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Kriegertracht des 14. Jahrhunderts

Kriegertracht des 14. Jhd.
Tafel 14.

Bildwerke nach den nur stellenweise kolorierten Federzeichnungen eines Manuskripts, die Äneide (»Eneidt«) behandelnd, in der königlichen Bibliothek zu Berlin. Wir geben aus diesen Darstellungen hier einige Proben von besonderer Wichtigkeit für die ritterliche Tracht aus den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts. Wenn die Zeichnungen auch griechische Helden darstellen sollen, so hat der Zeichner doch, wie es nicht anders zu erwarten ist, sämtliche in die Erscheinung seiner eigenen Zeit übertragen, und so erhalten wir durch diese gleichwohl mit kindlicher Befangenheit gegebenen Bildwerke ein in seltener Weise wichtiges Dokument über das Rittertum und den Waffenschmuck aus dem Übergang in das 14. Jahrhundert.

Bei allen Darstellungen dieses Werkes bestehen die Figuren nur in derben schwarzen und teilweise zinnoberroten Konturen; nur sehr wenige Stellen darin sind mit Farben ausgemalt.

Die Ritter tragen alle die den Hals ganz umgebende Schuppen- und Ringbekleidung mit der Kettenkapuze, darauf den Stechhelm, von jenen, welche wir nach der Wirklichkeit auf Tafel 15 geben, nur insofern abweichend, als er nicht auf die Schulter herabreicht, sondern am unteren Teil nach vorne einen durchlöcherten Ansatz hat, welcher das Kinn umgibt. Derartige Stechhelme erscheinen vorzüglich in dieser Periode in England und auch vielfach auf deutschen Reitersiegeln. — Bemerkenswert ist die hier schon so früh weit vorgeschrittene Ausbildung der Heraldik, indem bereits die Helmzierde durch verschiedene Attribute, Fahnen, Löwen, Utensilien, wie hier unter A sogar durch eine Truhe, gebildet erscheint. Die zwei Ritter bei A haben ein um den Helm gewundenes Tuch zum Schutze gegen Regen und Sonnenschein, welches später in die heraldische Helmdecke überging.

Bei B bildet die Helmzierde des Reiters in der Mitte drei viereckige Tafeln, welche allein im ganzen Manuskript in Gold erscheinen.

Die Bemalung der Schilde wie der verschiedenen Helmzierden hat wohl der Maler nach Belieben von Rittern gewählt, wie dieselben in seiner Umgebung vorkamen, ohne jede Bezugnahme auf die in der Äneide vorkommenden Helden. Für die Geschichte der Bewaffnung bildet das Bild unter C besonderes Interesse: Venus bestellt die Rüstung für den Äneas bei Vulkan, welcher im Begriffe ist, den Helm auf dem Amboss zu schmieden, während das Panzerkleid mit Kapuze, aus Ringen und Schuppen bestehend, zusammengekrümmt auf dem Boden liegt.

D, E, F und G zeigen einzelne Köpfe mit Helm und Helmzierde aus anderen Bildern jenes Werkes in Originalgröße.


Text- und Bildquelle: Jakob Heinrich Hefner-Alteneck: Waffen; ein Beitrag zur historischen Waffenkunde vom Beginn des Mittelalters bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1903.