Ich weiß zwar nicht, ob das Wort „Soldat“ nicht schon früher in der deutschen Sprache eingebürgert war; aber mir begegnete es in der Bedeutung, wie es etwa jetzt verstanden wird, zum ersten Male im Jahre 1551. Damals wurde das spanische Kriegsvolk, das bisher in Schweinfurt gelegen hatte, nach Windsheim verlegt. Der dortige Rat ersuchte die Stadt Nürnberg, ihm jemand zu schicken, der der spanischen Sprache kundig wäre, wo möglich, den Michel Stresenreuter. Darauf antwortete Nürnberg unterm 7. März, Stresenreuter sei nie in der Stadt Nürnberg Diener, wohl aber „unser Soldaten einer“ gewesen. Vor zwei Jahren habe er seinen Abschied genommen, und jetzt halte er sich in der Gegend von Weißenburg auf. Dagegen könne man Windsheim den Hanns Kleindienst überlassen, der auch der spanischen Sprache kundig und mit dem Kriegsvolk und seinen Obersten wohl bekannt sei.
Dasselbe dürfte mit dem Wort „Prinzessin“ der Fall sein. Es ist mir nie vorgekommen, dass die Töchter deutscher Fürsten vor der Mitte des 16. Jahrhunderts mit diesem Wort bezeichnet wurden. Zum ersten Male fand ich es in einem Schreiben des Rats zu Nürnberg an seinen Syndicus Dr. Christoph Gugel, der im März 1550 wegen Erwerbung des Schlosses Hartenstein an den kurfürstlichen Hof zu Heidelberg abgesendet worden und den Auftrag erhalten hatte, behelfs Beschleunigung dieses Geschäftes die „Prinzessin“ mit 500 oder 1000 fl. zu verehren.
„Soldat“ und „Prinzessin“ haben sich meiner Ansicht nach unter Karl V. und Ferdinand I. aus dem Spanischen ins Deutsche eingebürgert, — jedoch alles salvo meliori (mit Vorbehalt eines bessern Urteils).
Nürnberg.
Quelle: Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Neue Folge. 13. Jahrgang. Nürnberg, 1866. April.
