

In den vorangegangenen Abschnitten haben wir die Beschaffenheit und die Fundorte der verschiedenen Gesteinsarten beschrieben, aus denen der Mensch seine frühesten Werkzeuge und Waffen herstellte. Ebenso wurden die tonhaltigen Materialien behandelt, die er zur Anfertigung von Schmuck, Haushaltsgeräten sowie zur Aufbewahrung der Überreste Verstorbener verwendete. Auch die verschiedenen Baum- und Pflanzenarten, aus denen unsere frühen Bewohner Boote, Paddel, Mühlen, Teigmulden, Trinkgefäße und andere Gebrauchsgegenstände fertigten, wurden dargestellt. Dieser Abschnitt des Katalogs beginnt mit einer kurzen Beschreibung der einheimischen Tierwelt, die dem Menschen in früher Zeit Nutzen brachte und zu seinem Lebensunterhalt beitrug.
Der Mensch in seinem ursprünglichen Zustand, der für die Herstellung seiner Werkzeuge und Waffen fast ausschließlich auf Feuerstein, Stein und Holz angewiesen war – Materialien, deren Überreste in Irland zahlreich gefunden wurden und die in den ersten und dritten Abschnitten dieser Sammlung ausführlich dargestellt sind –, muss sich ursprünglich überwiegend von Fleisch und Fisch ernährt haben. Daraus ergibt sich, dass er sowohl die harten Knochen als auch die weicheren Geweihe sowie die geschmeidigen Häute und warmen Felle der erlegten Tiere zur Herstellung von Waffen, Werkzeugen, Kleidung, Haushaltsgegenständen und persönlichem Schmuck verwendete. Seine Bedürfnisse machten dies erforderlich, oder sein Einfallsreichtum führte ihn dazu.
Im Verlauf der Zivilisation zähmte der Mensch einige Wildtiere oder führte bereits domestizierte Tiere aus anderen Ländern ein. Mit jenen Tierarten, die als voradamitisch gelten können, befassen wir uns hier nicht, da sie eher in den Bereich der Geologie und Paläontologie als in den der Altertumskunde gehören; die Grenzen zwischen diesen Fachgebieten sind allerdings noch nicht eindeutig festgelegt. Neuere Forschungen neigen dazu, die zeitliche Einordnung weiter zurückzuverlegen und die Anfänge der menschlichen Existenz auf der Erde wesentlich früher anzusetzen. Ebenso wird heute angenommen, dass viele Tiere, von denen man früher glaubte, sie hätten lange vor dem Menschen gelebt, tatsächlich zeitgleich mit ihm vorkamen.
Da die verschiedenen irischen Tierarten, die mit dem Menschen in Beziehung standen, bereits in den Proceedings of the Academy, Band VII, Seiten 64 und 181, beschrieben worden sind, erscheint es hier überflüssig, sie lediglich aufzuzählen.
Über die frühere Tierwelt Irlands besitzen wir bislang nur unvollständige Kenntnisse. Zu den größeren Raubtieren gehörte der Bär, im Irischen „mathghamhain“ genannt. Es handelte sich vermutlich um den Braunbären Nordeuropas, der in Schottland noch bis zum Jahr 1057 vorkam. Obwohl sein Vorkommen in Irland durch die Überlieferung bezeugt wird, finden sich in unseren historischen Quellen keine eindeutigen Hinweise auf ihn. Die meisten in Irland gefundenen Bärenschädel deuten darauf hin, dass das Tier eher klein war, obwohl hier einst auch der Höhlenbär zusammen mit dem Mammut lebte.
Der Wolf, im Irischen „cú allaidh“ („Wildhund“) genannt und in Handschriften gelegentlich auch als „mac tíre“ („Sohn der Erde“, lateinisch filius terrae) bezeichnet, hielt sich bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts in den Wäldern und Höhlen der irischen Hochlandgebiete.
Der große Hund, im Irischen „cú“, gewöhnlich als „Irischer Greyhound“ bezeichnet und vermutlich zur Hirschjagd oder zur Wolfsjagd eingesetzt, ist wahrscheinlich ausgestorben.
