· 

Die feierliche Doppelvermählung der Enkel Kaiser Maximilians I. und das Turnier in Wien im Jahre 1515

wie auch Sigmunds von Dietrichstein festliches Beilager mit Barbara von BottaI, nebst dessen Gedächtnistafel in Wiener Neustadt und seiner Ruhestätte zu Villach.

I. Kaiser Maximilian I. feiert die Doppelvermählung seiner Enkel in Wien am 22. Juli 1515.

 

Tu felix Austria nube!

 

Dem Kaiser Maximilian I. war es gelungen, durch seine Vermählung mit der Herzogin Maria von Burgund die reichen Niederlande seinem Sohn Philipp und durch die Heirat dieses, seines einzigen Sohnes Philipp, mit der Prinzessin Johanna von Kastilien, Tochter und Erbin der Königin Isabella von Kastilien und Ferdinands des Katholischen, ganz Spanien als vereintes Reich mit Neapel, Sizilien und Sardinien und den neu entdeckten Landen jenseits des Weltmeers seinem älteren Enkel Karl zu erwerben.

 

Näher und wichtiger zur Erhaltung seiner Hauptmacht in Österreich und zum Schutz und Schirm gegen den mehr und mehr drohenden Erbfeind der Christenheit waren dem Kaiser die Kronen von Ungarn und Böhmen mit ihren Nebenlanden. Diese Reiche seinem Hause zu erwerben und zu sichern, war einer seiner Lieblingsgedanken, den er stets festhielt und verfolgte.

 

Schon sein Vater, Kaiser Friedrich III., führte kraft des Friedensschlusses mit König Matthias Corvinus, datiert Ödenburg am 19. Juli 1463, den Titel eines Königs von Ungarn. Als nach des Königs Matthias’ Tode († 6. April 1490 zu Wien) der polnische Prinz Wladislaw, durch seine Mutter die Erzherzogin Elisabeth seit 1471 König von Böhmen, nun auch König von Ungarn geworden war und der römische König Maximilian über das am 19. November 1490 erstürmte Stuhlweißenburg gegen Ofen siegreich vorgedrungen war, kam endlich zwischen beiden an Geld und Mannschaft erschöpften Herrschern zu Pressburg am 7. November 1491 ein Vertrag zustande, kraft dessen beide Friede und Freundschaft sowie wechselseitige Hilfe gegen die Türken sich zusicherten.

 

König Wladislaw und seine männlichen Leibeserben blieben im Besitz des ungarischen Thrones. Nach deren Absterben sollte die Nachfolge in Ungarn ganz bestimmt an das Haus Österreich übergehen. Der Kaiser und nach ihm sein Sohn Maximilian behielten den Titel eines Königs von Ungarn. Beim Reichstagsschluss am 24. April 1492 nahmen die geistlichen und weltlichen Magnaten, darunter auch der Reichspalatin Stephan Zápolya, durch eideskräftig ausgestellte Urkunden die Friedenspunkte an und gelobten dadurch, das Erbrecht des österreichischen Hauses in Ungarn aufrechtzuerhalten.

 

König Wladislaw war bis 29. September 1502 unverheiratet, an welchem Tage er sich mit Anna de Foix vermählte. Sie gebar ihm am 23. Juli 1503 eine Tochter gleichen Namens. Die antiösterreichische Partei, besonders der mindere Adel, in der Furcht, bei dem sohnlosen Hinscheiden des Königs vertragsmäßig an Österreich zu gelangen, fasste ohne dessen Wissen auf dem Reichstag zu Rakos am 13. und 14. Oktober 1505 den Beschluss, dass nach des Königs Tode ohne männliche Nachkommen kein ausländischer Fürst zum Könige gewählt werden sollte. Sie war gewillt, die kleine Prinzessin mit des Grafen Stephan Zápolya († 1499) Sohn, dem jungen und ehrgeizigen Johann Grafen von der Zips, zu vermählen.

