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Noch ein Beitrag in der Fringia-Frage

Von Dusan von Preradovic, kaiserl. und königl. Fregattenkapitän in Pola.1

 

Ich neige auch zu der Ansicht hin, dass das auf Säbelklingen des 16. und 17. Jahrhunderts häufig auftretende Wort «Fringia» höchstwahrscheinlich türkischen Ursprungs sei und füge hinzu, dass es auch bei den Südslawen, hauptsächlich bei den Kroaten und Serben, nicht unbekannt ist. Als unverdächtigen Zeugen hierfür führe ich das von der «Südslawischen Akademie in Agram» herausgegebene Lexikon der kroatischen oder serbischen Sprache an. Im III. Band (S. 71) dieses monumentalen Wörterbuches wird für das Wort «Frendija» (lies Frendschija) folgende Erklärung gegeben: «Frendija» fern, im Volksliede unserer Zeit für die Bezeichnung eines Turmes gebraucht, türkisch firengi d. i. fränkisch, europäisch, also ein Turm nach europäischer, westländischer Art gebaut. Beispiel: Vjerne sluge kona prihvatise, zeta vode na frendiju kulu (oder zu Deutsch: Die treuen Diener ergriffen das Pferd, den Schwiegersohn führten sie zum fränkischen Turm).

 

Soweit das Wörterbuch. Natürlich ist hier nur ein Beispiel von Tausenden geboten. Ich bin überzeugt, dass, wenn man sich der Mühe unterziehen wollte, die sehr zahlreichen kroatischen und serbi schen Heldengesänge und Volkslieder auf das Wort «frindija» oder «frendija» zu untersuchen, man auch auf Zusammenstellungen wie frendija sablja (Säbel nach fränkischer, europäischer Art erzeugt) usw. stoßen würde.

 

Diese kleine auf das Gebiet der Sprachwissenschaft weisende Andeutung kann uns vielleicht als Fingerzeig dienen, den türkischen Ursprung des in Rede stehenden Wortes festhaltend, dass es nicht sowohl von Osmanen, als vielmehr von südslawischen Mohammedanern in Türkisch-Kroatien, Bosnien, der Herzegowina usw., aus dem türkischen firengi, dem slawischen Lautgesetz folgend, Konsonanten zu häufen, gebildet wurde.

 

Das Wort «fringia» kann meiner Anschauung nach folgende Entstehungs- bzw. Verbreitungsgeschichte gehabt haben: Bei südslawischen Mohammedanern mag im 16. Jahrhundert oder auch früher, eine erst noch nachzuweisende Säbelklingen-Gattung westländischer Provenienz besonderen Anwert gefunden haben, die, um von anderen Säbeln unterschieden zu sein, von ihnen speziell frindija (fringia), d. i. die Fränkische (da sablja, der Säbel, im Kroatischen femininum ist) genannt werden mochte. Die mit diesen Mohammedanern in Kontakt kommenden Nachbarn: Kroaten, Serben, Ungarn dürften nach und nach vom namhaften, geschätzten Fringia-Säbel gehört und mit der Zeit, ganz übersehend, dass es sich ja eigentlich hierbei nur um einen aus Europa stammenden oder einen solchen nachgebildeten Säbel handle, den faszinierenden Namen Fringia für derlei Waffen aufgegriffen und ihn für den leichtgekrümmten Säbel bei sich eingebürgert haben.

 

Um aber gewiss dieser Waffe den Stempel des Exotischen unvergänglich aufzudrücken, mag sie vielfach, jedoch wohlgemerkt, da für den eigenen Gebrauch bestimmt, nur in lateinischen Lettern mit der Klingenaufschrift «Fringia» usw. versehen worden sein.

 

Dies ist eine Hypothese, wie manche anderen in dieser Frage. Sie hat vielleicht das Eine für sich, dass auf das tatsächliche Vorkommen des vielgedeuteten Wortes im Volksepos der Südslaven mit Bestimmtheit hingewiesen werden kann.

