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Figuren nach Statuen aus grauem Sandstein

Tafel 12.
Tafel 12.

In der St.-Moritz-Kapelle im Dom zu Konstanz befindet sich in der Mitte ein tempelartiger Bau im frühgotischen Stil, das heilige Grab darstellend. Ringsum an dessen Wänden stehen auf kleinen Säulen in halber Lebensgröße die auf das heilige Grab bezogenen Figuren, darunter diese Krieger als Wächter, genau in der ritterlichen Tracht des 13. Jahrhunderts.

Der Ritter auf Tafel 13 steht einzeln, auf seinen Schild und Helm gestützt. Letzterer, oben noch flach, ist der schon mehrfach dargestellte Stechhelm, welcher über die Brünne (Kettengeflecht) gesetzt wurde. Diese Brünne umgab den ganzen Kopf in der Weise, dass sie geöffnet und ähnlich einer Kapuze zurückgelegt werden konnte. Die Art, wie dieselbe um den Kopf geschlungen wurde, näher zu bezeichnen, geben wir unter C den Kopf einer jener beiden kleinen goldenen Ritterstatuen am Grabe der heiligen Drei Könige zu Köln an.

Auf Tafel 12 sehen wir, wie bei gleicher Tracht auch die Ritter einen Eisenhut (Beckenhaube) statt des besagten Stechhelms trugen.

Das Kettenhemd, welches unter dem Waffenrock den ganzen Körper umschließt, ist von dem Künstler mit dem Meißel so behandelt, wie wir ein Stück davon in Originalgröße unter B auf Tafel 13 zeigen. Diese Geflechte bestanden in früherer Zeit häufig nur aus Ketten, welche reihenweise nebeneinander auf eine Unterlage von Leder oder Leinwand aufgenäht waren und hier auf Tafel 13 unter D zu sehen sind.

Ein weiteres Beispiel davon zeigen wir unter E und F an einer Hand. Dieselbe, aus Sandstein, in der Größe einer wirklichen Hand, wurde vor längerer Zeit im Schutt der Ruine des Heidelberger Schlosses im sogenannten Ruprechtsbau gefunden. Diese Kettenhemden erscheinen noch neben der früheren Schuppenbekleidung sowie auch teilweise neben der späteren Art von Kettenhemden, bei welchen sämtliche Ringe ineinander griffen, sodass in einen Ring, der aus einem Stück geschmiedet war, stets vier andere Ringe eingriffen. Von letzteren bestand jeder aus einem Drahtstück, das rund gebogen und an den Enden zusammengenietet war.

Wir geben davon bei Tafel 12 unter A einen Teil dieser Art, wobei die Ringe auseinandergezogen, und unter B einen ähnlichen, bei welchem, wie gewöhnlich, die Ringe zusammengeschoben sind. Wir sehen nun an diesen und vielen anderen Ritterstatuen, wie der Bildhauer diese Kettengeflechte in Stein darzustellen suchte.

Die hier dargestellten Ritter tragen über der Kettengewandung den Waffenrock, wohl aus Leder, ähnlich einem Messgewand, vorn und hinten herabhängend und in der Mitte mit einer Öffnung für den Kopf. Von dem Vorderteil aus erstrecken sich nach beiden Seiten zwei Lappen oder Flügel, welche über den Rückenteil des Gewandes zusammengeschnallt sind, was unter A auf Tafel 13 besonders dargestellt ist.

Tafel 13.
Tafel 13.

Text- und Bildquelle: Jakob Heinrich Hefner-Alteneck: Waffen; ein Beitrag zur historischen Waffenkunde vom Beginn des Mittelalters bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 1903.

 © Carsten Rau