 

Maximilian, hiervon in Kenntnis gesetzt, eilte, seine Ansprüche durchzusetzen, und schloss mit König Wladislaw am 20. März 1506 einen geheimen Vertrag, welcher die Vermählung der Prinzessin Anna mit des Kaisers jüngerem Enkel Ferdinand und, falls die Königin einen Sohn gebären würde, die Verehelichung desselben mit Max’ Enkelin, der Erzherzogin Maria, festsetzte und der Prinzessin nach ihres Vaters und etwaigen Bruders unbeerbtem Tode die Erbfolge in Ungarn und Böhmen dem Hause Habsburg zusicherte.

 

Als die ungarischen Stände dieses Erbrecht zu bestätigen verweigerten, rückte er verheerend in die angrenzenden Komitate vor und nahm am 9. Juni Pressburg und die Insel Schütt sowie Ödenburg ein. Man verglich sich zu einem Waffenstillstand, um die nahende Niederkunft der Königin Anna abzuwarten.

 

Sie gebar am 1. Juli 1506 den Erbprinzen, ein unreifes, schwaches Kind, dem man den Namen des Königs Ludwig XII., eines Verwandten der Mutter, gab; die Königin starb an den Folgen der Entbindung am 26. Juli.

 

Nun bequemten sich die ungarischen Stände zu Wien am 19. Juli zum Frieden, in welchem Maximilian ausdrücklich sich sein Erbrecht auf Ungarn vorbehielt. Am 5. August ratifizierte ihn König Vladislav zu Ofen.

 

Im Jahre 1512 vermählte sich des übermächtigen und übermütigen Grafen Johann von der Zips Schwester Barbara Zápolya mit des Königs Vladislav jüngerem Bruder, dem König Sigismund I. von Polen. Es suchte daher staatsklug Kaiser Maximilian, diesen König von Norden und Osten her zu schwächen, indem er den Deutschen Orden in Preußen gegen ihn verteidigte, seine Enkelin, die Erzherzogin Isabella, zu ihrem Unglück mit dem grausamen Christian II., König von Dänemark und Norwegen, der später auch die Krone Schwedens sich auf das Haupt setzte, am 29. April 1514 verlobte, ja sogar am 4. August 1514 mit dem Großfürsten Wassilei Iwanowicz ein Bündnis zum Angriff auf Polen schloss.

 

Zum Zwecke der Aussöhnung ward eine Zusammenkunft angebahnt. König Wladislaw schickte an seinen königlichen Bruder nach Krakau, ihn nach Pressburg zu erbitten, daselbst des Kaisers Ankunft zu erwarten und die zu verhandelnden Angelegenheiten mit dem kaiserlichen Legaten vorzuberaten. Der Ungarnkönig kam am 18. März 1515 von Ofen nach Pressburg, am 24. langte auch König Sigmund mit großem Geleite vom polnischen Adel dort an, am 28. der geschäftsgewandte Kardinal-Bischof von Gurk und Koadjutor von Salzburg, Matthäus Lang von Wellenburg, am 29. Thomas Bakács, Kardinal-Erzbischof von Gran und Primas von Ungarn.

 

Der Kardinal von Gurk übergab das kaiserliche Creditiv und hielt vor der großen Ratsversammlung eine lange Rede, die der Kardinal von Gran beantwortete. Nun ward ein engerer Ausschuss zur Beratung der vorgeschlagenen Punkte gebildet, deren Resultat den Königen hinterbracht werden sollte, was mehrere Tage erforderte.

 

Als am 12. April etliche Punkte – besonders wie es bei des Königs Wladislaw Leben und im Fall seines Ablebens mit den beiden Heiraten sollte gehalten werden – beschlossen waren, reiste der Kardinal nach Wien zurück, entsandte Wilhelm von Rogendorf und den Vizedom Lorenz Saurer zum Kaiser nach Augsburg, um seiner Majestät Bericht zu erstatten und wegen der Fortsetzung der Geschäfte anzufragen. Auf des Kaisers Antwort, die angefangene Handlung fortzusetzen, fuhr am 11. Mai der Kardinal wieder stromab nach Pressburg, um wegen der Heirat, des Bündnisses und Vertrages mit den beiden Königen einen Schluss zu fassen. Nach mehrtägigen Beratungen gedieh am 20. Mai die Verhandlung endlich zum Schlusse mit dem Vorbehalt der kaiserlichen Sanktion.

