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Die historische Waffensammlung der Stadt Wien im Zusammenhang mit der militärischen Organisation der Stadt

Fig. 1. Landsknechtlicher Harnisch des Hans von Siergenstein aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1560—1580).
Fig. 1. Landsknechtlicher Harnisch des Hans von Siergenstein aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1560—1580).

Von Karl Schalk.

 (Fortsetzung.)

 

I. Die Bürgerwehr und ihre Waffen in der Sammlung.

 

(Mit 4 Abbildungen.)1

 

Die Wiener Verhältnisse zeigen den typischen Charakter der Entwicklung in deutschen Städten.2 Die Geschichte der Wiener Bürgerwehr lässt sich in drei Perioden teilen.

 

1. Die älteste Zeit bis zum Jahre 1648, die Periode der Harnische. Alleiniges Bestehen einer Bürgerinfanterie.

 

2. Die Zeit von 1648 bis 1805, die Periode der Geschütze. Seit der Gründung einer Bürgerartillerie im Jahre 1648 bis zur Reorganisation des Gesamtinstituts unter dem Einfluss der Franzosenkriege.

 

3. Die Zeit von 1805 —1848, die Periode der Uniformen. Einrichtung eines zweiten Bürgerregiments zu Fuß, von Grenadierdivisionen, einer ständigen Bürgerkavallerie und Einbeziehung des 1741 gegründeten Korps der Akademie der bildenden Künste in die Bürgerwehr, bis zu deren Auflösung.

 

1. Periode: Die älteste Zeit bis 1648.

 

Die Bürgerwehr unterscheidet sich von den anderen städtischen militärischen Organisationen erstens durch den privilegierten, bürgerlichen Charakter ihrer Mitglieder, und zweitens durch den Umstand, dass sie allein auch in Friedenszeiten fortbestand, von Zeit zu Zeit gemustert wurde und neben einer kriegerischen, auch in Friedenszeiten eine repräsentativ-patriotische Tätigkeit anlässlich wichtiger, öffentlicher und privater Ereignisse im Herrscherhaus entwickelte. Nach den beiden Seiten ihrer Tätigkeit zeigt sie einen verschiedenen taktischen Verband und das Bedürfnis nach teilweise verschiedener Bewaffnung.

 

Zu bemerken ist, dass der Ausdruck Bürgerwehr ein durchaus moderner ist und dass es noch im 18. Jahrhundert (1740) von der ausrückenden Bürgerschaft heißt:3 „Die acht bürgerlichen Infanteriecompagnien“, und dass keine Gesamtbezeichnung gewählt wird.

 

Im Falle kriegerischen Auftretens der Bürgerwehr wurde bis in die letzte Zeit ihres Bestehens festgehalten an den Stadtvierteln als Grundlage der untersten taktischen Verbände. Nur wurden im Laufe der Zeit, nach Weiß im Jahre 1666,4 die Stadtviertel in je zwei, ein altes und junges untergeteilt und je ein Unterviertel zur Unterlage einer Kompagnie gemacht, deren Zahl infolgedessen auf acht wuchs.

 

An den Fahnen werden wir diese Entwicklung verfolgen.

 

An der Spitze der Bürgerwehr stand der Bürgermeister; ein oberster Hauptmann, der im Sold stand, kann nur als ausnahmsweiser Vertreter betrachtet werden. So wird im Jahre 1452 Niclas Teschler als Bürgermeister und «obrister hauptman der stat rossvolk und fussvolk»5 bezeichnet und noch im Jahre 1810 kommandiert der Bürgermeister als «Oberster sämtlicher Bürgermiliz».6 Entsprechend dem Oberkommando, gab es auch eine Fahne als Symbol der gesamten bewaffneten Bürgerschaft neben Viertelfahnen. Die Sammlung besitzt als eine der ältesten Reliquien eine alte Bürgerfahne (Kat. in Gruppe Nr. 385, derzeit restauriert in einem eigenen Glaskasten im Vorsaal), die wir vielleicht in das Jahr 1465 versetzen dürfen. In der Kammeramtsrechnung des Jahres 1465 findet sich nämlich die Ausgabenpost:7

 

Umb 12 eilen zendal von der stat zu dem vann des guldein adlers, so unser herr der Römisch Kaiser etc. gemainer stat geben hat,8 ein eilen per 80 den. Facit 4 pfd den., umb 3 eilen zendal von der stat zu ziph per 75 den. facit 7 sol. 15 den. Von dem vann zu machen 14 den. Dem Kaschauer davon zu malln 7 pfd 4 sol. den. Umb ain Stangen 3 sol. den. Gesammtkosten: 12 pfd 6 sol. 29 den.

 

Eine andere Fahne wurde im Jahre 1529 von Leopold Maler gemacht «von neuem mit vier gülden adlern und vier Wiener schildt zu baiden saiten, auch ain alten fann gepessert 12 pfd den».9

 

Bürgerfahnen allgemeiner Art sind in der Waffensammlung noch aus den Jahren 1699 (Kat.-Nr. 726) und 1740 (Kat.-Nr.1074) erhalten, vielleicht gehört in diese Kategorie auch noch die Fahne mit Jahreszahl 1825 (Kat.-Nr. 1139).10

 

Außer diesen Fahnen als Symbolen der gesamten bewaffneten Bürgerschaft gab es noch Viertelfahnen für die Mannschaften der Stadtviertel (Kompagnien). Auslagen für die «viertailvann» weist schon die Kammeramtsrechnung des Jahres 147711 aus und zwar nach den Vierteln: «rot-weis, praun, grün und plab».

