Aus der nächsten Umgebung der Kirche zu Jegenstorf waren schon seit Langem (vgl. Jahn, Antiquarisch-topographische Beschreibung des Kantons Bern, 1850) Überreste einer römischen Ansiedlung bekannt. Eine früher im römischen Schutt gefundene Säule (das unverzierte Kapitell und etwas mehr als die Hälfte des Schafts sind noch erhalten) diente als Träger in einer Ablaufgrube. Herr Dr. König, Arzt in Schönbühl, erwarb nun das interessante Stück gemeinsam mit Herrn von Stürler-Marcuard im Schloss Jegenstorf, und die beiden Herren schenkten es in verdankenswerter Weise dem Museum.
Herr Davinet, Direktor des Kunstmuseums in Bern, schenkte uns eine kleine, sehr hübsche römische Bronzestatuette, die nach einer Überlieferung in der Gegend von Amsoldingen gefunden worden sein soll. Es ist schade, dass sich der Fundort nicht mehr genau nachweisen lässt; die Bronze scheint nach einem ganz vorzüglichen Vorbild gearbeitet worden zu sein.
Als im April neben dem Hause des Herrn Rychener in der Zeigmatte zu Steffisburg Fundamentgrabungen ausgeführt wurden, fanden sich in nahezu zwei Meter Tiefe zwei Gräber aus der Völkerwanderungszeit. Nach dem Bericht der Arbeiter müssen sich in dem einen Grab bronzene Knöpfe als Gürtelbesatz befunden haben; sie wurden aber nicht weiter beachtet, und es war tags darauf nicht mehr möglich, sie wiederzufinden. Durch die freundliche Vermittlung der Herren Schiffmann in Bern und Sekundarlehrer Röthlisberger in Steffisburg gelangten wir jedoch in den Besitz der beiden Skramasaxe, welche bei den Skeletten gefunden worden waren.
In größerem Maße wurden weitere Untersuchungen im frühgermanischen Gräberfeld in der Papiermühle bei Bern durchgeführt (vgl. Jahresberichte für 1907 und 1908). In entgegenkommender Weise hat uns der Besitzer des betreffenden Grundstücks die Untersuchung des in Frage kommenden Komplexes gestattet, und das Resultat der Untersuchung bereicherte in erfreulicher Weise unsere Abteilung der Völkerwanderungszeit. Es wurden folgende Gräber gefunden (die Numerierung schließt an die bereits früher veröffentlichten an):
Grab 12. Auf der rechten Seite des Schädels, 10 cm darüber hinausragend, eine schmale eiserne Lanzenspitze mit Dülle; quer über dem Becken ein eisernes, einschneidiges Messer; auf der rechten Hand zwei einfache eiserne Riemenzungen.
Grab 13. Links neben dem Kopf eine eiserne Lanzenspitze; neben dem linken Oberschenkel ein Skramasax.
Grab 14. Dreieckiges eisernes Gurtbeschlag mit Schnalle und runder Gegenplatte, welche mit vier gewölbten Bronzeknöpfen besetzt ist.
Grab 15. Langschwert ohne Knauf und Parierplatte; darauf liegend ein Kurzschwert. Eisernes Messer und eiserne, einfache Riemenzunge.
Grab 16. Direkt über dem Schädel lag ein eiserner Schildbuckel mit Griff auf der Rückseite. Rechts vom Schädel fand sich eine eiserne Pfeilspitze, auf dem linken Arm ein Skramasax. Auf dem Becken lag eine kleine eiserne Gurtschnalle mit viereckiger Gegenplatte.
Grab 17. Großes Messer oder sehr kleines Kurzschwert; ovaler eiserner Gürtelring; kleines eisernes Gurtbeschlag, mit vier Bronzeknöpfen besetzt, sowie Fragmente von Riemenbeschlägen aus unverziertem Eisenblech.
Grab 18. Einschneidiges Kurzschwert, Messer, Pfeilspitze und ahlenartiges Eisenwerkzeug mit runder Öse; große dreieckige Gurtplatte, mit drei Bronzeknöpfen besetzt, samt Gegenplatte, deren Rand sehr hübsch symmetrisch ausgeschnitten ist. Auch die Gegenplatte ist mit Bronzeknöpfen besetzt.
Grab 19. In 60 cm Tiefe ein Kinderskelett ohne Beigaben.
