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Die Schlacht von Issos (333 v. Chr.) – Als Alexander der Große den Perserkönig in die Flucht schlug

Symbolbild: Die Schlacht von Issos.
Symbolbild: Die Schlacht von Issos.

Die Schlacht von Issos im November 333 v. Chr. gehört zu den berühmtesten Feldschlachten der Antike. Sie war die erste direkte Begegnung zwischen Alexander dem Großen und dem persischen Großkönig Dareios III. und stellte einen entscheidenden Wendepunkt im Kampf zwischen dem makedonischen Königreich und dem Achämenidenreich dar. Obwohl Alexander bereits ein Jahr zuvor am Granikos einen wichtigen Sieg errungen hatte, war Issos von einer völlig anderen Größenordnung. Erstmals stand ihm nicht nur eine regionale persische Streitmacht gegenüber, sondern die Hauptarmee des größten Reiches der damaligen Welt, angeführt vom Großkönig persönlich. Die Niederlage der Perser erschütterte die Autorität Dareios' nachhaltig, öffnete Alexander den Weg in den Vorderen Orient und machte ihn endgültig zu einer Figur von weltgeschichtlicher Bedeutung.

Als Alexander im Frühjahr 334 v. Chr. den Hellespont überschritt und mit seinem Heer nach Asien zog, übernahm er ein Vorhaben, das ursprünglich sein Vater Philipp II. geplant hatte. Offiziell sollte der Feldzug die griechischen Städte Kleinasiens von der persischen Herrschaft befreien und Rache für die Perserkriege des 5. Jahrhunderts v. Chr. nehmen. Tatsächlich verbanden sich politische, wirtschaftliche und persönliche Motive. Alexander strebte nach Ruhm, Macht und einer Erweiterung seines Herrschaftsbereiches, die weit über die bisherigen Grenzen Makedoniens hinausging.

Nach seinem Sieg am Granikos konnte er rasch große Teile Westkleinasiens unter seine Kontrolle bringen. Städte wie Sardes ergaben sich, andere wurden erobert oder schlossen sich freiwillig an. Anschließend zog Alexander entlang der Küste nach Süden. Sein Ziel bestand darin, die persischen Seestreitkräfte ihrer wichtigsten Stützpunkte zu berauben. Solange die persische Flotte die Kontrolle über die Ägäis behalten konnte, blieb die Verbindung zwischen Makedonien und Griechenland gefährdet.

Während Alexander seine Position in Kleinasien festigte, bereitete sich das Perserreich auf die nächste Phase des Krieges vor. Der Großkönig Dareios III. hatte erkannt, dass die Niederlage am Granikos keine lokale Angelegenheit war. Die makedonische Invasion stellte eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität seines Reiches dar. Anders als bei den vorherigen Kämpfen entschloss er sich nun, persönlich die Führung zu übernehmen.

Dareios III. war seit 336 v. Chr. Großkönig. Er war nicht durch direkte Thronfolge an die Macht gelangt, sondern hatte sich in einem komplizierten Machtkampf innerhalb der persischen Elite durchgesetzt. Obwohl spätere griechische Autoren ihn häufig als schwachen Herrscher darstellten, entspricht dieses Bild nur teilweise den historischen Tatsachen. Tatsächlich zeigte Dareios mehrfach Entschlossenheit und organisatorisches Geschick. Er stand jedoch vor der schwierigen Aufgabe, ein riesiges Reich mit sehr unterschiedlichen Bevölkerungen und Interessen zusammenzuhalten.

Im Verlauf des Jahres 333 v. Chr. sammelte Dareios eine große Armee. Die genauen Zahlen gehören zu den umstrittensten Fragen der antiken Militärgeschichte. Antike Autoren berichten von mehreren Hunderttausend Soldaten. Moderne Historiker halten solche Angaben für unrealistisch. Wahrscheinlich umfasste die persische Streitmacht zwischen 60.000 und 100.000 Mann, möglicherweise etwas mehr, jedoch sicher nicht die gigantischen Zahlen der späteren Überlieferung.

