· 

Entwicklung und Gebrauch der Handfeuerwaffen

Fig. 71. Eiserne Hakenbüchse im Historischen Museum zu Luxemburg.
Fig. 71. Eiserne Hakenbüchse im Historischen Museum zu Luxemburg.

Von k. u. k. Oberstleutnant P. Sixl in Kaschau.

(Fortsetzung.)

 

Die dritte Unterabteilung der ersten Hauptgruppe enthält

 

c) die eisernen Hakenbüchsen,

 

bei welchen der hölzerne Stangenschaft durch einen eisernen rückwärts eingesetzten Stab ersetzt ist. Diese eisernen Hakenbüchsen sind recht selten; hierher gehört eine Hakenbüchse im Historischen Museum zu Luxemburg.1 (Fig. 71.)

 

Die Hakenbüchse ist aus Schmiedeeisen; der Lauf ist 127 cm lang und rückwärts durch eine 79 cm lange, eingeschweißte Handhabe abgeschlossen; die Waffe samt Handhabe besitzt eine Länge von 206 cm. Die Handhabe selbst ist nach der linken Seite gebogen, so dass man mit der einen Hand die Hakenbüchse halten, mit der anderen entzünden und trotzdem über den Lauf visieren konnte. Das Kaliber beträgt 30 mm. Das Zündloch befindet sich oberhalb am Lauf und ist napfförmig. Auf 27 cm von der Mündung ist unterhalb am Lauf ein 7 cm langer Haken angeschweißt. Gewichtsangabe fehlt; nachdem dieselbe jedoch in Länge und Kaliber der Prager Büchse Fig. 70, Nr. 2 gleich ist, so dürfte diese Hakenbüchse nur um das Gewicht der Handhabe schwerer sein und 16—17 kg wiegen.

 

Die zweite Hauptgruppe umfasst nun alle großen Hakenbüchsen, das sind jene mittelgroßen Lot- und Steinbüchsen, welche als solche oben angeführt und jetzt mit dem Haken versehen werden, jedoch ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten, damit dieselben mit der notwendigen Beweglichkeit im Feldkrieg verwendet werden können. Die Konstruktion dieser großen Hakenbüchsen ist sehr verschieden; dieselben zeigen den Ringhaken bei den ältesten Stücken, später den angeschweißten eisernen Haken, sind aus Schmiedeeisen gearbeitet, später auch aus Bronze gegossen, haben teils den rückwärts eingesteckten hölzernen Stangenschaft, teils sind dieselben ganz geschäftet oder ganz von Eisen und endlich als Lot- oder als Steinbüchsen eingerichtet.

 

Eine der ältesten großen Hakenbüchsen befindet sich im Historischen Museum zu Luxemburg.2 (Fig. 72.)

 

1 Oberst v. Cohausen in den «Annalen des Vereines für nassauisch Altertumskunde» Bd. 18, 1883—84, 229 und T. IV.

2 Die genauen Angaben und Ausmaße erhielten wir durch freundliche Vermittlung des Herrn Professors Dr. N. van Werveke in Luxemburg, wofür wir an dieser Stelle wärmstens danken.

 

Fig. 72. Hakenbüchse mit Ringhaken im Historischen Museum zu Luxemburg.
Fig. 72. Hakenbüchse mit Ringhaken im Historischen Museum zu Luxemburg.

 

Dieselbe ist aus Schmiedeeisen und hat ein Gewicht von nahe 20 kg. Die Länge des Laufes beträgt 43,3 cm, die Länge der Seele 42,3, das Kaliber 50 mm, daher das Verhältnis des Kalibers zur Seelenlänge wie 1:8,5. Die Konstruktion des Laufes ist außen achteckig, recht gute Arbeit, die einzelnen Seiten des Achteckes scharf voneinander getrennt; der Lauf verjüngt sich wenig nach vorn. Diese letztere Erscheinung in Verbindung mit der kurzen Seele verweist diese Hakenbüchse in die Zeit der ersten Verbesserungen in der Erzeugung; man kann die Entstehungszeit in die ersten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts — also in die Zeit des Aufkommens des Hakens — verlegen. Der äußere Durchmesser des Laufes an der Mündung beträgt 8,2 cm, am rückwärtigen Ende 11 cm. Das Zündloch ist oberhalb, 17,5 cm vom hinteren Laufende entfernt, trichterförmig und mit scharfem Rand.

