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Sphragistisches System

von F.-K. Fürsten zu Hohenlohe Waldenburg.

 

C. P. Lepsius hatte angefangen, in den „neuen Mitteilungen des Thüringisch-Sächsischen Vereins“ für 1842[A] unter dieser Aufschrift eine Reihe von Abbildungen merkwürdiger Siegel mit erklärendem Text mitzuteilen, um, wie er sagte, „auf das vielseitige Interesse der Siegel für die Kunstgeschichte, sowie für die Altertumskunde im Allgemeinen durch einzelne Beispiele aufmerksam zu machen.“

 

Mit Recht warf er in der Einleitung die Frage auf: „Wie mag es kommen, dass bei dem so allgemeinen Interesse unserer Zeit an geschichtlichen und antiquarischen Forschungen, sowie an den Denkmalen mittelalterlicher Kunst und Lebensweise von allen dahin abzweckenden Studien gerade eins der anziehendsten und fruchtbarsten, die Siegelkunde, so sehr vernachlässigt worden ist, dass wir uns nach einem, dem Standpunkte wissenschaftlicher Kunstbildung unserer Zeit entsprechenden, das Ganze der Sphragistik umfassenden Werke vergebens umsehen?“

 

Ganz treffend bezeichnet er sodann den vielseitigen Wert der Sphragistik mit den Worten: „Die Siegelkunde darf nicht bloß als historisch-diplomatische Hilfswissenschaft aufgefasst werden. Wenigstens ebensoviel gewährt dieselbe in kunstgeschichtlicher, sowie in vielfachen antiquarischen Beziehungen. Besondern Wert für die Kunstgeschichte gewinnen die Siegel dadurch, dass sie, in synchronistischer Zusammenstellung und chronologischer Folge, uns den Gang und die Richtung der Kunst- und Geschmacksbildung in allen ihren Stadien und Übergängen bezeichnen und gleichsam beurkunden.[B]...

 

Nicht geringere Belehrung gewähren die Siegel über den Wechsel der Zustände und Formen des öffentlichen und Privatlebens, sowie im Kostüm der verschiedenen Stände, im Ornat der Könige, Fürsten und höheren Geistlichen, in Rüstungen und Waffen aller Art etc. Selbst für das Studium der mittelalterlichen Bauarten ist aus den, auf den Siegeln vorkommenden Darstellungen von Kirchen, Portalen, Baldachinen, Tabernakeln und architektonischen Verzierungen Manches zu entnehmen, sowie auch von manchen längst untergegangenen Bauwerken, von denen sich sonst keine Abbildungen erhalten haben, deren ehemalige Gestaltung und Bauart aus alten Siegeln zu erkennen und nachzuweisen ist....

 

Nicht minder ergiebig erweisen sich die Siegel zur Bereicherung und Erläuterung der christlichen Kunstsymbolik und Ikonographie, insbesondere in den häufigen Darstellungen der Heiligen in den Siegeln der Stifter und Klöster, sowie überhaupt die Siegel, mit denen die Legende und Sage vielfach in Berührung treten. Am meisten wird durch die Siegel die Geschichte des Wappenwesens aufgehellt; es gibt keine älteren Überreste von wirklichen (heraldischen) Geschlechtswappen... Um den Wechsel der Schriftzeichen auf Denkmalen (Künstlerschrift, abweichend von der Urkunden- und Bücherschrift) chronologisch und landschaftlich vergleichend zu verfolgen, gewähren ebenfalls die Siegel die sicherste Anleitung, weil wir hier nicht, wie bei andern Schriftdenkmalen der Vorzeit, über den Zeitpunkt der Verfertigung in Ungewissheit sind.“

 

Obgleich seitdem wieder ein Vierteljahrhundert verflossen ist, obgleich der Wert der Siegelkunde mehr und mehr zur Geltung gelangt, und dieselbe den ihr gebührenden Platz unter den historischen Hilfswissenschaften bereits eingenommen hat, obgleich die Zahl ihrer Verehrer stets im Zunehmen begriffen ist,[C] und in der neueren Zeit sehr schätzbare Arbeiten auf diesem Gebiet geliefert worden sind, so haben wir doch auch heute noch den Mangel eines „das Ganze der Sphragistik umfassenden Werkes“ mit Lepsius zu beklagen.

