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336 v. Chr. wird Alexander der Große König

336 v. Chr. wird Alexander der Große König.

336 v. Chr. beginnt eines der dramatischsten Kapitel der antiken Geschichte: Alexander, später „der Große“ genannt, wird König von Makedonien. Er ist zu diesem Zeitpunkt Anfang zwanzig, ehrgeizig, hervorragend ausgebildet und bereits geprägt von einer Welt, in der Macht, Intrigen und militärische Stärke den Ton angeben. Was in diesem Jahr geschieht, ist nicht nur ein dynastischer Wechsel, sondern der Startpunkt einer beispiellosen Eroberung, die in weniger als einem Jahrzehnt ein Reich schafft, das von Griechenland bis nach Ägypten und tief in den Osten des Perserreiches reicht.

Die Voraussetzungen für Alexanders Herrschaft sind komplexer, als es die spätere Heldenlegende vermuten lässt. Makedonien war im 4. Jahrhundert v. Chr. kein unbedeutendes Randkönigreich mehr, aber auch noch keine Großmacht im klassischen Sinne. Es lag im Norden der griechischen Welt, an der Grenze zwischen den griechischen Poleis im Süden und den thrakischen sowie illyrischen Stämmen im Norden und Westen. Lange Zeit hatten die Griechen die Makedonen als halbbarbarisch betrachtet, auch wenn diese kulturell zunehmend hellenisiert waren.

Den entscheidenden Aufstieg Makedoniens hatte Alexanders Vater, Philipp II., eingeleitet. Philipp hatte in wenigen Jahrzehnten eine der effektivsten Militärmaschinen der Antike geschaffen. Durch Reformen im Heerwesen, geschickte Diplomatie und eine Kombination aus militärischer Gewalt und politischer Heiratspolitik brachte er fast ganz Griechenland unter makedonische Kontrolle.

Die makedonische Phalanx wurde unter Philipp II. entscheidend weiterentwickelt. Die Soldaten trugen lange Speere, die sogenannten Sarissen, die deutlich länger waren als die klassischen Hoplitenlanzen der griechischen Stadtstaaten. Diese neue Formation verschaffte Makedonien einen taktischen Vorteil auf dem Schlachtfeld.

Gleichzeitig nutzte Philipp eine Mischung aus Diplomatie und Zwang. Er mischte sich in griechische Konflikte ein, unterstützte bestimmte Städte gegen andere und baute so seinen Einfluss aus. Nach der Schlacht von Chaironeia im Jahr 338 v. Chr. war Griechenland faktisch unter makedonischer Vorherrschaft vereint, auch wenn die Poleis formal ihre Eigenständigkeit behielten.

In dieser politischen Lage wuchs Alexander auf. Geboren wurde er 356 v. Chr. in Pella, der Hauptstadt Makedoniens. Schon früh wurde seine außergewöhnliche Bildung gefördert. Sein Lehrer war niemand Geringeres als Aristoteles, einer der bedeutendsten Philosophen der Antike.

Aristoteles vermittelte Alexander Kenntnisse in Philosophie, Naturwissenschaften, Medizin und Literatur. Besonders die homerischen Epen spielten eine wichtige Rolle. Alexander soll die „Ilias“ des Homer als eine Art militärisches und moralisches Vorbild betrachtet haben. Achilles wurde zu seiner Identifikationsfigur.

Diese Bildung prägte Alexanders Selbstverständnis tief. Er war nicht nur ein Krieger, sondern sah sich in einer Tradition heroischer Gestalten, die über das gewöhnliche Maß hinausgingen.

Als Philipp II. 336 v. Chr. ermordet wurde, änderte sich die politische Lage abrupt. Die genauen Hintergründe des Attentats sind bis heute nicht vollständig geklärt. Ein Leibwächter namens Pausanias tötete den König während einer öffentlichen Feier.

Sofort brach Unsicherheit im makedonischen Reich aus. Philipp hatte nicht nur Makedonien, sondern auch ein fragiles Bündnissystem in Griechenland hinterlassen. Viele Städte hofften auf einen Machtverlust Makedoniens und möglicherweise auf eine Rückkehr zur alten Unabhängigkeit.