Der Fuchs („sionnach“ oder „madradh ruadh“, der „rote Hund“), der Dachs, der Otter („dobhar-chú“ oder „Wasserhund“), das Hermelin, das Wiesel sowie die Wild- und Hauskatze umfassten nahezu die gesamte Gruppe der Raubtiere des alten Irlands. Zu dieser Liste kann noch die Robbe beziehungsweise der Seehund hinzugefügt werden, die an den irischen Küsten zahlreich vorkommen.
Unter den Hirscharten war unser gewaltiger Irischer Elch (Cervus megaceros) das prächtigste Tier seiner Gattung, dessen Überreste in Irland gefunden wurden. Ob er jedoch gleichzeitig mit dem Menschen lebte, ist noch immer umstritten. Für dieses ausgestorbene Tier ist kein irischer Name überliefert. Dass eine kleinere und vermutlich degenerierte Form des Irischen Elchs in Irland noch zur Zeit des Menschen existierte, lässt sich aus dem Fund von Überresten in Torfschichten über Lehmablagerungen schließen; möglicherweise wurden weitere Exemplare an ähnlichen Fundorten entdeckt. (Siehe Proceedings, Band VII, Seite 198.)
Der Rothirsch (Fiadh Ruadh) war offenbar die in Irland am weitesten verbreitete Hirschart und zugleich das wichtigste Jagdwild. Andere Hirscharten kamen im Mittelalter zweifellos ebenfalls in großer Zahl vor; es ist jedoch fraglich, ob sie nicht erst zu dieser Zeit eingeführt wurden.
Schafe (Caora) und Ziegen (Gabhar) gab es bereits in frühester Vorzeit, wobei die Schafe mehrhörnig waren. Ochsen (Daimh) waren zweifellos die zahlreichsten und hochwertigsten Nutztiere Irlands. Sie werden bereits in den ältesten geschichtlichen Überlieferungen erwähnt und lebten wahrscheinlich schon lange vor der Besiedlung der Insel durch den Menschen hier.
Das Pferd (Capall oder Each) lebte einst gleichzeitig mit dem Elefanten, und das Wildschwein (Torc Fhiadhain) war bis in vergleichsweise junge Zeit hinein in den irischen Wäldern weit verbreitet.
Auch der Hase (Gearr-Fhiadh, „kleines Reh“, gelegentlich auch Miol-Muighe, „Tier der Ebene“) sowie das Kaninchen (Coinín) lebten bereits seit sehr früher Zeit gemeinsam mit dem Menschen in Irland.
Zahlreiche Orte und Personen in Irland verdanken ihre Namen Tieren oder geschichtlichen Ereignissen, die mit ihnen in Verbindung stehen. Der größte Reichtum der Insel bestand seit jeher in ihrem Viehbestand, und unsere Annalen berichten häufig von Seuchen, die immer wieder unter den Herden ausbrachen.
Der Handel beruhte überwiegend auf dem Tausch von Schafen und Rindern. Die Tribute, welche Häuptlinge oder ganze Königreiche entrichten mussten, bestanden meist aus Vieh. Viele der Fehden und Kriege früherer Zeiten nahmen ihren Ausgang in Viehdiebstählen und endeten gewöhnlich damit, dass die stärkere Partei die Herden der schwächeren raubte.
Die nächste Frage lautet, in welchem Umfang die Tiere des alten Irlands das Material für jene Gebrauchsgegenstände lieferten, die unser Museum unter der Rubrik „Tierische Materialien“ ausstellt. Es handelt sich um die größte Sammlung ihrer Art in ganz Nordwesteuropa. Sie umfasst Beispiele aus Knochen, Geweih, Haut, Haaren, Fell, Wolle, Darm und sogar Wachs sowie Nahrungsmittel wie Butter, Käse und ähnliche Erzeugnisse.