Grab 20. Kindergrab. Um den Hals und auf der Brust lagen über hundert erbsengroße Perlen aus Ton und Schmelz in verschiedenen Farben, darunter vier marmorierte sowie 22 kleine gelbe, grüne, weiße und schwarze – ein stattlicher Halsschmuck. Neben dem linken Fuß fanden sich folgende bronzene Beschläge eines Täschchens: eine große durchbrochene Zierscheibe, ähnlich einem Rad mit drei parallelen Felgen. Die Treffpunkte der Felgen und Speichen sind mit eingeschlagenen Disken verziert; auf dem oberen Teil dieser Scheibe lag die zierlich gebogene Schließe und, wenige Zentimeter davon entfernt, ein einfacher Aufhängering. Auf der Brust lagen zwei eiserne Pfeilspitzen und ein kleines, dreieckiges Eisenstück mit zwei kleinen runden Löchern, wie zum Durchziehen eines Fadens.
Grab 21 zeigte sich direkt unter dem vorigen, 30 cm tiefer. Zwischen den Oberschenkeln lagen ein kleines Kurzschwert und ein Messer, im Becken ein sehr einfaches eisernes Gurtbeschlag und einige nicht mehr bestimmbare Eisenstücke.
Grab 22. Quer über dem Becken fand sich ein breites eisernes Messer in hölzerner Scheide; an der linken Seite des Bestatteten waren die Überreste eines Kinderskeletts zu konstatieren.
Ausnahmsweise zeigten die letztgenannten vier Gräber eine – wenn auch unregelmäßige – Einfassung aus großen Rollsteinen.

Herr Dr. E. von Mülinen aus Bern, deutscher Generalkonsul in Damaskus, schenkte dem Museum die Tonfigur eines Reiters (siehe nebenstehende Abbildung). Die Figur wurde in einer Höhle von el-Bi’ne,
zwei Stunden östlich von Akka (Palästina), gefunden und dürfte einen jener gallischen Reiter darstellen, die im Sold der Seleukiden standen. Für diese Annahme spricht besonders die Darstellung
des Schildes, die mit derjenigen der gallischen Trophäe auf einem Relief von Pergamon und mit den Funden aus gallischen Gräbern in Westeuropa ziemlich übereinstimmt. Da nach gefälliger Mitteilung
des Donators die Höhle von el-Bi’ne ägyptisch-phönizische, israelitische, hellenistische und frühchristliche Altertumsspuren enthielt, ist es sehr wohl denkbar, dass im Zusammenhang mit einem
Durchzug gallischer Reiter die Figur in dem traditionellen Heiligtum deponiert wurde.
Wenige Tage vor Jahresschluss meldete Herr Lehrer Friedli in Mötschwil bei Lyssach dem Museum die Aufdeckung zweier Gräber mit Beigaben in einer kleinen Kiesgrube nordwestlich vom Schulhaus
Mötschwil, im sogenannten Wydacher.
Das erste Grab enthielt ein ziemlich zersetztes Skelett mit einem blauen gläsernen Armring, dessen Außenseite facettiert und mit abwechselnd gelben und weißen Zickzack-Ornamenten aus Schmelz
belegt ist. Dieser Armring war begleitet von einem zweiten, aus spiralförmig zweimal gewundenem, dünnem, glattem Bronzedraht. An der rechten Hand fanden sich zwei einfache, flache, gleichfalls
aufgewundene Fingerringe aus stark legiertem Silber. Von einer kleinen Eisenfibel ist noch der Spiralanteil vorhanden.
Im zweiten Grab, mit ebenfalls schlecht erhaltenem Skelett, fanden sich: am rechten Oberarm ein breiter Armring aus Lignit sowie zwei gläserne Armringe mit profilierter Außenseite, wovon der eine
aus ungefärbtem, weißem Glas, der andere auf der Innenseite mit gelber Folie belegt war. Von einer großen und einer kleinen Eisenfibel ist jeweils der Spiralenteil erhalten. Außerdem fand sich,
als seltene Beigabe, ein Spinnwirtel aus rotgebranntem Ton, stark konisch geformt und unverziert, sowie eine kleine Dülle aus Eisenblech, die ein Spindelbeschlag sein könnte.
Beide Gräber lagen in bloß 0,5 Meter Tiefe, in die stark sandhaltige Kiesschicht eingeschnitten; der Kopf des zweiten Skeletts war mit drei großen Steinen eingefasst.
Quelle: Jahresbericht des Historischen Museums in Bern. Bern, 1908.
(Bilder sind überarbeitet.)