 

Ein solches Werk ist aber, nach den Anforderungen, welche die wissenschaftliche Kritik bei dem gegenwärtigen Stand der historischen Forschungen im Allgemeinen an dasselbe zu stellen berechtigt ist, auch noch kaum zu erwarten. Denn, wie Melly — der die Siegel die Regulatoren und Stützpunkte der Kunstgeschichte nennt — bemerkt, „muss die Siegelkunde, damit sie fruchtbringend werde, vorerst in ihrem Material ergänzt und es müssen die einzelnen Siegel-Gattungen erst allseitig erforscht werden“[D].

 

Vorerst handelt es sich daher immer noch hauptsächlich um sphragistische Monographien, wobei die Ansicht Mellys möglichst festzuhalten ist, dass dieselben „im Einverständnis mit allen Gleichgesinnten“ zu bearbeiten sind, damit durch Verteilung der Arbeit und Gleichmäßigkeit der Methode der wissenschaftliche Gesamtbau schneller, sicherer und harmonischer hergestellt werden könne.

 

Hiezu ist aber vor allem die Aufstellung eines sphragistischen Systems — sowohl zur Einteilung der Siegel, als wie zu deren sicherer Bezeichnung — durchaus notwendig.

 

Der Mangel eines solchen und einer bestimmten sphragistischen Terminologie ist längst von vielen Seiten beklagt worden.

 

In Ermangelung eines andern brauchbaren, umfassenden und bereits allgemein angenommenen, erlauben wir uns, das von uns aufgestellte und seit zehn Jahren[E] erprobte sphragistische System allen Freunden der Siegelkunde hier aufs Neue vorzulegen und zu empfehlen. Von dessen allgemeiner Annahme verspricht sich auch u. A. unser gelehrter Freund, Freiherr von Schreckenstein, in seiner trefflichen Abhandlung: „Wie soll man Urkunden edieren?“ — namentlich wegen seiner Bündigkeit und Kürze, — einen nicht unbedeutenden Nutzen.

 

Ein solches System muss umfassend und doch dabei möglichst einfach sein. Beiden Anforderungen entspricht unser sphragistisches System.

 

Dasselbe umfasst alle nur erdenkbaren Gattungen von Siegeln, und alle lassen sich, meist mit Leichtigkeit[G], nach demselben einteilen und bestimmen.

 

Der Reihenfolge der vier Haupt-Gattungen ist so ziemlich die chronologische Ordnung der Einführung der verschiedenen Siegelgattungen zugrunde gelegt. Die Schrift-Siegel und die Bild-Siegel waren die ältesten Gattungen[H]; dann kamen die Porträt-Siegel[I] und zuletzt erst die Wappen-Siegel[J].

 

Es ist bekanntlich in mehrfacher Hinsicht höchst wichtig, wird aber leider nur zu oft versäumt, — Exempla sunt odiosa! — die Siegel mittelalterlicher Urkunden diplomatisch genau abzubilden und richtig zu beschreiben. Wenn aber auch Abbildungen davon mitgeteilt werden, was, wo möglich, (wenn auch nur in leichten Konturen) geschehen sollte, ist es doch wünschenswert, auch über Stoff und Farbe der Siegel und ihre Befestigungsart Nachricht zu erhalten.

 

Viele der bisher gebrauchten Bezeichnungen der Siegel sind nun aber nicht nur unlogisch und unrichtig, sondern auch viel zu unbestimmt, und somit die Ursache häufiger Missverständnisse.

 

Es ist doch gewiss unlogisch, die Siegel das eine Mal nach ihrer äußeren Form (Herz-, Schild-, Spitz-Siegel etc.), oder sogar nach der Fassung der Stempel (Ring-Siegel), oder nach ihrem Bild (Helm-Siegel) zu benennen, das andere Mal nach ihren Inhabern, und zwar in den verschiedensten Beziehungen zu deren Geschlecht und Stand (Damen-, geistliche, Majestäts-Siegel), zu der Art ihrer Darstellung (Reiter-, Fuß- und Thron-Siegel), und sogar zu der dem Siegel-Bild zugrunde liegenden Absicht (Votiv-Siegel).

 

Unrichtig sind doch gewiss die Bezeichnungen Majestäts- und Thron-Siegel, wenn sie, wie so häufig, von solchen gebraucht werden, wo von einer Majestät des Inhabers und einem Thron im Entferntesten nicht die Rede ist.

 

Wie kann man von einem Votiv-Siegel sprechen!

