
Ob auf einem kleinen Fischerboot in der Nordsee oder auf einem großen Frachter – der Bootshaken ist eines der ältesten und vielseitigsten Werkzeuge an Bord. Trotz seiner schlichten Bauweise und einfachen Handhabung spielt er seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle im täglichen Bordbetrieb. Besonders in der traditionellen Großseefischerei der Nordsee war der Bootshaken ein ständiger Begleiter der Seeleute – als verlängerte Hand, als Rettungswerkzeug, als Hilfsmittel beim Anlegen oder beim Einholen von Fanggerät.
Was ist ein Bootshaken?
Ein Bootshaken ist ein langstieliges Werkzeug, meist zwischen 1,5 und 3 Meter lang, mit einem Haken und/oder einer Spitze an einem Ende. Traditionell wurden sie aus Holz gefertigt – häufig aus
Esche oder Eiche wegen ihrer Robustheit – mit einer Metallspitze oder einem bronzenen Haken. Heute finden sich auch Modelle aus Aluminium oder glasfaserverstärktem Kunststoff, die leichter, aber
ebenso stabil sind.
Das grundlegende Design hat sich über die Jahrhunderte kaum verändert: Der Haken dient dem Ziehen, die Spitze dem Schieben. Damit kann der Seemann Gegenstände heranziehen oder abstoßen, ohne sich
gefährlich über die Reling beugen zu müssen.

Einsatz in der Nordsee-Fischerei
In der Großseefischerei der Nordsee, etwa auf Trawlern oder Kuttern, war der Bootshaken ein Alltagsgegenstand mit vielen Funktionen:
Anlegen und Ablegen: Beim Anlegen an Pier oder Fischereihafen half der Bootshaken dabei, Taue zu greifen oder das Schiff kontrolliert abzustoßen.
Bergen von Netzen und Tauen: Wenn ein Netzteil über Bord ging oder ein Tau im Wasser trieb, konnte der Haken es sicher an Bord bringen.
Sicherung bei schwerem Seegang: In stürmischer See diente der Bootshaken oft dazu, bewegliche Gegenstände auf Deck zu fixieren oder gefährliche Hindernisse zu kontrollieren.
Fischverarbeitung: Beim Entladen großer Fische oder beim Sortieren der Fänge kam der Haken ebenfalls zum Einsatz – oft zum Ziehen schwerer Körper aus dem Netz oder zum Platzieren auf dem
Verarbeitungstisch.
Seeleute entwickelten dabei oft einen beinahe instinktiven Umgang mit dem Haken – ein schneller Stoß, ein präziser Griff, und das schwankende Tau war sicher in der Hand. In der Praxis konnte das
den Unterschied zwischen einem erfolgreichen Anlegemanöver oder einer Kollision bedeuten.
Vielseitigkeit an Bord
Neben seinen direkten Aufgaben war der Bootshaken oft auch ein "Allzweckwerkzeug" – im besten Sinne:
Rettungseinsätze: Über Bord gefallene Personen oder Gegenstände konnten mithilfe des Hakens schneller erreicht werden als mit der bloßen Hand.
Navigationshilfe: In flachen Gewässern wurde der Bootshaken genutzt, um die Tiefe zu prüfen oder Hindernisse am Grund zu ertasten.
Behelfsmäßiges Werkzeug: Mit etwas Geschick konnte ein Bootshaken auch als Hebel, Stütze oder sogar als Notruder zweckentfremdet werden.
Die einfache, aber robuste Konstruktion machte ihn nahezu unverwüstlich – selbst nach Jahrzehnten im Salzwasser funktionierte ein gut gepflegter Holz-Bootshaken noch zuverlässig.


Moderne Bedeutung
Auch heute hat der Bootshaken seinen festen Platz an Bord – sowohl auf traditionellen Fischereifahrzeugen als auch auf Sportbooten und Segelyachten. Zwar haben viele Aufgaben technische
Hilfsmittel übernommen, aber gerade bei engen Manövern im Hafen oder bei der Handhabung von Fendern und Leinen ist der Haken weiterhin unverzichtbar.
In der Berufsschifffahrt wird er heute meist als Teil der Sicherheitsausrüstung geführt. In der Ausbildung zum Seemann oder Bootsmann gehört der Umgang mit dem Bootshaken zu den grundlegenden
Fertigkeiten – genauso wie Knoten binden oder Peilungen nehmen.

© Copyright Bilder und Texte: Carsten Rau
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