
Jedoch sie hielten Stand und streckten den feindlichen Reisigen ihre langen Spieße entgegen, die sie ihnen „gar mannhaft in die Nasen stießen“. Immerhin wurde unter den Vordersten beim ersten Anprall mancher überritten, und so gab es Verwundete und auch Tote genug. Aber der Gewalthaufen als Ganzes blieb unerschüttert stehen, bis die feindlichen Reisigen nach kurzem, aber blutigem Gefechte sich in Unordnung zurückzogen.
So schien nun die höchste Gefahr für den Augenblick überstanden; jedoch die Verbündeten befanden sich nach wie vor in höchst schwieriger Lage. Dem Feinde jetzt nachzurücken und sich noch weiter hinaus ins offene Feld zu wagen, das schien nicht ratsam, solange der sehnlichst erwartete zweite Haufen noch nicht zur Stelle war. Wurde aber noch lange gewartet, so konnte inzwischen das feindliche Geschütz wieder geladen und schussfertig werden, und dass jedenfalls die Reiterei ihren Angriff bald erneuern werde, das stand außer Zweifel.
Diesen neuen Angriff aber wollte Herzog Karl besser vorbereiten als den früheren. Schon die misslungene Umgehung und jetzt wieder der erfolglose Reiterangriff hatten ihm gezeigt, dass er den Kampf zu nahe am Berge aufgenommen habe. Er musste also trachten, die Verbündeten noch weiter ins offene Feld hinaus zu bringen, wo seine Hauptwaffe, die Reiterei, ihre Übermacht besser als bisher entfalten konnte. Zu diesem Zwecke befahl er seinen vordersten Scharen eine rückgängige Bewegung, um weiter rückwärts auf günstigerem Boden eine bessere Stellung einzunehmen.
Kaum aber hatte diese Bewegung begonnen, so ertönten vom Walde her einige dumpfe Hornstöße. Es waren die den Eidgenossen wohlbekannten Klänge des Stiers von Uri und der Harsthörner von Luzern – also ein sicheres Zeichen, dass der längst erwartete zweite Haufen nicht mehr ferne sei!
In der frohen Zuversicht, diese Hilfe nun bald aus dem Walde hervortreten zu sehen, blieb der erste Gewalthaufen nach wie vor ruhig stehen. Beim Feinde hingegen hatte jene rückgängige Bewegung, welche Herzog Karl nur den vordersten Scharen befohlen hatte, inzwischen das ganze Heer ergriffen.
Die weiter rückwärts stehenden Abteilungen nämlich, welche das zweite und dritte Treffen bilden sollten, jedoch erst im Anmarsch begriffen waren, hatten von Ferne den Lärm jenes misslungenen Reiterangriffs vernommen, und als sie nun gleich nachher einige der vordersten Scharen gegen sich kommen sahen, da hielten sie diese Bewegung, deren Zweck sie nicht kannten, für den Anfang eines allgemeinen Zurückweichens vor dem nachdrängenden Gegner, das heißt für den sicheren Vorboten einer Niederlage.
Bei dieser Aussicht dachten die meisten zuerst an ihre Rettung – vor allem die fremden Söldner und deren Hauptleute, bei welchen schon seit Wochen, wie wir sahen, gegen den Herzog eine bittere Stimmung herrschte. Es waren daher nicht nur die Fuhrleute des Trosses, die mit ihren Wagen umkehrten und das Weite suchten, sondern auch unter den Bewaffneten sah man eine Schar nach der andern umwenden und ohne Befehl den Rückzug antreten, der sich bald zur förmlichen Flucht entwickelte.
Umsonst versuchte Herzog Karl in eigener Person, die Weichenden zum Stehen zu bringen, indem er mit gezücktem Schwerte sie bedrohte. Die Flucht wurde immer allgemeiner, und nur die vordersten drei Haufen, der Kern des Heeres, blieben noch in Ordnung beisammen und hörten auf des Herzogs Befehle. Doch auch sie wichen mehr und mehr zurück, als hinter ihnen alles floh, während sie vor sich den zweiten Haufen der Eidgenossen, die Luzerner, Zürcher, Waldstätter und andere, aus dem Walde hervorbrechen sahen.