Alexander reagierte schnell und entschlossen. Noch im selben Jahr ließ er mögliche Rivalen ausschalten, um seine Thronfolge zu sichern. Auch innerhalb der königlichen Familie kam es zu Spannungen und Machtkämpfen, wie es in monarchischen Systemen der Antike nicht ungewöhnlich war.

Die makedonische Armee erkannte Alexander schließlich als neuen König an. Entscheidend war dabei nicht nur seine Abstammung, sondern auch seine Verbindung zum Heer und die Loyalität der führenden Militärs, die bereits unter Philipp gedient hatten.

Im Jahr 336 v. Chr. war Alexanders Position jedoch noch nicht stabil. In Griechenland kam es zu Aufständen gegen die makedonische Vorherrschaft. Besonders Theben und Athen hofften auf einen Machtwechsel.

Alexander reagierte mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Er zog nach Süden und ließ sich in Korinth zum Oberbefehlshaber der Griechen gegen Persien ernennen – ein Titel, der bereits seinem Vater übertragen worden war. Damit stellte er sich bewusst in die Kontinuität der antipersischen Politik.

Das Perserreich war zu dieser Zeit weiterhin die dominierende Großmacht des Nahen Ostens. Unter der Achämeniden-Dynastie kontrollierte es ein riesiges Gebiet von Ägypten über Mesopotamien bis nach Zentralasien. Dennoch war das Reich nicht stabil im Sinne homogener Kontrolle. Regionale Satrapen verfügten über beträchtliche Macht.

Die Idee eines Feldzugs gegen Persien war nicht neu. Bereits Philipp II. hatte eine Invasion geplant, möglicherweise auch als Mittel zur politischen Einigung Griechenlands und zur Ablenkung innerer Spannungen. Sein Tod verhinderte jedoch die Umsetzung dieser Pläne.

Alexander übernahm dieses Projekt und verwandelte es in sein Lebensziel. Doch bevor er sich nach Osten wenden konnte, musste er seine Herrschaft im eigenen Machtbereich sichern.

Im Norden Makedoniens brachen Aufstände thrakischer und illyrischer Stämme aus. Alexander führte schnelle Feldzüge, um diese Bedrohungen zu beseitigen. Diese frühen militärischen Operationen zeigen bereits seine charakteristische Vorgehensweise: schnelle, entschlossene Angriffe, oft mit überraschender Bewegung und persönlicher Führung im Feld.

Auch in Griechenland blieb die Lage angespannt. Nach dem Tod Philipps versuchten mehrere Poleis, ihre Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Besonders Theben spielte eine zentrale Rolle in diesem Widerstand.

Alexander reagierte mit einer der drastischsten Maßnahmen seiner frühen Herrschaft. 335 v. Chr. ließ er Theben zerstören. Die Stadt wurde dem Erdboden gleichgemacht, nur Tempel und das Haus des Dichters Pindar blieben verschont. Viele Einwohner wurden getötet oder versklavt.

Diese Entscheidung hatte eine doppelte Wirkung. Einerseits schuf sie Angst und machte deutlich, dass Alexander keinen offenen Widerstand dulden würde. Andererseits stabilisierte sie kurzfristig seine Herrschaft in Griechenland.

Die Zerstörung Thebens ist ein Beispiel für die Härte, mit der Alexander seine politische Macht sicherte. Gleichzeitig zeigt sie, dass seine Herrschaft von Anfang an auf militärischer Stärke beruhte.

Nach der Sicherung Griechenlands wandte sich Alexander endgültig dem geplanten Persienfeldzug zu. 334 v. Chr. überquerte er den Hellespont nach Kleinasien. Dieser Moment wurde später symbolisch überhöht, als Beginn seiner großen Eroberung dargestellt.

In Kleinasien traf er erstmals auf persische Streitkräfte. Die persischen Satrapen in der Region versuchten, den Vormarsch zu stoppen. Es kam zur Schlacht am Granikos, bei der Alexander einen wichtigen Sieg errang.