 

1 Dass die Fringia Klingen noch einmal in fernen Jahrhunderten, wenn auch nur in einem unblutigen Kampf, geschwungen werden würden, hat sich der Klingenschmied, den wir noch immer nicht dingfest machen konnten, um ihm seine Herkunft und noch manches andere abzufragen, nicht träumen lassen. Aber zu eifrig wird ihm nachgespürt, als dass es auf die Dauer dem Geheimnisvollen gelänge, uns immer wieder, wenn wir ihn zu halten glauben, zu entschlüpfen. Ein Rätsel wenigstens scheint mir jetzt gelöst: der Name Fringia wird sicherlich so zu deuten sein, wie Herr Dr. Erben es vorschlug. Die letzten Zweifel, die vielleicht noch der oder jener gehabt haben mag, müssen den Auseinandersetzungen gegenüber, die ich hier den Lesern zu bieten in der glücklichen Lage bin, verschwinden. Möchten sich auch die anderen Fragen bald in befriedigender Weise beantworten lassen! Jeder, der Tatsächliches beisteuern kann, sei willkommen! Denn eine junge Wissenschaft, wie die historische Waffenkunde, ist vor allem zu erschöpfender Bearbeitung von Aufgaben verpflichtet, über die Meinungsverschiedenheiten herrschen, schon damit sie beweist, wie heiß und ehrlich ihr Ringen um die Wahrheit ist. Das mögen die Leser bedenken, die vielleicht schon ängstlich seufzten: Fringia und kein Ende! Die Schriftleitung.


Weiteres zur Fringia-Frage.

 

Die Frage der Deutung der rätselhaften Klingeninschrift «Fringia» dürfte wohl durch die beiden Aufsätze Erbens endgültig entschieden sein. Trotzdem wird noch jeder weitere Beitrag zur Klärung nicht unwillkommen erscheinen, und so sei hier eine Tatsache mitgeteilt, die bisher in der Zeitschrift nicht berührt wurde.

 

Wenn auch, wie Petzsch meint, das Vorkommen europäischer Klingen in türkischer Säbelmontierung eine Seltenheit ist, so gilt dies doch ganz sicher nicht für das ganze islamische Gebiet. Namentlich trifft man in Indien, das mit die besten Klingen im Orient fabrizierte, sehr oft europäische Klingen. Egerton,1 der das umfangreichste Material zu diesem Gegenstand beigebracht hat, führt eine Menge derartiger Klingen an. Besonders interessant ist für uns nun seine Angabe unter Nr. 523, dass eine Art Schwerter FARANG und FIRENGI genannt wurden, weil sie von Portugiesen («Firingis») eingeführt waren.2 Der Bezeichnung FIRANGI begegnen wir bei Nr. 579, bei Nr. 537, 538 dem zusammengesetzten Namen FARANGKATTI.

 

Sehr wichtig wird in diesem Zusammenhang auch die (Seite 21) aus Babers (1483—1530) eigenhändig geschriebenem Babeernamele geschöpfte Benennung FERINGIHA für die grobe Artillerie. Egerton teilt weiter mit, dass die Farang- oder Firengi-Schwerter hauptsächlich von hochgestellten Personen getragen wurden und immer sehr geschätzt waren, und die gleiche Rolle wird unsere vielumstrittene Klingenart in den dem Abendland näher liegenden Teilen des islamischen Kulturgebietes gespielt haben. Wenn dabei keine einheitliche Wiedergabe des Wortes festzustellen ist, so scheint damit die Annahme an Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, dass es nur als Qualitätsbegriff, ohne dass dabei weiter an die ursprüngliche Bedeutung gedacht wurde, im Allgemeinen und so natürlich auch von den Ungarn gebraucht wurde. Wäre das richtig, so würden sich auch die Schwierigkeiten leicht lösen, die Petzsch in der Form des Wortes und in den lateinischen Buchstaben findet. Freiherr Rudolf von Cederström.

 

1Handbook of Indian arms. London 1880.

2Unter der gleichen Nummer werden nicht weniger als fünf Schwerter mit dem Namen FARANG aus anderen Sammlungen aufgezählt.

 



Quelle: Zeitschrift für Historische Waffenkunde. Organ des Vereins für historische Waffenkunde. II. Band. Heft 8. Dresden, 1900-1902.