 

Auf 13 cm vom hinteren Laufende wird der Lauf von einem starken, bandartigen Eisenring umfasst; derselbe ist 6 cm breit, 3 cm dick und an den Lauf angeschweißt. Nach unten schießt dieser Ring in einen 9,8 cm langen Haken zusammen, welcher in eine nach rückwärts gebogene Spitze endigt; die Dicke des Hakens beträgt knapp unter dem Lauf 10,5 cm, unterhalb an der Spitze 2,5 cm. Mit diesem Ringhaken aus einem Stück gearbeitet sind zwei lange Eisenklammern, welche nach rückwärts spitz verlaufen; von diesen ist nur die obere ganz erhalten und 53 cm lang, die untere ist zur Hälfte abgebrochen. In den Klammern befinden sich noch 5 Nägel mit platten Köpfen, welche offenbar zur Befestigung des stangenartigen Schaftes dienten. Dieser Schaft ist nicht vorhanden, wurde jedoch augenscheinlich von rückwärts an den Lauf angeschoben und sodann befestigt.

 

Am hinteren Laufende befindet sich ein kleiner runder Ansatz von 3 cm Durchmesser, welcher 1 cm über das Laufende hervorsteht. Es lässt sich nicht feststellen, ob dieser Ansatz mit dem Lauf aus einem Stück gearbeitet ist, oder ob derselbe einen eingeschweißten Eisenkern darstellt. Der Fundort dieser Hakenbüchse ist die Bastion S. Just der alten Festung Luxemburg (1877).

 

Eine andere eiserne Hakenbüchse, welche aber als Steinbüchse eingerichtet ist, befindet sich im Germanischen Museum zu Nürnberg.1 (Fig. 73.)

 

1 Vgl. «Quellen» 108 und Köller III, 1, 333.

 

Fig. 73. Stein-Hakenbüchse mit Ringhaken im Germanischen Museum zu Nürnberg.
Fig. 73. Stein-Hakenbüchse mit Ringhaken im Germanischen Museum zu Nürnberg.

 

Diese Hakenbüchse besteht aus drei Teilen, und zwar der Kammer, dem eigentlichen Lauf oder Flug und der stielartigen Handhabe.

 

Die Kammer ist aus einem Stück Eisen geschmiedet, 26 cm lang und besitzt 6 cm Kaliber. Die Konstruktion der Kammer ist zylindrisch, außen glatt, in die hintere Öffnung ist die stielartige Handhabe eingeschweißt. Das Zündloch befindet sich rechts und rückwärts an der Kammer; durch einige Schläge in das heiße Eisen wurde unter dem Zündloch eine Pfanne herausgetrieben. Der eigentliche Lauf oder Flug ist aus einer der Länge nach zusammengerollten und geschweißten Eisenplatte um den Dorn geschmiedet und durch fünf einander dicht berührende 10 cm breite Eisenringe verstärkt. Der hinterste Ring ist nach unten mit den beiden Enden zu einem 12 cm langen Haken zusammengeschweißt, ähnlich wie bei Fig. 62 und 70. Der eigentliche Lauf oder Flug ist 50 cm lang, hat ein Kaliber von 12 cm und ist an der Mündung verstärkt.

 

Diese Hakenbüchse war offenbar als Steinbüchse konstruiert; die dazu gehörige Steinkugel hatte ein Gewicht von 1,9 kg oder 4 Pfund; die Pulverladung würde bei 3/5 Füllung der Kammer 0,414 kg betragen. Ein zweites gleiches Exemplar befindet sich im Fürstlichen Zeughaus zu Schwarzburg.