 

Alsogleich begab der Kardinal Lang sich nach Wien und am 23. zum Kaiser nach Augsburg, wo derselbe weilte. Hier versammelte dieser 600 der schönsten und stärksten Fußknechte, die vom Reiche und vom schwäbischen Bund gegen Augsburg gestellt wurden. Geistliche und weltliche Fürsten, Grafen und Edelleute, desgleichen viele Patrizier der süddeutschen Reichsstädte zogen auf eigene Kosten zur Verherrlichung dieser Versammlung. Hierdurch wurde die Zusammenkunft in Wien bis Juli verschoben, was die seit zehn Wochen harrenden beiden Könige nicht mit Unrecht missstimmte.

 

Vor dem Kaiser zogen gen Wien der Markgraf Casimir von Brandenburg-Bayreuth, Graf Berthold von Henneberg mit 100 Reisigen. Am 8. Juli kamen mit dem Kardinal von Gurk der Erzbischof Christoph von Bremen, ein geborener Herzog von Braunschweig, die Herzöge Wilhelm und Ludwig von Bayern, des Kaisers Neffen, Herzog Albrecht von Mecklenburg, Herzog Ulrich von Württemberg nebst vielen Edelleuten an. Am 10. Juli abends gelangte der Kaiser nach dem Schloss Laxenburg, wo er durch zwei Tage ausruhte. Hier gab er am folgenden Morgen den Abgesandten der beiden Könige Audienz, die beschenkt am 13. wieder abgefertigt wurden.

 

Am selben Tage ordnete er an beide Könige Gesandte ab, sie nach Wien einzuladen, und zwar


– an König Wladislaw den Erzbischof von Bremen, den Markgrafen Casimir von Brandenburg, Wilhelm von Rogendorf und seinen gelehrten Leibarzt Dr. Cuspinian nach Kittsee,


– an König Sigmund den Herzog Wilhelm von Bayern, Christoph Räuber, Bischof zu Laibach, Balthasar Merklin, Propst zu Waldkirch im Breisgau, und Johann Mrax, Ritter, nach Hamburg.

 

Am 15. Juli zog der Kaiser mit herrlichem Gefolge in die Veste Trautmannsdorf und übernachtete daselbst; König Wladislaw war zu Bruck und König Sigmund in Hainburg. Am 16., mit Tagesanbruch, rückte des Kaisers Zug auf einen Waldhügel, Hart genannt, wo ein hoher Baum errichtet war, vom Hauptmann zu Wiener Neustadt, Melchior Masmünster, der einst des Kaisers Edelknabe gewesen, geführt. Hierauf ritten die vornehmsten hohen Herren geistlichen und weltlichen Standes mit ihrem zahlreichen Gefolge; endlich kam der Kaiser in einer Sänfte getragen und von dem Adel seiner Erblande, der in schwarzem Samt gekleidet war, zu Fuß auf beiden Seiten begleitet. Ihm folgten der Kardinal von Gurk, die Gesandten von Spanien und England, der Obersthofmeister Wilhelm von Rapoltstein, der Kanzler Cyprian von Sarnthein, der Schatzmeister Jakob Villinger, Jakob Fugger, Propst Balthasar Merklin, die Gebrüder Melchior und Ulrich Pfinzing aus Nürnberg samt anderen kaiserlichen Räten und dem ganzen Hofstaat, alle in Seide gekleidet und mit goldenen Ketten behängt. Im Nachzug ritt Markgraf Casimir, Graf von Henneberg, in Scharlach, dann des Markgrafen erlesene Reiterei in roter Kleidung und der übrige fränkische Adel. Hernach ritten die Grafen, jeder mit seiner Livree, als: Graf Georg von Montfort, Herr zu Pfannberg in Steiermark; Graf Georg von Schaumberg; Graf Hoyer von Mansfeld; ein Graf von Westerburg (Leiningen); Graf Johann von Hardeck und zum Schlusse der oberennsische Adel.

