Ein Meisterwerk der Nadelmalerei sind die 30 cm breiten Stäbe und der große Rückenschild eines Chormantels, Nr. 308, dessen Stoff verschwunden ist. Auf jedem der beiden Stäbe sind drei Szenen
dargestellt, die in einer Halle, welche sich dem Betrachter mit einem von Krabben besetzten Kielbogen (Eselsrücken) öffnet, vor sich gehen. Diese Szenen – zusammen mit derjenigen auf dem
Rückenschild – stellen die sieben Sakramente der katholischen Kirche dar. Deren Reihenfolge ist jedoch verändert (siehe die Abbildungen).
Auf dem Stab zur Linken des Trägers folgen:
1) Die Taufe, erteilt durch einen Bischof, während Pate und Patin den Täufling über das Taufbecken halten. Ein Kleriker trägt das Gefäß mit den heiligen Ölen und
die Taufkerze. Die Kleidung der Personen, namentlich die des Paten mit seinem Rock, seinem angehängten Hut und den hölzernen Unterschuhen, sowie jene der Begleiterinnen, stimmt vollkommen mit
derjenigen überein, die wir an den Personen auf dem Trajans-Teppich finden.

2) Die Letzte Ölung (vgl. Jakobus 5, 14 und 15), von einem Bischof einem Kranken erteilt, während ein Kleriker dem Bischof das Ritualbuch hält und eine brennende Kerze trägt, ein Laie den Bischofsstab in den Händen hält, ein Mann dem Kranken ein Kruzifix zeigt und eine Frau die Hände zum Beten faltet.

3) Die Firmung. Ein Bischof schneidet einem vor ihm knienden Knaben mit einer Schere das Haar weg, um die Stirn mit Chrisam salben zu können, den er in einem Gefäß in der linken Hand trägt. Ein Mädchen, das von seiner Patin geführt wird, harrt auf die Firmung, während zwei Kinder sie schon empfangen haben. Dem einen bindet sein Pate eine Binde um die gesalbte Stirn, beim anderen ist es bereits geschehen. Ein Kleriker trägt den Stab und das Pontifikalbuch.

Auf dem Stab zur Rechten folgen:
4) Die Weihe. Der Bischof salbt eben einem Diakon, der zum Priester geweiht wird, die Hände mit Chrisam, während zur Linken ein eben geweihter Diakon kniet. Ein Kleriker hält den
Kelch, das Messbuch und die Messkännchen, welche dem zu Weihenden als Symbole der priesterlichen Vollmachten übergeben werden; ein anderer trägt den Stab des Bischofs.

5) Die Ehe. Ein Bischof segnet in Gegenwart mehrerer Personen ein Brautpaar ein, wobei er dessen Hände mit dem Ende der Stola umwickelt – wie dies an einigen Orten noch gebräuchlich ist.

6) Die Buße. Ein Bischof, der auf einem Thron sitzt, erteilt einer Pönitent(in) die Lossprechung, während vier andere Personen auf die gleiche Handlung warten. Die Darstellung ist eine seltene und interessante Auffassung.

Quelle: Der Paramentenschatz im historischen Museum zu Bern in Wort und Bild : im Auftrage der Aufsichtskommission des Museums. Bern, 1895.
