
Der Krieger A ist aus einem in der Bibliothek zu Bamberg befindlichen Evangelienbuch.
Dieser hier dargestellte Krieger ist für ein Werk seiner Periode ungewöhnlich sorgfältig ausgeführt und weist, was in dieser Zeit selten ist, bereits eine Schattierung mit einiger Richtigkeit
auf.
Der Krieger B ist nach einem Fragment einer Pergamentmalerei aus derselben Zeit dargestellt. Der Schild erscheint am rechten Arm und die Lanze in der linken Hand, ein Versehen, das bei älteren
Meistern nicht selten ist. Beide Krieger tragen nach Art des 12. Jahrhunderts die Kettenkleidung (Brünne).
Der Helm oder die mit der Halsbrünne verbundene Beckenhaube ist bei dem linken Krieger oben etwas flach, wie man sie um diese Zeit und auch später noch häufig findet, während die des anderen oben
abgerundet ist und als Auszeichnung eines Vornehmen einen Besatz mit Steinen trägt. Bei beiden führt an der Vorderseite eine breite Spange zum Schutz des Gesichtes herab.
Sie tragen an einer Schildfessel um den Hals große, oben breite und unten spitze Schilde aus Holz, die bemalt sind und aus älterer Zeit stammen. Diese Schildform erhielt sich, wenn auch mit
gewissen Veränderungen, bis zum 15. Jahrhundert, besonders bei den Kämpfern zu Fuß.
Die Bemalung dieser Schilde darf nicht mit einer heraldischen Bemalung verwechselt werden, die erst im Laufe des 13. Jahrhunderts allgemein wird. Schwerter, die an weißen Lederriemen in einer
Schleife befestigt sind, erscheinen vorherrschend im Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert. Wir geben auf Tafel 9 einen solchen Schwertriemen wieder, der noch im Original erhalten ist.
An der Kettenbekleidung sind besonders die bogenförmigen Ausschnitte an den Waden und Fußsohlen mit roter Unterlage bemerkenswert, die um diese Zeit häufiger vorkommen.
Unter C und D geben wir einen Helm derselben Periode, von vorne und von der Seite gesehen. Er wird in der Ambraser Sammlung in Wien aufbewahrt und wurde in einem Wald unweit Olmütz gefunden. Nach
oben zugespitzt, wechselt diese Form mit den oben gerundeten und teilweise abgeflachten Helmen, wie wir sie bei den vorgenannten Kriegern sehen.
Er ist aus einem Stück Eisen getrieben, von mäßiger Schwere, bereits stark verrostet und nach vorne mit einer Verlängerung zum Schutz der Nase versehen. Die Größe ist durch den beigefügten
Maßstab angegeben.
Text- und Bildquelle: Jakob Heinrich Hefner-Alteneck: Waffen; ein Beitrag zur historischen Waffenkunde vom Beginn des Mittelalters bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1903.
© Carsten Rau
