Von M. v. Ehrenthal, Heidelberg.
Der Name dieses bedeutenden Plattners war in der historischen Waffenwissenschaft vor 25 Jahren noch gänzlich unbekannt. Über seine Lebensdaten und Familienverhältnisse haben erst während des letzten Jahrzehntes der Oberst a. D. Freiherr v. Grossschedel zu Aschaffenburg, ein Nachkomme des Meisters, und der Reichsarchivassessor A. Kalcher zu Landshut Material gesammelt, so dass nunmehr die Schaffensperiode Franz Grossschedels annähernd festgestellt ist. Hiermit zerfielen aber alle bisherigen Mutmaßungen über Werke von der Hand des Meisters, und Wendelin Boeheim vermochte in seinem bekannten Werk «Meister der Waffenschmiedekunst vom 14. bis ins 18. Jahrhundert» noch keine Arbeit Grossschedels aufzuführen.
Für diejenigen unserer Leser, denen die Literatur über den Meister1 nicht zur Hand ist, möge das Hauptsächlichste über dessen persönliche Verhältnisse hier Erwähnung finden. Franz war der Sohn des angesehenen Landshuter Bürgers Wolfgang Grossschedel, der nach Kalcher gleichfalls Plattner gewesen sein soll. Um 1550 trat der junge Grossschedel, dessen Geburtsjahr um 1520 anzunehmen ist, als Teilhaber in die Werkstatt des Plattners Sigmund Wolf, ebenfalls zu Landshut. Auffällig erscheint es, dass Franz, der etwas Tüchtiges gelernt hatte, sich nicht mit seinem Vater zu gemeinsamem Schaffen verband, wie dies zu jener Zeit im Handwerk allgemein Brauch war. Die Ursachen, warum dies nicht geschah, lassen sich heute nicht mehr ergründen; vielleicht beruht auch die Annahme Kalchers, dass Wolfgang Grossschedel ein Plattner gewesen sei, auf einem Irrtum.
Der Name Sigmund Wolf wurde zuerst von dem Vorstand der Real Armeria zu Madrid, dem Grafen Valencia de Don Juan, im brieflichen Meinungsaustausch bekannt gegeben. In den Akten der berühmten spanischen Sammlung wird nämlich wiederholt (1550, 1551 und 1555) ein Plattner Bolfe de Lancuete erwähnt, womit unzweifelhaft Sigmund Wolf gemeint ist. In der letzten Aufzeichnung, datiert vom 29. November 1555, befiehlt König Philipp II., dass dem Franz-Grossschedel und dem Meister Bolfe, seinem Plattner zu Lancuete, die Summe von 350 escudos in Gold gezahlt werden solle.2
Dass Wolf als der «Plattner» des Grossschedel bezeichnet wird, ist vielleicht so zu deuten, dass ersterer lediglich die Plattnerarbeit, letzterer aber auch deren dekorative Ausstattung, die Treibkunst und die Ätzmalerei, verstand. In diesem Umstand lag wohl auch eine der Ursachen, die den älteren Meister veranlassten, eine geschickte, jüngere Kraft als Teilhaber in seine Werkstatt aufzunehmen. Als dies geschah, war Meister Wolf schon ein alter Mann, dessen Schaffensperiode bis in das Jahr 1505 zurückreichen dürfte, vorausgesetzt, dass der in den Protokollen der Stadt zum ersten Mal genannte Plattner Sigmund mit Sigmund Wolf identisch ist. Dessen Geburtsjahr fiele hiernach schon in die Zeit zwischen 1475 und 1480. Er starb wahrscheinlich zu Ende des Jahres 1553, denn im folgenden Jahr übernimmt Wolfgang Grossschedel die Vormundschaft über Wolfs unmündige, wohl aus zweiter Ehe stammende Kinder.
Von jenem Zeitpunkt ab leitete Franz Grossschedel allein die bedeutende Werkstatt. Zu welchem Ansehen er alsbald gelangte, geht daraus hervor, dass er sich unter den Künstlern befand, die am Hofe des kunstsinnigen und freigebigen Herzogs Wilhelm V. verkehrten, und dass ihm, sowie seinem Bruder Johann Baptist durch Kaiser Maximilian II. mit Urkunde, datiert Augsburg, den 24. Mai 1566, der hergebrachte Adel3 bestätigt wurde.