 

Nun folgte die Zugordnung der beiden Könige. Voran eine große Anzahl Husaren mit zweigeteilten roten und weißen Fähnlein; darauf ein Haufe Moskowiter in blauer Kleidung; dann wieder Husaren, unter diesen der Markgraf Georg von Brandenburg als Husar. Nach ihm ritt sein Vetter, der Kronprinz Ludwig, in rotem, von Gold durchwirktem Scharlach mit schwarzsamtenem Baret; ihm folgte seine Schwester, die königliche Prinzessin Anna, herrlich geschmückt, auf einem breiten vergoldeten Wagen, den – wie den reitenden Bruder – viele Herren vom Adel zu Fuß begleiteten. Nach ihr ritt ihr Oheim, König Sigmund, in rotem Scharlach, mit einem seidenen Hut das Haupt bedeckt und von vielen polnischen Herren zu Fuß umgeben. Endlich kam König Wladislaw, gleich dem Kaiser in einer Sänfte getragen, welche samt den Knaben und Knechten, die die Pferde leiteten, mit rotem Samt bekleidet war. Diese Sänfte samt den Pferden und dem Geschirr war ein kaiserliches Geschenk. Um ihn befand sich eine große Anzahl ungarischer Prälaten und Magnaten. Hierauf folgte der Kardinal-Primas Thomas Bakács, der Erzbischof von Kalocsa, und viele ungarische Bischöfe, denen sich die polnischen Bischöfe, Reichsräte, Palatine und Wojwoden anschlossen. Alles in der herrlichsten Pracht.

 

Als der Kaiser bei dem Baume angelangt war, nahten ihm die beiden Könige und die königlichen Kinder. Wegen des Königs Wladislaws Körperschwäche verblieben der Verabredung gemäß alle, wie sie ankamen: Wladislaw in seiner Sänfte, König Sigmund und der Kronprinz zu Pferde und die Prinzessin Anna in ihrem Wagen. Der Kaiser reichte jedem derselben seine Rechte und begrüßte sie lateinisch, worauf König Sigmund in derselben Sprache antwortete. König Wladislaw wiederholte unter Tränen die gleichen Worte, und die beiden königlichen Kinder grüßten, sich demütig verneigend, den Kaiser als ihren Vater. Hierauf ward eine kleine Jagd mit den beiden Königen angestellt, wobei der Kaiser einen Hirsch fing. Wladislaw übernachtete zu Trautmannsdorf, König Sigmund zu Enzersdorf an der Fischa und ihr Gefolge in deren Nähe; der Kaiser aber und der Kardinal von Gurk zu Laxenburg.

 

Am 17. Juli folgte trotz des die allgemeine Freude verderbenden, erst schwachen, dann stärkeren Regens der glänzende Einzug von der Schwechat in die Stadt. Wenn auch wegen dieses Regens viele dem langsamen Einzug nicht beiwohnten, so zogen doch an 1500 Bürger und Bürgerssöhne in roter Kleidung, denen sechs Ratsherren im Harnisch voranritten, aus der Stadt eine Viertelmeile weit den kaiserlichen und königlichen Majestäten entgegen und bewillkommten sie auf freiem Felde. Diesen folgten 600 Mann wohlgerüstetes Reichsvolk, mit langen Spießen und Handrohren bewehrt; die Schuljugend; die Priesterschaft; die Studenten und die Universität mit dem Rektor Christoph Kulber; endlich etwa 60 Zünfte mit ihren Fahnen. Nach ihnen ritten polnische Reiter, ungarische Husaren; hierauf die Erzbischöfe und Bischöfe, Herzöge und Gesandte; beide Kardinäle in ihren roten Habitern; die Magnaten beider Königreiche; nach diesen König Sigmund mit seinem königlichen Neffen Ludwig zu Pferde; Kaiser Max und König Wladislaw in ihren Sänften; dann fuhr die Prinzessin Anna in ihrem Wagen, und hinter derselben ein Sechsgespann mit ihren Hofdamen. Den Nachzug führte Markgraf Georg mit 800 Reitern. Der Einzug dauerte zwei Stunden. Der Zug ging nach St. Stephan, wo Georg Slatkonia (aus Laibach), Bischof zu Wien, das „Te Deum laudamus“ anstimmte. Der Kaiser nahm den König von Ungarn mit dessen beiden Kindern mit sich in die Burg, und König Sigmund ward ins sogenannte Hasenhaus zur Herberge eingeleitet.