Eine der frühesten Verwendungen von Geweih durch die Ureinwohner Europas scheint zeitgleich mit der Nutzung von Feuerstein und Stein erfolgt zu sein und diesen nur wenig nachgestanden zu haben. Zwar besitzen wir bislang keine Geweihwerkzeuge, die diese Annahme unmittelbar belegen würden, doch enthält unser Museum Feuersteinfragmente (siehe Vitrine A) sowie kleine Steinbeile. Nach den aus anderen Teilen der Welt bekannten Vergleichsfunden wurden diese vermutlich folgendermaßen in Stücke von Hirschgeweih – wahrscheinlich überwiegend vom Rothirsch – eingesetzt:
Ein etwa 12 bis 20 Zentimeter langes Stück Geweih, gewöhnlich an der Stelle eines Seitenastes abgeschnitten oder abgebrochen, um eine breitere Fläche zu erhalten, wurde künstlich ausgehöhlt, damit ein Feuersteinfragment oder ein kleines, scharfes Steinbeil eingesetzt werden konnte. Dieses wurde in den verbreiterten Teil eingetrieben und dort entweder durch Keile, eine Art Kitt oder durch Riemen befestigt.
Mitunter wurde das Geweihstück in der Mitte durchbohrt, um einen Griff aus hartem Holz – etwa Eiche, Eibe, Esche oder Schlehe – hindurchzuführen. Je nach Form und Ausrichtung der Schneide entstand so ein Werkzeug, das als Dechsel, Pickel oder Axt verwendet werden konnte. Die meisten dieser kleinen Geräte wurden jedoch direkt in der Hand gehalten und besaßen keinen gesonderten Griff. Gelegentlich war die Klinge rechtwinklig zum Geweihzapfen eingesetzt, sodass dieser zugleich als Griff und Schaftaufnahme diente.
Dies war möglicherweise eine der frühesten handwerklichen Leistungen der Menschheit: ein Gerät, das sowohl als Waffe als auch als Werkzeug von großem Nutzen war. Mehrere solcher Geweihwerkzeuge befinden sich in den Sammlungen Nordwesteuropas, deren Fundgebiet sich von der Donau bis in die nördlichsten bewohnten Regionen Schwedens und Norwegens erstreckt.
Ihre tatsächliche Verwendung blieb lange Zeit Gegenstand von Vermutungen, da nur sehr wenige Exemplare entdeckt wurden, bei denen die Feuerstein- oder Steinklingen noch im Geweih befestigt waren. Die schweizerischen Pfahlbausiedlungen, insbesondere jene am Bodensee, haben jedoch in den letzten Jahren so zahlreiche Beispiele geliefert, dass die Frage inzwischen als geklärt gelten kann.
Zwei dieser Geräte sind hier dargestellt, jeweils in einem Viertel ihrer natürlichen Größe. Die Abbildungen stammen aus unveröffentlichten Zeichnungen von Professor Lindenschmit aus Mainz.
Bislang wurde in Irland noch kein solches Geweihwerkzeug gefunden, obwohl die dazugehörigen Steinklingen in großer Zahl vorhanden sind. In der Sammlung von Herrn Murray in Edenderry befinden sich jedoch einige andersartige Geräte aus Knochen. Diese weisen deutlich erkennbare Öffnungen für eingesetzte Griffe auf und dienten offenbar als Spitzhacken oder Äxte. Sie ähneln den Exemplaren, die in Jütland gefunden wurden und heute im Museum für Altertümer in Kopenhagen aufbewahrt werden (Abb. 160).
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Murray wurde die folgende Abbildung (Abb. 162) nach dem bemerkenswertesten dieser irischen Knochenwerkzeuge angefertigt. Es ist 20 Zentimeter lang und wurde zusammen mit der abgebildeten Feuerstein-Pfeilspitze in einer Tiefe von 2,1 Metern auf einem alten Bohlenweg im Moor von Ballykillen, in der Baronie Coolestown im King's County, gefunden.
Die scharfe Schneide am schmalen Ende entstand durch schräges Abbrechen oder Abschneiden des Knochens, ähnlich wie bei der später abgebildeten Geweihspitze (Abb. 168).
Die vorstehenden Abbildungen erläutern Gegenstände im Museum der Akademie, deren Verwendungszweck ohne eine bildliche Darstellung nur schwer verständlich wäre.
