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Die hauptsächlichsten Gefechte der deutschen Reiter im Dienste des Kirchenstaates.

Unsere Hauptquelle über die Gefechte, an denen die deutschen Reiter teilnahmen, sind die schon erwähnten Pferdeersatzlisten. An ihnen erkennen wir auch die größere oder geringere Ausdehnung und den Ernst der betreffenden Unternehmung. Im Januar 1325 erhielt Ritter Hermann von Landenberg 22 in der Schlacht gefallene (interfecti) Streitpferde seines Fähnleins ersetzt (I 1322, 9 Anm.). Das betreffende Gefecht wird nicht genannt. Vielleicht war es die Schlacht an der Addabrücke im Februar 1324. In einem Gefecht bei Bagnacavalli in der Romagna gegen die Reiter Manfreds von Faenza im Mai 1350 verlor das Fähnlein des Heinrich von (Burg-)Brohl fast die Hälfte seiner Pferde (10 von 21). Aus der Schlacht bei Paterno am 29. April 1355 gegen Galeotto Malatesta, der ebenfalls deutsche Ritter in Sold hatte, sind uns 28 Pferdeverluste der auf Seiten des Kardinals Albornoz kämpfenden Deutschen überliefert (in unseren Listen I 1355), deren Angriff wesentlich zum Sieg beigetragen haben muss. Gegen die tapferen Ordelaffi in Forlì und Castro Carro fanden während der Jahre 1356 bis 1358 verschiedene Gefechte statt, in denen die deutschen Reiter nach meiner Zählung 64 Streithengste verloren.

Am 26. Juli 1357 wurden 8 deutsche Reiterfähnlein in ein Treffen mit der Großen Kompagnie von Bongards in der Mark Ancona verwickelt. Bei 4 Fähnlein sind uns die Verlustlisten überliefert. Sie waren mit 77 Ritterpferden angeritten und verloren in der Schlacht 36, also nahezu die Hälfte. Wie mancher Reitersmann mag da neben dem treuen Streitroß tot oder verwundet auf der Walstatt gelegen haben! Bei dieser Gelegenheit war es ein Kampf von Deutschen gegen Deutsche gewesen! Viele Pferdeverluste hatte man auch bei den Kämpfen gegen den Präfekten von Vico in Tuszien, wie gegen die verschiedenen Feudalherren der Mark Ancona erlitten.

Wie heiß es manchmal in den ritterlichen Gefechten, namentlich der deutschen Reiter, auf italienischem Boden zuging, sehen wir nicht nur an den häufigen und anschaulichen Schilderungen G. und M. Villanis und anderer zeitgenössischer Schriftsteller – es sei nur auf die blutige Schlacht zwischen dem deutschen „Ritterbund Heinrich“ und den Mailänder verbündeten Reitern vom Jahre 1337 hingewiesen, die uns von Azario (Murat. Script. 16 col. 314), von den Gesta Anonis (ebd. 12 col. 1022), von den Fragmenta historica Romane (Mur. Antiqu. 3) u. a. erzählt wird –, auf die anschaulichen Schilderungen Domenicos de Gravina usw., auf die Schlacht bei Arezzo vom August 1351, wo 30 deutsche Reiterfähnlein im Dienste Perugias von den Mailänder (deutschen) Rittern zersprengt, gefangen und getötet wurden (Chron. Estense), – sondern auch an einzelnen Nachrichten über unsere Reiter.

Der Bannerherr Heinrich Paher hob in einem Treffen gegen die Englische Kompagnie bei Florenz mit seiner Lanze 10 Engländer aus dem Sattel, von denen 2 auf der Stelle tot blieben (I 1355, 50). Die beiden herausragenden Führer deutscher Ritter, Graf Wernher von Homberg und Graf Konrad von Landau, sind in der Schlacht gefallen. In Florenz gründeten die deutschen Ritter ein Siechenhaus für die im Felde verwundeten Genossen. Die Fresken der St. Georgskapelle zu Verona zeigen noch manche Bilder der im Wälschland gefallenen adeligen Landsleute usw.

 

Auch aus der Art der tödlichen Verwundungen der Streitrosse, die in unseren Listen angegeben werden, können wir auf den Ernst der Gefechte schließen. So heißt es z. B. II 1853, 145 u. a. von 2 Pferden, dass sie infolge zahlreicher Wunden von Lanzenstichen, Schwerthieben und Geschossen verschiedener Art fielen. Durch Lanzenstich getötet wurden II 1353, 134, 135 u. 14, 1569, 2914, 15; IV 1350, 12. Durch Wurfgeschosse II 1353, 132, 14 u. 4, 1717, 207 u. 13, 297 u. 24, 255. Bei den meisten ist die Art der Verwundung entweder im Original nicht verzeichnet oder von uns der Abkürzung halber nicht wiedergegeben worden.

Noch soll hingewiesen werden auf eine Reihe (19) deutscher Fähnlein, die sich am 12. Juni 1355 bei der Erstürmung der festen Stadt Fermo in der Mark Ancona auszeichneten. Sie erhielten besondere Belohnungen oder Ehrengaben. Unter ihnen befanden sich 3 Bannerherren Kaiser Karls IV. mit 86 schweren Reitern (II 1355, 55 a, 56, 57, 73, 74).

Manchmal kam es auch zu Streitigkeiten und Blutvergießen zwischen den deutschen Reitern und den Italienern. Ein besonders heftiger Konflikt brach im päpstlichen Belagerungsheer vor Vetralla in Tuszien am 18. Mai 1354 aus, zwischen den deutschen Reitern und sonstigen Truppen des Legaten Albornoz einerseits und dem von den Römern gesandten Hilfsheer. Es wäre zu einer förmlichen Schlacht gekommen, wenn nicht Albornoz die Vertrauensmänner seines Heeres durch 1568 flor. Schadenersatz beschwichtigt hätte für die durch die Römer ihnen genommenen Pferde und sonstigen Gegenstände. In den Soldverträgen italienischer Kriegsherren wurden deshalb wohl auch besondere Bestimmungen für Streitigkeiten zwischen den Reitern und Bürgern oder den Reitern selbst getroffen (Mazzatinti p. 489).

Weit bedauerlicher noch waren Streitigkeiten, die zwischen den deutschen Rittern selbst ausbrachen. Wie es scheint, bestand schon damals eine gewisse Spannung zwischen Ober- und Niederdeutschen. Zu den Letzteren zählten auch die heutigen Niederländer. So wird in den Parmenser Annalen zum Jahre 1334 von einem verhängnisvollen Zwist zwischen ober- und niederdeutschen Rittern im Heere der Herren von Corregio berichtet, der eine völlige Spaltung und den Übergang vieler Deutscher auf die gegnerische Seite verursachte. Noch mehr wurden als „Verräter“ getötet. (M. G. Scr. 18 S. 787 f.)


Quelle:  Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.