 

Am 18. Juli war Rasttag und am 19. große Ratsversammlung, zusammen bei 100 Personen in der Burg. Der Kaiser eröffnete dieselbe mit einer Rede, entschuldigte sein langes Verweilen in Augsburg und sprach: Er wünsche ein mächtiges Kriegsheer gegen die Türken zu führen, sei aber durch die Könige von Frankreich, die Dogen von Venedig, den Herzog von Geldern und andere Reichsfeinde an der Ausführung seines Vorhabens gehindert worden; sprach, auf welche Weise man dem Erbfeinde viele Lande abgewinnen und ihm großen Abbruch tun könne; sprach von der Zwietracht in der Christenheit und wie sie aufzuheben sei, und ermahnte die Könige, nach ihrer Heimkehr nach Mitteln und Wegen zu einem langersehnten Kriegszug zu trachten. Die treffliche Rede, die gegen eine Stunde dauerte, weckte bei manchem Hörer Tränen, mancher Gegner wandelte seine üble Gesinnung in Wohlneigung und Verehrung. Der Kardinal-Primas von Ungarn dankte im Namen beider Könige und der gesamten Christenheit.

 

Auf den Abend 6 Uhr ließ der Kaiser beide Könige (mit je 50 Personen, wovon die eine Hälfte mittanzen, die andere nur zuschauen sollte) mit den beiden königlichen Kindern in die Burg zu einem Tanze einladen, damit seine Enkelin, die Infantin Maria¹ von Spanien, sie – da sie sich bisher noch nicht gesehen hatten – begrüßen und empfangen möge. Als die Könige mit dem Prinzen und der Prinzessin Anna zur bestimmten Stunde sich eingefunden und ihre Sitze eingenommen hatten, holten die blutsverwandten Herzöge von Bayern² samt anderen Fürsten und Grafen die noch nicht zehnjährige Infantin Maria aus dem von den Grafen von Cilli her genannten Hause, das sie bewohnte, unter dem Vortritt ihres Hofmeisters Georg von Rottal, von ihrem Frauenzimmer gefolgt, ab und führten sie in den Saal hinein. Hier grüßte und empfing sie mit adeliger Verneigung und holdseliger Geberde erst den Kaiser und Ahnherrn, dann die beiden Könige, ferner den Prinzen Ludwig und zuletzt die Prinzessin Anna und setzte sich dann auf kaiserlichen Befehl neben diese beiden. Nun ward getanzt. Den ersten Reigen führte der Prinz Ludwig mit seiner Schwester, den zweiten Tanz Herzog Wilhelm von Bayern mit der Infantin Maria, den dritten wieder der Prinz Ludwig mit Frau Margaretha von Rottal, der Obersthofmeisterin seiner Braut, worauf andere anwesende Fürsten, Grafen und Herren bis nachts zehn Uhr tanzten.

 

Den 20. und 21. Juli waren bis zwei Uhr andauernde Beratungen, so dass man vor 3 Uhr niemals zur Tafel gesessen. Der Adel übte sich unterdessen in Ritterschaft; Insonderheit hielt der Markgraf Georg von Brandenburg mit dem Grafen von Henneberg und sonst noch zwei Rittern in der kaiserlichen Burg ein Stechen.

 

Die Vermählung. – Sonntags am 22. Juli, dem Feste der heiligen Maria Magdalena, ward die verabredete Doppelvermählung feierlich gehalten.