Franz Grossschedel wird in den Archivalien der Stadt zum letzten Mal 1578 erwähnt; im Jahre 1581 ist bereits von seiner Witwe die Rede, sonach erfolgte sein Tod um 1580. Obgleich nun über unseres Meisters persönliche Verhältnisse mehr bekannt ist, als von manchem anderen zeitgenössischen Waffenschmiede, obgleich eine Reihe von namhaften Aufträgen, welche ihm zuteilwurden, festgestellt werden konnte, ist es doch, mit Ausnahme der im Königl. Historischen Museum zu Dresden bewahrten Harnischfragmente,4 bisher nicht gelungen, eine seiner Arbeiten aufzufinden.
Wie eingangs erwähnt, beginnt die Schaffensperiode Grossschedels mit denjenigen Arbeiten, welche er im Verein mit dem Plattner Sigmund Wolf an den Hof zu Madrid zu liefern hatte. Zwar wird Franz in den dortigen Akten nur einmal (1555) erwähnt; wir neigen indes der Annahme zu, dass er auch an den voraufgegangenen Aufträgen (1550 und 1551) mit tätig war, ja, dass der Eintritt in die Werkstatt Wolfs mit den Lieferungen für den spanischen Hof in unmittelbarer Verbindung stand. Dass noch heute Harnische von der Hand der beiden Landshuter Meister in der Armeria erhalten sind, möchten wir mit Bestimmtheit annehmen.
Leider hat man jedoch dort, und zwar schon im Inventar von 1594, die Plattner Wilhelm von Worms d. j. zu Nürnberg und Sigmund Wolf miteinander verwechselt, die Arbeiten des ersteren dem letzteren zugeschrieben, ein Irrtum, der sich bis in die jüngste Zeit fortgepflanzt hat. In dem Catálogo der Real Armeria zu Madrid vom Conde de Valencia de Don Juan (Madrid 1898) wird die Marke des Wilhelm von Worms d. j., ein W und eine «Rübe», konsequent dem Meister Sigmund Wolf zugeschrieben, obgleich schon stilistische Bedenken gegen diese Annahme sprechen. Denn die Arbeiten der Landshuter Plattner fallen in die Zeit zwischen 1548 und 1553, während die dafür gehaltenen Harnische Formen wie um 1560 aufweisen.
Als Arbeiten Sigmund Wolfs werden in der Armeria angesehen: Der Feldharnisch A 231, der Turnierharnisch A 232, die beiden Turnierharnische A 243 und 263, letzterer mit zugehörigem Rossharnisch, und endlich die Fußturnierharnische A 274 und 275. Sämtliche angeführten Objekte weisen angeblich die Marken auf, welche in dem Catálogo der Armeria auf S. 76, Fig. 50 abgebildet sind, also unzweifelhaft die Zeichen des Wilhelm von Worms d. j. Bevor aber der obwaltende Irrtum in der Armeria nicht behoben ist, wird man naturgemäß auf eine Lösung der Frage, welche Harnische dort unserem Meister zuzuschreiben sind, verzichten müssen, es sei denn, dass man selbst Gelegenheit hätte, der Sache an Ort und Stelle nachzugehen.
Ein weiterer Auftrag, der dem Franz Grossschedel seitens der Herzoge Albrecht V. und Wilhelm V. von Bayern zuteilwurde, ist durch Westenripder bekannt geworden. Nach dessen Ermittlung schlug unser Plattner für beide Herzöge sechs Panzer, für die er 1325 fl. erhielt. Einen der Panzer trug Herzog Wilhelm bei seiner Vermählung mit Renate von Lothringen im Jahre 1568. Hieraus geht, im Verein mit dem dafür gezahlten hohen Preis, hervor, dass es sich um bessere, mit Treibarbeit und Ätzmalerei reich verzierte Stücke, eventuell um eine sogenannte große Harnischgarnitur handelte. Auffällig ist der Ausdruck «Panzer», worunter man bekanntlich Kettengeflecht verstand, während doch hier ohne Zweifel Plattenharnische gemeint sind. Vermutlich ist das Wort «Panzer» nur irrtümlich anstatt der korrekten Bezeichnung Küriss oder Harnisch angewendet worden. Die Erhaltung der sechs Panzer bis auf die Gegenwart erscheint uns wahrscheinlich; es fragt sich nur, wohin sie gekommen sind.