Je eingehender wir den Menschen in seiner ursprünglichen Einfachheit betrachten und Beispiele seiner Fertigkeiten sammeln, wie sie noch heute bei Naturvölkern anzutreffen sind, desto mehr gelangen wir zu der Überzeugung, dass er in bestimmten Lebensphasen und Entwicklungsstufen gleichsam von einem gemeinsamen Instinkt oder inneren Antrieb geleitet wird. Überall strebt er danach, ähnliche Ziele zu erreichen, dieselben Bedürfnisse zu befriedigen und, von vergleichbaren Wünschen geleitet, dieselben Entwicklungsstufen zu durchlaufen. Unterschiede ergeben sich hauptsächlich durch Klima, natürliche Umweltbedingungen und die Abstammung der jeweiligen Völker. Letztere gewinnt besonders dann an Bedeutung, wenn sich der Mensch vom unabhängigen Nomaden zu einem Mitglied einer Gemeinschaft entwickelt, in der die Menschen nicht nur hinsichtlich von Luxusgütern, sondern auch in Bezug auf die lebensnotwendigen Dinge voneinander abhängig sind.
Die jährlich abgeworfenen Geweihe der Hirsche wurden zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen sowie von Griffen für verschiedenste Geräte verwendet. Darüber hinaus dienten sie auch der Anfertigung von Schmuckgegenständen.
Die Hornscheiden der hohlhörnigen Wiederkäuer waren ebenfalls vielseitig verwendbar, fanden jedoch besonders häufig als Trinkgefäße Verwendung. Es ist bemerkenswert, dass in Irland im Vergleich zu anderen Ländern ähnlicher Größe – etwa Skandinavien oder Norddeutschland – nur sehr wenige solcher Gefäße gefunden wurden.
Das große Kavanagh-Horn im Museum des Trinity College besitzt zwar die Form eines Ochsenhorns, besteht jedoch aus einem Elefantenstoßzahn. Auch der Dunvegan-Becher – ein irisches Kunstwerk, das bereits auf Seite 114 erwähnt wurde – ist in der Form eines Mether gearbeitet. Dies war offenbar die traditionelle Gestalt irischer Trinkgefäße und blieb es auch zu jener Zeit, als dieses besondere Stück gefertigt wurde.
Hinzu kommt, dass die irischen Rinder größtenteils kurzhörnig waren und daher kein Material lieferten, aus dem sich große Trinkhörner herstellen ließen, wie sie in den zuvor genannten Ländern gebräuchlich waren.
Von den frühesten Zeiten bis in die Gegenwart nutzte der Mensch Tierhäute und Felle für die unterschiedlichsten Zwecke. Weiche und warme Pelze dienten – wie noch heute – als Kleidung oder zur Verzierung. Solche Felle stammten von mehreren der bereits genannten Tierarten.
Hirschfelle gehörten vermutlich zu den ersten Kleidungsstücken der ursprünglichen Bewohner dieses Landes. Rinderhäute, sowohl im rohen als auch im gegerbten Zustand, wurden offenbar schon sehr früh für nahezu alle Bereiche des häuslichen Lebens verwendet, ebenso für Kleidung und Pferdegeschirr.
Mit der Einführung der Schrift lieferten die zahlreichen Ziegen Irlands das Pergament, auf dem die Annalen der irischen Geschichte aufgezeichnet wurden und das zugleich als Träger der irischen Buchkunst diente. Pferde- und Kalbsleder wurden als Bucheinbände verwendet, während Leder zugleich als Hülle oder Tasche für Manuskripte diente.
Pferde- und Ziegenhaar wurde verfilzt oder zu Geweben verarbeitet, die entweder als Bekleidung oder als Besatz und Fransen für verschiedene dekorative Zwecke Verwendung fanden. Ein Beispiel hierfür befindet sich in unserer Sammlung (siehe Abb. 188).
Schließlich wurde Wolle, lange bevor Flachs allgemein in Gebrauch kam, zum wichtigsten Rohstoff für die Bekleidung des Menschen.
Aus den harten Röhrenknochen von Vierbeinern fertigte man Waffen, Werkzeuge und Griffe für beide Gerätearten. Darüber hinaus wurden daraus Fibeln, Stecknadeln, Nähnadeln, Ahlen, Spindelwirtel, Kämme, Spielsteine für Dame und Schach, Musikinstrumente sowie Gravurplatten hergestellt.