 

Aus späterer Zeit enthält die Sammlung eine Fahne der Altwidmer-Kompagnie aus dem Jahre 1679 (Kat.-Nr. 756), eine Fahne der Jungwidmer-Kompagnie aus dem Jahre 1745 (Kat.-Nr. 1077), eine Fahne der Altschotten-Kompagnie aus dem Jahre 1745 (Kat.-Nr. 1076), eine Fahne der Altkärntner-Kompagnie aus dem Jahre 176412 (Kat.-Nr. 1141), eine Fahne der Jungkärntner-Kompagnie aus dem Jahre 1764 (Kat.-Nr. 1073), eine Fahne der Jungstuben-Kompagnie aus dem Jahre 1764 (Kat.-Nr. 1142).

 

Es fehlen also nur zwei Kompagniefahnen, nämlich solche des Jungschotten und Altstubenviertels. Eine Fahne der Schottenbrigade ist als im Jahre 1840 verloren gegangen ausgewiesen.13 Selbst als durch Schaffung des Regimentsverbandes, zuerst nachweisbar im Jahre 1797, die Kompagnieeinteilung und noch mehr die Vierteleinteilung in den Hintergrund trat, erhielt sich noch die Erinnerung an die alten Viertel.

 

Die Nationalgarde der Stadt (der heutige erste Bezirk) umfasste am 6. Oktober 1848 zweiundzwanzig Kompagnien, deren jede 200 Mann Garden enthalten sollte, in 4 Bezirke nach den alten Vierteln geteilt.14 Im Jahre 1444 wurden auch die vor den Toren gelegenen Häuser, die der ersten Türkenbelagerung 1529 zum Opfer fielen, in Viertel mit je einem Vieramt eingeteilt15 und deren Bewohnern die Verpflichtung zu «zirgkhen» (die Runde zu machen), «wachten» (die Wache zu halten) und «raisen» (ins Feld auszuziehen) auferlegt.16

 

Aus der Aufgebotsordnung des Jahres 140517 ersehen wir, dass der taktische Unterverband der einzelnen Viertel die Meisterschaft der einzelnen Zünfte oder Zechen bildete, die den einzelnen Vierteln zugeteilt waren.18

 

Was nun die nicht Kriegszwecken dienende Organisation der Bürgerwehr betrifft, ihr Auftreten bei feierlichen Anlässen des Friedens, so hat man dabei von dem geschlossenen Auftreten der Viertelmannschaften abgesehen und die Waffenkategorien gleichartig Bewaffneter zusammengefasst. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war für Wien eine festfreudige Zeit und es fehlte nicht an Gelegenheit zu friedlichem Ausrücken der Bürgerschaft. Kaiser Ferdinand wurde bei seinem Einzug nach der Kaiserkrönung in Wien am 14. April 1558 in feierlicher Weise von der Bürgerwehr einbegleitet.19 Der Zug bestand aus 6 Stück Falconets auf Rädern, 6 Büchsenmeistern, «einem Spill trummel und pfeiffen, dem obristen hauptmann herrn von Pirsch, vier trabanten in einer farb, Georg Frey einem fünfzehnjährigen jüngling, zwey gliedern trabanten zu 6 personen, iren hauptleuten, 67 gliedern schützen, 46 gliedern langspiesser,20 13 gliedt kurzgewehr21 mit der statt wappen, 15 haubtleuth, 10 fenderich, 10 leytenambt, 22 trabanten, 28 bäbel, 46 spilleut». Die Summierung ergibt 2781 Personen (Schlager druckt 2881).

 

Es dürfte wohl mit diesem Aufzug zusammenhängen, wenn im Jahre 1558 drei Personen eine ganze Woche an der Instandsetzung eines «rosskuriss» arbeiteten.22 Vielleicht ist dies der ganze getigerte (soll wohl heißen geliegerte) Streithengst unter Kat.-Nr. 505.

 

Die Jahreszahl 1558 tragen zwei Trabantenhelmbarten mit F(erdinandus) R(ex) und burgundischem Kreuz (Kat. in Gr. Nr. 640—642 und in Gr. 688 und 689), ferner ein Spieß mit Monogramm Ferdinands I. und gekröntem Andreaskreuz (Kat.-Nr. 674).

 

1 Bemerkungen zu den abgebildeten Stücken. Die dem Text beigegebenen Abbildungen betreffen Waffen, die ein allgemeines Interesse darum beanspruchen dürften, weil sie wohl in Wien in Verwendung gekommen, aber daselbst weder angefertigt, noch, wenigstens die beiden Harnische, zunächst von Wienern getragen worden sein dürften. Hans von Siergenstein, der ursprüngliche Besitzer des einen (Kat.-Nr. 382), soll nach Katalog S. 26 aus Kempten in Schwaben stammen. Nun wurde allerdings im Jahre 1639 ein Großonkel Engelberts von Siergenstein, der am 15. Dezember 1747 Fürstabt von Kempten wurde und am 25. Mai 1760 starb (Haggenmüller, Gesch. v. Kempten, Bd. II, S. 291—301) Christoph Giel von Gielsberg zum Abt gewählt (ebenda S. 177). Dieser war aber ein Sohn von Joachim Christoph, der seine altadelige Familie erst aus dem Skt. Gallischen nach Schwaben verpflanzte. Die Siergenstein kommen ihrerseits weder unter den bedeutenden Geschlechtern der Stadt aus den Jahren 1400—1525 (l. c. Bd. I, S. 572) noch unter dem Landadel der Umgebung vor. Auf dem Harnisch befindet sich in der Mitte zwischen Vor- und Zunamen als Schmiedezeichen ein Kleeblatt (Boeheim, Waffenkunde, S. 653). Der Trabharnisch (Kat.-Nr. 382) mit dem Spruch M o SOLA o SERA — EN MI o MEMORIA o A dürfte vielleicht mit der in der Oberkammeramtsrechnung des Jahres 1560 zum 26. November (Uhlirz in Ber. und Mitteil, d. A. V., Bd. XXX, S. 127) erwähnten identisch und beim Turnier von 1560 in Verwendung gekommen sein, aus Francolin, Turnierbuch ist er aber nicht nachzuweisen. Über die Helmbarte (Kat.-Nr. 968) und ihre beiden Wappen vgl. den Text.