Von Erfolg gekrönt waren die Nachforschungen nach denjenigen Harnischen, welche zufolge eines im Königl. Sächs. Haupt-Staatsarchiv bewahrten Schreibens des Herzogs Albrecht V., datiert Landshut am 14. März 1570,5 von dem Kurfürsten August von Sachsen bei unserem Meister bestellt worden waren. In dem angeführten Schreiben entschuldigt der Herzog seinen Plattner, dass er die ihm vom Kurfürsten aufgetragene Arbeit nicht sobald liefern könne, weil er zuvor für die Römisch Kaiserliche Majestät eine bereits begonnene Arbeit vollenden müsse. Hiermit im Zusammenhang steht eine Aufzeichnung im Inventar der Kurfürstl. Rüst- und Harnischkammer vom Jahre 1606, woraus hervorgeht, dass die Bestellung wirklich ausgeführt worden ist. Sie lautet wörtlich wie folgt:
Zween eissenfarbene geetzte Harnische, der eine zum Ballien-, der andere zum Frey-Rennen, welche der alte hochlöbliche in Gott ruhende Herzogk Augustus, Churfürst zu Sachsen, zu Landshut hat schlagen lassen; Und gehören zum Ballien Kürifs Rücken und Brust, Armbzeugk, Spangeröll, Handschuh, lange Beindaschen mit Kniebuckeln, Schienen und Schuhe daran, Ein Huet und ein Helmlin, drei Schildt, eine Brechscheiben und ein Barth, eine Darzen zum Zaum, zwo Rossstirnen, darauf das Churfürstlich Sächsische Wappen gemacht. Zum Frey Küriss gehören Rücken und Brust, Kragen, Spangeröll, Armbzeugk, mit geschobenen Folgen, Ein Bahr Handschuh, zwo Hauben, lange Beindaschen, zwo Scheiben am Spangeröll.»
Obgleich nun in keiner der beiden Dresdener Aufzeichnungen der Name des Plattners genannt ist, so erscheint es doch unzweifelhaft, dass hier nur Franz Grossschedel in Frage kommen kann. Es handelte sich nun darum, die Spur aufzunehmen und die von dem Landshuter Plattner für Kurfürst August geschlagenen beiden Harnische, im Historischen Museum festzustellen. Dies war jedoch mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft, denn auf keines der in Betracht kommenden Stücke passte die Beschreibung «eisenfarben und geätzt».
Die Reste von zwei völlig gleichen, geschwärzten und mit vergoldeten Ätzstreifen gezierten Turnierharnischen, an die man hätte denken können, erwiesen sich unter der Schwärze auf den glatten Flächen als gebläut — dies stimmte jedoch ebenso wenig, wie die Vergoldung der Ätzstreifen mit dem Inventarvermerk überein. Da entschloss man sich nochmals zu einer gründlichen Untersuchung dieser Harnischfragmente und es ergab sich dabei, dass die Garnitur nicht ursprünglich, sondern erst später, vermutlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts, gebläut und vergoldet worden war. Nach Beseitigung der Bläue kam nämlich der eisenfarbene6 graue Stahl zum Vorschein, dessen Herstellung eine besondere Kunst hervorragender Plattner jener Zeit war. Bei dem Vergleich der vorhandenen Teile mit der Aufzeichnung im Inventar von 1606 ergab sich nur insofern eine Abweichung, als bei dem „Ballien-Küriss von dangen Beindaschen mit Kniebuckeln“ anstatt kurzen Beintaschen und Diechlingen mit Kniebuckeln die Rede ist. Diese Ungenauigkeit dürfte jedoch auf ein Versehen des Schreibers zurückzuführen sein.
Von beiden Harnischen mangeln leider die Rücken und Brüste und noch einige andere wesentliche Teile. Vermutlich haben gerade diese Stücke zu Hoffestlichkeiten unter Kurfürst Johann Georg II. (reg. 1656 bis 1680) Verwendung gefunden und sind dann nicht wieder an die Rüstkammer zurückgelangt; denn bereits in dem 1680 angelegten neuen Inventar erscheinen die Landshuter Harnische in Figuren aufgestellt, die geschwärzt und durch Teile von anderen Rüstungen gebildet bzw. ergänzt sind.