Dieser Erfolg öffnete ihm den Weg durch Kleinasien. Städte wie Sardes oder Ephesos fielen unter seine Kontrolle. Viele griechische Städte in Ionien begrüßten ihn als Befreier von persischer Herrschaft, auch wenn seine eigene Herrschaft später ebenfalls dominierend wurde.

Die Befreiungsrhetorik spielte eine wichtige Rolle in Alexanders Politik. Er stellte seinen Feldzug nicht nur als Eroberung dar, sondern auch als Rache für die persischen Invasionen des 5. Jahrhunderts v. Chr.

334 v. Chr. markiert also nicht nur den Beginn seiner Herrschaft, sondern auch den Start einer systematischen Expansion.

Die eigentliche Konfrontation mit dem persischen Großkönig Dareios III. begann jedoch erst später. 333 v. Chr. kam es zur Schlacht bei Issos, bei der Alexander den persischen König direkt gegenüberstand und ihn zur Flucht zwang.

Diese Entwicklung war für die antike Welt außergewöhnlich. Zum ersten Mal stand ein makedonischer König dem Herrscher des größten Reiches der damaligen Welt militärisch gegenüber.

Doch zurück zum Ausgangspunkt: 336 v. Chr. ist entscheidend, weil in diesem Jahr die Weichen gestellt werden. Ohne die schnelle Machtübernahme Alexanders, ohne die Loyalität des makedonischen Heeres und ohne die Stabilisierung Griechenlands wäre der spätere Feldzug gegen Persien kaum möglich gewesen.

Die makedonische Monarchie war kein absolutistisches System im späteren Sinne. Der König war stark von der Unterstützung des Adels und der Armee abhängig. Diese Abhängigkeit zwang Alexander dazu, sich ständig militärisch und politisch zu beweisen.

Die Beziehung zwischen König und Heer war besonders wichtig. Die makedonischen Gefolgsleute betrachteten den König nicht nur als Herrscher, sondern auch als militärischen Anführer, der persönlich an der Spitze kämpfte.

Alexander erfüllte diese Erwartung konsequent. Er führte seine Truppen oft selbst in die Schlacht und setzte sich damit großen Risiken aus.

Sein persönlicher Mut wurde zu einem zentralen Bestandteil seiner Legende. Bereits antike Historiker wie Arrian, Plutarch oder Diodor überlieferten zahlreiche Episoden, die seinen heroischen Charakter betonen.

Diese Quellen sind allerdings mit Vorsicht zu lesen, da sie teilweise Jahrhunderte nach den Ereignissen entstanden sind und stark von der Idealisierung Alexanders geprägt sind.

Trotzdem lassen sich aus ihnen grundlegende politische und militärische Strukturen erkennen. Alexanders Erfolg beruhte nicht nur auf persönlichem Mut, sondern auch auf einer gut organisierten Armee, flexibler Taktik und der Nutzung innerer Schwächen des Perserreiches.

Das Perserreich selbst war in dieser Zeit keineswegs im Niedergang, wie oft angenommen wird. Es verfügte weiterhin über enorme Ressourcen, eine große Bevölkerung und eine funktionierende Verwaltung.

Allerdings litt es unter inneren Machtkonflikten und regionalen Spannungen. Diese Faktoren erleichterten später Alexanders Expansion erheblich.

Die Bedeutung des Jahres 336 v. Chr. liegt daher nicht nur im Herrschaftsantritt eines einzelnen Königs, sondern im Beginn eines historischen Prozesses, der die politische Landkarte der antiken Welt grundlegend verändern sollte.

Aus einem jungen makedonischen König wurde innerhalb weniger Jahre der Herrscher eines Weltreiches, dessen Ausdehnung von Griechenland bis nach Indien reichte. Doch dieser Weg begann nicht mit einem Triumph, sondern mit einem Moment der Unsicherheit, des Machtwechsels und der schnellen politischen Entscheidungen im Jahr 336 v. Chr.


© Bild und Texte: Carsten Rau.

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