Die sogenannte Konstantinische Wende im 4. Jahrhundert n. Chr. gehört zu den einschneidendsten Veränderungen der europäischen und mediterranen Geschichte. Innerhalb weniger Jahrzehnte wandelte sich das Christentum von einer zeitweise verfolgten Religion zu einer politisch bevorzugten und schließlich dominierenden Kraft im Römischen Reich. Dieser Prozess war weder ein plötzlicher Bruch noch das Werk eines einzigen Edikts. Vielmehr entstand die Konstantinische Wende aus politischen...
Galen von Pergamon gehört zu den einflussreichsten Ärzten der gesamten Antike und vielleicht sogar der Medizingeschichte überhaupt. Sein Name steht für ein medizinisches System, das über mehr als tausend Jahre die europäische und islamische Heilkunde geprägt hat. Während Hippokrates oft als symbolischer „Vater der Medizin“ gilt, war Galen derjenige, der dieses medizinische Denken systematisch ausbaute, theoretisch festigte und mit eigenen Beobachtungen verband. Seine Werke wurden...
Als im Jahr 395 n. Chr. der Kaiser Theodosius I. stirbt, endet nicht nur das Leben eines einzelnen Herrschers, sondern auch die letzte Phase, in der das Römische Reich noch formal unter einer gemeinsamen kaiserlichen Autorität steht. In der Rückschau wird dieses Jahr oft als der Moment bezeichnet, in dem das Reich „endgültig geteilt“ wird – in ein westliches und ein östliches Reich. Doch wie so oft in der römischen Geschichte ist der Übergang weniger ein plötzlicher Schnitt als...
Im Jahr 378 n. Chr. ereignet sich eines der folgenschwersten militärischen Desaster der römischen Geschichte: die Niederlage in der Schlacht bei Adrianopel. Dieses Ereignis erschüttert das Oströmische Reich unter Kaiser Valens so tief, dass es oft als ein Wendepunkt in der Geschichte des spätrömischen Militärsystems betrachtet wird. Doch die Schlacht selbst ist kein isoliertes Unglück, sondern das Ergebnis jahrelanger Spannungen an der Donaugrenze, migrationsbedingter Konflikte und...
Als im Jahr 330 n. Chr. die neue Hauptstadt des Römischen Reiches feierlich eingeweiht wird, steht hinter diesem Ereignis kein spontaner Entschluss, sondern eine lange Kette politischer, militärischer und strategischer Überlegungen. Die Stadt, die später als Konstantinopel bekannt wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch relativ jung unter römischer Herrschaft, aber ihre Lage hat sie schon seit Jahrhunderten zu einem begehrten Knotenpunkt zwischen Europa und Asien gemacht. Der Kaiser Konstantin...
Im Jahr 313 n. Chr. fällt eine Entscheidung, die in der Rückschau oft wie ein klarer Wendepunkt wirkt, in der Realität aber das Ergebnis eines langen, harten Machtkampfes ist: der römische Kaiser Konstantin der Große setzt gemeinsam mit seinem Mitkaiser Licinius die religiöse Toleranz im gesamten Reich durch. Das sogenannte „Edikt von Mailand“ wird dabei weniger als einzelnes Dekret sichtbar als vielmehr als politische Vereinbarung, die den Umgang mit Religion im römischen Staat...
Wenn man an das Mittelalter denkt, entstehen in vielen Köpfen sehr ähnliche Bilder: Ritterburgen, Turniere, Kathedralen, Könige und Kreuzzüge. Diese Vorstellungen sind stark geprägt von Regionen wie Frankreich, England oder dem Heiligen Römischen Reich im Gebiet des heutigen Deutschland. Dagegen wirkt Osteuropa – also Regionen wie Polen, Ukraine oder Russland – in der allgemeinen Geschichtswahrnehmung oft wie eine Randzone. Das liegt nicht daran, dass dort „weniger Geschichte“...