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Entwicklung und Gebrauch der Handfeuerwaffen

Von k. u. k. Oberstleutnant P. Sixl in Kaschau.

 

 

Nachträge zu c) «Die eisernen Hakenbüchsen» Heft 9, S. 316.

 

Hierher gehören eine Hakenbüchse im Königlichen Zeughaus zu Berlin1, Fig. 71a (Nummer 27, Seite 176 des Führers) und eine Hakenbüchse im Historischen Museum zu Luxemburg,2 Fig. 71b.

 

1Die genauen Daten sowie die photographische Abbildung erhielten wir durch die außerordentlich sachgemäßen und überaus liebenswürdigen Bemühungen des Herrn Direktors v. Ubisch und des Herrn Assistenten R. Wegeli des Königlichen Zeughauses zu Berlin, was wir mit bestem Dank besonders hervorheben.

2Oberst v. Cohausen in den «Annalen des Vereins für nassauische Altertumskunde» Bd. 18, 1883 — 84, 229 und T. IV.

 

Die Nebeneinanderstellung der Maße und Konstruktionsdaten ergibt, dass beide Hakenbüchsen nahezu gleich waren; es ist daher zulässig, die fehlenden Daten bei der Luxemburger Büchse durch jene der Berliner Büchse zu ergänzen.

 

Der für den abgebrochenen, ursprünglich angeschweißten Haken aufgeschobene Ringhaken wurde schon bei der Pilsener Hakenbüchse, Fig. 66, Nr. 7, konstatiert und besprochen. Nachdem die Berliner Büchse nach einer genauen photographischen Aufnahme dargestellt ist, so kann man sich die äußere Gestalt der Luxemburger Büchse in ähnlicher Weise vorstellen. Seite 318, Spalte 2, nach dem 3. Absatz von oben, ist einzuschalten:

 

Die bisher beschriebenen großen Hakenbüchsen, Fig. 72—75, hatten den rückwärts eingeschobenen Stangenschaft; es folgen nun geschäftete Hakenbüchsen, welche infolge ihres Gewichtes und auch infolge der Konstruktion in diese Gruppe eingeteilt werden müssen.

 

Eine geschäftete Hakenbüchse mittlerer Größe befindet sich im Königlichen Zeughaus zu Berlin, Fig. 76 (Nr. 105, Seite 182 des Führers). Dieselbe besteht aus Lauf und Schaft. Der Lauf ist aus Schmiedeeisen, 92 cm lang, über den Dorn geschmiedet, rohe einfache Arbeit, außen zylindrisch, gegen die Mündung ganz wenig verjüngt. 18 cm von der Mündung entfernt ist unterhalb am Lauf ein 12 cm langer Haken mit Loch angeschweißt.

 

Länge der Seele 86,5 cm, Kaliber 24 mm, Verhältnis des Kalibers zur Seelenlänge 1 : 36. Das Zündloch befindet sich rechts seitwärts, die angeschweißte Zündpfanne ist abgebrochen. Oberhalb an der Mündung ist ein aufgetriebenes Korn, rückwärts oberhalb am Lauf ist ein Visier-Einschnitt vorhanden. Der Schaft ist aus Eichenholz, wahrscheinlich noch original, mit geradem blockartigen Kolben.

 

Fig. 71a. Eiserne Hakenbüchse im Kgl. Zeughaus zu Berlin.
Fig. 71a. Eiserne Hakenbüchse im Kgl. Zeughaus zu Berlin.
Fig. 76. Mittelgroße geschäftete Hakenbüchse aus dem Kgl. Zeughaus zu Berlin.
Fig. 76. Mittelgroße geschäftete Hakenbüchse aus dem Kgl. Zeughaus zu Berlin.

Die Verbindung zwischen Schaft und Kolben wird durch einen Querstift hergestellt, welcher durch Schaft und Haken geht; im rückwärtigen Teil dürfte unterhalb noch ein Öhr vorhanden sein, jedoch ist an der Außenseite des Schaftes ein Loch für den Querstift nicht sichtbar; eine Trennung von Lauf und Schaft ist derzeit untunlich.

 

Am Kolben ist noch ein länglich geformter eiserner Ring aufgeschoben, welcher augenscheinlich die rückwärtige Verbindung von Lauf und Schaft, ähnlich wie bei Fig. 63 und 64, herstellen sollte, Länge der ganzen Waffe 126 cm.

 

Gewicht der ganzen Waffe 16 kg. Besondere Zeichen oder Marken sind nicht vorhanden, als Fundort wird die Kirche zu Dembowa-Lonka in Westpreußen genannt; Entstehungszeit: um die Mitte des 15. Jahrhunderts.1

 

1Die beiden folgenden Hakenbüchsen müssen nun mit Fig. 77 und Fig. 78 bezeichnet werden.


Quelle: Zeitschrift für Historische Waffenkunde. Organ des Vereins für historische Waffenkunde. II. Band. Heft 10. Dresden, 1900-1902.