 

Die Entstehungszeit dieser beiden Haken-Steinbüchsen muss nach der ganzen Konstruktion in das erste Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts verlegt werden. Hatte man hier nur den Ringhaken, so zeigen die folgenden nach Konstruktion und Einrichtung augenscheinlich jüngeren Hakenbüchsen den eigentlichen angeschweißten Haken, wie derselbe auch in der ersten Hauptgruppe festgestellt wurde. Hierher gehört eine Hakenbüchse im Städtischen Museum zu Zittau.1 (Fig. 74.)

 

1 Die genauen Abmessungen sowie die photographischen Abbildungen erhielten wir durch die freundliche Vermittlung des Herrn Professors Dr. Th. Gärtner, Stadtbibliothekar in Zittau; wofür wir den verbindlichsten Dank sagen.

 

Fig. 74. Eiserne Hakenbüchse mit Stangenschaft im Städtischen Museum zu Zittau.
Fig. 74. Eiserne Hakenbüchse mit Stangenschaft im Städtischen Museum zu Zittau.

 

Der Lauf ist aus Schmiedeeisen, hat eine Länge von 122,4 cm und endigt nach rückwärts in eine 18 cm lange Tülle. Der äußere Durchmesser an der Tülle beträgt 8,4 cm, sodann verengt sich der Lauf, wird in der Nähe des Zündlochs wieder stärker, 8,2 cm, verjüngt sich in unregelmäßiger Weise wieder bis zum Haken, 6,2 cm, und erreicht an der Mündung die größte Weite, 8,6 cm. Die Seele ist 95,8 cm lang, dieselbe ist gegen die Mündung hin erweitert, der Durchmesser der Seele beträgt am Boden 35,5 mm, an der Mündung 40 mm, daher das Verhältnis des Kalibers zur Seelenlänge 1:26.

 

Das Zündloch befindet sich oberhalb, ist muldenförmig mit verschließbarem Deckel; dieser fehlt, jedoch der Stift, um welchen der Deckel drehbar war, ist noch vorhanden. Der Haken ist abgebrochen; derselbe befand sich 9,7 cm unterhalb des Laufes, 9,7 cm von der Mündung. Rückwärts ist ein stangenartiger ca. 50 cm langer hölzerner Schaft eingesteckt. Das Gewicht der ganzen Waffe samt Schaft beträgt 30,75 kg.

 

Die Entstehungszeit dieser Hakenbüchse muss in das zweite oder dritte Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts verlegt werden.

 

Im Städtischen Museum zu Zittau befindet sich noch eine zweite Hakenbüchse von ähnlicher Konstruktion. (Fig. 75.)

 

Fig. 75. Bronzene Hakenbüchse mit Stangenschaft im Städtischen Museum zu Zittau.
Fig. 75. Bronzene Hakenbüchse mit Stangenschaft im Städtischen Museum zu Zittau.

 

Diese Hakenbüchse ist aus Bronze gegossen. Schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts wurden Büchsen aus Bronze gegossen, wie mit Gewissheit aus den Inventarien des Deutschen Ordens nachgewiesen wurde; in Nürnberger Ausgaben wird schon für das Jahr 1378 Kupfer für Büchsen verrechnet. Die Länge des Laufes samt Tülle beträgt 7,5 cm; die Tülle ist beiläufig 10 cm tief. Die Seele besteht aus einer Kammer und einem weiteren Flug; die Länge der Kammer beträgt 19,6 cm, der innere Durchmesser derselben hinten 17 mm, vorn 18 mm. Die Länge des Flugs beträgt 43,4 cm, der innere Durchmesser hinten 21,5 mm, vorn 22,5 mm; die Mündung ist flach ausgetrichtert.

 

Trotz dieser inneren Einrichtung ist diese Hakenbüchse keine Steinbüchse, sondern schon mit Rücksicht auf das Kaliber eine Lotbüchse; dem Kaliber von 21 mm würde eine Bleikugel von 0,048 kg entsprechen.

 

Die äußere Form des Laufes ist glatt, gegen die Mündung hin sich verjüngend, mit ringartiger Verstärkung an der Mündung und knapp hinter dem Zündloch.

 

Das Zündloch befindet sich oberhalb, ist 6 mm breit, mit einer ringförmigen, nahezu runden leistenförmigen Verstärkung.

