
Die Kreuzzüge gehören bis heute zu den spannendsten und zugleich umstrittensten Kapiteln der mittelalterlichen Geschichte. Mit Königreich der Himmel brachte Regisseur Ridley Scott im Jahr 2005 ein monumentales Historienepos auf
die Leinwand, das die Ereignisse rund um Jerusalem im 12. Jahrhundert eindrucksvoll darstellt. Im Mittelpunkt steht der junge Schmied Balian von Ibelin, gespielt von Orlando Bloom, der während
der Zeit der Kreuzzüge zwischen politischen Intrigen, religiösem Fanatismus und den Fronten von Christen und Muslimen gerät.
Doch wie historisch korrekt ist der Film tatsächlich? Viele Figuren wie Sultan Saladin oder König Baldwin IV. basieren auf realen Personen, und auch die Belagerung Jerusalems im Jahr 1187 hat
tatsächlich stattgefunden. Gleichzeitig nimmt sich der Film an mehreren Stellen deutliche Freiheiten, verändert historische Abläufe und vereinfacht komplexe politische Zusammenhänge zugunsten der
Dramaturgie. Besonders die Darstellung von Balian selbst unterscheidet sich in einigen Punkten stark von den historischen Quellen.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick darauf, welche Szenen und Figuren historisch belegt sind, wo Hollywood die Geschichte verändert hat und wie realistisch die Darstellung der Kreuzzüge in
„Königreich der Himmel“ wirklich ist.
Die Handlung des Films:
Der Film Königreich der Himmel erzählt die Geschichte des Schmieds Balian, der nach dem Tod seiner Frau und seines Kindes in tiefe Verzweiflung gerät. Eines Tages begegnet er dem Kreuzritter Godfrey von Ibelin, der ihm offenbart, sein Vater zu sein. Nachdem Balian im Streit einen Priester getötet hat, flieht er gemeinsam mit den Kreuzrittern ins Heilige Land. Vor seinem Tod schlägt Godfrey ihn zum Ritter und überträgt ihm den Titel des Barons von Ibelin.
In Jerusalem erlebt Balian die politischen und religiösen Spannungen zwischen Christen und Muslimen zur Zeit der Kreuzzüge. Er dient dem schwer kranken König Baldwin IV., der versucht, den Frieden mit Sultan Saladin zu bewahren. Gleichzeitig verliebt sich Balian in Prinzessin Sibylla, die jedoch mit dem ehrgeizigen Guy de Lusignan verheiratet ist. Nach dem Tod des Königs übernehmen fanatische Kreuzritter die Macht und provozieren einen Krieg gegen Saladin.
Als Jerusalem schließlich bedroht wird, übernimmt Balian die Verteidigung der Stadt. Trotz der aussichtslosen Lage versucht er, die Bewohner zu schützen und weiteres Blutvergießen zu verhindern. Am Ende ergibt er Jerusalem ehrenvoll an Saladin, damit die Bevölkerung verschont bleibt, und kehrt gemeinsam mit Sibylla nach Frankreich zurück.
Als Nachschlagewerk wurde das historische Meisterwerk: Addisons Buch der Tempelritter als Wissensgeber genommen.
Da ich keine Buchbesprechung aufgrund des Umfangs und speziellen Themas schreiben kann, beziehe ich mich als Erstes auf die beiden Hauptcharaktere: Balian von Ibelin (gespielt von Orlando Bloom) und Sybilla (gespielt von Eva Green).
Im Film Königreich der Himmel werden die Figuren Balian von Ibelin und Sibylla deutlich verändert dargestellt, um die Handlung dramatischer und romantischer wirken zu lassen. Historisch gesehen stimmen viele Details nicht mit den überlieferten Quellen überein.
Balian von Ibelin
Im Film ist Balian ein einfacher französischer Schmied, der erst spät erfährt, dass er adliger Herkunft ist. Tatsächlich war der historische Balian von Ibelin jedoch von Geburt an ein Angehöriger
des Hochadels im Königreich Jerusalem, er war Herr von Ibelin und Nablus.