Den Kern des Heeres bildeten persische Infanterie und Kavallerie, ergänzt durch Truppen aus zahlreichen Provinzen des Reiches. Männer aus Medien, Baktrien, Armenien, Mesopotamien, Syrien und anderen Regionen standen unter den Bannern des Großkönigs. Hinzu kamen griechische Söldner, die als besonders kampfstark galten. Viele von ihnen waren Veteranen früherer Kriege und verfügten über umfangreiche Kampferfahrung.

Alexander verfügte über deutlich weniger Soldaten. Die Stärke seiner Armee wird meist auf etwa 40.000 bis 47.000 Mann geschätzt. Doch seine Truppen waren hervorragend ausgebildet. Die makedonische Phalanx, bewaffnet mit den langen Sarissen, bildete das Rückgrat der Infanterie. Ergänzt wurde sie durch Hypaspisten, leichte Truppen und die berühmte Hetairenreiterei, die Elitekavallerie Alexanders.

Nach seinem Marsch durch Kleinasien erreichte Alexander Kilikien. Die Region lag strategisch günstig zwischen Anatolien und Syrien. Dort erkrankte er zeitweise schwer, vermutlich nach einem Bad in einem kalten Gebirgsfluss. Sein Zustand war offenbar so ernst, dass Gerüchte über seinen Tod kursierten. Dennoch erholte er sich und setzte den Feldzug fort.

Währenddessen kam es zu einer bemerkenswerten strategischen Entwicklung. Beide Heere versuchten, den Gegner zu finden und in eine günstige Position zu bringen. Alexander marschierte nach Süden in Richtung Syrien, während Dareios aus dem Osten heranzog. Durch ungenaue Informationen und die schwierigen geografischen Verhältnisse gelang es dem Perserkönig überraschend, hinter Alexanders Heer zu gelangen.

Dareios besetzte die Stadt Issos und schnitt damit die makedonischen Nachschublinien ab. Für Alexander entstand plötzlich eine gefährliche Situation. Sein Gegner befand sich nicht mehr vor ihm, sondern in seinem Rücken. Gleichzeitig hatte Dareios eine Position gewählt, die den Charakter der kommenden Schlacht entscheidend beeinflussen sollte.

Die Ebene von Issos lag zwischen dem Mittelmeer und den Ausläufern des Amanos-Gebirges. Das Gelände war vergleichsweise schmal. Ein kleiner Fluss, der Pinaros, durchquerte das Schlachtfeld. Die Berge begrenzten die Bewegungsmöglichkeiten großer Truppenmassen. Dadurch konnte Dareios seine zahlenmäßige Überlegenheit nur eingeschränkt nutzen.

Viele Historiker betrachten die Wahl dieses Schlachtfeldes als einen der größten strategischen Fehler des Perserkönigs. Auf einer weiten Ebene hätte seine Kavallerie wesentlich effektiver operieren können. In der Enge von Issos wurden die Vorteile der größeren Armee teilweise neutralisiert.

Als Alexander erkannte, wo sich Dareios befand, reagierte er schnell. Er kehrte um und marschierte nach Norden. Beide Armeen näherten sich einander entlang der Küste. Schließlich standen sie sich am Pinaros gegenüber.

Die Perser bezogen Stellung am nördlichen Ufer des Flusses. Dareios positionierte sich im Zentrum seiner Armee auf einem prächtigen Streitwagen, umgeben von seiner Leibgarde. Die griechischen Söldner wurden ebenfalls im Zentrum aufgestellt, wo die heftigsten Kämpfe erwartet wurden. Die persische Kavallerie nahm die Flügel ein.

Alexander ordnete seine Streitkräfte nach dem bewährten makedonischen Muster. Die Phalanx bildete das Zentrum. Auf dem rechten Flügel standen die Hetairen unter seinem persönlichen Kommando. Den linken Flügel führte Parmenion, sein erfahrener General. Die Aufgabe bestand darin, die persische Kavallerie zu binden, während Alexander den entscheidenden Schlag führen sollte.

