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Schwerter des 10. Jahrhundert

Schwerter aus dem 10. Jahrhundert, von Eisen, stark verrostet, in halber Originalgröße.
Schwerter aus dem 10. Jahrhundert, von Eisen, stark verrostet, in halber Originalgröße.

Jenes A auf einem Felde bei Freising im Moos gefunden und im bayerischen Nationalmuseum aufbewahrt, gehörte wohl einem Fürsten oder Heerführer, was die im Roste noch erkenntliche seltene Ausschmückung in Gold und Silber beurkundet.


Da unsere Darstellung nicht die vollständige Klinge zeigt, so ist das Ganze im Umriss unter B verkleinert beigefügt. Den Durchschnitt der Klinge zeigt C, D den Knopf von oben gesehen. Derselbe ist durch gezackte Silberstreifen, welche eingeschlagen sind (Tauschierarbeit), ornamentiert. Die Zwischenräume der fünf Wülste oder Vorsprünge auf demselben sind durch gewundene Golddrähte überspannt, welche in eingebohrten Löchern befestigt sind. E die Parierstange von oben, der Breite nach gesehen, in gleicher Weise durch Zacken aus Silber geziert. F ein Teil dieses Zackenornaments in Originalgröße.


G ein Schwert, angeblich auf dem Lechfeld gefunden, weshalb es aus der Hunnenschlacht (i. J. 955) stammen könnte; seit 1852 ist es im Besitze des Verfassers. H zeigt dasselbe vollständig im verkleinerten Umriss, I den Durchschnitt der Klinge, K den Knopf desselben von unten und L die Parierstange von oben, der Breite nach, gesehen. – Ein fast gleiches Schwert, welches in seinen Verhältnissen kaum um 3 cm differiert, wurde bei Sigmaringen gefunden und ist gegenwärtig in der fürstl. Hohenzollerischen Sammlung.


Manche sehr ähnliche haben sich in verrosteten Bruchstücken vorgefunden, ein Zeichen, daß solche Schwertformen sehr allgemein waren.


Der Teil des Griffes an beiden hier dargestellten Schwertern, welchen die Hand umfasste und nun nur das verrostete Eisen zeigt, hatte ursprünglich eine nicht starke Umhüllung von Leder.


Bekanntlich hatten die Schwerter der frühchristlichen Periode noch nach Römerart nur eine kleine Absonderung gegen die Klinge, welche der Hand wenig Schutz bot, siehe Tafel 2. Hier sehen wir die Parierstange schon breiter.


In dieser Periode erscheinen auch Schwerter mit noch mehr in die Breite gezogenem Knopfe. Wir geben ein Beispiel der Überlage eines solchen Knopfes in Originalgröße unter N von der Seite und unter M von oben in seiner ganzen Breite gesehen. Dieselbe befand sich im Besitze des Herrn Soyter in Augsburg, ist von Kupfer, in Feuer vergoldet, emailliert und war auf der eisernen Unterlage in den drei sichtbaren Löchern aufgenietet. Nach diesem Fragment lässt sich auf die ganze Ausschmückung jenes ehemaligen Schwertes schließen.


Text- und Bildquelle: Jakob Heinrich Hefner-Alteneck: Waffen; ein Beitrag zur historischen Waffenkunde vom Beginn des Mittelalters bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1903.

 © Carsten Rau