Kaum hatten diese frischen Scharen im offenen Feld sich geordnet, so rückten jetzt beide Gewalthaufen vor zum Angriff. Das Fähnlein der schwerbewaffneten Reisigen hingegen, welche dem Fußvolk zur Verfolgung vorauseilen wollten, hielt der vorsichtige Hermann von Eptingen zurück, da ihre Zahl ihm viel zu gering erschien, um einen selbständigen Angriff wagen zu dürfen. Nur die leichtbewaffneten, leichtberittenen und deshalb auch viel beweglicheren Knechte ließ er dem weichenden Feinde nachrennen, und diesen gelang es in der Tat, einen Pannerherrn zu erstechen und dessen Fahne zu erobern.
Im Ganzen jedoch war es für die feindlichen Reisigen ein Leichtes, vor den verfolgenden Gewalthaufen der Eidgenossen einen genügenden Vorsprung zu gewinnen, um sich neuerdings gegen sie zu stellen. Dies geschah dann auch, sobald sie über Concise hinaus waren, auf der ziemlich flachen Höhe westlich von diesem Dorf. Jedoch nach kurzem Gefecht mussten sie auch hier wieder weichen, und unaufhaltsam drangen die Eidgenossen vor. Über das hügelige Gefilde, das sich von Concise bis Grandson dem See entlang zwei Stunden weit ausdehnt, wurde der Rückzug und die Verfolgung nun fortgesetzt, und noch mehrmals wiederholte der Feind den Versuch, den Verfolgern die Spitze zu bieten, doch jederzeit nur, um bald aufs Neue zu weichen. Unterwegs aber wurden nicht nur manche fliehende Fußknechte ereilt und erstochen, sondern nach und nach auch das meiste Feldgeschütz eingeholt. Dabei gelang es auch einigen Knechten von Basel, eine Tarrasbüchse zu erobern.
Eine starke halbe Stunde vor Grandson ergießt sich in den See der Arnon, ein Bach mit steilen Ufern, und als die Eidgenossen dieses Hindernis überschritten, stellte sich ihnen Herzog Karl mit seinen Reiterscharen nochmals entgegen. Der Kampf, welcher nun entbrannte, war heftiger als alle früheren. Doch das Fußvolk der Eidgenossen hielt auch hier jedem Angriff stand, und die feindlichen Reisigen erlitten schwere Verluste, bis sie zuletzt, entmutigt und erschöpft, gleich dem übrigen Heer ihr Heil in der Flucht suchten. So war nun auch das Lager vor Grandson den Siegern preisgegeben; denn niemand versuchte, die Wagenburg, die es umgab, zu verteidigen, sondern alles wurde im Stich gelassen.
Doch über Grandson und das Lager hinaus wurde die Verfolgung noch fortgesetzt bis Montagny, wo der Weg sich teilt, indem eine Straße westlich nach Ste-Croix abzweigt, während die andere südlich nach Orbe sich fortsetzt. Da nun diese beiden Straßen nach Burgund führen, ergoss sich wohl auch auf beide die Flucht, und da die fliehenden Reiter vor den nachjagenden Eidgenossen wohl schon hier einen merklichen Vorsprung gewonnen hatten, schien eine weitere Verfolgung völlig nutzlos. Zudem waren auch die Sieger schon sehr ermüdet; denn im Verfolgen waren sie zeitweise so schnell gelaufen, dass zum Beispiel der Fähndrich von St. Gallen, vom Schlag gerührt, plötzlich tot niederfiel. So wurde denn bei Montagny Halt gemacht, und alles kniete nieder zu einem Dankgebet für den von Gott verliehenen Sieg.
Da man vor der Schlacht der großen Eile wegen auf den Ritterschlag hatte verzichten müssen, wurde jetzt, vor der Rückkehr, diesem alten Brauch noch nachträglich Genüge geleistet. Mehrere Hauptleute besaßen die Ritterwürde schon von früher her, namentlich Niklaus von Scharnachthal und Peter Rot, welche beide in Jerusalem sie erlangt hatten, und ebenso Hermann von Eptingen, der jetzt als der Vornehmste berufen war, den Ritterschlag allen denen, welche dieser Ehre würdig schienen, zu erteilen.