Am Tag der Schlacht rückten die Makedonen auf den Fluss vor. Der Pinaros war kein großes Gewässer, stellte jedoch ein Hindernis dar, insbesondere weil die Perser die Ufer besetzt hatten. Die ersten Zusammenstöße entwickelten sich rasch zu heftigen Nahkämpfen.

Im Zentrum stießen die makedonische Phalanx und die griechischen Söldner des Perserkönigs aufeinander. Hier entstand einer der härtesten Kämpfe des gesamten Tages. Die griechischen Söldner kämpften diszipliniert und erfahren. Teilweise gelang es ihnen sogar, die makedonische Linie zurückzudrängen. Die Verluste auf beiden Seiten waren hoch.

Entscheidend wurde jedoch der rechte Flügel Alexanders. Dort führte er persönlich die Hetairenreiterei gegen die persische Linke. Wie schon am Granikos befand er sich mitten im Kampfgeschehen. Die Angriffskraft seiner Kavallerie erwies sich als enorm. Die persischen Einheiten gerieten zunehmend unter Druck.

Alexander erkannte schließlich eine Lücke in der gegnerischen Front. Statt sich mit lokalen Erfolgen zufriedenzugeben, lenkte er seine Reiter direkt auf das Zentrum der persischen Armee zu. Sein eigentliches Ziel war nicht irgendein Abschnitt der Front, sondern Dareios selbst.

Diese Entscheidung entsprach Alexanders militärischer Denkweise. Er wusste, dass der Großkönig das politische und symbolische Zentrum des persischen Widerstandes war. Wenn Dareios floh oder fiel, konnte die gesamte Armee zusammenbrechen.

Der Angriff entwickelte sich zu einer dramatischen Zuspitzung der Schlacht. Die makedonischen Reiter drangen immer näher an die Position des Großkönigs heran. Die persischen Leibwächter kämpften erbittert, doch der Druck nahm ständig zu.

Schließlich verlor Dareios die Nerven oder erkannte die Aussichtslosigkeit seiner Lage. Er verließ seinen Streitwagen und floh vom Schlachtfeld. In der antiken Kriegsführung hatte ein solcher Vorgang enorme Folgen. Die Armee war eng mit der Person des Herrschers verbunden. Sobald bekannt wurde, dass der König geflohen war, begann die Moral vieler Einheiten zusammenzubrechen.

Die persische Front löste sich nach und nach auf. Zahlreiche Soldaten versuchten zu fliehen. Andere kämpften weiter, wurden jedoch von den vorrückenden Makedonen überwältigt. Besonders verlustreich verlief die Flucht über die engen Wege zwischen Gebirge und Küste.

Währenddessen war die Lage auf dem linken makedonischen Flügel zeitweise kritisch gewesen. Parmenion hatte große Schwierigkeiten, den Angriffen der persischen Kavallerie standzuhalten. Wäre Alexanders Durchbruch gescheitert, hätte sich die Schlacht möglicherweise anders entwickelt. Doch der Zusammenbruch des persischen Zentrums entschied letztlich den Ausgang.

Als die Kämpfe endeten, war die Niederlage der Perser vollständig. Dareios entkam zwar, musste jedoch sein Lager, seinen Streitwagen, seine Waffen und einen großen Teil seines Besitzes zurücklassen. Noch bedeutsamer war die Tatsache, dass seine Familie in makedonische Gefangenschaft geriet.

Unter den Gefangenen befanden sich seine Mutter Sisygambis, seine Ehefrau Stateira, mehrere Töchter und weitere Angehörige des Königshauses. Für die antike Welt war dies ein außergewöhnlicher Vorgang. Die Familie eines Großkönigs galt als Symbol dynastischer Macht.