Die noch in der Sammlung bewahrten Fragmente zeigen nicht allein eine vollendete Technik des Plattners, sondern auch eine hohe Kunstfertigkeit des Ätzers. Das Blattwerk, die Vögel, Engelsköpfe und Figuren in den vergoldeten Ätzstreifen sind mit besonders feiner Empfindung für ornamentalen Schmuck ausgeführt. Auf jedem der Hinterflüge des Freiturnierharnisches befindet sich ein zum Turnier ansprengender Ritter mit ausgelegter Lanze.
Die noch erhaltene Rossstirn ist, wie es das Inventar besagt, mit dem geätzten und vergoldeten kurfürstlichen Wappen geschmückt. Eine Meistermarke oder das Landshuter Beschauzeichen sind jedoch nicht zu finden. Obgleich infolgedessen der mathematische Beweis nicht erbracht ist, dass man in den gedachten Harnischfragmenten die Reste jener beiden, von Franz Grossschedel zu Landshut geschlagenen Harnische vor sich hat, so liegt doch nach allen einschlagenden Umständen eine große Wahrscheinlichkeit für diese Annahme vor. Dass sie dereinst als die kostbarsten Schutzwaffen des Kurfürsten August galten, ergibt der Umstand, dass bei dessen Begräbnis der «Freudenritter»7 Stellanus v. PIoItzendorf, angetan mit einem der beiden Harnische, der kurfürstlichen Leiche vorausritt, wie es zu jener Zeit Brauch war.
Gegenwärtig sind die Stücke im Turnierwaffensaal (C) 5. Pferd, hier geschwärzt, und auf dem folgenden Gestell, Nr. 8, hier blank, aufgestellt. Wir fügen eine Abbildung des leichten Helmes (Helmlin) bei, auf welchem auch Stil und Technik der Ätzmalerei erkennbar sind.
Versuchen wir nun, auch diejenige Arbeit Franz Grossschedels zu ermitteln, welche er für die Römisch Kaiserliche Majestät zwischen 1568 und 1570 anzufertigen hatte. Einigen Anhalt bieten uns die bekannten Tatsachen, dass der Meister zur Fertigstellung des Auftrages mehr denn 18 Monate gebrauchte und dass der dafür gezahlte Preis 625 fl.8 betrug. Ein solcher Preis aber war für jene Zeit ein ungewöhnlich hoher. So kostete z. B. eine Peffenhausersche Rüstung mit allem Zubehör, d. i. an 30 Doppel- und Wechselstücken, alles mit vergoldeten Ätzstreifen geziert, nur 200 Reichsthaler, das sind ca. 230 fl., und wurde innerhalb 6 Monaten fertiggestellt. Es muss sich daher bei der Arbeit für den Kaiser entweder um eine ganz besonders kunstvoll ausgestattete, getriebene Rüstung, oder um eine große Harnischgarnitur gehandelt haben.
1A. Kalcher, Landshuter Waffenschmiede, 1895. —Wendelin Boeheim, Meister der Waffenschmiedekunst vom 14. bis ins 18. Jahrhundert, Berlin 1897, S. 80—82.
2Conde de Valencia de Don Juan, Catálogo de la Real Armeria, Madrid 1898, S. 88.
3Nach Siebmacher gehörten die Grossschedel (Grossschedl) zu den Regensburger Geschlechtern.
4Vgl. M. v. Ehrenthal, Zwei Landshuter Plattner des 16. Jahrhunderts, Monatsschrift des historischen Vereins für Oberbayern, 1895, Nr. 10. Derselbe, Führer durch das Königl. Historische Museum zu Dresden, 3. Aufl., 1899, C. 7 u. 8.
5Vgl. O. Gurlitt, Deutsche Turniere, Rüstungen und Plattner, Dresden 1889, S. 88.
6Vgl. Nr. 521 in der Kaiserl. Waffensammlung zu Wien, die aschgraue Rüstung benannt.
7Vgl. M. v. Ehrenthal, Führer durch die Königl. Gewehrgalerien, Dresden 1900, S. 96.
8Vgl. W. Boeheim, Meister der Waffenschmiedekunst vom 14. bis ins 18. Jahrhundert.

