Federn geschmückt. Der unter seinen Füßen knieende Engel hat ein Stirnband mit dreifedrigem Kopfschmuck. Flügel wie bisher eingerollt. Ihm kehrt ein knieender Pauker den Rücken. Dieser hat einen nach vorne breit aufgekrämpften Hut, eine gefaltete Halskrause und hält in beiden Händen die Schlägel, deren linker, über der Pauke liegender, im Bild fehlt.
Die letzte Szene bildet wieder das Liebespaar. Der Jüngling hält in der gesenkten rechten Hand die Börse. Seine linke Hand ruht auf ihrer linken Achsel; die Dame greift ihm mit der rechten Hand an die Brust, in der linken Hand hält sie ein gebogenes Stäbchen. Über ihnen schwebt ein Spruchband mit den Worten: ich hoff. Sowohl der Grat des Sattels, der zwar ganz abgenützt ist, als auch die umrahmenden Leisten, sind teils mit schön gewundenem Laubornament, teils mit geriffetem Stabwerk geziert. Es scheint, als wären durch dieses reichliche Schnitzwerk die Phasen einer Amasia, und zwar rechts die falsche, links die echte Liebe, Antrag und Erfolg, Verführung und Gewähren dargestellt.
Was die Geschichte dieses Sattels anbelangt, füge ich alles, was über denselben in der Ciineliotheca Musei nationalis zu finden ist, bei: „Aliud (ephippimn) hungaricum, quäle hodie equitibus Hungaris esse solet, ex ebore figuris et notis hieroglyphicis labore anaglyptico tarn eleganter paratum, ut veneranda hmc antiquitas non possit non animum attentum reddere. Videtur illud neutiquam sellae loco, sed duntaxat occasione festivitatum aulicarum adhibitum fuisse, quibus scilicet sonipedes phaleratos ab agazonibus per frenum ducere moris etiamnum in Hungaria est. Si quid in defectu irrefragabilis certitudinis probabile coniectare fas est, puto, latere in hoc opere aliquam allusionem ad desponsationem Alberti Austriaci cum Elisabetha filia Sigismundi Imperatoris et Regis anno 1411 Buda solenni ritu celebratam. Repetuntur enim identidem lenocinantes sibi invicem utriusque sexus figurae, nec aliud fere loquitur epiphonema orthographiaque: iech lieb unnd hoff, iecht hoff uund lib, immo ipsum in Hungaria Draconis Ordinem, anno 1408 fundatum, innuere censetur formosus et cristata galea munitus Eques, lancea Draconem transfixedurus, cuius signo sponsum decoratum fuisse addubitari nequit. Placet alliis singulare hoc raritatis specimen ad tempora Ludovici II. collocare.“
Übersetzung: „Ein weiteres ungarisches Ephippimn, das heute noch von ungarischen Reitern getragen wird, ist so kunstvoll aus Elfenbeinfiguren und Hieroglyphen in Anaglyptik gefertigt, dass sein ehrwürdiges Alter unübersehbar ist. Es scheint, dass es nicht als Sattel, sondern nur bei höfischen Festlichkeiten verwendet wurde, bei denen es in Ungarn noch immer Brauch ist, Reiter am Zaumzeug zu führen, angeführt von Reitern im Geschirr. Wenn wir in Ermangelung unumstößlicher Gewissheit etwas vermuten dürfen, so denke ich, dass dieses Werk auf die Verlobung Albrechts von Österreich mit Elisabeth, der Tochter Kaiser und Königs Sigismunds, anspielt, die 1411 in Buda feierlich begangen wurde. Denn Figuren beider Geschlechter wiederholen sich wiederholt und schmeicheln einander, und die Epiphoneme und Schreibweisen sprechen fast für sich: „iech lieb unnd hoff“, „iech hoff uund lib“. Tatsächlich wird angenommen, dass es auf den Drachenorden anspielt, der 1411 in Ungarn gegründet wurde.“ 1408, ein wunderschönes Gemälde eines Ritters mit Helmbusch, der im Begriff ist, einen Drachen mit einer Lanze zu durchbohren – mit dessen Symbol der Stallknecht geschmückt war –, daran besteht kein Zweifel. Andere datieren dieses einzigartige Sammlerstück gern in die Zeit Ludwigs II.