Alexander behandelte die Gefangenen überraschend respektvoll. Er ließ ihnen ihren Status und ihre Würde weitgehend erhalten. Besonders seine Begegnungen mit Sisygambis wurden später vielfach erzählt. Die Königinmutter soll Alexander schließlich wie einen eigenen Sohn betrachtet haben.

Die Verluste der Perser waren erheblich. Antike Zahlen sprechen von Zehntausenden Gefallenen. Moderne Historiker gehen von deutlich niedrigeren Werten aus, erkennen jedoch an, dass die Niederlage schwer war. Die makedonischen Verluste lagen vermutlich im niedrigen vierstelligen oder hohen dreistelligen Bereich.

Der Sieg von Issos hatte weitreichende Folgen. Zum ersten Mal war der Großkönig selbst auf dem Schlachtfeld besiegt worden. Die Aura der Unbesiegbarkeit des Perserreiches erlitt einen schweren Schlag. Gleichzeitig gewann Alexander enorme Mengen an Beute und Ressourcen.

Dareios versuchte anschließend mehrfach, den Konflikt auf diplomatischem Wege zu beenden. Er bot hohe Lösegelder für seine Familie an und schlug später sogar die Abtretung großer Gebiete westlich des Euphrat vor. Alexander lehnte diese Angebote ab. Sein Ziel war nicht mehr ein begrenzter Feldzug, sondern die vollständige Unterwerfung des Perserreiches.

Militärisch öffnete Issos den Weg nach Syrien und Phönizien. Die bedeutenden Hafenstädte der Levante gerieten nun in den Fokus der makedonischen Strategie. Alexander verstand, dass die persische Flotte ohne ihre Küstenstützpunkte langfristig nicht bestehen konnte.

In den folgenden Jahren sollte er die Städte der Region erobern, darunter das mächtige Tyros nach einer der berühmtesten Belagerungen der Antike. Anschließend zog er nach Ägypten, wo er als Befreier begrüßt wurde und die Stadt Alexandria gründete.

Für die Geschichte der Kriegsführung besitzt Issos besondere Bedeutung. Die Schlacht demonstrierte erneut die Effektivität der makedonischen Armee, die unter Philipp II. geschaffen und von Alexander weiterentwickelt worden war. Die Kombination aus Phalanx, Kavallerie und flexiblen Hilfstruppen erwies sich als äußerst schlagkräftig.

Gleichzeitig zeigte Issos die zentrale Rolle von Führung und Moral in antiken Kriegen. Die Flucht des Großkönigs war militärisch mindestens ebenso bedeutsam wie die physischen Verluste seiner Armee. In einer Zeit, in der Herrschaft eng mit der Person des Monarchen verbunden war, konnte der Zusammenbruch des Herrschers den Zusammenbruch eines ganzen Heeres nach sich ziehen.

Die Erinnerung an Issos blieb über Jahrhunderte lebendig. Griechische und römische Autoren schilderten die Schlacht als Triumph von Mut, Disziplin und strategischem Geschick über zahlenmäßige Überlegenheit. Künstler, Historiker und Herrscher griffen immer wieder auf das Ereignis zurück. Das berühmte Alexandermosaik aus Pompeji, das vermutlich auf ein hellenistisches Gemälde zurückgeht, zeigt vermutlich den dramatischen Augenblick, in dem Alexander auf den fliehenden Dareios zustürmt.

Die Schlacht von Issos war nicht das Ende des Krieges gegen Persien. Dareios lebte noch, und das Reich verfügte weiterhin über enorme Ressourcen. Doch nach dem November 333 v. Chr. war klar geworden, dass Alexander nicht mehr nur ein erfolgreicher Eindringling war. Er hatte den Großkönig in offener Schlacht besiegt und sich als ernsthafter Anwärter auf die Herrschaft über Asien etabliert. Die Ereignisse am Pinaros markierten den Moment, in dem aus einem makedonischen Eroberungsfeldzug ein Kampf um die Kontrolle über eines der größten Reiche der Weltgeschichte wurde.


© Bild und Texte: Carsten Rau.

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