Neben mehreren Eidgenossen aus Bern und Zürich, wie zum Beispiel Hans von Hallwil, befanden sich unter diesen neuen Rittern auch einige Reisige aus Straßburg, welche einzeln den Eidgenossen nachgeeilt waren und so am letzten Gefecht, am Arnon, noch teilgenommen hatten. Von Basel empfingen die Ritterwürde Arnold von Rotberg und Hans Schlierbach, welcher später durch Mörderhand fiel.
Die Sieger kehrten hierauf zurück nach Grandson, um im feindlichen Lager Quartier zu nehmen und nach der Mühsal des Tages sich zu erlaben. Hier aber waren inzwischen schon längst allerlei Freiheitsknaben, Trossknechte und anderes Volk eingedrungen, welche nach Herzenslust nicht nur aßen und tranken, sondern vor allem auch plünderten, ohne nach der für solche Fälle bestehenden Beuteordnung zu fragen. Diese wurden nun hart angefahren, und zum Teil mit Schlägen wurde ihnen manches Stück wieder entrissen.
Die vorhandene Beute aber, so vieles auch gleich Anfangs entwendet wurde, war immer noch überaus reich und deshalb schwer zu überblicken. Denn rings um das Lager herum, das an Ausdehnung mit der Stadt Solothurn verglichen wurde, stand als Wagenburg eine Menge von Fuhrwerken, die mit Vorräten aller Art beladen waren, und allein an erbeutetem Geschütz wurden 419 Stück gezählt. Am meisten Aufsehen erregte jedoch das herzogliche Gezelt samt all den Kleinodien und sonstigen Kostbarkeiten, welche der prachtliebende Fürst mit sich zu führen pflegte, und die jetzt mit einem Schlag die Beute derer geworden waren, welche solch eine Pracht bisher kaum vom Hörensagen gekannt hatten.
Ein grausiges Gegenstück zum Glanz dieser Beute bildeten freilich jene Bäume voll Gehenkter, die in der Nähe des Lagers standen, und deren Anblick namentlich die Berner und Freiburger zur Wut entflammte.
Doch auch die Schlacht hatte die Sieger schwere Opfer gekostet; sie hatten gegen 50 Tote und wohl 300 bis 400 Verwundete. Verhältnismäßig am meisten hatten die Schwyzer gelitten; denn diese, die den ganzen Tag hindurch von der Combe de Ruaz bis an den Arnon bei jedem Gefecht mitgekämpft hatten, verloren auf 1.100 Mann sieben Tote und 70 Verwundete, während zum Beispiel bei den Zürchern, die beim zweiten Gewalthaufen standen und deshalb erst später ins Treffen kamen, von 1.700 Mann nur sieben verwundet wurden.
Da das Basler Fußvolk von Anfang an zur Nachhut bestimmt worden war, und da die Zahl der Reisigen überhaupt zu klein war, um irgendwie entscheidend einzugreifen, dürfen wir uns nicht wundern, dass der Anteil Basels an diesem Sieg verhältnismäßig geringer war. Immerhin ergibt sich aus den noch vorhandenen Rechnungen, dass die Basler wenigstens 10 bis 20 Verwundete hatten, und unter diesen befand sich ein reisiger Knecht, der an beiden Schenkeln zusammen fünf Stichwunden trug.
Jene Tarrasbüchse, welche von einigen Baslern erobert wurde, ist allerdings nicht mehr vorhanden. Das einzige Geschützrohr aus der Burgunderbeute, das jetzt im Historischen Museum steht, stammt zwar von Grandson, ist aber keine Tarrasbüchse, sondern vielmehr das größte von den acht Geschützen, die die Basler aus jener Beute heimbrachten.