 

Ganz unbestimmt sind die Bezeichnungen Herz-, Schild- und Spitz-Siegel, da sie für ganz verschiedene Formen gebraucht werden. „Herz-Siegel“ sollte man doch nur diejenigen nennen, welche die im Leben gebräuchliche Herzform haben, während diese Bezeichnung auch von denjenigen dreieckigen Siegeln gebraucht wird, deren beide obere Ecken abgerundet sind.

 

Die Benennung „Spitz-Siegel“, welche man häufig den dreieckigen Siegeln gibt, könnte man ebenso gut auf die parabolischen Siegel anwenden, die man zuweilen „zweispitzige“ nennt.

 

Was soll man unter „Schild-Siegel“ für eine Form verstehen, da es Schilde von so verschiedenen Formen gegeben hat?

 

Man versteht gewöhnlich unter „Reiter-Siegeln“ alle diejenigen, auf denen ein Ritter zu Pferd dargestellt ist. Diese Bezeichnung ist aber gleichfalls unrichtig, da sie Gleichartiges trennt und Verschiedenartiges zusammenwirft.

 

Denn das „Porträt-Siegel“ einer Dame zu Pferd kann man doch nicht wohl als „Reiter-Siegel“ bezeichnen, obgleich es doch auch unter die „Porträt-Siegel“ (ohne oder mit Wappen) zu Pferd gehört.

 

Auch wird man das Siegel IV, A, 2 der Herzogin Elisabeth von Bayern aus dem Ende des 14. Jahrh., mit der Legende: S. elisabet. von. cleve. vnd. von. der. marchk. phalantzgrevyn. vnd. hertzogin. in. baieren. nicht als Reiter-Siegel bezeichnen wollen, weil ihr Gemahl in Turnierrüstung zu Pferd darauf abgebildet ist[K].

 

Eben so wenig kann man von „Reiter-Siegeln“ der Städte sprechen, auf denen — wie z. B. auf den Siegeln von Schwerin, Gießen, Wolfhagen, Marburg, Grevenstein u. A., — der Lehensherr zu Pferd abgebildet ist (was auf dem Schweriner Siegel durch die Legende: ✠ dux. henricus. et. sigillum. civitatis. zwerin. noch ausdrücklich angegeben wird). Diese Art von Städte-Siegeln gehört nun unter die „Bild-Siegel“ und sicher nicht unter die Porträt-Siegel.

 

So ließen sich noch viele Beispiele unrichtiger Bezeichnung der Siegel anführen.

 

Dass die äußere Form (die Kontur) der Siegel oder gar die Fassung der Stempel viel zu untergeordnete Momente sind, als dass darauf eine Klassifikation derselben gebaut werden könnte, versteht sich von selbst.

 

Aber auch eine Einteilung der Siegel nach ihren Inhabern — welche häufig angewendet wird — ist bei Aufstellung eines allgemeinen sphragistischen Systems nicht zu empfehlen. Denn hier handelt es sich hauptsächlich um die Siegel als solche, und weniger um ihre Inhaber.

 

Eine systematische Einteilung der Siegel nach ihren Bildern, wenn dieselbe den an sie zu stellenden Anforderungen vollkommen entspricht, d. h. wenn sie einfach, umfassend und logisch geordnet ist, wird aber auch für jede andere Einteilung der Siegel die sicherste Grundlage bilden.

 

„Der Zweck des Sammlers wird immer den Hauptgrund der Einteilung (einer Siegel-Sammlung) bilden“, sagt Melly (a. a. O.).

 

Je allgemeiner daher der Zweck ist, umso allgemeiner muss auch das System gehalten sein.

 

Bezeichnet man dagegen die zu beschreibenden Siegel mit den wenigen (römischen und arabischen) Ziffern und den paar (großen und kleinen) Buchstaben unseres Systems, mit Angabe ihrer äußeren Form, z. B.:

und fügt nur einige Worte über Farbe, Stoff und Befestigungsart hinzu — wobei man die weitaus zahlreichsten mittelalterlichen Siegel, die von runder Form, von ungefärbtem Wachs und mittels Pergamentstreifen angehängten, als die Regel annimmt, und diese Eigenschaften ein für alle Mal (als selbstverständlich) mit Stillschweigen übergeht[M] — so sind die Siegel auf eine ganz einfache und leichte Weise — sozusagen stenographisch — und gewiss deutlicher und bestimmter bezeichnet, als wie durch die weitläufigsten Beschreibungen nach der bisherigen unklaren und unbestimmten Terminologie.