2 Liebe, Das Kriegswesen mittelalterlicher Städte in Deutsche Geschichtsblätter, Bd. I, S. 12—17.

3 Akt im Wiener St.-A. alte Reg. 27/1740.

4 Weiss, Geschichte der Stadt Wien, Bd. II, S. 404. Im Jahre 1641 ist bei einer Musterung der allhiesigen Bürgerschaft noch von vier Vierteln die Rede (Uhlirz l. c. Bd. XXXI, S. 89.) Aus dem Jahre 1679 ist die Fahne der Altwidmer-Kompagnie erhalten (Kat.-Nr. 756). Die Unterteilung der Viertel fällt also zwischen die Jahre 1641 und 1679.

5 Schlager, W. Sk. Bd. X, S. 153.

6 Akt im Wiener St.-A. Hist. 9/1810.

7 Uhlirz l. c. Bd. XXVIII, S. 44.

8 Damit ist hingewiesen auf die Wappenverbesserung des Doppeladlers durch den Wappenbrief vom 25. September 1461, besprochen von Graf Pettenegg in Geschichte der Stadt Wien, Bd. II, S. 25. Anm. 2, abgebildet S. 24 Fig. 17.

9 Uhlirz l. c. Bd. XXX, S. 106. Man wäre versucht diese Stelle auf die alte Bürgerfahne zu beziehen, die in vier Feldern vier Adler und vier Schilde (je zwei auf einer Seite) zeigt, aber der Stil scheint die Fahne noch ins 15. Jahrhundert zu verweisen.

10 Der Katalog bezeichnet als Fahnen der Bürgerwehr auch Nr. 1378 und 1379, doch wohl nicht als solche des Gesamtkorps, fraglich ist, ob es solche nach 1805 überhaupt gab.

11 UhlirZ, l. c. Bd. XXIX, S. 40.

12 Im Jahre 1764 wurde Joseph II. zum römischen König gekrönt. Damals dürfte die Bürgerwehr ausgerückt sein, und die Kompagnien, die keine in gutem Stand befindlichen Fahnen hatten, ließen wohl aus diesem Anlass neue machen.

13 Akt im Wiener St.-A. Oecon. 40/1857.

14 Dunder, Denkschrift über die Oktober-Revolution in Wien S. 73.

15 Schlager, Wiener Skizzen. Bd. V, S. 109.

16 Schuster in Geschichte der Stadt Wien, Bd. II/1, S. 465, Anm. 6.

17 Schlager, Wiener Skizzen. Bd. V, S. 29.

18 Wien gehörte also in die Kategorie der Städte mit Heeresorganisation nach «Zünften und Bezirken», Nahmer, Die Wehrverfassungen der deutschen Städte, S. 37 ff. (Abschnitt IV).

19 Schlager, Wiener Skizzen. Bd. I, S. 281 und Uhlirz, Jahrb. d. allerh. Kaiserh. Bd. XVIII, Reg.-Nr. 15764.

20 Damit sind kaum die mit Kat.-Nr. 41 zuerst angeführten Langen Spieße gemeint, da die Sammlung keine Langspieße für das Fußvolk besitzt.

21 Ein Unteroffizierkurzgewehr mit dem Bild des Gekreuzigten und Jahreszahl 1553 war vor dem Jahr 1848 in der Sammlung, ist seither abgängig (Akt im Wiener St.-A. Oecon. 40/1857. Das Kurzgewehr, eine Halbpicke, entsprechend dem Sponton, war schon in der Landknechtszeit im Gegensatz zu den Langspießen der Gemeinen die Waffe der Gefreiten. Jähns, Trutzwaffen S. 269.

22 Uhlirz, l. c. Bd. XXX, S. 122.

 

Fig. 2. Wällischer Trabharnisch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1540—1560). Kat.-Nr. 968.
Fig. 2. Wällischer Trabharnisch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1540—1560). Kat.-Nr. 968.

 

Wahrscheinlich ist, dass diese Waffen von Trabanten und Leibwächtern Ferdinands I. aus der Zeit seines Einzugs herrühren, die später so wie die schon besprochenen Cousen durch Schenkung oder durch Verkauf an die Stadt kamen. Dagegen, dass die Stadt sie machen ließ, sprechen die für diese und das vorhergehende Jahr erhaltenen Rechnungen, die keinerlei diesbezügliche Angaben enthalten. Die Stadt dürfte diese Prunkstücke, welchen Ursprungs sie auch waren, bei feierlichen Anlässen Bürgern zu tragen gegeben haben.