„Huius generis ephippia (Prunk - Sattel) Germanis nullo non tempore in usu fuisse et hodiedum in illustrium familiarum gazophylaciis asseruari, certissimum est. Labor non vane putatur augustanus. Augustae enim Vindelicorum saeculis XIV, XV et XVI domicilium invenerunt peritissimi artis pictoriae, plastiae, sculptoriae, chalcographicae, typographicae, fusoriae et encausticae Magistri. Forma ephippii est hungarica, characteres tamen et figurae gustum redolent theutonicum. Sive itaque ad Sigismundi et Alberti sine ad Ludovici II. aevum istlioc antiquitatis domesticae monumentum referatur, nihilominus arctissimum Anlae regiae Hungariae cum Augusta domo Austriaca vinculum nunquam non intercessisse, ex hoc paradigmate nuptiali quoque intelligi potest. Protraxit illud diu occultatum e latibulis, Patriaeque rursum recuperavit Comes Ludov. Rhédei de Kis-Rhéde.“ Cimeliotheca Mus. Nat. II Hung. p. 65.
Übersetzung: Es steht fest, dass dieser Satteltyp (Prunk-Sattel) seit jeher in deutscher Hand war und noch heute in den Tresoren illustrer Familien aufbewahrt wird. Er gilt nicht umsonst als augusteisches Werk. Denn im 14., 15. und 16. Jahrhundert fanden die begabtesten Meister der Malerei, Bildhauerei, Kupferstichkunst, Druckkunst, des Gießens und der Enkaustik in Augusta Vindelic ihre Heimat. Die Form des Sattels ist ungarisch, doch die Figuren und Gestalten weisen noch immer einen germanischen Charakter auf. Ob dieses Denkmal heimischer Antike nun der Zeit Sigismunds und Albrecht oder der Zeit Ludwigs II. zuzuordnen ist, so lässt sich doch aus diesem Hochzeitsmotiv erkennen, dass die enge Verbindung zwischen dem ungarischen Königshaus und dem österreichischen Königshaus Augusta nie abgebrochen ist. Lange Zeit war der Sattel verschollen, und Graf Ludwig Rhédei von Kis-Rhéde brachte ihn schließlich für sein Land zurück.
Dass alles, was nach dem Standpunkt der Archäologie vor so vielen Jahren über den Eigentümer, die Darstellungen, die Worte der Spruchbänder gesagt wurde, heute nicht mehr stichhaltig ist, brauche ich nicht zu erwähnen; das Einzige ist gewiss, dass auch hier Szenen der glücklichen Minnezeit und des blühenden Rittertums, in Elfenbein verewigt, wegen der Sinnigkeit der Zusammenstellung, der Zartheit in der Ausführung, der Eigentümlichkeiten in Haltung, Kleid und Bewaffnung für Kunstgeschichte und Kostümkunde einen wertvollen Beitrag liefern und die einstige Verbreitung deutscher Kunst und der Formen deutschen Rittertums über Ungarns Gefilden verkünden.

Sattel Nr. 3.
Über die ältere Geschichte des dritten Sattels, der erst vor einigen Jahren durch die Großmut des Herrn Grafen Joh. Nep. Zichy dem Nationalmuseum übergeben wurde, und den wir den Zichyschen nennen wollen, herrscht ebenfalls ein undurchdringliches Dunkel. Nur eines ist gewiss, dass er vor dem ereignisvollen 48er Jahre ein Eigentum der Familie Batthyäny war, bei der Versteigerung der Habseligkeiten des Grafen Casimir Batthyäny in Kis-Berum um den geringen Preis von 40 fl. durch die Gräfin Lazansky erstanden und trotzdem, dass ausländische Zwischenhändler viel bedeutendere Summen boten, von oben erwähnter Dame um den Kaufpreis dem Grafen Zichy überlassen wurde. Wieder ein nachahmungswertes Beispiel unserer Magnaten, deren Großmut das Nationalinstitut so manch einen Schatz zu verdanken hat.