Neben den zahlreichen Verwendungszwecken von Knochen, die durch entsprechende Beispiele im Museum veranschaulicht werden, dienten sie auch zur Herstellung von Speer- und Pfeilspitzen. Dies wird durch die beigefügte Abbildung (Abb. 163) verdeutlicht.
Die Zeichnung wurde nach einem hervorragend erhaltenen Exemplar aus dem Museum von Professor Nilsson in Lund angefertigt. Sie wird hier wiedergegeben, um die Verwendung der großen Sammlung kleiner, dünner und schmaler Feuersteinabschläge zu erklären, die heute in der Reling-Vitrine A aufbewahrt werden und deren Zweck andernfalls schwer verständlich wäre.
Ein sorgfältig geglättetes und zugespitztes Knochenstück von etwa 15 Zentimetern Länge war auf beiden Seiten etwa sechs Millimeter tief eingekerbt. In jede dieser Rillen wurde eine Reihe kleiner, scharfkantiger und leicht gebogener Feuersteinsplitter eingesetzt und mit einer Art Kitt befestigt. Das auf diese Weise hergestellte Gerät wurde anschließend an einem Holzschaft befestigt, der entweder von Hand geworfen oder mit Hilfe eines Bogens abgeschossen werden konnte.
Sehnen und mit Sicherheit auch Tierdärme wurden gereinigt, gedreht, getrocknet und eingefettet. Sie dienten zum Nähen sowie für zahlreiche andere Zwecke, für die heute Schnur oder Garn verwendet werden. Sowohl Lederriemen als auch Tierdärme wurden von den frühen Bewohnern vermutlich beim Bau von Schleudern verwendet.
Im Museum von Edenderry befindet sich eine Feuerstein-Pfeilspitze, die noch teilweise in ihrem Schaft aus Bruyèreholz steckt und an der noch Reste der ursprünglichen Darmwicklung erhalten sind. Dies zeigt die beigefügte Abbildung, die auf die Hälfte der natürlichen Größe verkleinert wurde.
Die Zeichnung entstand mit freundlicher Genehmigung des Eigentümers, Herrn Murray. Das Stück wurde gemeinsam mit dem Knochenpickel (Abb. 162) im Moor von Ballykillen im King's County gefunden (Abb. 164).
Während das Muskelfleisch und die übrigen Gewebe als Nahrung dienten, wurden die tierischen Fette zweifellos ausgeschmolzen und als Brennstoff für die Lampen verwendet, die sowohl in den einfachen Behausungen der Bauern als auch in den Festhallen des Adels brannten.
Bei den Festmählern der alten Iren wurden bestimmte Teile der geschlachteten Tiere festgelegten gesellschaftlichen Gruppen zugeteilt. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür findet sich in der Beschreibung des Festmahls im Teach Miodhchuarta, dem großen Festsaal von Tara, die Dr. Petrie in Band XVIII unserer Abhandlungen veröffentlicht hat.
Von den Überresten der Wale, die einst zahlreich an unseren Küsten vorkamen, besitzen wir lediglich ein einziges Exemplar: einen gravierten Bucheinband aus einer Bartenplatte eines Wals, der von Joseph Huband Smith, A. M., dem Museum überlassen wurde.
Das milde Klima Irlands, die große Fruchtbarkeit seiner Böden sowie der Wildreichtum seiner Wälder und der Fischreichtum seiner Flüsse und Binnenseen erklären möglicherweise, weshalb bislang keine Harpunenfunde aus Irland bekannt geworden sind.
Verbrannte Vogelknochen wurden sowohl in Urnen als auch in Grabhügeln gefunden; neuere Funde dieser Art sind im Museum ausgestellt.
Fische werden in den historischen Quellen häufig als Nahrungsmittel erwähnt, insbesondere der Lachs – im Irischen auch „eo“, „bradán“ oder „lean“ genannt –, der nach den ältesten Annalen in den irischen Flüssen, vor allem im Boyne, in großer Zahl vorkam. Fischgräten scheinen jedoch von unseren Vorfahren nicht für kunsthandwerkliche Zwecke verwendet worden zu sein.