 

Im Jahre 1560 wurden im Monat Juni in und außerhalb der Stadt Wien vier Turniere gehalten zu Fuß und zu Ross,1 darunter ein Scharmützel, und zwar letzteres auf dem Obern Werd (heutiger 9. Bezirk) vor dem Schottentor. Bei diesem war auch die Bürgerwehr beteiligt,2 indem «sieben fendlein knechte von der burgerschaft zu fuess, ganz wol gerust in irer Ordnung» den Platz bewahrten. «Diese kriegsleut, so under den fendlein gelegen, waren bey 3000, vast alle versuchte khriegsleut, welche in aller früe von der statt in gueter Ordnung hinausgangen und das (beim Scharmützel verwendete) geschütz mit inen gefuert.» Bei den Scharmützeln waren unter den Berittenen auch vertreten «Ihrer Rö. Kay. Maj. härtschiere ».

 

Das Rossturnier, das am 16. Juni seinen Anfang nahm, war ein Rennen «über die planckhen».

 

Nun kaufte die Stadt am 6. August 1560, also nach beendetem Turnier, für die städtische Harnischkammer eine ganze Turnierrüstung3 von «einem der Kön. würde hartschier, Stephan Khitzinger, genannt, so von der Röm. Kais. Mt. mit dinsten in ander weg versehen worden, mit aller zugehörung um 10 thaler, in geld 11 fl 5 sol. 10 den». Es scheint also nicht unwahrscheinlich, dass wir in dieser Rüstung den sogenannten «Löwenritter» des Inventars vom Jahre 1821 (Kat.-Nr. 592),4 einen Harnisch mit Schraublöchern zum Anbringen für die Verstärkungsstücke zum neuen wällischen Gestech über die Pallia («die plankhen»),5 zu erblicken haben.

 

Außerdem kaufte die Stadt im selben Jahr von einem jungen Edelmann, «Röm. Kais. Mt hardschär, Wolf Rabitz genannt, aus der Schlesy eine schöne reiterische rüstung mit aller zuegehörung, so seinem anzeigen nach 18 taler gestanden, um 9 taler, in geld 10 fl 4 sol. den.»,6 und am 4. November «ein schönes, poliertes, gestreiftes Nürnbergerisch harnusch mit aller zugehörung von einem trabanten der Röm. Kais. Mt, so angezeigt, er hab ims selbs zu Nürnberg lassen schlagen, das 16 taler gekost, um 4 taler, in geld 4 fl 5 sol. 10 den.».7 Wir wagen nicht zu behaupten, dass unter diesen beiden Rüstungen die Prunkharnische der Sammlung Kat.-Nr. 593 und 594 zu begreifen seien.8 Im Jahre 1563 fand am 16. März der feierliche Einzug König Maximilians in Wien,9 und gleichzeitig mit der Eröffnung des großen Herrenschießens in Wien10 die Abreise von 6 Fendln Bürger nach Pressburg zur ungarischen Krönung des römischen Königs Maximilian unter dem Bürgermeister Herrman Bair,-«veltobrister iber sechs fendlen burger» statt. Auch aus diesem Jahr besitzt die Stadt vier Trabantenhelmbarten mit F. R. und Reichsadler (Kat. in Gr. Nr. 643—645 und Nr. 647).

 

Anlässlich der Hochzeit des Erzherzogs Carl von Steiermark mit Herzogin Maria von Bayern im Jahr 1571 in Wien11 zog der Rat «mit zehn fendlen; wolgeziert» unter Hans von Thaw, Bürgermeister und Obrister, einem Leutenambt und 10 Hauptleuten dem Erzherzog, der von Wiener Neustadt kam, entgegen. Auf Wirrichs Abbildungen befindet sich je ein Berittener (der Bürgermeister und die Hauptleute) umgeben von Bürgern mit Sturmhauben und Helmbarten. Die Bürger waren nach den Darstellungen überhaupt nicht in Rüstung, oder «diese lag unter dem goller, der zerschnitten war, so dass der harnisch durchscheinen konnte».12 Jeder Gruppe schreitet aber ein Bewaffneter in Halbrüstung mit Sturmhaube, Brust- und Rückenharnisch, Bauchschienen und an diese geschnallten geschobenen Schenkelschienen (Krebsen)13 und langem Spieß voran.

 

Charakteristisch ist namentlich die Gruppe des Hauptmanns und Fleischhauermeisters Stänzl (Stanislaus) Blaw. Der Harnisch des Bewaffneten in Halbrüstung entspricht der Kat.-Nr. 595. Bei diesem Einzug ist wie bei jenem im Jahr 1558 keine Spur der Einteilung der Bürger nach dem taktischen Viertelverband zu finden, sondern er vollzog sich in Gruppen nach Waffengattungen, wie «Die Ordnung der Bürgerschaft beim einzug» (Fol. D2) beweist:

 

«Ihr führer trugen knebelspiess,14 zwei glieder schützen sah ich wol, zwei spiel ich hie auch nennen sol, darnach der glieder also vil, wie ich hernach anzeigen wil: Ein glied spiess, 2 glied helbarten; darnach sein geritten etlich hauptleut, hernach widerumb 2 glied helbarten, ein glied hackenschützen, hernach widerumb 2 hauptmänner mitsambt dem herrn obristen, 120 glied schützen, ein paar spielleut, 38 glied spiess, 2 glied knebelspiess, 2 glied schlachtschwert» usw.

 

Aber diese von den Vierteln absehende Zugsordnung beweist nichts gegen das Fortbestehen der Vierteleinteilung, die uns ja anderweitig bezeugt ist, da Wirrich selbst die vier Fähnriche, als deren ersten Hans Schilmaier, abbildet.

 

Beim hochzeitlichen Einzug Erzherzog Carls am 24. August wurden nach dem Zeugnis der Kammeramtsrechnung der «Bürgerschaft harnisch und wöhrn aus dem Zeughaus geliehen».15 Mit Jahreszahl 1571 befinden sich in der Sammlung eine Helmbarte Kat.-Nr. 649, eine zweite mit Maximilian II.) und Reichswappen Kat.-Nr. 604 und Spieß Kat. in Gr. Nr. 60.