 

Der Haken ist unterhalb am Lauf 42 cm von der Mündung entfernt angesetzt, derselbe sitzt schräg zur Seelenachse, ist 6 cm breit und ca. 10 cm lang. Das Gewicht der ganzen Waffe, mit dem rückwärts eingesteckten Stangenschaft, beträgt 16,75 kg; der Schaft ist augenscheinlich jüngeren Datums. Man könnte dem Gewicht nach auch die Nr. 4, 5, 8 und 13 (Fig. 66) in diese Hauptgruppe verlegen; die Grenze des Gewichtes lässt sich nicht genau feststellen; wohl lässt sich annehmen, dass bei Hakenbüchsen von 15 kg aufwärts nur im Notfall ein Mann zur Handhabung genügte und dass von 20 kg aufwärts unbedingt ein zweiter Mann nötig war, wenn die Verwendung nicht auf Mauern, sondern auf Unterlagen im freien Feld stattfinden sollte. Eine große geschäftete Hakenbüchse befindet sich im Museum des Königreiches Böhmen zu Prag. (Fig. 76.)

 

Fig. 76. Bronzene Hakenbüchse im Museum zu Prag.
Fig. 76. Bronzene Hakenbüchse im Museum zu Prag.

 

Dieselbe besteht aus dem Lauf und dem Schaft. Der Lauf ist aus Schmiedeeisen, außen sechskantig; im vorderen Teil befindet sich die Kante, im hinteren Teil die Seitenfläche oberhalb. Der Lauf ist rückwärts verstärkt, verjüngt sich nach vorn gegen die Mündung und hat daselbst eine schmale ringartige Verstärkung. Oben am Lauf befinden sich die zwei Visierpunkte, vorn am ringartigen Rand ein aufgetriebenes Korn, rückwärts ein aufgesetztes Absehen mit Einschnitt. Das Zündloch befindet sich rechts seitwärts, hat eine längliche, offenbar angeschweißte Pulverpfanne, ohne Deckel. Knapp hinter dem Absehen ist eine muldenförmige Vertiefung; es ist möglich, das hier schon ein Zündloch war, welches später verstopft wurde.

 

Unterhalb am Lauf befinden sich drei Öhre, welche offenbar zur Verbindung von Lauf und Schaft dienten.

 

Die Länge des Laufes beträgt 100 cm, die Länge der Seele 94 cm, das Kaliber 30 mm, daher das Verhältnis des Kalibers zur Seelenlänge 1:31. Unterhalb vorn an der Mündung ist ein ca. 12 cm breiter und 10 cm langer Haken mit großem runden Loch in der Mitte angeschweißt; das Loch steht über den Schaft hervor und ist vollkommen sichtbar.

 

Der Schaft ist original, groß, massiv mit geradem blockartigen Kolben, wie derselbe im Cod. 734, München (Fig. 33) und im Landshuter Zeughausinventar unter «Alt Hagknpuchsen» (Fig. 49) nachgewiesen wurde.

 

Hervorzuheben ist, dass auch der Kolben ein von der Seite quer durchgehendes Loch besitzt; es ist, mit Rücksicht auf das große Gewicht dieser Waffen, der Zweck dieses Loches sowie jenes im Haken nur in der Weise zu erklären, dass zur besseren Handhabung, sowie auch zur Erleichterung beim Tragen auf kurze Strecken Eisenstangen durchgesteckt wurden.

 

Die Verbindung zwischen Schaft und Lauf ist durch drei Querbolzen und zwei Eisenbänder hergestellt. Der Lauf war mit Mennig, der Schaft schwarz angestrichen.

 

Als besonderes Zeichen ist rückwärts am Lauf eine große Rosette in rohen Umrissen eingraviert. Die ganze Länge der Waffe beträgt 140 cm, das Gewicht 36 kg. Dem Kaliber von 30 mm entspricht eine Bleikugel von 0,14 kg.