Im Allgemeinen gleicht auch dieser Sattel den bereits beschriebenen; nur ist sein Sitzteil noch flacher, seine Erhaltung weniger sorgfältig, seine Felder durch vielfache Durchbohrungen, die zum
Behufe der Anwendung neueren Riemzeugs gemacht wurden, mannigfaltig beschädigt. Die zwischen den Lappen des Sattelknaufes und des Sattelbuges sitzenden Figürchen fehlen hier gänzlich; die Leisten
aber bestehen abermals aus elegantem Laubornament und aus schnurartig gedrehten Elfenbeinstäbchen.
Wenn wir wieder bei der Stirnleiste, die ebenfalls etwas nach vorn geneigt ist, rechter Hand beginnen, finden wir oben einen Lautenspieler mit überschlagenem rechten Beine; die geschnitzte
Rahmenleiste endet mit einem Tierkopf, der untere Teil der Stirnleiste fehlt, und eben dieser Abgang wurde, wie ich aus dem Munde der Frau Gräfin Lazansky weiß, durch den Antiquar als Kennzeichen
des Sattels angegeben und ist vielleicht als bedeutungsloses Bruchstück in irgendeiner Sammlung vorhanden oder befindet sich noch im Besitz jenes Herrn, der den Sattel erstehen wollte. Trügt mich
meine Ansicht nicht, so muss auf dem Stück eine Figur die Eva vorstellen, denn die entsprechende linke Frontleiste zeigt uns an dieser Stelle die beim Sattel 2 beschriebene nackte Figur mit dem
Schamlappen, vielleicht Adam? Über diesem steht ein Ritter; sein Stirnband ist mit Edelsteinen besetzt, sein Federbusch ist gerade, er hält mit der Rechten den Griff seines Schwertes. Der
herabfliegende Engel ist frei gehalten, die Flügel sind ausnahmsweise nicht eingerollt. Die Rahmenleiste endet ebenfalls in einem Tierkopf. Im rechten Knaufteil sitzt ein rechts schauender Engel,
mit einem offenen Buche, seine Flügel sind eingerollt, das Spruchband ist ohne Inschrift. Der Grund war ehedem dunkelgrün, das Band lichtgrün bemalt.
Im Zwickel, zu unterst der vorderen Satteltasche, befindet sich wieder das minnende Paar. Der Jüngling bietet der Dame eine dreiblütige Rose. Darüber dieselben Figuren, aber in viel größeren
Verhältnissen. Er hält mit der Rechten den langen Ärmellappen, sie seine linke Hand, über ihrem Kopfe sind zwei Figürchen sichtbar. Über dem ursprünglich angedeuteten, aber erst später
durchgebrochenen Gurtenschlitz sitzt mit verschränkten Armen nach links schauend, den Kopf mit geraden Federn geschmückt, der Ritter, vor ihm steht die Dame mit einem Spruchbande ohne Schrift;
unter dem Einschnitt zerrt ein Mann an dem Laubornament, auf dem die Dame steht. Im Übergang zum breiten Lappen des Sitzteils ist ein Pauker dargestellt, darauf folgt das Liebespaar, beide
sitzend, er erklärend, sie mit der Geste des Abwehrens. Der rückwärtige Teil des Sitzes ist beiderseits ohne bildliche Darstellung. Die rechte hintere Satteltasche enthält wieder das Liebespaar.