Der Film zeigt ihn als jungen Außenseiter ohne politische Erfahrung. In Wirklichkeit war Balian bereits ein erfahrener Adliger und wichtiger Politiker.
Die Liebesgeschichte zwischen Balian und Sibylla ist historisch nicht belegt. Für eine romantische Beziehung gibt es keine glaubwürdigen Quellen.
Im Film wirkt Balian wie der wichtigste Verteidiger Jerusalems gegen Saladin. Zwar spielte er bei der Verteidigung der Stadt 1187 tatsächlich eine bedeutende Rolle, jedoch war er nicht der
alleinige Held, als den ihn der Film darstellt.
Zudem war der echte Balian verheiratet — seine Frau hieß Maria Komnena, eine ehemalige Königin Jerusalems und die Witwe des Königs Amalrich I.. Dieser wichtige Teil seines Lebens wird im Film
komplett ausgelassen.
Außerdem hat Balian von Ibelin eine folgenschwere Entscheidung im wirklichen Leben getroffen, die im Film aufgrund seines Underdog-Heldenstatus nicht vereinbar gewesen wäre. Folgendes Ereignis aus dem Buch wird komplett verschwiegen:
Auszug ab Seite 93:
Sobald der Großmeister des Tempels erfuhr, dass die Ungläubigen den Jordan überquert hatten und die christlichen Gebiete verwüsteten, sandte er Boten zu einer Templerburg namens „Kloster von Caco“, die vier Meilen von La Feue entfernt lag. Er befahl allen entbehrlichen Rittern der dortigen Garnison, schnell zu ihm zu kommen. Die Ritter hatten sich bereits zur Ruhe begeben, als die Boten eintrafen, doch sie erhoben sich und lagerten um Mitternacht mit ihren Pferden um die Mauern der Burg von La Feue. Am nächsten Morgen, sobald es hell wurde, ritt der Großmeister mit neunzig seiner Ritter nach Nazareth, wo sich ihm der Großmeister des Hospitals und vierzig Ritter der Garnison von Nazareth anschlossen. Die Templer und Johanniter wurden von vierhundert Fußsoldaten begleitet, und die gesamte Streitmacht unter dem Kommando der beiden Großmeister umfasste etwa sechshundert Mann.
Mit dieser kleinen, aber tapferen Schar machten sie sich auf die Jagd nach den Ungläubigen und waren etwa sieben Meilen von Nazareth in Richtung Jordan vorgedrungen, als sie plötzlich auf eine starke Kolonne muslimischer Reiter von mehreren Tausend Mann stießen, die gerade am Bach Kischon ihre Pferde tränkten. Ohne die Zahl ihrer Feinde zu zählen, stießen die Templer ihren Schlachtruf aus, entrollten das blutrote Banner und stürmten mitten in die erstaunten und verängstigten Muslime, um, um es mit den Worten von Abt Coggleshale zu sagen, „Tod und Verdammnis“ über sie zu bringen. Die überraschten Ungläubigen gerieten zunächst in Verwirrung, wurden verunsichert und niedergemetzelt; doch als die geringe Übermacht der Gegner deutlich wurde, umzingelten sie die Templer, überwältigten sie mit Pfeilen und Geschossen und dezimierten ihre Reihen rasch in einem furchtbaren Gemetzel.
Ein Augenzeuge berichtet, dass die Militärbrüder blut- und schweißüberströmt waren, vor Erschöpfung zitterten, ihre Pferde unter ihnen getötet und ihre Schwerter und Lanzen zerbrochen waren. Sie stürzten sich auf die muslimischen Krieger und wälzten sich mit ihnen im Staub. Einige rissen die Pfeile, mit denen sie durchbohrt worden waren, aus ihren Körpern und schleuderten sie mit krampfhafter Anstrengung auf den Feind zurück; andere wiederum, die im Getümmel all ihre Waffen verloren hatten, klammerten sich an die Hälse ihrer Gegner, zerrten sie von ihren Pferden und versuchten, sie unter den Füßen der Kämpfer zu erwürgen.