 

1 Francolin, Turnierbuch.

2 Francolin l. c. Fol. XXXVIII ff. Ob die Bürger auch beim torneamentum des Jahres 1515, das Cuspinian in seinem Tagebuch (Fontes rer. Austr. Abt. I, Bd. I, S. 408) erwähnt, etwas, zu tun hatten, ist mir nicht bekannt. Über ein im Jahre 1565 in Wien abgehaltenes Turnier berichtet Wolf Wolfrath, siehe die Zeitschr. Sammler, Jahrg. 1811, S. 322 ff.

3 Uhlirz, l. c. Bd. XXX, S. 126.

4 Manuskript im Wiener St.-A. Rep. 184, Nr. 46, S. 46 Nr. 11. «Dieser stellet einen deutschen Löwenritter vom Jahre 1623 vor. Er hat lederne Brusttaschen und ledernes Schurz mit blauen Bandeln eingefasst und eine lederne Kuppel. Sein Harnisch ist blank mit gelben Nagerln und bestehet aus einem Helm mit Visier, Halskragen, Brust und Rücken, Achsel-, Arm-, Schenkel- und Knieschienen, eiserne Handschuhe, mit Leder gefüttert und Beintaschen. Der ganze Brustharnisch enthält einen vergoldeten, eingeätzten Löwen. Das Visier, die Achsel, Ellenbogen, Handschuhe, Beintaschen und Knieschienen haben ebenfalls vergoldete Theile hievon. Zur linken Seite hanget ihm ein eisernes Schwert in der Scheide, in der rechten Hand haltet er eine große Turnierlanze, und hat Sporen an Stiefeln.» Auf diese Art Beschreibung bezieht sich wohl Demmins abfälliges Urteil über das bürgerliche Zeughaus in Kriegswaffen 2. Aufl. S. 14. Eine Rüstung mit Löwenköpfen, l'armure aux lions im Artilleriemuseum in Paris, Robert, Cat. Bd. II, S. 56, Nr. G. 50, sie wird als italienisch aus der Mitte des 16. Jahrhunderts bezeichnet. Über die Hartschiere siehe Ottenfeld und Teuber, Die österr. Armee, S. 7.

6 Uhlirz, l. c. Bd. XXX, S. 127.

7 Ebenda.

8 Ein mit Jahreszahl 1560 versehener Harnisch aus der Zeit des Turniers, der höchst wahrscheinlich dem Caspar von Vels gehörte im Landeszeughaus von Graz, Graf Meran, D. L. Z., S. 26 ff; im Inventar von 1590: «Geezter khyris» genannt.

9 Uhlirz, Jahrb. d. a. K. Bd. XVIII, Reg.-Nr. 15778. Er wurde «von der burgerschaft mit freidenschüssen, zwaien gegenzügen alter und junger kriegsleut ganz ansechenlichen empfangen». Lanzknechtische Form «zu claidung» wurden in der Zahl von 385 von Haus zu Haus geschickt und ausgeteilt.

10 Flexel, Das große Herrenschießen, herausgegeben von Camesina, S. 45 und 75.

11 Wirrich, Ordentl. Beschreibung des christl. Beylags des Erzherzog Karolen mit Maria, Herzogin zu Bayern den 26. Augusti 1571.

12 Nach der Beschreibung der Turnierrüstung Erzherzog Carls in Francolin l. c. Fol. Xlb.

13 Nach dem Sprachgebrauch der Wiener Kammeramtsrechnungen bezeichnet Krebs einen Teil der Rüstung, und zwar die geschobenen Brust- oder Schenkelschienen oder beide zusammen. Zum ersten Mal ist die Bezeichnung erwähnt in der Rechnung des Jahres 1456: «Krebs oder halbplatten». In der Rechnung über die Zeit vom 24. Oktober 1552 bis 1553 sind ausgewiesen als angekaufte «harnasch von den lantzknechten in herzog Maritzen abzug an zahl 153, zum tail stuck und krebs, diechling, zum tail armbzeug und Sturmhauben» (Uhlirz, l. c. Bd. XXX, S. 118). Im Jahr 1559: «Harnasch mit aller zugehörung als: rück und krebs mit paintaschen, stählen kragen und Sturmhauben». (Ebenda S. 125.) Die ganzen Krebse sind im ganzen geschobene Harnische, vgl. Boeheim, Führer durch die kaiserl. Waffens. Nr. 237, 243, 290, 293.

14 Jähns, Trutzwaffen S. 183. Abb. Taf. X, Nr. 8 und 9.

15 Uhlirz l. c. Bd. XXXI, S. 72. Die Bürger veranstalteten auch dem König Mathias anlässlich seines Einzuges als Statthalter Ungarns und des Erzherzogtums Österreich am 14. Juli 1608 einen feierlichen Empfang, bei dem sie ausrückten, Ber. und Mitth. d. A. V. Bd. IX, S. I23 ff. Die damals in zehn Fähnlein ausgerückte Bürgerschaft umfasste nach dem Bericht Holzmüllers 5000 Mann und 300 deutsche Handelsleute, dann die gleiche Zahl Wälsche und Niederländer, die in Wien Niederlassungen hatten, zu Pferde, «in einer liberey geklaidt». Über die Ritterschaft der «löbl. burgerschaft war herr Daniel Moser des innern stattraths rittmaister».

Helmbarte aus der Zeit von 1571

Helmbarte aus der Zeit von 1571. Kat.-Nr. 968.