 

Der Kaiser rief am Morgen die Prinzessin Anna in den großen Saal und setzte ihr vor der ganzen Versammlung eine goldene Krone auf, mit der er sie beschenkte, wogegen sie dem Kaiser einen kostbaren Kranz von Perlen und Edelsteinen verehrte. Um 9 Uhr zog man nach St. Stephan: der Kaiser, König Sigmund und Prinz Ludwig zu Pferde, König Wladislaw (59 Jahre alt) in der Sänfte und beide Prinzessinnen in vergoldeten und das Frauenzimmer in anderen Wagen. Diese Majestäten und königlichen Personen wurden von Fürsten, Grafen und Herren zu Fuß begleitet.

 

Der Kaiser hatte mitten in dem mit niederländischen Tapeten und goldenen Draperien prachtvoll ausgeschlagenen Chor des Domes zwei neue Stühle zum Sitzen für beide bräutliche Prinzessinnen errichten und mit goldenen Stoffen bedecken lassen. Der Kaiser mit dem Goldenen Vlies, in rotsamtenem Schaube und mit gleichem Baret, das ein kostbares Kleinod schmückte, und die Könige nahmen im Chor rechts ihre Stelle ein; neben diesen stand der Prinz Ludwig, zunächst die Gesandten des Königs von England (Herford) und des Prinzen Karl (V.) von Castilien, der Herzog Wilhelm von Bayern, der Markgraf Casimir, die Herzöge von Mecklenburg und Württemberg usw. Zur linken Seite im Chor hatten ihren Stand die geistlichen Fürsten, zuoberst der Kardinal-Primas von Ungarn als päpstlicher Legat, der Kardinal von Gurk und die anderen Erzbischöfe und Bischöfe, Prälaten und Pröpste.

 

Der Bischof von Wien zelebrierte das Hochamt; hierauf begann der Kaplan des Kardinals von Gurk, Richard Bartolini aus Perugia (der als Augenzeuge diese Feierlichkeiten aufgezeichnet hat), eine Anrede zu halten, die er aber wegen des übergroßen Geräusches in ihrer Mitte abbrechen musste. Inzwischen ging der Kaiser in die Sakristei, kleidete sich in den kaiserlichen Ornat und trat mit der Krone auf dem Haupte, unter Vortragung des Reichsapfels, des Schwertes und Zepters, mitten in den Chor auf den mittleren Stuhl und wurde durch den Kardinal-Primas mit der königlichen Prinzessin Anna von Ungarn, die ihm auf ihres Vaters Befehl einen Trauring zustellte, öffentlich vermählt, welchen feierlichen Akt die kaiserlichen Notare in ihr Protokoll eintrugen.

 

Diese Handlung geschah – wie der Kaiser mit lauter Stimme zur Prinzessin sprach – im Namen eines seiner beiden Enkel; er nannte sie eine Königin und setzte ihr als solcher eine goldene Krone aufs Haupt. Nach dieser Vermählung trat der ungarische Kronprinz Ludwig auf den Stuhl und ihm ward durch denselben Kardinal-Primas von Gran die Infantin Maria angetraut.

 

Als der Kaiser und der Prinz zu ihren Sitzen im Chor zurückgekehrt waren, reichte man jedem, so wie auch den beiden Königen, ein Schwert, womit sie mehr als 200 Herren aus allen Nationen zu Rittern schlugen.

 

Hierauf sprach derselbe Kardinal vor dem Hochaltar den Segen, alle Trompeten ertönten und ein Te Deum laudamus ward angestimmt. Als um 1 Uhr diese Feierlichkeit beendet war, kehrte jeder in sein Einlager zurück den Mittagsimbiss einzunehmen.


Nach demselben ritt und fuhr man auf den neuen Markt, dem Renn- und Stechspiel zuzusehen. Hiermit war diese Feier am 22. Juli zu Ende. 

 

 

¹ Die Erzherzogin-Infantin Maria war am 17. September 1505 zu Brüssel geboren und am 14. Juni 1514 aus den Niederlanden nach Wien gekommen.


² Die Herzöge Wilhelm und Ludwig von Bayern waren Söhne der Erzherzogin Kunigunde, Kaiser Maximilians Schwester, welche damals als Witwe in einem Kloster in München lebte und am 6. August 1520 starb.



Quelle: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. Wien, 1865.