Aufschluss darüber gibt uns eine Aufzeichnung in den Kaiserli. Hofzahlamtsrechnungen vom 3. November 1575, worin es heißt, dass Franz Grossschedel, Plattner von Nürnberg(!), von welchem Kaiser Maximilian II. sechs Kürasse für 625 fl. gekauft habe, den Rest von 25 fl. ausbezahlt erhält.1 Die Angabe des Wohnortes Nürnberg, anstatt Landshut, beruht wohl auf einem Versehen des Schreibers, wenn nicht etwa der Meister zu der Zeit, als die Zahlung erfolgte, sich vorübergehend in Nürnberg aufhielt. Wichtig für uns ist die Notiz insofern, als wir daraus ersehen, dass es sich bei der Arbeit für den Kaiser um sechs Kürasse (Harnische), also wohl um eine große Harnischgarnitur handelte.
Der Ort, wo man das Werk zu suchen hat, ist naturgemäß die Kaiserl. Waffensammlung zu Wien. Nun birgt diese Sammlung (Kat.-Nr. 490) eine dem Kaiser Maximilian II. zugeschriebene Harnischgarnitur, bestehend aus sechs (sic!) Harnischen, nämlich einem ganzen Feldharnisch, zwei Turnierharnischen, drei halben Harnischen und zwei Turniersätteln,2 blank, mit schönen Ornamenten in vergoldeter Ätzmalerei geziert, die unwillkürlich unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. W. Boeheim hielt zwar die Garnitur, welche nicht markiert ist, für Augsburger Arbeit um 1570, und seine Annahme ist gewiss beachtenswert. Die Garnitur konnte dann nur aus der Werkstatt eines der hervorragendsten Meister jener Zeit, entweder des Matthäus Frauenpreiss d. j., der zwischen 1549 und 1574 arbeitete, oder des Anton Peffenhauser, dessen Schaffensperiode von 1545 bis 1601 festgestellt ist, hervorgegangen sein.
Speziell an den zuletzt Genannten hat ja auch Boeheim gedacht.3 Beider Individualität deckt sich jedoch nach unserem Dafürhalten nicht mit der Technik an jener Harnischgarnitur. Im Aufbau zwar erinnern die einzelnen Harnische an die Arbeiten Peffenhausers; in vielen Details jedoch unterscheiden sie sich von jenen wesentlich, und auch die Ausführung der Ätzmalerei zeigt eine andere Manier als die an den Peffenhauserschen Harnischen. Ein weiterer Umstand, der gegen Augsburg spricht, ist das Fehlen der Beschaumarke, die man gerade an den Arbeiten aus jener Stadt, wo die Zunftgesetze mit besonderer Strenge gehandhabt wurden, fast regelmäßig findet.
Liegt es nun nicht nahe, die besprochene Harnischgarnitur für diejenige Arbeit Grossschedels anzusehen, die der Meister zwischen 1568 und 1570 für Kaiser Maximilian II. anfertigte? Jedenfalls sprechen gewichtige Momente für diese Annahme. Verschweigen wollen wir indes nicht, dass die Wiener Garnitur sich von den Dresdener Harnischfragmenten doch in einigen Formen sowie auch in Bezug auf die Ätzmalerei unterscheidet.
Immerhin erscheint das Dunkel, das bisher über die künstlerische Individualität Franz Grossschedels schwebte, gelüftet. Von den beiden angeführten Harnischgarnituren dürfte die eine wohl mit Sicherheit als eine Arbeit des Meisters anzusehen sein. Irrige Annahmen aber, wie sie in C. Gurlitts Werk «Deutsche Turniere, Rüstungen und Plattner, Dresden, 1889», in dem bereits angeführten Catálogo der Real Armeria und in L. Roberts Catalogue du Musee d’Artillerie (Paris 1889—1893) zu finden sind, können wohl als beseitigt angesehen werden. Bei weiteren Forschungen der Fachgenossen nach Werken des berühmten Landshuter Meisters wird aber unseres Erachtens nicht allein auf die Plattnerarbeit, sondern auch auf die Ätzmalerei ein scharfes Augenmerk zu richten sein.
1Ebendort.
2Teile des ehedem zur Garnitur gehörigen Rossharnisches befinden sich im Musee d’Artillerie zu Paris und in der Kaiserl. Waffensammlung der Eremitage zu St. Petersburg.
Quelle: Zeitschrift für Historische Waffenkunde. Organ des Vereins für historische Waffenkunde. II. Band. Heft 10. Dresden, 1900-1902.