 

Der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehören neun reichgeätzte Helmbarten (Kat.-Nr. 960—965 und 967—970) mit je einer Wappendarstellung auf jeder Seite des Beiles an. Der gespaltene Schild mit geharnischtem Ritter und Löwen dürfte vielleicht das Wappen des Johann Kalenberger bei Wirrich Fol. G2 sein, das unter den «Wapenmessig wapen etlicher befelchsleut, so ihren hauptleuten nachgesetzt sein sollten», sich befindet. Das vierfeldige Wappen erinnert an das des Tiroler Geschlechts der Fueger von Friedberg.1

 

Über die Feldzüge der Wiener im 15. Jahrhundert haben Schlager und nach ihm Kutzlnigg eingehend gehandelt. Hervorzuheben scheint dabei nur, dass es sich bei den Kämpfen außer Wien wohl zumeist um von der Stadt gedungene Söldner handelt, und die Bürger hauptsächlich bei der Verteidigung des heimischen Herds, der Stadt selbst, in den Jahren 1477, 1485 und 1529 in Frage kommen. Unter den Verteidigern der Stadt gegen die Türken im Jahre 15292 befanden sich 19.000 Mann zu Fuß und 2.000 Reiter, dann noch Spanier, deren Fahne vom Jahre 1523 in die Sammlung gekommen sein dürfte und sub Kat. in Gr. Nr. 388 aufbewahrt wird, und tausend Wiener Bürger. Von den vier Bürgerkompagnien standen anfänglich zwei unter Johann von Greiseneck und Leonhart Hauser beim Schottentor in Verwendung, während die anderen zwei Kompagnien unter dem Bürgermeister Wolfgang Treu und dem Stadtrichter Paul Pernfuss für die Aufrechthaltung der Ordnung, die Pflege der Verwundeten und die Feuerwache zu sorgen hatten.

 

Von den Waffen, die die Bürger während der ersten Periode im Krieg trugen, kommen in Betracht als Trutzwaffen: Armbrust, Feuerwaffen und Schwert, und als Schutzwaffen: Harnisch und Setztartsche (letztere auch als Söldnerwaffe). Von den Feuerwaffen fallen in die Zeit Hand- und Hakenbüchsen und Musketen mit Luntenschlössern und Radschlössern.3 Die Sammlung besitzt keine Armbrüste für den Kriegsgebrauch, sondern nur zwei deutsche Jagdarmbrüste aus dem 16 Jahrhundert (Kat.-Nr. 700 und 701) und drei Balästern (Kat.-Nr. 722). Das Museum besitzt ferner nur einen messingenen Hakenbüchsenlauf Kat.-Nr. 141;4 ein zweiter sub Kat.-Nr. 132a (Eisen) ist dem Heeresmuseum entlehnt; sonst besitzt die Sammlung von datierten Feuerwaffen vor 1648 nur eine Muskete mit Jahreszahl 1556 in neuerer Schrift (Kat.-Nr. 887), italienische Reiterpistolen mit Jahreszahl 1567 (Kat.-Nr. 703 und 704), zwei Radschlosspistolen mit Jahreszahl 1581 (Kat.-Nr. 720 und 721) und eine gezogene Radschlossbüchse von Mathes Mantl mit Jahreszahl 1648 (Kat.-Nr. 715).

 

Tausend Stück Musketen mit der Jahreszahl 1639 und «dem brand und bemerkung der statt Wien» lieh diese im Jahre 1706 als halber vierter Stand den niederösterreichischen Verordneten nach dem ausgeschriebenen Aufgebot.5 Sie erhielt dieselben nicht zurück, sondern wurde mit Geld entschädigt.

 

Im 18. Jahrhundert modernisierte man die Schlösser der älteren Zeit; als Beleg dient das Gesuch des Rates an die Hofkammer, expediert den 15. November 1722,6 worin dieser darauf hinweist, dass «sich im burgerl. zeughauss an derzeit nicht mehr üblichen mousqueten eine anzahl von 1350 circa befunden»; sie seien deshalb auf den Gedanken verfallen «selbe ad modernam formam bringen und mit flintenschlössern versehen zu lassen, zu deren beyschaffung sie dann nicht allein von Zell in Sachsen,7 sondern auch auf annoch ermanglende 500 stuck hinten und so vil abgängige bajonetes von Augspurg die würkliche bestellung gemacht haben».

 

Ein zweites Ansuchen,8 expediert den 23. April 1724, betrifft 1200 Flintenschlösser, die in Zell bestellt wurden, um damit 1200 Stück Mousqueten mit Luntenschlössern umzuschäften. Von Schwertern sind Bidenhänder oder Schlachtschwerter in größerer Anzahl (295 Stück und dazu 8 Klingen) vorhanden; die Meisterzeichen auf denselben, wie auf Stangenwaffen, die im Katalog publiziert sind, sind zum geringsten Teil erklärt.9

 

Klingen mit Namen weisen auf einen Solinger Meister Namens Stantler10 (Kat.-Nr. 83, 103, 119, 125, 128, 129, 132 und in Gr. Nr. 583); auf Nr. 83 ist auch ein Schmiedezeichen (Kat. S. 15 Fig. 15). Ein Schwert trägt die Jahreszahl 1628. Von Solinger Meistern ist (Kat.-Nr. 1270) auch vertreten Peter Munich mit der Klinge eines Haudegens aus der Zeit von 1615 bis 162811 und einer zweiten nicht datierbaren (Kat.-Nr. 789 und 790), dann mit einer Hirschfängerklinge mit Bischofskopf (Kat.-Nr. 1270).