Jacqueline de Mailly, Marschall des Tempels, vollbrachte außergewöhnliche Tapferkeit. Er ritt auf einem weißen Pferd und trug das weiße Habit seines Ordens mit dem blutroten Kreuz, dem Symbol des Martyriums, auf der Brust. Durch sein tapferes Auftreten und seine würdevolle Haltung wurde er selbst von den Muslimen bewundert. Radolph vergleicht die Wut und den Zorn dieses kriegerischen Mönchs, als er seine gefallenen Brüder erblickte, mit dem Zorn einer Löwin, die ihre Jungen verloren hat; und seine Haltung inmitten der Ungläubigen vergleicht er mit der eines Wildschweins, das von Hunden umzingelt ist und diese mit seinen Hauern zerreißt. Jeder Hieb dieses wütenden Mannes, sagt der ehrenwerte Abt, „schickte einen Ungläubigen in die Hölle“; doch trotz all seiner Tapferkeit fiel Jacqueline de Mailly.
Während dieser blutigen Schlacht reiste Lord Balian d’Ibelin mit einer anderen Gruppe Templer von Nablus nach Nazareth, um sich dem Großmeister anzuschließen. Der folgende Bericht schildert ihren Marsch dorthin. „Nachdem sie zwei Meilen zurückgelegt hatten, erreichten sie die Stadt Sebaste. Es war ein herrlicher Morgen, und sie beschlossen, nicht weiterzugehen, bis sie die Messe gehört hatten. Sie wandten sich daher dem Haus des Bischofs zu, weckten ihn und teilten ihm mit, dass der Tag anbreche. Der Bischof befahl daraufhin einem alten Kaplan, sich anzuziehen und die Messe zu lesen. Danach eilten sie weiter.
Dann kamen sie zur Burg La Feue (einer Templerfestung) und fanden dort vor der Burg die Zelte des Klosters Caco aufgeschlagen vor. Niemand war da, der ihnen erklären konnte, was das zu bedeuten habe. Ein Diener wurde in die Burg geschickt, um nachzufragen, fand aber niemanden außer zwei Kranken, die nicht sprechen konnten. Dann marschierten sie weiter nach Nazareth, und nachdem sie ein kurzes Stück von der Burg La Feue entfernt waren, begegneten sie einem Templerbruder zu Pferd. Dieser galoppierte ihnen entgegen und rief: ‚Schlechte Nachrichten, schlechte Nachrichten!‘ und berichtete ihnen, dass dem Meister des Hospitals der Kopf abgeschlagen worden sei, und dass von allen Brüdern des Tempels nur drei entkommen seien, der Tempelmeister und zwei andere, und dass die Ritter, die der König in Nazareth stationiert hatte, alle gefangen genommen und getötet worden seien.“
„Wäre Balian d’Ibelin“, so der Chronist, „mit seinen Rittern geradewegs nach Nazareth marschiert, anstatt in Sebaste Halt zu machen, um die Messe zu hören, hätte er seine Brüder rechtzeitig vor dem Gemetzel retten können.“ So aber kam er gerade noch rechtzeitig an, um die Totenmesse mitzuerleben, die Wilhelm, der Erzbischof von Tyrus, über ihren Leichen verlas.
Sibylla
Sibylla wird im Film als unabhängige und mitfühlende Frau dargestellt, die sich gegen fanatische Kreuzritter stellt. Historische Quellen zeichnen ein wesentlich komplizierteres Bild ihrer
Persönlichkeit und politischen Rolle.
Im Film distanziert sie sich zunehmend von ihrem Ehemann Guy de Lusignan. Tatsächlich unterstützte Sibylla Guy lange Zeit politisch und half ihm sogar dabei, König von Jerusalem zu werden.
Was aber definitiv stimmte, war die damalige Meinung, dass de Lusignan ein schlechte Regent und Heerführer war, der Schlachten eher mied und verlor als sie anstrebte.
