
Das Schwert A befindet sich in der Sammlung des Grafen von Erbach zu Erbach im Odenwald. Es ist aus Eisen gefertigt und verrostet; die Umkleidung des Griffes fehlt, sodass dort nur noch das Heft
der Klinge sichtbar ist. Unsere Abbildung beträgt ein Viertel der Originallänge. Sie zeigt nach dem Original die wesentliche Form der christlichen Schwerter dieser Periode.
Das Charakteristische dieses Schwertes ist ein starker Knauf, sowohl in der hier dargestellten sechseckigen Form als auch in runder Ausführung, eine kurze Handhabe, eine breite Parierstange sowie
eine kurze und breite Klinge. B zeigt den Knauf dieses Schwertes von unten gesehen.
D ein Krieger. Er trägt das Kettenhemd, den zugespitzten einfachen Helm (Bassinet), den ärmellosen Waffenrock sowie einen Schild mit stark vorspringendem Buckel. Das Schwert entspricht in seiner
Form ganz dem unter A dargestellten Exemplar und hängt an einem Riemen aus weißem Leder, der mittels einer Schleife um den Leib gebunden ist.
Diese Art von Gürtel oder Schwertriemen war besonders in Deutschland vom Ende des 12. bis in das 13. Jahrhundert hinein allgemein verbreitet und wohl auch von besonderer Bedeutung. Zur näheren
Erläuterung geben wir unter C ein solches Schwert mit sämtlichem Zubehör in verkleinertem Maßstab wieder. Eine originale Schwertscheide mit einem derartigen Riemenwerk wird im Dom zu Bamberg
aufbewahrt. Vergleiche hierzu Tafel 9.
F drei Krieger ähnlicher Art wie D, nach der Initiale eines Missales dieser Periode in der Bibliothek zu Metz.
E ein Krieger nach einer schwarzen Federzeichnung, teilweise mit Zinnober ausgemalt, auf dem ersten Blatt eines Evangelienbuches aus demselben Zeitraum, einst im Besitz des Antiquars Collin in
Frankfurt. Der Krieger trägt über der Kettenhaube einen Helm, der den römischen Helmen nachgebildet ist und der phrygischen Mütze ähnelt, sowie einen großen Schild, oben gerundet und unten
zugespitzt.
Solche Schilde bezeichnete man als „normannische“ Schilde.
Text- und Bildquelle: Jakob Heinrich Hefner-Alteneck: Waffen; ein Beitrag zur historischen Waffenkunde vom Beginn des Mittelalters bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1903.
© Carsten Rau