 

Die Sammlung besitzt nur vier ganze Harnische, von welchen zwei unter den Prunkwaffen schon besprochen wurden (Kat.-Nr. 592 und 593). Die ältesten ganzen Harnische der Sammlung («Kürisse») sind ein vollständiger gotischer Reiterharnisch12 (Kat.-Nr. 24) und ein vollständiger Maximiliansharnisch13 (Kat.-Nr. 14).

 

Von diesen beiden Stücken ist nicht zu eruieren, wann sie in die Sammlung kamen, und es lässt sich auch keine Vermutung darüber anstellen, wer sie getragen habe. Von den halben Harnischen aus der Zeit Maximilians I. ist Kat.-Nr. 50 abgebildet.14

 

Bedeutenderes Interesse beanspruchen die mit Jahreszahl 1546 versehenen,, im Kataloge als «Bürgerharnische» bezeichneten landsknechtischen Halbharnische Kat.-Nr. 187—191, 195, 197, 198, 199, 285 in Gr. 296, 297, 298 und 299, zusammen 14 Stück, und mit Jahreszahl 1571 Kat.-Nr. 306 bis 308, 326-329, in Gr. Nr. 390—404, 529 ad 532, in Summa 12 Stücke, und außerdem die Sturmhauben Kat.-Nr. 302, 310, 311 in Gr. Nr. 312, 313, 314: 7 Stück. Die Harnische des Jahres 1546 haben «der Stadt Wappen, numero und jarzal» von Augustin Hirschvogel eingeätzt. Es waren ursprünglich 68 Stücke, von diesen bezog die Stadt 60, und zwar «rück und krebs sambt den achsein und sturmhauben» zum Einheitspreis von 7 fl 4 sol. den per Stück von Georg Zimerman.15 Es ist aber bei Vergleich zwischen den Angaben der Rechnung und den aufgestellten Harnischen zu bemerken, dass in der Rechnung von Sturmhauben die Rede ist, während die Harnische der Sammlung geschlossene Helme, zum Teil sogenannte Burgunderhelme, aufweisen, die wohl nicht ursprünglich zur Rüstung gehörten.

 

Von den 48 Rüstungen, auf die Georg Schmidt im Jahr 1571 das Stadtwappen eingeätzt hat, sind 12 Stück vorhanden.16 Indem man Jahreszahl, Wappen und Nummer auf den Stücken anbringen ließ, wollte man zweifellos den städtischen Besitz sichern, wenn man die Stücke im Kriegsfall oder bei feierlichen Gelegenheiten an Bürger auslieh, wie dies für die Hochzeitsfeierlichkeiten Erzherzog Carls bezeugt ist. Man unterschied solche Harnische von anderen, die man auf Wiederverkauf kaufte wie im Jahre 1556, da man 127 Harnische «sambt kragl und taschen und 87 sturmhauben und pekhenhauben», die man in den letzten drei Jahren seitens der Stadt erworben hatte, um 6 fl. per Harnisch verkaufte.17

 

Man mag die Halbharnische des Jahres 1546 von dem Standpunkt aus Bürgerharnische nennen, weil sie für den Gebrauch der Bürgerwehr dauernd erworben wurden, nicht aber, um eine besondere Art von Harnischen mit besonderer Facon damit zu bezeichnen; in letzterem Sinne gab es keine besonderen Bürgerharnische. Die Halbharnische des Jahres 1546 sind vielmehr Landsknechtharnische nach der Mode der Zeit, wie überhaupt die Bürgerwehr jeweilig die Waffen benutzte, die eben gang und gäbe waren.

 

Von den Kugelbrüsten sind noch 18 Stück aus dem 15. Jahrhundert und 35 aus dem 16. Jahrhundert in der Waffensammlung.18

 

Von den zahlreichen Setztartschen der Sammlung aus dem 15. Jahrhundert, von welchen die mit ungarischem Wappen wohl unter die Siegestrophäen einzureihen sind, sind abgebildet Kat.-Nr. 1519 und Kat.-Nr. 533.20

 

Sie legen, wie die anlässlich der Leichenfeierlichkeiten Albrechts VI. im Jahr 1463 und Friedrichs IV. im Jahr 1493 angefertigten Original-Prunkhelme und Schilde21 der Sammlung, Zeugnis ab von der Kunstfertigkeit der Wiener «Schiffer».

 

Auch noch der ersten Periode der Wiener Bürgerwehr gehören an die im Inventar des Jahres 1686 Fol. 19a angeführten:

 

«1. Vier grüen doppelt taffete trompeter und hörpaukher fähn22 mit Ihro Kays. Maytt Ferdinand IIItii“ höchstsel. gedächtniss namen und jahrzahl 1631.

 

2. Acht roth doppelt taffete deto mit verguldten buechstaben und die jahrzall 1631.

 

3. Aber acht deto, darauf herrn Daniel Mossers,23 gewesten burgermeisters allhier wappen.

 

4. Achtzehn deto mit groß doppelten adler und gemainer statt wappen.

 

5. Item vier deto mit großen adler und auch gern, statt Wiener wappen, die jahrzall 1637.»

 

Im Ganzen werden angeführt 42 Stück. Von diesen sind unter Kat.-Nr. 771 : 12, unter Kat.-Nr. 803 : 8 und unter Kat.-Nr. 1154 : 10 Stück mit Wiener Wappen, zusammen also 30 Stück in der Sammlung vorhanden; dazu kommen noch 24 Paukendecken aus der Zeit Leopolds I. (sub Kat.-Nr. 909 : 8 und Nr. 923 : 16).