Auch die romantische Beziehung zu Balian gehört zu den größten historischen Freiheiten des Films und wurde vermutlich eingefügt, um die Handlung emotionaler zu gestalten. Was ebenfalls
mit dem Film übereinstimmt, sind die Machtintriegen der Adligen untereinander, die das christliche Königreich in Zeiten größter Gefahr deutlich schwächte und den Untergang beschleunigte.
Dazu veröffentliche ich das folgende Kapitel aus dem Buch Addisons Buch der Tempelritter ab Seite 88:
Balduin IV., der zur Zeit der Abreise des Patriarchen Herakleios und des Großmeisters des Templerordens nach Europa regierende Monarch des lateinischen Königreichs war, litt an einer schrecklichen Lepra, die ihm die Heirat verbot und ihn somit jeglicher Hoffnung auf einen leiblichen Erben beraubte. Im Bewusstsein der Gefahren und Unannehmlichkeiten einer weiblichen Thronfolge wählte er Wilhelm V., den Marquis von Montferrat, genannt „Langschwert“, zum Ehemann seiner ältesten Schwester Sibylla. Kurz nach der Hochzeit starb der Marquis von Montferrat und hinterließ Sibylla einen kleinen Sohn namens Balduin.
Sibyllas zweiter Ehemann war Guido von Lusignan, ein stattlicher Adliger aus einer alten französischen Familie aus Poitou. Ihre Wahl fand zunächst Zustimmung beim König, der seinen neuen Schwager freundlich empfing, ihn mit Ehren überhäufte und ihn zum Regenten des Königreichs ernannte. Später jedoch, durch die Intrigen des Grafen von Tripolis, wurde der König dazu bewegt, Guy de Lusignan der Regentschaft zu entheben und Sibyllas Thronansprüche zugunsten ihres Sohnes, des jungen Balduins, der damals etwa fünf Jahre alt war, beiseitezulegen. Er ordnete die Krönung des jungen Prinzen an und übergab seine Autorität dem Grafen von Tripolis, der während der Minderjährigkeit des Monarchen zum Regenten ernannt wurde, während alle Festungen und Burgen des Landes der Obhut der Templer und Johanniter anvertraut wurden. Der junge Balduin wurde unter großem Pomp zur Grabeskirche geleitet und dort vom Patriarchen in Anwesenheit der Großmeister des Templerordens und des Johanniterordens gesalbt und gekrönt.
Gemäß altem Brauch wurde er, mit seiner Krone bekleidet, zum Tempel des Herrn gebracht, um Opfergaben darzubringen. Anschließend begab er sich zum Tempel Salomos, dem Sitz der Templer, und wurde dort zusammen mit seinen Baronen vom Großmeister des Tempels und den Ordensbrüdern zum Abendessen bewirtet.
Kurz nach der Krönung (1186 n. Chr.) starb der ehemalige König Balduin IV. in Jerusalem und wurde in der Auferstehungskirche neben Gottfried von Bouillon und den anderen christlichen Königen beigesetzt. Nur sieben Monate später starb auch der minderjährige König Balduin V., und Sibylla wurde somit die unbestrittene Thronerbin. Der Graf von Tripolis weigerte sich jedoch, die Regentschaft abzugeben, und beschuldigte Sibylla des schrecklichen und unwahrscheinlichen Verbrechens, ihr eigenes Kind vergiftet zu haben. Doch Gerhard de Riderfort, der Großmeister des Tempels, lud sie nach Jerusalem ein und gab den Befehl zur Krönung. Er sandte im Namen der Königin Briefe an den Grafen von Tripolis und die rebellischen Barone, die sich mit ihren bewaffneten Anhängern in Nablus (dem alten Sichem) versammelt hatten, und forderte sie auf, zur festgesetzten Zeit zu erscheinen, um ihm zu huldigen und den Treueeid zu leisten.
