Obwohl der Vertrag des Antalkidas vorsah, dass alle griechischen Städte frei sein sollten, behielten die Spartaner die Messenier weiterhin unter ihrer Kontrolle. Da sie nach wie vor die
dominierende Macht in Griechenland waren, achteten sie darauf, dass keine andere Stadt ihre Interessen in Frage stellte.
Unter dem Vorwand, die Ordnung im Land zu sichern, blieben die Spartaner ständig bewaffnet und griffen gelegentlich sogar aktiv in die Angelegenheiten anderer Städte ein. So drangen sie eines
Tages überraschend in Theben ein. Die Thebaner rechneten nicht mit einem Angriff und befanden sich gerade in Festkleidung.
Sie hatten sich im Tempel versammelt, um das Fest der Demeter, der Göttin der Ernte, zu feiern. Als die Spartaner plötzlich auftauchten, waren sie unbewaffnet und konnten keinen Widerstand
leisten, sodass sie sich kampflos ergeben mussten.
Aus Furcht, die wohlhabenden und einflussreichen Bürger könnten später einen Aufstand organisieren, vertrieben die Spartaner diese aus der Stadt und ließen nur die ärmeren und politisch
unbedeutenden Einwohner zurück.
Um die so eroberte Stadt dauerhaft zu sichern, stationierten sie dreitausend ihrer besten Soldaten in der Zitadelle mit dem Auftrag, sie unter allen Umständen zu halten.
Unter den verbannten Thebanern befand sich auch der wohlhabende und angesehene Pelopidas. Einige Zeit zuvor war er in einer Schlacht schwer verwundet worden und hätte sein Leben verloren, wenn
ihn nicht ein Mitbürger namens Epaminondas unter Einsatz seines eigenen Lebens gerettet hätte.
Epaminondas stammte ebenfalls aus einer vornehmen Familie, die sich – der Überlieferung nach – auf jene Männer zurückführen ließ, die aus den Drachenzähnen hervorgegangen sein sollen, welche
Kadmos, der Gründer Thebens, einst ausgesät hatte. Dennoch lebte er in bescheidenen Verhältnissen und strebte keinen Reichtum an, sondern war ein Schüler des Philosophen Pythagoras, der in seiner
Zeit beinahe so bekannt war wie Sokrates.
Obwohl Epaminondas arm, zurückhaltend und fleißig war und Pelopidas eher das gesellige und lebhafte Leben schätzte, wurden die beiden enge Freunde und schließlich unzertrennlich. Pelopidas, der
die Charakterstärke seines Freundes bewunderte, begann ihm nachzueifern und legte seinen luxuriösen Lebensstil ab, um ebenfalls einfacher zu leben.
Dadurch verfügte er über erhebliche Mittel, die er großzügig für wohltätige Zwecke einsetzte. Als ihn frühere Bekannte fragten, warum er sich nicht mehr um seinen Reichtum kümmere, deutete er auf
einen armen, kranken Mann in der Nähe und erklärte, Geld sei vor allem für diejenigen von Bedeutung, die sich selbst nicht helfen könnten.