Jene Fahne hingegen, deren Eroberung oben erwähnt wurde, war wohl nichts anderes als das Banner der Stadt Avignon, das die Basler mit nach Hause brachten und das noch jetzt im Historischen Museum zu sehen ist. Es diente nämlich im burgundischen Heer einer Schar vertriebener Avignonesen, die vor Ludwig XI. aus ihrer Stadt hatten weichen müssen. Das Andenken der Basler, die bei Grandson kämpften, wird in einem Schlachtlied gefeiert mit den Worten:
„Basler Ritter, die schlugen dran,
Und andere, die ich nicht nennen kann,
Sie haben große Ehre erworben.“
So wenig sich nun bestreiten lässt, dass das Fußvolk der Eidgenossen auch ohne die Hilfe dieser Reisigen gesiegt hätte, so dankt es ihnen immerhin die Nachwelt, dass auch sie dabei waren. Einer von ihnen, der schon erwähnte Rathsherr Ulrich Meltinger, ist der Verfasser eines der frühesten und wertvollsten Berichte, die uns überhaupt über diese Schlacht erhalten sind.
Noch am Abend nach der Schlacht eilte ein Bote mit der Siegesnachricht von Grandson nach Neuchâtel, wo er gegen Mitternacht eintraf. Die Sieger selbst aber blieben nach altem Brauch drei Tage auf der Walstatt oder vielmehr im eroberten Lager. Hier gab es freilich genug zu tun. Zunächst mussten die 200 gehängten Eidgenossen von den Bäumen herabgeholt und ehrenvoll begraben werden, und ebenso die 50 in der Schlacht Gefallenen. Weit mehr Arbeit jedoch verursachte das Sammeln und Ordnen der Beute.
Vor allem hatte der Feind, dessen Heer aus dem Feld geflohen war, noch immer Besatzungen in den beiden Schlössern von Grandson und Vaumarcus. Im ersten befanden sich nur 23 Mann, darunter mehrere Edelleute, und diese anerboten sich schon am folgenden Tag zur Übergabe gegen bloße Zusicherung des Lebens. Diese Zusage gaben die Hauptleute der Eidgenossen gerne, denn sie brauchten notwendigerweise einige Gefangene höheren Standes, um den schon vor einem Monat in burgundische Gefangenschaft geratenen Berner Hauptmann Brandolf von Stein auszulösen.
Jedoch als das Schlosstor zur Übergabe sich öffnete, drangen allerlei Berner und Freiburger hinein, die die Hinrichtung ihrer Kameraden rächen wollten, und fielen über die Besatzung her. Nur mit großer Mühe gelang es den Hauptleuten, außer einigen Knaben auch drei Edelleute aus dem Schloss hinaus und in das Zelt der Hauptleute von Luzern zu retten, um dadurch die Auslösung Brandolfs von Stein zu ermöglichen. Die übrigen 16 hingegen fanden alle den Tod, indem sie von der wuthschnaubenden Mannschaft aus einem hohen Turm des Schlosses hinabgestürzt wurden.
Keinem besseren Los sahen jene Reisigen entgegen, die die Besatzung von Vaumarcus bildeten und dort schon seit Freitag Nacht eingeschlossen waren. Zu dieser Einschließung war das zu Bern gehörige Fähnlein der Simmenthaler samt einem Zuzug aus Neuchâtel bestellt, und gleich am Tag nach der Schlacht wurde den Belagerten durch einen Trompeter zugerufen: sie sollten sich durch die Beichte auf den Tod vorbereiten, denn morgen früh müssten sie jedenfalls sterben!
Es stand also ein neuer Sturm bevor, und sie mussten befürchten, in dem baufälligen Schloss von der Übermacht schließlich doch noch überwältigt zu werden. In dieser äußersten Not fasste einer ihrer Hauptleute den Plan zu einem Fluchtversuch, dem alle zustimmten. Sie hatten im Schloss nicht nur ihre Pferde und all ihr Gepäck bei sich, sondern auch einen Hufschmied aus der Umgebung, den sie mit Gewalt behalten hatten. Diesem gaben sie 100 Gulden (Fr. 3.000.–) und ließen ihn schwören, dass er noch diese Nacht auf ihrer Flucht als Führer dienen wolle.
Im Bewusstsein jedoch, wie überaus fraglich das Gelingen dieses Wagnisses war, machte sich die ganze Besatzung bereit zum Sterben, indem sie sich gegenseitig beichteten und voneinander Abschied nahmen. Hierauf zerschnitten sie die Zäume und Sättel ihrer Pferde und verwundeten auch diese an den Beinen, damit sie nicht zur Verfolgung dienen könnten.