 

Die Entstehungszeit dieser Hakenbüchse dürfte um die Mitte des 15. Jahrhunderts zu suchen sein. Endlich sei noch der Vollständigkeit halber eine Hakenbüchse vorgeführt, welche dem Gewicht nach zu den mittelschweren Hakenbüchsen, der Konstruktion nach zu den geschäfteten Hakenbüchsen gerechnet werden muss. Die Ausführung des Laufes verweist dieselbe jedoch in den Beginn des 16. Jahrhunderts, in die Zeit des Kaisers Maximilian I., in welcher die Technik schon bedeutend vorgeschritten war. (Fig. 77.)

 

Fig. 77. Eiserne geschäftete Hakenbüchse im Museum zu Prag.
Fig. 77. Eiserne geschäftete Hakenbüchse im Museum zu Prag.

 

Der Lauf ist aus Bronze, 83 cm lang und 12 kg schwer. Derselbe verjüngt sich nach vorn und hat an der Mündung eine breite, achtkantige Verstärkung; oberhalb am Mündungskopf befindet sich ein längliches Korn, welches mit dem Lauf aus einem Stück erzeugt, also weder angelötet noch eingeschoben ist. Am hinteren Ende des Laufes, ebenfalls mit diesem aus einem Stück erzeugt, befindet sich ein Absehenstöckel, welches oben gespalten ist und an der hinteren Seite ein muldenförmiges, nach vorn sich verengendes Visierloch besitzt. Das Zündloch befindet sich rechts, hat Zündpfanne und Deckel; der letztere fehlt, der Stift ist jedoch noch vorhanden.

 

Unterhalb, beiläufig in der Mitte des Laufes, befindet sich ein breiter großer Haken mit rundem Loch nahe am Laufe; dieses, sowie das unterhalb am rückwärtigen Laufende angebrachte Öhr dienen zur Verbindung von Schaft und Lauf. Die Länge der Seele beträgt 78 cm, das Kaliber 20 mm, daher das Verhältnis des Kalibers zur Seelenlänge 1:39, dem Kaliber entsprachen Bleikugeln von 0,04 kg Gewicht.

 

Oben vor dem Absehen ist folgende Marke: drei Rosetten, darunter ein Schild mit Fuchs und Stern. Die vorliegende Hakenbüchse wurde bei Karlstein in Böhmen gefunden. Eine ähnliche Büchse befindet sich im Germanischen Museum zu Nürnberg und ist mit 1550—1560 datiert,1 zwei ganz gleiche im Stiftsmuseum zu Klosterneuburg, zwei auf Schloss Kreuzenstein usw.

 

Durch die Fortschritte der Waffentechnik und durch die zunehmende Verbesserung des Pulvers wurde die Wirkung der eigentlichen Handbüchsen gegen Ausgang des 15. Jahrhunderts immer mehr und mehr verbessert, so dass mit der Zeit Handfeuerwaffen von der Größe der Hakenbüchsen entbehrlich wurden. Wohl waren die Handbüchsen noch immer so schwer, dass der Anschlag aus freier Hand, wie denselben der Feldkrieg forderte, den Schützen bald ermüdete und dieser daher eine Stütze oder Unterlage notwendig hatte, allein das Abschießen konnte schon ohne Haken erfolgen, da der Rückstoß für die geforderte Wirkung erträglicher wurde. Der für das 15. Jahrhundert charakteristische Haken reicht noch hinüber in das erste Viertel des 16. Jahrhunderts; dieselben sind noch zahlreich in den Zeugbüchern und Waffeninventarien des Kaisers Maximilian I. enthalten, in welchen jedoch gleichzeitig schon die Handbüchsen in bedeutend numerischer Überzahl vorkommen.

 

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts werden die eigentlichen Hakenbüchsen von den Handbüchsen vollkommen verdrängt, dieselben verlieren ihre einstige Bestimmung bei der Verwendung im Feldkrieg und bleiben nur mehr als Ausrüstungsstück von Schlössern und befestigten Plätzen erhalten.

(Fortsetzung folgt.)

 

1 Vgl. «Quellen» 115 und T. B. VIII.


Quelle: Zeitschrift für Historische Waffenkunde. Organ des Vereins für historische Waffenkunde. II. Band. Heft 3. Dresden, 1900-1902.