(Fortsetzung folgt.)

 

1 Siebmacher, Wappenbuch [1657] Teil I, S. 42. Das letztere Wappen auch auf einem Spieß mit Jahreszahl 1573 im Grazer Landeszeughaus; Graf Meran l. c. Taf. XXX, Fig. 1, nicht erklärt.

2 Kutzlnigg l. c. S. 336 und 342.

3 In Österreich seit 1518 nachweisbar, siehe Polizeiordnung im Archiv für österreichische Geschichte Bd. XIII, S. 239.

4 Abgebildet zu Kutzlnigg l. c. S. 330, Fig, 8. Unter den Büchsenlieferanten war im Jahre 1497 Sebald Pögl am Törl bei Aflenz (Uhlirz l. c. Bd. XXIX, S. 50). Über ihn Boeheim in Zeitschr. f. h. W. Bd. I, S. 171 und Bd. II, S. 239.

5 Akt im Wiener St.-A. alte Reg. 112/1706.

6 Konzept im Wiener St.-A. alte Reg. 127/1722.

7 Zelle im 16. und 17. Jahrhundert berühmt wegen Gewehrfabrikation, Ossbahr, Kat. des Zeughauses in Schwarzburg Nr. 870.

8 Konzept im Wiener St.-A. alte Reg. 55/1724.

9 Graf Meran l. c. S. 86 teilte das im Kat. Fig. 12 abgebildete Schmiedezeichen dem in der Zeit von 1568—1599 als tätig nachweisbaren Peter Schreckseisen aus Wald-Neukirchen bei Steinpach an der Steyr und das als Fig. 69 abgebildete dem in den Jahren 1578—1607 nachweisbaren Pangraz Taller, Bürger und Waffenschmied an der Sulz bei Steyer zu (l. c. S. 88). Die Beschauzeichen der Städte Waidhofen an der Ybs (Mohrenkopf) und Steier (Balkenschild) erfahren wir aus Urkunde vom Jahre 1544 in Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterr. Jahrg. I, S. 129 Nr. 81. Auch die Wiener Messerer führten den Balkenschild, zum Unterschied von den Steirern mussten sie den Schild rot und den mittleren Strich weiß aufschlagen (Jahrb. d. a. K. Bd. XVII, Reg. Nr. 15234).

10 Nach Ehrenthal, Führer durch das historische Museum in Dresden S. 155 und 272, arbeitete er um 1560. Bei Cronau fehlt der Name.

11 Beschrieben von Boeheim, Meister der Waffenschmiedekunst.

12 Boeheim, Waffenkunde, abgebildet als Harnisch der Bürgerwehr in Weiß, Geschichte der Stadt Wien Bd. I, Taf. XVI zu S. 372, und zu Kutzlnigg l. c. Taf. XVI. Als naheliegendes Vergleichsmaterial: Boeheim, Führer durch die kaiserl. Waffens. Nr. 41, 43 und 45, Boeheim, Ein goth. Feldharnisch in Zeitschr. f. h. W. Bd. I, S. 210 aus der Zeit zwischen 1480 und 1490, ferner eine St. Florianbrunnenstatue mit Jahreszahl 1498 vom Graben in Wien in den städt. Sammlungen Abt. II, vgl. Engelmann im Wien. Neuj. Alman. 1898, S. 65, und Dürer, Ritter, Tod und Teufel aus dem Jahre 1513.

13 Boeheim, Waffenkunde S. 152. Vergleichsmaterial: Boeheim, Führer Nr. 67, 121 und 128 und Kasser, Der Harnisch des Lorenz Colman aus der Zeit zwischen 1490 und 1508 in Zeitschr. f. h. W. Bd. I, S. 34.

14 Zu Kutzlnigg l. c. Taf. XVII.

15 Uhlirz l. c. Bd. XXX, S. x 16.

16 Uhlirz l. c. Bd. XXXI, S. 72.

17 Uhlirz l. c. Bd. XXX, S. 121. Erzherzog Mathias weist auf diese Sitte aus zweiter Hand zu kaufen hin in einem Kaiser Rudolf II. erstatteten Vortrag, „das die bürgerliche kriegshandlsleut die harnisch, pixen und spiess von knechten schandwohlfeil kaufften und nur wieder seubern und um achtfach gelt weckh geben,“ Meynert in Österr. Wochenschrift für Wissenschaft und Kunst, Neue Folge Bd. II, S. 797.

18 Mit Kugelbrüsten erscheinen einige den Kaiser im Jahre 1462 auf 1463 in der Wiener Burg belagernden Wiener Aufständischen bewehrt auf der Handzeichnung zu Grünbecks Hist. Frid. III., abgebildet in Gesch. Wiens Bd. II/I, S. 297.

19 Jahrbuch des herald. genealog. Vereins Adler Jahrgang V (1878) Tafel V, beschrieben von Boeheim als Setzschild und in die Zeit von 1470—1480 verlegt wegen der Form des Harnisches des auf der Setztartsche abgebildeten heiligen Georg (ebenda S. 7).

20 Zu Kutzlnigg l. c. Tafel Nr. XV.

21 Waldbott von Bassenheim in Herald. genealog. Zeitschr. Jahrg. III (1873) mit Tafeln.

22 Vgl. Abbildung bei Ottenfeld und Teuber l. c. S. 86.

23 Dessen Biographie in Bergmann, Med. Bd. II, S. 254 ff.


Quelle: Zeitschrift für Historische Waffenkunde. Organ des Vereins für historische Waffenkunde. II. Band. Heft 8. Dresden, 1900-1902.