 

Wenn z. B. bei sechs Siegeln durch nachstehende kurze Bezeichnungen:

ganz sicher angegeben ist, dass Nr. 1 eine viereckige, mit hänfenen Schnüren angehängte Blei-Bulle ist, auf welcher sich nur einzelne Buchstaben befinden; Nr. 2 ein dreieckiges, an ledernen Riemchen hängendes Bild-Siegel von ungefärbtem Wachs, mit dem Namen des Sieglers; Nr. 3 ein rundes, der Urkunde aufgedrücktes Siegel von ungefärbtem Wachs, mit dem Porträt des Sieglers in ganzer Figur, sitzend und ohne Wappen; Nr. 4 ein parabolisches Siegel von roter Malta, an grünseidenen Bändern hängend, mit dem Porträt seines Inhabers in ganzer Figur, stehend und mit dem Wappen; Nr. 5 ein herzförmiges Siegel, von grauem Wachs an Pergamentstreifen hängend, mit den Wappenhelmen im Siegelfeld; endlich Nr. 6 ein fünfeckiges Siegel, von rotem Wachs, an grünseidenen Fäden, mit dem vollständigen Wappen des Sieglers. So wird man doch gewiss zugeben müssen, dass unsere Methode vor der bisherigen Bezeichnung der Siegel — als kürzer und bestimmter zugleich — den Vorzug verdient.

 

Jeder Forscher wird sofort daraus erkennen, ob ein Siegel für seinen speziellen Zweck einen besonderen Wert hat; in welchem Fall er doch jedenfalls, um sicherzugehen, das Original selbst oder wenigstens einen guten Gypsabguss davon einsehen muss.

 

Unter dem Titel: „Sphragistische Aphorismen“ beabsichtigen wir in diesen Blättern eine Reihe von Abbildungen besonders interessanter mittelalterlicher Siegelstempel und Siegel[N] (unter fortlaufenden Nummern) mit kurzen Bemerkungen mitzuteilen, nebst verschiedenen Notizen[O] aus dem Gebiet mittelalterlicher Siegelkunde.

 

Wir hoffen, damit manchen Lesern einen Dienst zu erweisen und sie dadurch zu veranlassen, an die gegebenen Beispiele anknüpfend auch ihre Erfahrungen zu veröffentlichen.

 

So manche noch bestehende sphragistische, heraldische und andere Zweifel könnten auf diese Weise ihre endgültige Aufklärung finden.

 

Den zu besprechenden Siegeln werden wir ihre Bezeichnung nach unserem sphragistischen System beisetzen, in der Hoffnung, demselben, wenn es sich praktisch erweisen sollte, nach und nach allgemeinere Geltung zu verschaffen. Endlich erlauben wir uns, an alle Freunde der mittelalterlichen Siegelkunde die dringende Bitte zu richten, unser System ihrer Kritik zu unterwerfen und zu dessen Vervollkommung — welcher es sicher bedürftig, aber gewiss auch fähig ist — beizutragen.

 

Fußnoten:

[A] VI. Band, 3. Heft, S. 84–115.

[B] Hier verweist Lepsius auf die bekannten Werke von Kugler und ihren sphragistischen Teil.

[C] Es kommt glücklicherweise jetzt doch selten mehr vor, dass die Begriffe Siegel und Siegel-Stempel, Siegel und Wappen, Siegel-Bild und Wappen-Bild, Siegel-Feld und Wappen-Feld — selbst von Männern vom Fache — miteinander verwechselt werden. Bezeichnete doch Tucelius sogar das kleine Reichsbanner (parvum vexillum nach Ducange) Fig. 7 des Titelblattes seiner Electa jur. publ. cur. als: „Sigillum Ulrici comit. Würtenberg.“

Viele, wenn sie sich auch die Mühe geben, diese ganz verschiedenen Begriffe gehörig zu trennen, sind aber heute noch der Meinung, ein Siegel ohne Wappen hätte eigentlich gar keinen besonderen Wert, und manche Gelehrte halten es immer noch unter ihrer Würde, den Siegeln eine besondere Beachtung zu schenken, und betrachten die Sphragistik beinahe wie eine Art von Spielerei. Eine immer noch sehr empfindliche Folge der früheren Missachtung der Siegel ist die Schwierigkeit der Auffindung derselben in größeren Archiven; ein Verzeichnis der Siegel findet sich bis jetzt, leider! beinahe in keinem derselben. Möchte doch allenthalben darauf Bedacht genommen werden!

[D] S. dessen Beiträge zur Siegelkunde des Mittelalters. Wien, 1846.