Um Mitternacht aber verließen sie alle zu Fuß und möglichst geräuschlos das Schloss, indem sie nicht durch das Tor, sondern durch ein Mauerloch hinauskrochen. Zwei Schildwachen, auf die sie in der Dunkelheit stießen, wurden sofort erstochen, und als in der Folge dessen ein Lärm entstand, der die schlafenden Eidgenossen weckte, waren die Flüchtigen bereits über das Lager hinaus und eilten, durch die Todesangst beflügelt, in der finsteren Nacht über Stock und Stein bergan, so schnell sie konnten. Auf äußerst beschwerlichen Bergpfaden, bei Schnee und Regen, erreichten sie nach langem Marsch am folgenden Morgen wieder burgundisches Gebiet und gelangten hierauf nach Nozeroy. Dort fanden sie Herzog Karl, der gleich nach der Schlacht über Orbe und Jougne die ganze Nacht hindurch bis hierher geritten war und nun über ihre Rettung nicht wenig erfreut war. Die Eidgenossen aber, die über diese Flucht höchst erstaunt waren, räumten das verlassene Schloss vollständig aus und steckten es hierauf in Brand.
Nachdem die Besatzung von Vaumarcus geflohen war, war vom Feind nun weit und breit nichts mehr zu sehen als seine Gefallenen und das eroberte Lager. Sein Heer war in die Flucht geschlagen und hatte all sein Geschütz verloren. Vernichtet war es jedoch keineswegs; denn seine Verluste an Mannschaft waren verhältnismäßig gering. Wohl war eine Anzahl der Reisigen, darunter mehrere hervorragende Hauptleute, nach tapferer Gegenwehr gefallen, und auch aus dem Fußvolk waren viele noch auf der Flucht ereilt und erschlagen worden. Die große Masse jedoch, zu Fuß wie zu Roß, hatte sich durch frühzeitige Flucht gerettet, und deshalb lagen auf der Walstatt höchstens 400 bis 500 Erschlagene. Das feindliche Heer, das jetzt zersprengt und aufgelöst schien, konnte also wieder gesammelt und neuerdings ins Feld geführt werden.
Bei dieser Sachlage war zu erwarten, dass die Sieger den glänzenden Erfolg, den sie soeben errungen hatten, jetzt möglichst ausnützen und deshalb weiter in Feindesland vordringen würden. Das war auch in der Tat die Absicht der Berner Hauptleute, und deshalb gaben sie den verspäteten Zuzügen von Colmar und Schlettstadt, die erst am Sonntagabend in Neuchâtel eingetroffen waren, am Montag die Weisung: sie sollten zunächst nach Murten ziehen, um dann von dort aus an einem noch zu bestimmenden Tage über Payerne zu ihnen zu stoßen, zu einem Eroberungszug in die Waadt.
Jedoch als nun im Lager vor Grandson Kriegsrat gehalten wurde, verlangte die Mehrheit der Eidgenossen, dass jetzt vor allem die greifbarste Frucht des Sieges, nämlich die Beute, unter dem Schutz des Heeres hinweggeführt und in Sicherheit gebracht werde. Diesem Beschluss fügten sich die Berner in der stillen Hoffnung, dass die Eidgenossen nach Erfüllung ihres Wunsches vielleicht doch noch zur Teilnahme an einem weiteren Zug sich würden bewegen lassen.
So erfolgte nun am Dienstag, den 5. März, am dritten Tage nach der Schlacht, der allgemeine Aufbruch aus dem Lager auf der Straße nach Neuchâtel. Ein Teil der Beute, vor allem das Geschütz, wurde auf Schiffen nach Nidau geführt, wo am 9. März die Büchsen unter die verschiedenen Orte verteilt wurden. Ebenso fuhren die Verwundeten, soweit sie nach Bern oder in andere Orte der Eidgenossenschaft gehörten, zu Schiffen bis Murten, und von dort aus wurden alle diejenigen, deren Zustand das Fahren noch erlaubte, zu Wagen nach Bern gebracht. Die Verwundeten aus Basel hingegen fuhren zu Schiffen jedenfalls bis Biel, wahrscheinlich aber noch weiter die Zihl, die Aare und den Rhein hinab bis nach Haufe, wobei sie zu Laufenburg noch umsteigen mussten.