Er fasst die Dame um den Rücken, sie drückt mit der Linken seine Linke. Darunter kauern zwei spielende nackte Aushilfsfigürchen. Dann zeigen sich wieder Jüngling und Dame. Sie, rechts, hat einen
Schleier und zeigt mit der Rechten empor, während die Linke im Schoß ruht. Er, den Kopf in eine Pelzmütze gehüllt, zeigt nach der Krone, welche der Engel über ihrem Haupte hält, in der Linken
hält er einen Rosenkranz. Ihre Kleider sind mit Pelzwerk verbrämt. Die übrigen Teile füllt schwungvolles Laubornament aus.
An der linken Seite des Sattels erscheint an der Stirnleiste ein herabfliegender Engel, dessen Flügel nicht eingerollt sind; eine recht zierliche Arbeit. Unter diesem steht ein Ritter, an seiner Stirn ist ein mit Edelsteinen verziertes Band, aus dem sich ein gerader Federbusch emporhebt. Mit der Rechten hält er den Griff des Schwertes. Nun folgt eine nackte Gestalt mit dem Schamlappen oder Beutel. Die Leiste selbst ist zierlich geschnitzt und endet in einem Tierkopf. In der Krümmung des Löffels kommt der konventionelle Engel mit einem Spruchband vor, seine Flügel sind eingerollt. Zunächst steht der mit dem Drachen kämpfende Ritter, im Kostüm des Anfangs des XVI. Jahrhunderts. Er ist zu Fuß und schwingt das Schwert gegen das Ungeheuer; diese interessante Gestalt, vielleicht die gelungenste an diesem Sattel, nimmt den ganzen Vorderteil ein und wird dadurch förmlich zur Hauptperson des Kunstwerks gestempelt.
Über dem Gurtenschlitz, der hier seinen Rahmen hat, sitzen zwei halbnackte Figuren, Dame und Ritter, ein langgewundenes Spruchband haltend. Darunter steht, nach rechts schauend, ein Jäger mit
einem Hüfthorner, dem gegen ihn schreitenden Bären die Lanze durch den Rachen stoßend. Gegen den Sitzteil befindet sich eine Dame mit einer Rose, dieser folgt ein Ritter, rechts gehend, mit einem
Vergissmeinnicht. Auf einem Laubornament sitzt ein Falke, sich die eingerollten Flügel putzend. Auf der Fläche des Sitzteils selbst sitzt die Dame in reichem Faltenwurf, ihre Rechte ist gehoben.
Der Grund ist grün, ihr Kleid rot gefärbt. Zu ihren Füßen ruht das Symbol der Treue, der die Zunge streckende Hund.
Die hintere Satteltasche ist durch den herablaufenden Spitz des Sitzteils in zwei Teile geteilt; man sieht im großen vorderen Teil unter dem hin- und hergebogenen Spruchband Dame und Ritter, sich
die Hände drückend. Darauf folgen nach unten zwei Damenspieler, über denen der herabfliegende, gehörnte, mit Hauzähnen ausgerüstete Böse ein Gegenstück zu dem über der betenden Jungfrau
schwebenden Engel bildet. Von dieser Szene links nimmt eine schlafende Dame den ganzen Raum ein.
Dieser Sattel wurde unter allen unstreitig am meisten gebraucht; denn nicht allein, dass für den Obergurt ein 2 Zoll und 4 Linien langer und 3 Linien breiter Schlitz vorhanden ist, der in dem
Meisterstück vom Anfang an ausgeschnitten wurde, so finden wir noch in späterer Zeit für verschiedene Anhängsel, ohne Rücksicht auf die Elfenbeinschnitzerei, eingebohrte Löcher, und zwar zwei
übereinander durch die Frontleiste für das Vorderzeug, diesen zunächst vier an der Vordersatteltasche für den Pistolenhalfter, zwei ganz unten für die Packtaschen, vier an der Hintertasche für
die Untergurte, zwei und zwei an derselben für das obere, zwei für das untere Hinterzeug (Schweifriemen).