[E] S. Correspondenzblatt von 1857, Nr. 11, S. 109–111.

[F] Unter die Bild-Siegel gehören alle jene, welche weder das Porträt noch das Wappen ihres Inhabers enthalten; also namentlich alle Siegel mit Heiligen- und mit symbolischen Bildern, mit architektonischen, historischen und anderen Darstellungen, und mit Devisen.

[G] Bei älteren Siegeln erheischt es allerdings zuweilen gründliche Forschungen, um mit Sicherheit bestimmen zu können, ob ein Siegel-Bild nicht ein wirkliches „Wappen-Bild“ war, da so viele Wappen gar nicht mehr bekannt, und manche verändert oder wenigstens bis zur Unkenntlichkeit travestiert worden sind.

Auch bei mittelalterlichen Städte-Siegeln hält es mitunter ziemlich schwer, zu bestimmen, ob ein auf denselben vorkommendes Wappen das eigentliche Stadtwappen ist, wenn dasselbe nicht gerade, was aber häufig der Fall, ein redendes ist.

Auf dem Siegel IV, A, 1 der Reichsstadt Dinkelsbühl von 1448 steht der Reichsadler auf drei mit Dinkel bewachsenen Hügeln. Die Reichsstadt Biberach führt auf ihrem Siegel IV, A, 2 mit der Jahreszahl 1533 rechts den Reichsadler, links einen gekrönten Biber.

Die ursprünglichen Herrschafts-Wappen wurden zuweilen später eigentliche Stadt-Wappen. So behielt z. B. die Stadt Bräunlingen den habsburgischen Löwen von 1317 auch unter fürstenbergischer und später unter badischer Oberhoheit in ihrem Siegel bei; wogegen die Stadt Geisingen seit 1489 neben dem Löwen ihrer früheren Herren, der Dynasten von Wartenberg, auch noch das fürstenbergische Wappen im Siegel führte.

[H] Erst in neuerer Zeit wurden wieder in Pompeji Siegelstempel ausgegraben, welche nur den Namen ihres Inhabers tragen.

Bild-Siegel kommen zwar gleichfalls schon in den ältesten Zeiten vor; allein, da die Schrift-Siegel auch zugleich die einfachsten sind, so haben wir mit diesen den Anfang gemacht. —

[I] Das wichtigste Bild auf einem Siegel ist das Porträt seines Inhabers. Sobald daher dieses darauf erscheint, gleichviel ob mit oder ohne Wappen oder andere Gegenstände, so gehört dasselbe unter die „Porträt-Siegel“.

Auf den „Porträt-Siegeln“ sollte aber immer der Name des Inhabers ausdrücklich angegeben sein, um den Charakter des Bildes als „Porträt des Sieglers selbst“ ganz sicher festzustellen. Wenn der Stempel eines „Porträt-Siegels“ nach dem Tod seines ursprünglichen Besitzers von einem Dritten wieder zum Siegeln gebraucht wird, so sind die damit gefertigten Siegel keine „Porträt-Siegel“ mehr, sondern „Wappen-“ oder bloße „Bild-Siegel“, je nachdem sie das Wappen des neuen Sieglers enthalten oder nicht.

[J] Nach dem Porträt des Inhabers steht an Bedeutung zunächst dessen Wappen. Wo also Ersteres fehlt, bestimmt das Letztere die Gattung des Siegels, wenn dasselbe auch neben allen möglichen anderen Darstellungen zuweilen anscheinend nur einen untergeordneten Platz einnimmt.

[K] Wir teilen nicht die Ansicht des Fragestellers im Correspondenzblatt von 1865, Nr. 5, S. 34, dass man es hier mit dem Porträt der Sieglerin zu tun habe.

[L] Wozu die Zeichen für den Druck in der entsprechenden Größe leicht gegossen werden können.

[M] Also, wenn es z. B. heißt: Siegel II, B; Siegel III, B, 3; Siegel IV, A, 1, so ist — neben der übrigen Bezeichnung dieser Siegel — zugleich auch angezeigt, dass alle drei Siegel von runder Form, in ungefärbtem Wachs und mittels Pergamentstreifen an die Urkunde angehängt sind.

[N] Vorzügliche Gypsabgüsse derselben sind durch Herrn Hofmaler Rosshirt in Öhringen billigst zu beziehen.

[O] Auch diese unter sich — zur leichteren Bezeichnung — mit fortlaufenden Nummern.


Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. Juni.