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III. Teil Sigmunds Freiherrn von Dietrichstein festliches Beilager mit Barbara Freiin von Bottal in Wien am 22. Juli 1515

Sigmund, der dritte und jüngste Sohn Pankrazens von Dietrichstein, im Jahr 1480 geboren und von Jugend auf am kaiserlichen Hof dienend, hatte sich in Heereszügen und Staatsgeschäften ausgezeichnet und ganz besonders die Gunst Kaiser Maximilians I. erworben.


Dieser verlieh ihm, Clod. Gmünd, am 8. Juli 1515, den Freiherrnstand, ernannte ihn zu seinem geheimen Rat, Landeshauptmann in der Steiermark und Statthalter der fünf innerösterreichischen Länder. Auch war er ein reicher Edelmann, Inhaber vieler Herrschaften und kaiserlicher Pfandschaften.

 

Freiherr Sigmund war mit dem Fräulein Barbara, der einzigen Tochter Georgs von Rottal (auch Rotal), Freiherrn von Talberg, Obersthofmeisters der Erzherzogin-Infantin Maria, und der Frau Margaretha, geborenen Herrin von Rappach, Obersthofmeisterin derselben Prinzessin, verlobt. Aus besonderer Gnade, wie es scheint, sowohl für den Bräutigam als auch für die Braut und deren Eltern, wollte Seine kaiserliche Majestät noch am Abend der Doppelvermählung seiner Enkel in Gegenwart sämtlicher hoher Gäste das Beilager dieses Brautpaares feiern.

 

Den Bräutigam, der damals 34 Jahre zählte, führte der Kaiser und König Wladislaw von Ungarn zur Trauung. Die höchsten und hohen Herrschaften, welche die glänzende Tafel zierten, überliefert uns ein Gemälde jener Zeit, das sich im fürstlich Dietrichsteinschen, nun gräflich von Mensdorffschen Schloss zu Nikolsburg befindet.

 

Der photographische Abdruck desselben, nach dem die folgende Beschreibung gemacht ist, ist 1 Fuß 4 Zoll 9 Linien breit (≈ 44,1 cm) und 1 Fuß 4 Linien hoch (≈ 30,8 cm). Oben an der Wand des großen, schönen Saales liest man in drei Zeilen, die ich nach ihren Reimen einteile, die Worte:

In diesem schönen Saal mit hohen Fensterbögen gewahrt der Betrachter im Vordergrund zwei Hellebardiere, Truchsesse, Mundschenk, Stabmeister, welche alle in ihrer Diensttracht stehen, und zur rechten Seite unten die Kredenz mit Trinkgefäßen von verschiedenen Formen, bei derselben etliche Personen.

 

Im Hintergrund, näher an der Wand, steht eine lange gedeckte Tafel, an der in einer Reihe die sechs hochfürstlichen Personen und die Braut bei ihren Speisen sitzen. Diese Personen sind teils durch ihre Porträts, Kostüme und besonders durch das Wappenschildchen, das an der Wand über dem Platz eines jeden angebracht ist, leicht erkennbar.

 

Oben an sitzt auf einem Lehnsessel, unbedeckten Hauptes und mit dem Orden des Goldenen Vliesses geschmückt, König Wladislaw von Ungarn. Hinter ihm zur Rechten steht in reich durchwirkter Schaube und bedecktem Haupt der Bräutigam, leicht erkennbar durch die beiden von Dietrichsteinschen Winzermesser oben an der Wand, und hält mit seiner rechten Hand des Königs Sessel, als Hausherr die Honneurs machend, hinter ihm einige Herren.

 

Zur Linken des Königs sitzt die zarte, fünfzehnjährige Braut, über ihr das von Rottalsche Wappenschildchen, nämlich das rot-weiße Kreuz im weißen Feld.


Links neben der Braut sitzt der Kaiser mit dem Schmuck des Goldenen Vliesses, das Haupt mit einem großen Hut, der ein Kleinod ziert, bedeckt; über ihm der Doppeladler mit der Kaiserkrone als Wappen.

 

Den vierten Sitz hat die königliche Prinzessin Anna von Ungarn in weißem Kleid und mit dem bräutlichen Kranz auf dem Haupt.


Den fünften Sitz hat ihr väterlicher Onkel, König Sigmund von Polen, mit dem Goldenen Vliessen und einer turbanähnlichen Kopfbedeckung; über ihm das gekrönte Wappenschild mit einem Brustbild, wahrscheinlich dem Oberteil des litauischen Reiters.


Den sechsten Sitz hat die Erzherzogin-Infantin Maria in schwarzem Gewand; über ihr der viergeteilte, gekrönte Wappenschild von Österreich, Kastilien, León und Aragón.


