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Schild des Hochmeisters des Deutschen Ordens Konrad von Thüringen und Hessen († 1241) in der Elisabethkirche zu Marburg in Hessen

Schild des Hochmeisters des Deutschen Ordens Konrad von Thüringen und Hessen († 1241) in der Elisabethkirche zu Marburg in Hessen.
Schild des Hochmeisters des Deutschen Ordens Konrad von Thüringen und Hessen († 1241) in der Elisabethkirche zu Marburg in Hessen.

Dieser Schild ist 87 cm hoch und 74 cm breit. Er ist zu beiden Seiten leicht gewölbt, während er von oben nach unten in gerader Linie verläuft. Er besteht aus Holz und ist auf der Vorderseite mit Pergament überzogen, das blau bemalt ist. Auf diesem Grund ist der Löwe aus erhaben gepresstem Leder aufgesetzt. Seine Färbung wechselt in schrägen roten und silbernen Balken, wobei oben mit Rot begonnen wird.

Früher trug der Löwe eine Krone aus vergoldetem Blech, von der noch einige Reste erhalten sind. Unten rechts (heraldisch gesehen) befindet sich der kleine Schild des Deutschen Ordens mit einem schwarzen Kreuz auf weißem Feld. Da dieses Schildchen unten abgerundet ist, kann man annehmen, dass es erst später hinzugefügt wurde.

Das Interessanteste an diesem ohnehin sehr bemerkenswerten Schild ist seine Rückseite. Diese war ursprünglich auf ihrem Pergamentüberzug vollständig vergoldet. Auf diesem Goldgrund befand sich, in kräftigen Umrissen und mit Lasurfarben ausgemalt, ein Zyklus mehrerer Figuren, der die Geschichte eines Ritters, vermutlich diejenige Konrads, des Besitzers des Schildes, darstellte.

Da sich jedoch der Löwe auf der Vorderseite gelöst hatte und man ihn ungeschickterweise entlang seiner Konturen mit Nägeln befestigte, die durch den gesamten Schild geschlagen wurden, wurde die Bemalung auf der Rückseite nahezu vollständig zerstört. Die Vergoldung und Malerei lösten sich dabei von der Kreidegrundierung ab.

An den wenigen erhaltenen Stellen erkennt man die Figur eines Ritters, die hier in Originalgröße wiedergegeben wird. Er erscheint in der Kriegertracht des 13. Jahrhunderts. Er trägt das vollständige, auch den Kopf umschließende Kettenhemd, das in dieser Malerei lediglich durch einen grauen Farbton angedeutet ist. Darüber trägt er einen bis zu den Knien reichenden, unten gezackten Waffenrock, der rot gefärbt und vollständig mit feinen Goldlinien verziert ist; die Säume sind weiß eingefasst.

Auf dem Waffenrock erscheint dreimal der blaue hessische Schild mit dem rot-weißen Löwen. Der Schwertriemen ist, wie üblich, weiß; unterhalb der Knie befinden sich rote Streifen.

Aus wenigen erhaltenen Spuren lässt sich erkennen, dass vor diesem Ritter eine Dame in rotem Gewand stand und dass der gesamte Goldgrund mit grünen Ranken und roten Blumen geschmückt war.

Außer dem hier wiedergegebenen Ausschnitt ist von dieser Malerei nur sehr wenig erhalten geblieben. Die verstreuten Reste lassen vermuten, dass ursprünglich noch mehrere Ritter zu Pferde sowie weitere Figuren dargestellt waren. Wir müssen uns daher mit diesem nicht unwichtigen Überrest begnügen, der wahrscheinlich Konrad von Thüringen in seiner Kriegsrüstung zeigt.

Jedenfalls vermittelt uns diese Figur ein anschauliches Bild davon, wie der Besitzer des Schildes bewaffnet und gekleidet war. Zugleich erkennen wir an diesem Schild, wie die Schildbemalung den Ursprung der Heraldik bildete und wie bereits gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts jene technische Behandlung der Malerei auf Gebrauchsgegenständen und Waffen vorkam, die man gewöhnlich eher bei Kunstwerken späterer Zeit, insbesondere in Gemäldesammlungen, zu suchen pflegt.

Ein weiteres Beispiel früher Schildbemalung und Heraldik bieten die Figuren, die wir auf der vorliegenden Tafel unter A, B, C und D beigefügt haben. Sie sind einer Pergamenthandschrift des 13. Jahrhunderts entnommen, die sich in der Stadtbibliothek zu Leipzig befindet und die Geschichte Alexanders des Großen behandelt. Die Ritter sind darin in der für dieses Jahrhundert typischen Tracht dargestellt.

Die Schilde dieser Krieger besitzen die gleiche Form wie der oben beschriebene Schild aus Marburg und sind ebenfalls bemalt. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass die drei noch flachen Stechhelme der Ritter ebenso wie die Schilde heraldisch bemalt sind.

Mehrere Bilddarstellungen und bemalte Grabsteine jener Zeit belegen, dass solche farbig gestalteten Helme in Übereinstimmung mit den Schilden bereits vor der Verbreitung von Helmzieren und Helmdecken zu den Elementen gehörten, aus denen sich die Heraldik entwickelte.


Text- und Bildquelle: Jakob Heinrich Hefner-Alteneck: Waffen; ein Beitrag zur historischen Waffenkunde vom Beginn des Mittelalters bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1903.

 © Carsten Rau