Was von der Beute nicht zu Schiffen ging, wurde, soweit die vorhandenen Pferde ausreichten, auf Wagen fortgeführt, und so bildete das ganze Heer einen endlosen Zug, der sich wegen der schwer beladenen Fuhrwerke nur langsam fortbewegte. Vor dem Aufbruch der letzten Abteilungen wurde auch nicht versäumt, zum Abschied noch Schloss und Städtchen Grandson in Brand zu stecken, ebenso das Lager mit all seinen hölzernen Baracken und überhaupt mit allem, was etwa aus Mangel an bespanntem Fuhrwerk zurückbleiben musste.
Ein großer Teil des Heeres gelangte an diesem ersten Tag nur bis Boudry und erst am folgenden (6. März) nach Neuchâtel. Eine Stunde von dort, bei St. Blaise, teilten sich jedoch die Wege, indem die Basler und Straßburger über Landeron nach Biel zogen, während die Berner samt den meisten Eidgenossen sich rechts nach der Zihlbrücke wandten, also in der Richtung nach Bern. Diese Stadt erreichte ein Teil der Eidgenossen schon am Donnerstag, den 7. März. Die Berner selbst aber zogen mit ihrem Heer vermutlich nicht bis dorthin, sondern blieben bei Kerzers stehen, um dann später von dort aus über Murten den geplanten Zug in die Waadt zu unternehmen.
In Bern wurde nun mit den Hauptleuten sämtlicher Orte aufs Neue verhandelt, um sie zur Teilnahme an diesem Zug zu bewegen, und auch nach Biel wurden Boten gesandt, um die Basler und Straßburger zu dieser Beratung einzuladen. Jedoch bei den östlichen Orten der Eidgenossenschaft war alle Mühe vergeblich. Denn dem Krieg gegen Burgund, in den ja einzig Bern sie verwickelt hatte, waren sie von Anfang an abgeneigt, und deshalb taten sie dafür gerade nur, was ihre Bundespflicht gegenüber Bern verlangte. Diese aber glaubten sie jetzt ausreichend erfüllt zu haben, da sie ja redlich mitgeholfen hatten, den Feind, der das von Bern besetzte Grandson angegriffen hatte, zu besiegen.
Die weiteren Eroberungen in welchen Landen hingegen, die Bern zu machen gedachte, lagen ihnen zu fern, um einen Anteil daran zu begehren, und waren ihnen deshalb gleichgültig. Sie blieben daher bei ihrem Vorsatz zur Heimkehr, indem sie am Sonntag, den 10. März, ihre endgültig ablehnende Antwort gaben, und ihrem Beispiel folgten auch die Basler. Die Reisigen von Straßburg, Colmar und Schlettstadt hingegen, die nicht an der Schlacht gewesen waren und deshalb ungern so völlig tatenlos heimkehrten, schlossen sich bereitwillig den Bernern an.
Der geplante Zug in die Waadt verlief jedoch in der Folge völlig im Sande, indem nicht einmal die Eroberung von Romont gelang. Die heimziehenden Basler, die bis zum 10. März in Biel den Ausgang der in Bern gepflegten Beratungen abgewartet hatten, erreichten unsere Stadt wieder am 13. März, nachdem sie nur drei Wochen im Felde gewesen waren. Abgesehen von den Verwundeten, die auf anderem Wege, nämlich zu Schiffen, heimkehrten, erfreuten sich alle des besten Befindens, und der einzige Krankheitsfall, von dem man hörte, betraf einen reisigen Knecht, der in Biel hatte zurückbleiben müssen, weil er während der dortigen Ruhetage allzu viel Hering gegessen hatte.