Den siebenten und letzten Sitz hat der ungarische Kronprinz Ludwig mit dem Orden des Goldenen Vliesses; über ihm der gekrönte Wappenschild der Königreiche Ungarn und Böhmen.


Neben ihm steht sein Obersthofmeister.

 

An der zweiten, im rechten Winkel gestellten Tafel sitzt gleichfalls (wie an der Haupttafel König Wladislaw) auf einem Lehnsessel oben der Kardinal-Bischof von Gurk und seit 1514 Koadjutor des Erzstifts Salzburg, Matthäus Lang von Wellenburg, erkennbar an seinem Wappen.

 

Den zweiten Sitz hat wieder eine weiß gekleidete Dame mit einem Barett, deren Wappenschild verblichen ist. Baron von Hormayr nennt auf der Kopie des Gemäldes, das ihm zu Gebote stand, sie „Königin aus Dänemark“, wahrscheinlich eine eigene Erfindung, da die Infantin Isabella, die seit dem 29. April 1514 mit König Christian II. von Dänemark verlobt war, wenn sie in Wien anwesend gewesen wäre, ohne Zweifel als Erzherzogin und Kaisers Enkelin wie ihre jüngere Schwester Maria an der ersten hochzeitlichen Tafel ihren Platz gehabt hätte; ferner hätten Cuspinian, Riccardo Bartolini, des genannten Kardinals Kaplan und andere ihren Namen sicherlich aufgezeichnet.

 

Ihr zur Linken sitzt Herzog Wilhelm IV. von Bayern mit den Insignien des Ordens des Goldenen Vliesses, an seinem Wappenschild, dessen Details aber nicht korrekt gezeichnet sind, erkennbar.

 

Neben ihm sitzt noch eine kleine, junge Dame, ebenfalls mit einem erblassten Wappenschild. Baron von Hormayr setzt auf ihren Schild das Wappen des Fürstenhauses Zollern mit der Aufschrift „Herzogin aus Bayern“. Wenn diese Worte wirklich über dem Wappenschild stehen, so ist diese junge Dame die Nichte des Kaisers und die jüngste Schwester des Herzogs Wilhelm, Susanna, die sich erst am 14. August 1518 mit dem Markgrafen Casimir von Brandenburg-Culmbach oder Bayreuth vermählte und 1543 starb.

 

Wenn eine Konjektur erlaubt ist, so möchte ich die Dame an der rechten Seite Herzogs Wilhelm für dessen ältere Schwester Sabina halten, welche schon seit dem 2. März 1511 mit Herzog Ulrich von Württemberg vermählt war, der ebenfalls diesen Festlichkeiten beiwohnte.

Hinter denselben sieht man ein paar männliche und ein paar weibliche Zuschauer.

 

Nach diesem abendlichen Hochzeitsmahl wurde das Fest mit einem fröhlichen Tanz beschlossen.

 

Die Entstehung dieses Gemäldes fällt sicherlich später als ins Jahr 1515, da der ungarische Kronprinz den Toisonorden trägt und die bayerische Prinzessin Susanna erst nach ihrer Vermählung, d. h. frühestens 1518, das Zollernsche Wappen führen konnte.

 

Ferner hatte von all diesen Fürsten damals (1515) nur Kaiser Maximilian allein den Orden des Goldenen Vliesses. Philipp der Schöne, des Ordens erblicher Großmeister, verlieh denselben zu Brüssel am 19. Januar 1501 seinem Sohn Karl (V.), der noch nicht ein Jahr alt war. Das letzte Kapitel hielt er im November 1505 in der Abtei zu Middelburg vor seiner Abfahrt nach Spanien, wo er am 25. September 1506 starb. Fast elf Jahre lang wurde keine Ordensversammlung gehalten, da der Erzherzog-Infant Karl noch minderjährig war.

 

In dem ersten von ihm gehaltenen Kapitel zu Brüssel am 26. Oktober 1516 verlieh er diesen Orden unter anderem dem König Franz I. von Frankreich, seinem Bruder, dem Erzherzog Ferdinand I., dem Grafen Hoyer von Mansfeld sowie dem König Ludwig II. von Ungarn, seinem Schwager, dessen Vater König Wladislaw am 3. März desselben Jahres gestorben war. Weder diesen König noch Herzog Wilhelm von Bayern finden wir in irgendeinem Verzeichnis der Vliessritter. — Man muss der Unkenntnis der Maler jener wie auch oft unserer Zeit Vieles zugutehalten.



Quelle: Mittheilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. Wien, 1865.