Die Barone ließen jedoch ausrichten, dass sie an ihrem Aufenthaltsort bleiben würden. Daraufhin entsandten sie zwei Zisterzienseräbte zum Großmeister des Tempels und zum Patriarchen Herakleios,
um sie im Namen Gottes und seiner heiligen Apostel zu ermahnen, Isabella nicht zur Gräfin von Jaffa zu krönen, solange sie mit Guido von Lusignan verheiratet sei. Sie führten aus, dass dieser
bereits seine völlige Unfähigkeit als Befehlshaber, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch in der Regierung, bewiesen habe und dass das Königreich Jerusalem einen fähigen Feldherrn als Herrscher
benötige. Zudem bestanden sie darauf, dass Sibylla sich unverzüglich von Guy de Lusignan scheiden lassen und sich einen Ehemann aussuchen solle, der besser geeignet sei, das Land zu schützen und
die Regierungsgeschäfte zu führen.
Sobald diese Nachricht eingegangen war, befahl der Großmeister des Tempels den Templern, alle Tore Jerusalems zu besetzen, und erließ strenge Anweisungen, dass niemand die Heilige Stadt ohne
seine ausdrückliche Erlaubnis betreten oder verlassen dürfe. Sibylla und Guido von Lusignan wurden daraufhin, von den Templern bewacht, zur großen Auferstehungskirche gebracht, wo Patriarch
Herakleios und sein gesamter Klerus sie erwarteten. Die Kronen des lateinischen Königreichs wurden in einer großen, mit zwei Schlössern gesicherten Truhe in der Schatzkammer aufbewahrt. Der
Großmeister des Tempels besaß den Schlüssel zu einem der Schlösser, der Großmeister des Hospitals den anderen. Bei ihrer Ankunft in der Kirche wurde der Schlüssel des Großmeisters vorgelegt, doch
der Schlüssel des Großmeisters des Hospitals blieb verschwunden, und auch der illustre Anführer selbst war nirgends zu finden. Gerard de Riderfort und Heraclius begaben sich schließlich
persönlich zum Hospital und fanden nach einigem Suchen den Großmeister. Sie verlangten sogleich im Namen der Königin den Schlüssel.
Der mächtige Superior des Johanniterordens weigerte sich zunächst, ihn herauszugeben, doch nach vielen Bitten und Einwänden zog er schließlich den Schlüssel hervor und warf ihn zu Boden. Der
Patriarch hob ihn auf, ging zur Schatzkammer und holte rasch die beiden Kronen hervor. Eine legte er auf den Hochaltar der Auferstehungskirche, die andere neben den Stuhl, auf dem die Gräfin von
Jaffa saß. Herakleios vollzog daraufhin die feierliche Krönungszeremonie. Nachdem er der Königin die Krone aufgesetzt hatte, erinnerte er sie daran, dass sie eine gebrechliche und schwache Frau
sei, die den Mühen und Kämpfen, in die das belagerte Königreich Palästina ständig verwickelt war, nur schwer gewachsen sei. Er ermahnte sie daher, einen Herrscher zu wählen, der das Königreich
gemeinsam mit ihr regieren sollte. Daraufhin nahm Ihre Majestät die neben ihr liegende Krone und rief ihren Gemahl, Guido von Lusignan, zu sich. Sie sprach zu ihm: „Was Gott verbunden hat, soll
der Mensch nicht trennen. Herr, empfange diese Krone, denn ich kenne keinen, der ihrer würdiger wäre als du.“ Und sogleich wurde Guido von Lusignan zum König von Jerusalem gekrönt und empfing den
Segen des Patriarchen.
Der Graf von Tripolis und die Barone waren sehr empört, als sie von diesen Ereignissen erfuhren. Sie erhoben das Banner des Aufstands und proklamierten Prinzessin Isabella, die jüngere Schwester
Sibyllas, die im Alter von acht Jahren Humphrey de Thoron geheiratet hatte, zur Königin von Jerusalem. Sobald Humphrey de Thoron von den Machenschaften des Grafen von Tripolis und der Barone
erfuhr, eilte er mit der Prinzessin nach Jerusalem. Die beiden warfen sich dem König und der Königin zu Füßen und leisteten ihnen ehrerbietig ihren Treueeid. Dieses loyale und entschlossene
Verhalten versetzte die Verschwörer in Schrecken und Bestürzung. Die meisten von ihnen begaben sich nun nach Jerusalem, um zu huldigen. Der Graf von Tripolis hingegen, von seinen Anhängern
verlassen, zog sich in die befestigte Zitadelle von Tiberias zurück, deren Lehnsherr er war, und verblieb dort, stolz dem Königshaus trotzend.