Wie schon früher bemerkt, hatte in Basel noch vor der Schlacht, d. h. am Donnerstag, den 29. Februar, unter großer Beteiligung von Männern und Frauen ein feierlicher Bittgang um Glück und Sieg der im Felde stehenden Verbündeten stattgefunden. Vom Münster ausgehend, bewegte sich die Prozession zuerst zur Barfüßerkirche, von dort hinauf nach St. Leonhard, dann weiter ins Kloster Gnadenthal in der Spalenvorstadt und zuletzt nach St. Peter, wo die Männer blieben, um ein Hochamt und eine Predigt des Weihbischofs anzuhören, während die Frauen noch weiter bis zur Predigerkirche zogen, wo für sie ein besonderer Gottesdienst gehalten wurde.
Zwei Tage später, also am Samstag, dem Tag der Schlacht, traf abends spät erst die Nachricht ein, dass das Schloss Grandson verloren und mithin kein Entsatz mehr möglich sei. Die erste Siegesbotschaft aber brachte in der Nacht vom Sonntag auf den Montag ein reitender Bote von Solothurn, der dafür ein Geschenk von 3 Gulden (Fr. 100.—) erhielt.
Erst drei Tage nach der Schlacht, vor dem Aufbruch aus dem Lager, schrieben auch die Basler Hauptleute an die Obrigkeit als Antwort auf einen soeben eingetroffenen Brief, und auf dieses Schreiben drückten sie das silbervergoldete Siegel des Bastards Anton von Burgund, das sie im feindlichen Lager erbeutet hatten.
Als sie nun am 13. März in Basel einzogen, brachten sie mit sich als Siegeszeichen acht erbeutete Geschütze, wovon das größte 36 und das zweitgrößte 14 Zentner wog, ferner das eroberte Banner der Stadt Avignon und weiter noch 18 Fähnlein, die vermutlich zu jenen vielen gehörten, die man im feindlichen Lager in Kisten und Bulgen verschlossen gefunden hatte. Die gesamte Mannschaft begab sich nach dem Einzug zu einem Dankgebet ins Münster, durch das Hauptportal hinein und durch die Galluspforte wieder hinaus.
Drei Tage später (16. März) wurde ebendort durch den Weihbischof ein feierlicher Dankgottesdienst gehalten, wobei die erbeuteten Fahnen dargebracht und als bleibende Siegeszeichen in der Kirche aufgehängt wurden. Von all diesen Trophäen und Beutestücken, die damals in unsere Stadt gelangten, ist leider nichts mehr erhalten als ein bronzenes Geschützrohr und eine zerfetzte rote Fahne, in welcher wir jedoch mit gutem Grund jenes Banner von Avignon erkennen dürfen. Das Siegel Antons von Burgund hingegen, das die Basler Hauptleute mitgebracht hatten, befindet sich längst nicht mehr hier, sondern in Zürich.
So groß auch der Jubel sein mochte, der den heimkehrenden Siegern entgegengebracht wurde, so folgten ihm doch auf dem Fuße wieder neue Sorgen und Befürchtungen. Kaum hatten am 13. März die heimkehrenden Basler ihren Einzug in der Stadt gehalten, traf hier noch am selben Tag ein Läufer von Bern ein mit einem Brief, in dem Basel aufgefordert wurde, die am 18. in Luzern stattfindende Tagsatzung der Eidgenossen zu beschicken und zugleich sich gerüstet zu halten, um auf die erste Mahnung neuerdings ins Feld zu ziehen.
Herzog Karl, der nach seiner Niederlage zuerst nach Nozeroy in Burgund geflohen war, hatte von dort aus schon in den ersten Tagen nach der Schlacht sein zersprengtes Heer wenigstens teilweise wieder gesammelt, und am 16. März, während in unserem Münster unter großem Jubel seine verlorenen Fahnen aufgehängt wurden, schlug er bereits sein Hauptquartier in Lausanne auf, wo er fortan mit rastlosem Eifer seine Rüstungen zu einem neuen Feldzug betrieb.
Für die Verbündeten standen also weitere Kämpfe schon damals in sicherer Aussicht. Doch um die nun folgenden Schlachten bei Murten und Nancy zu erzählen, fehlt hier der genügende Raum, sodass sie erst im nächsten Neujahrsblatt zur Darstellung gelangen sollen.
Quelle: August Bernoulli: Basels Antheil am Burgunderkriege. II. Die Schlacht bei Grandson. 77. Neujahrsblatt, Basel, 1899.
© Carsten Rau