Wenn wir das Kostüm dieser Sättel in Betrachtung ziehen, können wir die zwei ersten füglich in die Mitte des 15. Jahrhunderts, den dritten vielleicht sogar in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts setzen.
Der Faltenwurf des Sattels Nr. 1 ist noch nicht kleinbrüchig, aber sehr oft, wie auch bei den folgenden, als Raumausfüllsel, daher sinnlos gebraucht. Die Leibröcke sind bis an das Knie mit
Knöpfen geschlossen, die Schuhe schnabelig. Das Haar ist klein und reich gelockt, größtenteils unbedeckt, einmal kommt eine runde verbrämte Pelzmütze, oben mit einem Knauf und auch ein Hut mit
einer breiten, hinten aufgestülpten Krämpe vor. Der Schleier der Dame ist faltenreich, unter dem Kinn gewunden; die langlappigen Ärmel sind an der Öffnung verbrämt; das Leibchen bis an den Hals
zugeknöpft, auch kommt der Turban mit einer Perlenschnur vor. Die Königstochter hat verbrämte Ärmel und Schnabelschuhe. Der an der Frontleiste stehende Ritter hat ein geschlossenes Visier; der
Helm ist an die Brust angeschnallt. Der Achseldurchlass ist reich verziert, das Panzerhemd hervorstehend. Die Schnabelschuhe sind lang und krebsartig.
Der mit dem Drachen kämpfende Ritter hat einen breitkrämpigen hutartigen Helm, ein gerades breites Schwert, lange Schnabelschuhe; der Waffenrock endet in lange flatternde Ärmel; Arm- und
Knieschienen sind vorhanden. Der Halskragen ist aus Draht, die Löffel des Sattels sind nach vorn gekehrt. Das Kostüm ist mehr das Jagd- als das Schlachtkostüm; so wie es im Allgemeinen sich als
rheinländisch charakterisiert. Der wilde Mann ist ganz zottig, das schnurr- und backenbärtige Gesicht ausgenommen; die Füße sind nackt. Die Flügel der Engel und Vögel sind nach vorn zu
eingerollt. Die Stellung der Figuren ist oft sehr gezwungen, die Zeichnung meistens korrekt, das Ornament frei, die Bäume stilisiert. Der Sattel Nr. I ist am besten erhalten, hat unter allen den
meisten Schwung und zeigt unstreitig die beste Arbeit.
Die Figuren des Sattels 2 unterscheiden sich im Allgemeinen wenig von denen des vorigen. Auffallend ist der Kopfputz mit gekrümmten Federn. Das Panzerhemd ist nach unten zu languettiert; die
Leibröcke sind bis ans Knie zugeknöpft, die Beinkleider fest anliegend, die Ärmel haben sehr lange Lappen. Die Flügel kommen eingerollt vor.
Die Haarlocken des Ritters am Sattel 3 hängen strickförmig gerollt herab, auch sind sie klein gekräuselt und nach unten zu verdickt. Der Unterrock geht bis an das Knie, mit Leisten, ohne Knöpfe;
der Oberrock reicht unter die Knie, ist ohne Gürtel, vorn faltenreich und fällt auch skapulierartig von der Achsel herab; der Federschmuck besteht aus einem geraden Büschel. Die Schuhe sind sehr
spitz und lang geschnäbelt. Der Halskragen der Damen erreicht das Kinn; der Kopf ist vom Schleier bedeckt, die Haare wallen straff herab; die Ärmel sind weit, nicht herabfallend; der Gürtel
endet, von der Schnalle ab, in einen Riemen. Die Schnabelschuhe sind kürzer als jene der Ritter. Der Engel hat eine gekreuzte Stola und ist barfuß. Die Gesichter der minnenden Ritter und Damen
wiederholen sich durchschnittlich typisch, so dass dasselbe Paar überall zu erkennen ist.
Dr. F. Florian Römer.
Quelle: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. Wien, 1865.