Ab Seite 145 wird das eigentliche traurige Schicksal von Sibylla beschrieben:
Königin Sibylla, die ihrem unpopulären Ehemann, den sie auf den Thron erhoben hatte, offenbar aufrichtig zugetan war, befand sich mit ihren vier kleinen Töchtern im christlichen Lager. Seit der Befreiung König Guys von Lusignans aus der Gefangenschaft war sie mit ihm von Ort zu Ort gewandert und hatte ihn während der langen Belagerung von Akkon durch all die Schrecken, Prüfungen und Ängste hindurch begleitet. Ihr zarter, von Kummer und Unglück geschwächter Körper konnte den vielen Entbehrungen im christlichen Lager nicht standhalten. Sie fiel der schrecklichen Epidemie zum Opfer, die unter den Soldaten wütete, und kurz darauf starben auch ihre vier Kinder.
Die Feinde des Königs behaupteten nun, die Krone des lateinischen Königreichs sei auf Isabella, die jüngere Schwester Sibyllas und Gemahlin Humphreys von Thoron, des Herrn von Montreal (auch bekannt als Mont Royal), gefallen; doch dieser schien anderer Meinung zu sein und unternahm weder Schritte, seine Frau zur Königin zu machen, noch selbst König zu werden. Der unternehmungslustige und ehrgeizige Konrad, Markgraf von Montferrat, beschloss daher, ein gewagtes Spiel zu wagen, um sein Vermögen zu mehren. Er machte Isabella Avancen und überredete sie, sich von Humphrey de Thoron scheiden zu lassen und ihn zu heiraten. Er ging zum Bischof von Beauvais und überzeugte diesen, die Scheidung auszusprechen.
Unmittelbar danach entführte er Isabella nach Akkon und heiratete sie dort. Kaum war die Hochzeit vollzogen, ließ sich Konrad mit seiner Frau zum König und zur Königin von Jerusalem ausrufen und nahm sogleich einige königliche Funktionen auf sich. Er begab sich ins christliche Lager vor Akkon, und seine Anwesenheit verursachte schwere Spaltungen und Streitigkeiten unter den Kreuzfahrern. König Guido von Lusignan beharrte auf seinen Rechten; er beharrte darauf, dass er, da er einst König gewesen sei, immer König bleiben werde und der Tod seiner Frau ihm die Krone, die er gemäß dem etablierten Brauch des lateinischen Königreichs feierlich empfangen habe, nicht nehmen könne. Eine starke Gruppe im Lager erklärte sich zu seinen Gunsten, während eine ebenso starke Gruppe seinen Rivalen Konrad unterstützte, der sich bereit machte, seine Rechte mit gezücktem Schwert zu verteidigen. Das Unglück der Christen schien somit seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Schwert, Hungersnot und Pest hatten nacheinander ihr Lager heimgesucht, und nun kam der Dämon der Zwietracht, um sie gegeneinander aufzuhetzen und all ihre Bemühungen für die christliche Sache zu lähmen.
Fazit zum Film
Der Film orientiert sich also zwar an echten historischen Personen und Ereignissen, verändert aber besonders die Biografien von Balian und Sibylla stark zugunsten von Spannung, Romantik und klaren Heldenfiguren.
Sehenswert ist der Film Königreich der Himmel aber allemal, wer große bildreiche Schlachtenszenen sehen will, verfeinert mit Romantik und etwas historischem Kontext.
Buchquelle: Addisons Buch der Tempelritter von Charles G. Addison, ISBN: 9783565392674