Bienen (beacha) wurden in Irland bereits in sehr früher Zeit und in beträchtlichem Umfang gehalten. Ein bedeutender Teil der alten Brehon-Gesetze befasst sich mit ihrer Haltung und ihrem Schutz. Erzeugnisse aus Bienenwachs, die sowohl in Form quadratischer Blöcke als auch als Kerzen gefunden wurden, kamen unter Umständen zutage, die keinen Zweifel an ihrem hohen Alter zulassen.
Die Beschaffenheit der Materialien erschwert die Einordnung aller aus tierischen Stoffen gefertigten Gegenstände nach der in diesem Katalog verwendeten Klassifikation, zumal die Funktion einiger Objekte noch nicht eindeutig geklärt ist. Dennoch lassen sich mit wenigen Ausnahmen nahezu alle Stücke in die gewählte Ordnung einfügen.
Sämtliche aus Knochen und Geweih gefertigten Gegenstände – mit Ausnahme einiger weniger Exemplare in Vitrine H – befinden sich auf den beiden großen Ausstellungstabletts A und B am Ende der Ostgalerie, auf Tablett C im ersten Abschnitt der Südgalerie sowie auf den Fundtabletts A, B und C im südlichen Bereich des Erdgeschosses des Museums.
Der große Zweck und Wert einer antiquarischen Sammlung besteht darin, jene Lücken in der Geschichte zu schließen, die von den schriftlichen Quellen weitgehend offen gelassen wurden. Während diese von Naturereignissen, politischen Entwicklungen, religiösen Bräuchen, Invasionen und Feldzügen, Kriegen, Schlachten, Hungersnöten, Stammesfehden und den persönlichen Auseinandersetzungen von Häuptlingen berichten, haben sie die Sozialgeschichte der frühen Bevölkerung weitgehend unbeachtet gelassen.
Die bedeutenden Zeugnisse der Vergangenheit, die in solchen Sammlungen bewahrt werden, veranschaulichen mit größter Zuverlässigkeit das Leben des Menschen in seinem häuslichen Umfeld. Sie geben Auskunft über seine Handwerke, seine Kleidung, seine dekorativen Künste und seine Haushaltsführung seit den frühesten Zeiten. Daher werden sie dem künftigen Historiker Irlands unweigerlich dabei helfen, ein anschauliches Bild der Gesellschaft jener Epochen zu entwerfen, auf die sie sich beziehen.
Man muss sich vor Augen halten, dass es in der irischen Geschichte eine lange Zeitspanne gibt, die von keinem Chronisten beschrieben wurde. Es war eine Epoche, in der Ringforts, Cromlechs und steinerne Bilddenkmäler ebenso verbreitet waren wie Urnen aus gebranntem Ton, Goldschmuck, Waffen und Werkzeuge aus Feuerstein, Stein und Knochen sowie die frühen Geräte und Waffen aus Kupfer und Bronze. Dennoch wurde diese Periode von keinem Geschichtsschreiber ausdrücklich behandelt.
Über diese heidnische Epoche existieren keine schriftlichen Aufzeichnungen. Nur durch die sorgfältige Untersuchung der noch im ganzen Land erhaltenen Denkmäler, der in Sammlungen wie jener der Akademie aufbewahrten Gegenstände sowie durch den Vergleich mit ähnlichen Funden aus anderen Ländern können wir Rückschlüsse auf die sozialen Verhältnisse Irlands während der druidischen oder vorchristlichen Zeit ziehen.
Es erscheint keineswegs unwahrscheinlich, dass die frühen Chronisten Irlands, die Christen und Geistliche waren, bewusst alle Hinweise auf jene Religion ausließen, die sie zu verdrängen suchten, ebenso wie viele Berichte über die Sitten und Gebräuche jenes Volkes, unter dem sie als Missionare wirkten.
Bewahrt wurden vor allem die Stammbäume der Könige sowie Berichte über Schlachten, Sonnenfinsternisse, Seuchen und ähnliche Ereignisse. Diese Informationen stammten überwiegend von den Barden, die den Chronisten als wichtigste und oft einzige Quelle zur Verfügung standen.



Bild- und Textquelle: Royal Irish Academy: A descriptive catalogue of the antiquities in the Museum of the Royal Irish Academy. Dublin, 1861.
© Carsten Rau (Übersetzung aus dem Englischen).
