Prachtstücke der Teppichwirkerei sind die vier großen Wandteppiche ohne Bordüre, Nr. 6–13, mit der Geschichte von Julius Cäsar. Sie sind 4,1 m hoch und 6,3 bis 7,15 m lang. Jeder Teppich enthält zwei Szenen, weshalb seinerzeit jedem Teppich gleich zwei Katalognummern zugeteilt wurden. Altfranzösische Verse in der Sprache des 15. Jahrhunderts erklären am oberen Rand die Bilder (siehe die Abbildungen). Diese sind folgende:
1. Teppich:
a) Die Triumviren Cäsar und Crassus reisen in ihre Provinzen ab – ersterer rechts nach Gallien, letzterer links nach Syrien (60 v. Chr.). Der dritte Bundesgenosse, Pompejus, bleibt in Rom. Er
erscheint oben, von Senatoren umgeben. Jeder Hauptperson ist der Name beigefügt.

Cäsar empfängt Gesandte der Sequaner, welche ihn um Hilfe gegen den Sueben-Häuptling Ariovist bitten, der ihnen zunächst gegen die Aduer geholfen, dann aber sie selbst unterworfen und bedrückt hatte. Rechts oben nimmt Cäsar die Schlüssel einer gallischen Stadt (Sens?) entgegen.
2. Teppich:
a) Cäsar siegt über den Sueben Ariovist. Er ersticht eigenhändig einen vornehmen Reiter, der als Connabre bezeichnet ist. Oben steigt Ariovist in ein Schiff, um über den Rhein nach Deutschland
zurückzukehren.

b) Cäsar kommt mit Schiffen nach Britannien und dringt in eine Stadt ein.
3. Teppich:
a) Cäsar zieht (49 v. Chr.) gegen Pompejus, der sich zum Alleinherrscher machen wollte, und überschreitet den Fluss Rubikon, welcher die Grenze
des eigentlichen Italiens bildete, das ein Feldherr ohne besondere Erlaubnis des Senats nicht mit einem Heer betreten durfte. Umsonst mahnt ihn die aus dem Fluss auftauchende Göttin Roma davon
ab.

b) Cäsar erringt (48 v. Chr.) bei Pharsalos in Thessalien einen glänzenden Sieg über Pompejus.
4. Teppich:
a) Cäsar (47 v. Chr.) zieht im Triumph in Rom ein.
b) Mitten im Senat wird Cäsar (44 v. Chr.) durch Brutus und Cassius erdolcht.
Die Zeichnungen wie auch die Texte weisen auf einen Künstler aus dem französischsprachigen Teil Flanderns hin. Die prächtige Wirkerei stammt vermutlich aus einem der berühmten Hautelisse-Ateliers in Tournai, wo Philipp der Gute seine kostbarsten Teppiche mit den Geschichten Gedeons, Alexanders, Trojas und der Passion anfertigen ließ.
Der frühere Besitzer oder Donator der Teppiche ließ am Rand jedes Teppichs zweimal sein Wappen aufnähen. Es zeigt auf goldenem Grund einen blauen gezackten Schrägbalken mit silbernem Stern auf der Schulterstelle. Dieses Wappen hat keinen Bezug zu den Herzögen von Burgund und gehört dem Haus de la Baume-Montreval, ausgezeichnet durch den Stern.

Dem genannten Hause gehörte seit 1403 die Herrschaft Illens (Illingen) bei Freiburg. Beim Ausbruch des burgundischen Krieges plünderten die Berner und Freiburger das dortige Schloss. Das noch vorhandene Inventar der daselbst behändigten Gegenstände enthält aber keine Teppiche.
Dagegen befanden sich unter den Paramenten, welche das Domkapitel von Lausanne 1537 an Bern übergeben musste, laut dem Inventar vom September 1536 „die großen Tapisserien, die man auf beiden Seiten über die Chorstühle zu hängen pflegt, vier große Stücke an der Zahl, worauf die Geschichte Cäsars dargestellt ist, mit dem Wappen von Erlens“. Zahl, Größe und Gegenstand dieser Teppiche stimmen vollkommen mit den in Bern noch vorhandenen überein.
Der Umstand, dass die von Bern in Lausanne zu Händen genommenen Teppiche das Wappen von Erlens, d. i. Illens, trugen, spricht nicht gegen die Identität mit den erhaltenen. Die Verfasser des Inventars von 1536 benannten das Wappen einfach nach der Herrschaft, anstatt nach der Familie des Besitzers, da, wie bereits bemerkt, die Herrschaft Illens bei Freiburg dem Hause de la Baume gehörte.
Eine Vergleichung der Maße der bernischen Tapeten mit dem noch vorhandenen Grundriss des 1827 entfernten Kapitelschores im Dom von Lausanne ergab, dass dieselben in diesem genau Platz fanden.
Nach dem angeführten Verzeichnis waren noch andere Gegenstände des Lausanner Domschatzes mit dem gleichen Wappen bezeichnet wie die Cäsarteppiche, nämlich zwei Chormäntel und ein blaues Tuch.

Fragen wir nach demjenigen Glied des Hauses de la Baume, von dem diese Gegenstände in den Domschatz von Lausanne und aus diesem nach Bern gekommen sind, so dürfen wir im Voraus nicht an Peter de la Baume denken, der 1522 Bischof von Genf geworden, 1533 sich nach Annecy zurückgezogen hatte und 1542 Erzbischof von Besançon wurde. Ihn hätten die Verfasser des Inventars von 1535 mit anderen Worten genannt. Die ungenaue Angabe deutet auf eine bereits etwas in den Hintergrund getretene Persönlichkeit.
Eine solche – und doch eine hervorragende – war Wilhelm de la Baume, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Herr von Illens, Attalens und Arconciel war. Er trat, wie Jakob von Romont, in den Dienst Karls des Kühnen, folgte diesem 1469 zur Belagerung von Lüttich und wurde dessen Kammerherr und Hofrat. Darum nahmen die Freiburger und Berner beim Ausbruch der Burgunderkriege sein Schloss ein. Er war dann bei Grandson und kommandierte bei Murten das erste Armeekorps. Nach dem Tod Karls des Kühnen begleitete er im Auftrag des Herzogs Maximilian die kinderlos gebliebene Witwe in ihre englische Heimat zurück, wurde durch Maximilian zum Gouverneur der Bresse, sodann 1481 zum Ritter des Goldenen Vlieses ernannt und starb 1490 ohne Nachkommen. Zu seiner Person passte die Auszeichnung seines Familienwappens durch einen Stern.
Der am 14. Dezember 1475 in Paris als Verräter enthauptete Louis von Luxemburg, Graf von St. Pol, hinterließ schöne Teppiche, darunter „vier Saalteppiche mit der Geschichte Cäsars“. In seine Güter teilten sich der König Ludwig XI. von Frankreich und der Herzog Karl der Kühne. Letzterer verfügte über die in Douai und Escaudœuvres vorgefundenen Teppiche des Grafen. Einen dieser Teppiche schenkte er seiner Gemahlin. Es wäre nun gar wohl möglich, dass die vier Saal-, also sehr großen, Teppiche dem getreuen Diener Wilhelm de la Baume geschenkt worden und dann nach Lausanne gekommen wären.

Quelle: Der Paramentenschatz im historischen Museum zu Bern in Wort und Bild : im Auftrage der Aufsichtskommission des Museums. Bern, 1895.
